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Ausgetrunken: Eiswein aus Kanada

"Fragen Sie irgendjemand auf den fünf Kontinenten nach einem kanadischen Weingut. Wenn überhaupt ein Name fällt, dann der von Inniskillin."

Und so unrecht hatte Donald Ziraldo vor ein paar Jahren nicht, als er dies sagte. Ziraldo gilt im kanadischen Weinsegment als Pionier, vielleicht sogar als Visionär. Denn die Prozesse und Ideen die er in Region Ontario in den Weinbau einfließen ließ, sind die Basis für den heutigen Erfolg kanadischer Weine auf dem Weltmarkt.

Österreichisches Know-how

Der Erfolg von Inniskillin geht bis in das Gründungsjahr 1974 zurück. Die Weinindustrie in der Region Niagara bestand derzeit aus fünf Großweingütern, die mit eher geringen Qualitäten an den Markt gingen. Die Weine wurden dabei ausschließlich aus den Trauben amerikanischer Reben produziert. Durch eine Überarbeitung der Traubenauswahl für den Anbau und die in den 80er Jahren ersten durchgeführten Schritte zur Eisweinproduktion, formte sich der gute Ruf und Erfolg der Weine am Niagara - und schlussendlich der von Inniskllin.

Zusammen mit dem österreichischen Einwanderer Karl Kaiser und drei weiteren Weingütern, setzte Inniskillin 1983 die entscheidenden Impulse für die Prozesse, die das Weingut - und mit ihm die gesamte Region - in den Folgejahren bekannt machten. In diesem Jahr wurden die ersten Versuche unternommen, Trauben bis in die Frosttage an den Rebstöcken zu belassen um dann damit final Eiswein produzieren zu können.

Die ersten Eiswein-Versuche

Das erste Jahr der Winterernte war jedoch nicht komplett von Erfolg gekrönt. Die Weingüter Hillebrand und Pelee Island ernteten erfolgreich – wenn auch in kleinen Mengen - und starteten mit der ersten Produktion "Icewine". Inniskillin und der unmittelbare Nachbar, Ewald Reif, verloren ihre Ernte an die in der Region zahlreich lebenden Vögel. Dieser Misserfolg brachte Kaiser auf den Gedanken, die Trauben mit Netzen zu schützen, was letztendlich im Folgejahr die erhoffte Ernte einbrachte.

Die Netze umspannten die gesamte Rebe, so dass die während des Frosts herabfallenden Trauben aufgefangen wurden. Dies erleichterte die Ernte, da einzig die untere Seite des Netzes nunmehr aufgeschnitten werden musste, um die Trauben in die Erntekörbe fallen zu lassen. Ein Prozess, der teilweise noch heute so vollzogen wird, wenngleich der Großteil der Ernte durch Maschinen erfolgt.

National feierte Inniskillin Ende der 80er Jahre bereits Erfolge mit guten Eisweinen, die endgültige weltweite Beachtung bekam das Weingut jedoch erst 1991, als der 1989 Vidal Icewine auf der Vinexpo den Grand Prix d’Honneur gewann. Dies darf durchaus als Initialzündung für die spätere und auf Basis des 1989er Vidal vollzogene Ausrichtung des Weinguts verstanden werden. Dieser Erfolg zog zahlreiche Nachahmer mit sich, so dass heute so gut wie jedes Weingut in der Region neben den klassischen Weinen auch den teuren und somit wirtschaftlich lukrativen Eiswein produziert. Und dies hauptsächlich aus der Vidal-, Cabernet Franc- und Riesling-Traube.

Kanadischer Exportschlager

Hauptabsatzmärkte für den kanadischen Eiswein sind neben dem eigenen Markt China und Japan. 2013 importierte China 42 Prozent des kanadischen Eisweins. Dies war gleichbedeutend mit etwa 104.000 Litern Wein in einem Wert von acht Millionen Dollar. Diese enorme Beliebtheit von Eiswein in Asien ist nicht zuletzt der Grund für diverse am Markt befindliche Eiswein-Fälschungen. Viele der Weinhäuser sehen dies als schweres Problem an, da ihre Produkte durch diese Plagiate stark in Verruf geraten.

Das Geschäft mit dem Verkauf von Eiswein aus Kanada hat in den letzten Jahren schon fast skurrile Formen angenommen. Nachdem 2006 eine "halbe" Flasche 2000 Royal DeMaria Chardonnay Icewine für 30.000 Dollar an einen saudischen Prinzen verkauft wurde, legte Royal DeMaria nochmal richtig nach. Als Besitzer der letzten 14 Flaschen ist der Preis weiter gestiegen, zu erwerben ist eine der verbleibenden Eiswein-Flaschen 2000er DeMaria für nicht weniger als 250.000 Dollar. Dass solche Summen geschickte Fälscher auf den Plan rufen, verwundert wenig.

KULINARIKER-Infos:
Alljährlich findet im Januar das Niagara Icewine Festival statt. In Niagara-on-the-Lake präsentieren sich zum Festival zahlreiche Eiswein Produzenten mit ihren Produkten auf einer der Hauptstraßen des Ortes. Niagara-on-the-Lake (Ontariosee) war einst die Hauptstadt Oberkanadas, ehe der Titel an York, das heutige Toronto, überging.
Die Region Ontario ist die bedeutendste Weinregion Kanadas. Mit etwa 17.000 acres (8.900 Hektar) ist Ontario die größte der vier kanadischen Weinregionen. Neben Ontario sind British Columbia (4.000 Hektar), Quebec (800 Hektar) und Nova Scotia (225 Hektar) weitere Anbauregionen Kanadas.

Die Ernte für die Eiswein Produktion erfolgt erst, wenn die Trauben mehrere Tage mindestens minus acht Grad Außentemperatur ausgesetzt waren. Das in den Trauben enthaltene Wasser kristallisiert aus. Aus der Bindung von Zucker, nicht kristallisierten Wasser und Fruchtsäure resultiert nach den Produktionsdurchläufen der konzentrierte Eiswein.
Eiswein ist eine deutsche Erfindung aus dem Jahr 1830. Lange Zeit waren Deutschland und Österreich die einzigen Länder, die Eisweine produzierten konnten. 1983 kam Kanada hinzu, etwas später auch die USA und Neuseeland.

Weitere Infos und Hersteller:
www.inniskillin.com
www.royaldemaria.com
www.reifwinery.com
www.peleeisland.com
www.triuswines.com
www.niagarawinefestival.com/icewine-festival

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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