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La Provence, "Du blühendes Land"

Nein, wenngleich die Überschrift darauf hindeutet, geht nicht um Nana Mouskouri und auch nicht um ihren Schmachtfetzen von 1981. Den "Garten der Liebe" können Sie also getrost vergessen. Denn es geht um echte Leidenschaft und Hingabe, mit denen alljährlich im Herbst den Böden der Provence grandiose Rosés abgetrotzt werden.

Wenn der September Einzug in den Kalender hält, ist es im Süden Frankreichs noch warm. Temperaturen um die 28 Grad Celsius können es da tagsüber noch werden – da fällt es nicht schwer, Deutschland zu entfliehen und sich auf den Weg in die Provence zu machen. Erstes Ziel ist das Weingut Château La Gordonne, Geburtsstätte des "La Chapelle Gordonne" (Best Rosé 2013).

Optimale Bedingungen für den Weinanbau

Hier, tief im Herzen der Côtes de Provence, wachsen die Reben, die für die Rot- und Roséweine der Provence typisch sind und der Weinregion zu internationalem Renommee verholfen haben. In der Luft liegt der Duft der wilden Mentha, von Lavendelfeldern und der trockenen und kieshaltigen Erde. Das Mittelmeerklima bietet diesem Fleckchen Erde obendrein eine optimale klimatisch-warme Begleitung für einen guten und ertragreichen Weinanbau. Einzig der Mistral, ein kalter, häufig sehr starker Fallwind aus nordwestlicher Richtung, sorgt für gelegentliche Abkühlung und damit für einen natürlichen Ausgleich.

Ursprung der französischen Weinkultur

Diverse Weingüter sind hier beheimatet und verteilen sich in den Départements Var, Bouches du Rhônes, Vaucluse, Alpes de Haute Provence und Alpes Maritimes. Und das seit einer gefühlten Ewigkeit. Bereits vor 2600 Jahren wurde hier durch die Phokäer schon Weinbau betrieben. Diese frühe griechische Besiedlung der Region gilt allenthalben als eigentliche Geburtsstunde der französischen Weinkultur. In der Nähe von Pierrefeu du Var, inmitten von Weinfeldern, liegt das Château La Gordonne und glänzt mit vornehmer ländlich-französischer Nüchternheit.

Von Nizza kommend, erreicht man das Weingut nach einer etwa einstündigen Autofahrt. Das heiße Klima des Sommers hat sich mit den milden Temperaturen des Herbstes ausgetauscht, angenehme 25 Grad Celsius sind es jetzt im September. Die Sonne hat noch Kraft, ohne jedoch unangenehm zu sein. Im Jahresschnitt gibt es in der Provence mehr als acht Sonnenstunden täglich. Das bedeutet auf das Jahr gerechnet gut und gerne 3000 Sonnenstunden. Mehr als optimal für ein üppiges Wachstum und die ertragreiche Ernte von Wein. Mit über 21.000 Hektar Rebfläche ist die Côtes de Provence das Hauptanbaugebiet der Region.

Der Gebirgszug Massif des Maures (Schwarzes Gebirge) durchzieht diesen Teil der Provence. Das geologische Fels-Erbe ist ein ehemaliger Teil der Apulischen Platte aus der ersten Phase der alpinen Gebirgsbildung, datiert bis in die Zeit des Trias und der Oberkreide. So verwundert es nicht, dass die Böden zu großen Teilen mit Schiefergestein und Ton-Kalkstein übersät sind. Optimal für die Reben, speichert doch eben dieser Schiefer die Tageswärme in sich und gibt gleichbleibend in der Nacht eben diese Wärme an den umliegenden Boden wieder ab.

Handverlesen: Der Vollernter bleibt in der Garage

Für Bruno Maillard, Kellermeister von La Gordonne, ist dies einer der Hauptgründe, warum in der Region so erfolgreich Wein produziert wird. "Die gleichbleibenden Temperaturen, die der Pflanze durch die Abgabe der Wärme auch in der kühleren Nachtzeit zukommt, sorgt für ein stabiles Gleichgewicht im Wurzelbereich. Hinzu kommt, dass ein günstiges Mikroklima in der Region ein kontinuierliches Wachstum der Trauben garantiert", erklärt Maillard. Demonstrativ greift der Kellermeister nach einem Schieferstein, hält ihn zwischen beide Hände.

Wärmespeicher...
Wärmespeicher...

 

"Diese Steine speichern die Wärme, je nach Außentemperatur, mehrere Stunden", so Maillard weiter. Doch nicht nur die fruchtbaren Böden sind Garant für die final hochwertigen Rosés dieser Region. "Ganz wichtig ist die Pflege, und, natürlich, der schonende Vorgang der Ernte", berichtet Maillard, während er durch die Weinreben geht. "Für den schonenden Umgang mit den Pflanzen, viele von denen sind älter als 60 Jahre, da ist es unabdingbar die Trauben per Hand zu ernten. Den Vollernter kann man bestenfalls für jüngere Pflanzen einsetzen, das Terrain spielt dabei aber natürlich auch eine Rolle", so der Kellermeister weiter.

Eine weitere Besonderheit ist die Nachternte, die vor allem aus Gründen der Schonung der Trauben betrieben wird. Da tagsüber oftmals die Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius liegen, kann es – gerade im Falle der Handernte – zu einem Vorgärungsprozess der Trauben kommen. Dieses würde zweifelsohne die Geschmacksbalance beeinflussen. Hinzu dürfte kommen, dass durch die niedrigeren Temperaturen in der Nacht die Trauben nicht in Kühlwagen transportiert werden müssen, wodurch Energiekosten reduziert werden können. Klassischerweise werden die Trauben für den Rosé etwas eher geerntet als die Trauben für den Rotwein.

Nachtlese mit Stirnlampe

Diese werden dann schnell und kühl am Morgen verarbeitet. Übrigens: Die Nachternte ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits das vorrömische Volk soll seinen Wein bei Nacht geerntet haben, um das Aroma der Trauben besser erhalten zu können. Eine respektable Leistung und Innovation zu Zeiten der Hirtenvölker! Dass die Handlese bei Nacht alles andere als einfach ist, zeigt uns Bruno Maillard einige Stunden später. Durch einen Weinberg zieht eine Kolonne Erntehelfer, die alle mit Stirnlampen ausgerüstet sich gebückt durch den Weinberg arbeiten.

Die Temperaturen sind – immerhin befinden wir uns einige hundert Meter über dem Meeresspiegel – auf angenehme 18 Grad Celsius gesunken. Langsam bewegen sich die Frauen und Männer zwischen den Rebstöcken, alle paar Minuten bringt ein Arbeiter einen mit Trauben gefüllten Eimer zum Traktor. Gegen 22 Uhr beginnt die Arbeit der Nachternte, die bis in die frühen Morgenstunden und das Erleuchten der ersten Sonnenstrahlen dauern kann. Aber die beschwerliche Arbeit lohnt, bildet sie doch die Grundlage für vorzügliche Roséweine.. Und von denen kann das La Gordonne einige vorweisen: Den La Chapelle Gordonne (Wine Spectator 90/100 2010, 89/100 2011) zum Beispiel, der exemplarisch steht für die Rosékultur in der Provence.

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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