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Weinwelten: Sweetheart aus Portugal

Der süße Wein aus dem nordportugiesischen Douro-Tal rund um die Stadt Porto gilt als einer der bekanntesten Weine der Welt und steht fast synonym für edle Süßweine. Nur Trauben aus dieser Region dürfen zu Portwein verarbeitet werden. Diese Vorschrift stammt aus dem Jahre 1756, als der Marqués de Pombal die Real Compañía de los Vinos del Alto Duero (Gesellschaft zur Garantie von Qualitätskriterien) gründete.

Ende des 17. Jahrhunderts suchten die Engländer nach Alternativen zum hochgeschätzten französischen Rotwein. In Portugal, in der Gegend des oberen Douro, wurden sie fündig. Der erste Portwein war allerdings ein komplett durchgegorener, starker und trockener Wein, der in England nicht gerade auf Zustimmung stieß.

Alkohol stoppt die Gärung

Er wurde mit Brandy verstärkt, um ihn für den Transport haltbar zu machen. Erst im 18. Jahrhundert kam man auf die Idee, den Gärprozess mit der Zugabe von Brandy vorzeitig zu beenden, solange der Wein noch süß und fruchtig ist. Dadurch entstand der heute bekannte Portwein, der auch die einst kritischen Engländer überzeugte. Über 80 Rebsorten sind heute in der Region Douro zu finden. Rund die Hälfte davon ist für die Herstellung von Portwein zugelassen. Die Weinstöcke für zum Beispiel Osborne liegen an steilen Berghängen, da hier Klima und Boden beste Voraussetzungen bieten. Die wichtigsten Rebsorten zur Herstellung des roten Portweins sind Tinta Barroca, Touriga Franca, Touriga Nacional, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinta Cao. Beim weißen Portwein werden hauptsächlich die Rebsorten Malvasi Fina, Codega und Rabigato eingesetzt. Die Reben kommen aus den drei Gebieten Baixo Corgo, Cima-Corgo und Douro Superior: Das Baixo Corgo um die Stadt Régua im westlichen Teil des Douro-Tals umfasst knapp 28 Prozent des DOC Gebiets.

Je früher, desto süßer

Hier, in der Nähe des Atlantiks, sind die Niederschlagsmengen höher als landeinwärts und die Temperaturen niedriger. Die Weinberge sind weniger steil und die Erdschicht auf dem Schiefer ist tiefer und fruchtbarer. Von hier stammen die leichteren Ruby- und Tawnyqualitäten. Im Cima Corgo rund um die Stadt Pinhao ist das Klima heißer und trockener, die Hänge sind steil und felsig – optimale Bedingungen für den Portwein. Douro Superior reicht von S. Joao da Pesqueira bis an die spanische Grenze. Der größte Teil des Weins wird heute maschinell gekeltert. Während des anschließenden Gärprozesses bleibt die Temperatur die ganze Zeit über konstant bei 25 bis 28°C, um die Aromen bestmöglich zu erhalten. Die Gärung dauert so lange, bis der Winzer sie durch die Zugabe von Alkohol stoppt. Der Zeitpunkt der Alkoholzugabe hängt von dem erwünschten Charakter des Weins ab. Einfache Regel: Je früher der Alkohol beigefügt wird, desto süßer wird der Portwein, je später, desto trockener.

Finales Blending

In großen Tanks ruht der Wein und bleibt bis zum Frühjahr im Anbaugebiet. Wenn der gewünschte Zuckergrad erreicht ist, wird der Wein in Fässer abgefüllt, die zu einem Viertel mit Brandy gefüllt sind, um die Gärung zu stoppen. Dies ist der Augenblick, in dem der Wein zum Portwein wird. Je weiter der Wein vergoren ist, desto weniger Weinbrand wird hinzugefügt. Durch das anschließende Blending der Weine wird bei den großen Portweinhäusern ein stets gleich bleibendes Endprodukt gewährleistet. Anschließend reift der Portwein bis zur Vollendung in Holzfässern. Die Reifedauer ist abhängig von der gewünschten Qualität und dem Portweintyp.

Foto: Anne-Lotte O´Dwyer

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Zuletzt bearbeitet am 26/12/2020

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Autor

Kulinariker