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Weinmenschen: Tamra Kelly-Washington, Neuseeland

Sieh, das Gute liegt so nahe, heißt es so schön bei Goethe. Doch beim Wein darf man gerne mal in die Ferne schweifen. Sogar bis ans Ende der Welt, nach Neuseeland. Winzer von dort präsentierten in Berlin kürzlich ihre Erzeugnisse.

Tamra Kelly-Washington (36), Kellermeisterin bei der Yealands Wine Group, sprach über die Besonderheiten der Weine aus ihrer Heimat.

KULINARIKER: Es gibt hervorragende Weine aus Italien, den Staaten oder Südafrika. Warum sollte man ausgerechnet ein neuseeländisches Erzeugnis kaufen?

T. Kelly-Washington: Schon wegen des speziellen, kühlgemäßigten Klimas in weiten Teilen des Landes, das dem Wein eine besondere Note verleiht. Kein Weinberg ist weiter als 130 Kilometer vom Ozean entfernt. Yealands liegt sogar direkt an der Küste. Bei uns gibt es im Sommer viel Sonne, viel Wind, wenig Niederschlag und kühle Nächte. So können die Temperaturen zwischen 25 Grad am Tag und zehn Grad in der Nacht schwanken. Das bedeutet eine lange Reifeperiode der Trauben, die für sehr klare, intensive und ausgewogene Aromen sorgt. Etwa Passionsfrucht und Guave bei unseren Sauvignon Blancs, ergänzt durch Kräuternoten und schwarze Johannisbeeren mit einem langen mineralischen Abgang.

Wie steht es um den Boden?

Der spielt ebenfalls eine große Rolle, gerade bei Yealands. Die Seeluft reichert unsere Erde mit Salzen und Mineralien an, die man in den Aromen unserer Weißweine wiederfindet. Auf unseren nährstoffhaltigen Lehmböden gedeiht vor allem Pinot Noir, während sich unsere sandhaltigen Lössböden sehr gut für Sauvignon Blanc eignen.

Was ist das bekannteste Anbaugebiet?

Die Region Marlborough mit 79 Prozent der gesamten Weinproduktion. Dort, im Nordosten der Südinsel, befindet sich auch Yealands.

Wo sonst im Land wird noch Wein angebaut?

Fast überall. Die Regionen reichen vom 36. bis zum 47. Breitengrad, vom subtropischen Northland im Norden der Nordinsel bis zum Central Otago im eher kühlen Süden der Südinsel, dem südlichsten Anbaugebiet der Welt. Das bedeutet eine immense Vielfalt unterschiedlichster Weine auf relativ kleinem Raum.

Wie viele Weingüter gibt es insgesamt?

Rund 700 Betriebe. Sie umfassen zehn bis mehrere tausend Hektar und ernten, je nach Größe, zwischen 100 und 35.000 Tonnen Wein pro Jahr.

Welche Sorten bauen Sie bei Yealands an?

Auf unseren rund 1000 Hektar Land wachsen neun Rebsorten. In Neuseeland ist das eine Ausnahme, die meisten Güter bauen drei bis vier Sorten an. Bei uns dominiert der Weißwein, es wächst zu 70 Prozent Sauvignon Blanc, gefolgt von Pinot Gris, Pinot Noir, Riesling, Gewürztraminer, Grüner Veltliner, Viognier, Tempranillo und Kolor. Wir haben pro Hektar rund 2500 Weinstöcke.

Wie hoch ist der Ertrag?

Das hängt von der Traube ab. Beim Sauvignon Blanc sind es jährlich acht bis zehn Tonnen pro Hektar.

Sind die Weine von Yealands biologisch?

Nicht völlig. Reiner, zertifizierter Bio-Anbau ist für uns schwierig. Der kühle Standort direkt am Meer führt zu einer späten Reife und Lese, die das Risiko von Schimmel an den Trauben erhöht. Auf einer kleinen, zehn Hektar großen Fläche weiter von der Küste entfernt experimentieren wir aber mit dem Bio-Anbau.Wir arbeiten so umweltfreundlich wie möglich und verwenden daher so wenig Pestizide wie möglich. So hält statt Chemie spezielles Gras zwischen den Reben die Insekten fern. Auf ihm grasen spezielle "Babydoll"-Schafe und "Kunekune"-Schweine. Sie sorgen für natürlichen Dung. Wir wiederum können das maschinelle Mähen stark reduzieren und so den Verbrauch fossiler Treibstoffe reduzieren. Die Tiere sind zum Glück so klein, dass die die Trauben nicht erreichen können.

Yealands: unglaublich schöne
Yealands: unglaublich schöne "Lage".

 

Wie steht es sonst um die Nachhaltigkeit?

Inhaber Peter Yealands legt darauf größten Wert. Wir gehen auf unserem sehr modernen Weingut extrem sparsam mit Wasser und Strom um und nutzen Wind- sowie Solarenergie. Letztere würde für 17 durchschnittliche neuseeländische Haushalte reichen. Wir setzen sie sogar ein, um unsere Reben zu beschallen. Wir glauben, dass den Pflanzen klassische Musik von Komponisten wie Mozart oder Chopin gut tut. Unsere Tiere jedenfalls lieben sie. Die Hühner legen sogar größere Eier.

Wieviele Mitarbeiter sind bei Yealands tätig?

Regelmäßig 20, während der Erntezeit jedoch gut 60. Meist angehende Winzer aus allen möglichen Ländern, die Neuseeland kennenlernen wollen. Dann arbeiten wir 24 Stunden täglich, mit Tag- und Nachtschichten.

Was kosten die Ihre Weine?

In Deutschland zwischen 10 und 20 Euro.

Reichern sie Ihren Wein mit Säure an?

Dank des Klimas ist das nicht nötig, unser Wein hat eine wunderbare, natürliche Säure. In Südeuropa ist das völlig anders. Als ich in Sizilien arbeitete, mussten wir den Wein mit künstlicher Säure anreichern.

Welche Fässer verwenden Sie?

Der Pinot Noir etwa reift in Fässern aus französischer Eiche. Für den Sauvignon Blanc hingegen nutzen wir zu 90 Prozent Stahltanks. Für den Rest, den höherwertigen Reserve Sauvignon Blanc, verwenden wir auch französische Eichenfässer, allerdings aus einer anderen Region.

Wer trinkt Ihren Wein?

20 Prozent verbleiben in Neuseeland. Der überwiegende Teil, 60 Prozent, geht nach Europa, vor allem nach Großbritannien. Wir exportieren in 67 Länder, unter anderem nach Kanada, Brasilien, Chile oder China. Nur Frankreich macht es uns nicht gerade leicht....

Wie plant man bei Yealands die Zukunft?

Wir wollen immer besser werden. Wir experimentieren viel. Trennen etwa beim Pinot Noir die Haut der Trauben vom Saft mal früher, mal später. Lassen den Wein mal kürzer, mal länger im Fass reifen. Oder variieren die Temperatur beim Fermentieren. Da wir ein recht neues Weingut sind, müssen wir noch mehr Erfahrung sammeln, schließlich bauen wir erst seit 2008 Wein an. Vor 14 Jahren hat Peter Yealands das Land erst erworben und bepflanzt. Wir sind ein sehr modernes Weingut.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingswein?

Generell Elsässischer Riesling. Bei Yealands ein edler Reserve Sauvignon Blanc.

Fotos: Yealands Wine Group

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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