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Ausgetrunken: Singende Winzer, samtige Tempranillos, schöne Ribera del Duero

Ein Paso doble mit dem Mann, den Robert Parker schon vor langer Zeit als den "Macher des Pétrus Spaniens" bezeichnete - damit hätte an diesem Abend wirklich niemand gerechnet!

Alejandro Fernández ist einer der anerkanntesten Winzer Spaniens und Pionier der Ribera del Duero. Dieses Weinbaugebiet ist vor allem für seinen Tinto Fino, den Tempranillo dieser Region, bekannt. 1972 erfüllte sich Alejandro Fernández nach Jahren schwerer Landarbeit seinen Kindheitstraum und gründete mit "Tinto Pesquera" sein erstes Weingut.

Heute - über 40 Jahre und drei weitere Bodegas später - lädt er zum Dinner in den Keller seines Hotels. Eben noch hat er über seine Weine referiert. Nun erhebt sich der charmante 82-Jährige, um eine überraschte Zuhörerin spontan zum Tanz aufzufordern. Die Musik hat er ausstellen lassen.

Gehaltvolle, konzentrierte Tropfen

Er selbst sorgt für den Rhythmus, indem er aus vollem Herzen singt, dabei galant führt und alle Anwesenden im Nu bezaubert. Was ist das Credo eines erfolgreichen Mannes, der auf über 60 Schaffensjahre zurückblickt und eine derart positive, bodenständige Ausstrahlung hat? "Sich um seinen Wein kümmern und dabei glücklich sein" - eine klare Antwort. Und dies hat mit viel Erfolg funktioniert: bis heute setzt er ausschließlich auf die Tempranillo-Traube und somit auf rebsortenreine, ungeschönte Crianza- und Reserva-Weine, in Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche ausgebaut.

Es entstehen gehaltvolle, konzentrierte Tropfen, die regelmäßig Spitzenbewertungen erhalten. So wird ein tiefroter Pesquera Millenium Reserva DO 1996 kredenzt. Dieser stammt von den ältesten Reben Pequeras und beeindruckt nach 27 Monaten in französischer Eiche mit einem komplexen, dichten, aber elegantem Bouquet. Die deutlich spürbaren Fruchtaromen und edlen, seidigen Tannine dominieren am Gaumen, es folgt ein wunderbar langer Abgang. Einen derartigen Wein trinkt man nicht alle Tage.

100 Jahre alte Rebstöcke dienen als Grundlage

Rund 200 Kilometer nördlich von Madrid, auf Höhen zwischen 750 und 950 Meter gelegen, sind die Trauben zwischen Tag und Nacht oftmals extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt - der Nachtfrost kann gut und gerne bis Mai andauern. Das Klima und der karge Boden sorgen für einen geringen Ertrag der zum Teil über 100 Jahre alten Rebstöcke und dienen damit als Grundlage für gehaltvolle Weine. Neben der Hauptrebe Tinto Fino werden Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec, Garnacha und schließlich die autochthone Albillo-Traube angebaut. Erst 1982 erhielt die Ribera del Duero mit einer Rebfläche von 6000 Hektar den Status der D.O. (Denominación de Origen), was vor allen Dingen damaligen Qualitätsweingütern wie Pesquera oder Vega Sicilia zu verdanken war. Inzwischen wird auf 20.500 Hektar produziert.

Áster: Weinprobe wie im Wohnzimmer.
Áster: Weinprobe wie im Wohnzimmer.

 

Für einen Einblick in Kulinarik und Leben der Ribera lohnt ein Aufenthalt in Valladolid: Sind die Straßen um 18.00 Uhr noch ausgestorben wie in einer Geisterstadt, strömen knapp zwei Stunden später die Menschen scharenweise in die Tapas-Bars. Zu den oftmals sehr jung angebotenen Weinen gibt es Tapas, von denen man in Deutschland meist nicht die leiseste Ahnung hat.

Sei es nun der über Dampf pendelnde Pulpo, gegrillte Blutwurstrollen, oder eine kleine Extravaganz namens "Obama im Weißen Haus": hier wird eine winzige weiße Schüssel serviert. Klappt man deren Deckel hoch, erscheint ein zart angegartes Ei, dessen Gelb mit Trüffelspänen geschwärzt ist. Stolz und augenzwinkernd reicht die resolute Bardame diesen köstlichen "Obama-Gedächtnis-Tapa".

Mit Hightech und Satellitenüberwachung

Die Weingüter der Region sind recht unterschiedlich aufgestellt. So präsentiert sich das Projekt Áster, das zum bekannten Produzenten La Rioja Alta gehört, als Hightech-Weingut: Satellitenüberwachte Traubenreifung, Computergesteuerte Kontrolle und Verarbeitung – und im Garten der wunderschön im Chàteau-Stil gebauten Bodega sprudelt sogar eine Fontäne des eigens recycleten Wassers.

Seit 2001 produziert Áster seinen Crianza, Reserva und das Aushängeschild Finca el Otero aus 100 Prozent Tempranillo. KULINARIKER-Tipp für Weintouristen: Für 250 Euro lässt sich hier eine Nacht- inklusive Dinner und Wein, gegebenenfalls mit Führung- in einem der drei heimeligen Gästezimmer mit Blick auf die Weinberge buchen.

Auch Javier Zaccagnini, Eigentümer der Bodega Aalto berichtet, wie streng die Maßstäbe für seinen Top-Wein Alto PS sind. "Das Jahr 2007 war mit Nächten von bis zu 25 Grad für Ribera-Verhältnisse viel zu warm“, erklärt er.

"Dies bedeutet Stress für die Trauben, welche die kalten Nächte zur Erholung brauchen." Keine guten Voraussetzungen für den Aalto PS und so entschloss man sich, auf einen 2007er zu verzichten. Zur Verkostung wurde der Aalto PS 2011 geöffnet: ein tiefroter Tempranillo, aus bis zu 80 Jahre alten Reben gewonnen, von hoher Komplexität, kräftigen Tanninen und balancierter Säurestruktur. Zu intensiven Beeren kommen hier Röstnoten und Lakritze. Ein Wein mit vielen Auszeichnungen.

Zur Zeitreise in den Keller

Ein Kontrastprogramm zu den neueren Bodegas und mindestens ebenso interessant - auch im Sinne des Preis-Leistungs-Verhältnisses - sind die Weine der Bodega Ismael Arroyo. Die dynamische Ehefrau des Winzers führt wie in einer Zeitreise durch den Weinkeller aus dem 16. Jahrhundert.

Neben Reihen mit neuen Barriques finden sich Winkel mit Szenerien aus einer anderen Epoche: alte Tische, Stühle, Flaschen hinterlassen den Eindruck, als hätte eben noch jemand dort gesessen. Hier trifft man auf Geschichte- zur Zeit der Eroberungsfeldzüge Napoleons versteckten sich hier die Menschen aus der Umgebung mit ihrem notwendigsten Hab und Gut. Angekommen im Verkostungsraum kann man sich zwischen Bildern aus alten Zeiten sitzend von den Weinen begeistern lassen. Ist schon der Val Sotillo Reserva 2004 (100 Prozent Tempranillo) gut strukturiert, harmonisch, samtig - besticht der Gran Reserva 2004 mit noch mehr Feinheit und Potential. Während der Vorgänger noch etwas kräftiger und kantiger ist, erfreut hier eine perfekt ausbalancierte Mitte. Alles passt. Ärgerlich nur, dass im Koffer nicht mehr Platz ist für einige 2004er Flaschen (38,- Euro) oder für den jungen, frischen Reserva 2009 (16,- Euro)!

Fotos: Consejos der Ribera del Duero, Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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