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Im Reich des Schwarzen Georg!

Zentral- und Südwest-Serbien gelten als Wiege der serbischen Nation. Hier entwickelte sich ab 1804 der erste serbische Aufstand um Nationalheld Karađorđe, dem "schwarzen Georg".

Zwar verlor Karađorđe Đorđe Petrović (1768 – 1817) wie viele seiner Mitstreiter dabei sein Leben. Doch lebte er als Begründer der späteren serbisch-jugoslawischen Königsdynastie Karađorđević weiter. In seiner Heimat, Topola in der zentralserbischen Šumadija, hat man ihm mit dem Oplenac Mausoleum, das auch als er St.-Georg-Kirche bekannt ist, ein gewaltiges Monument errichtet. Und natürlich hält auch das Museum von Topola die Erinnerung an den Volkshelden "Schwarzer Georg" wach.

Von Fresken und einem Drachentöter

Wenn Topola den Gründungsmythos zur serbischen Geschichte beherbergt, weil es 1804 bis 1813 Hauptstadt der ersten serbischen Aufstandes war, so bildet das hoch über der Stadt errichtete Oplenac-Mausoleum sein Herz. Hier, in der vor allem auch als Sankt-Georg-Kirche bekannten Kultstätte, erhielt Karađorđe, der "schwarze Georg" seine letzte Ruhestätte.

Man findet sie in einem weißen Marmorschrein in der südlichen, über und über mit Fresken und Mosaiken prächtig gestalteten Apsis. In der nördlichen ist König Peter I. begraben. Mit den beiden wurden gleich 27 weitere Mitglieder der Dynastie Karađorđević in der Krypta zu Grabe getragen – zuletzt 2013 die sterblichen Überreste des letzten Königs von Jugoslawien, Peter II., hierher überführt. Wie keine andere Familie haben die Karađorđević Serbiens Schicksal in den letzten zwei Jahrhunderten mitbestimmt. Und kein Geringerer als Napoleon würdigte auch die ehrausragenden militärischen Verdienste des schwarzen Georgs, der dennoch tragisch endete.

Im Innern der Kirche: Prachtvoll gestaltet.
Im Innern der Kirche: Prachtvoll gestaltet.

 

Peter I. von Serbien ließ diesen Bau 1910 errichten, in der nun sechs Generationen Karađorđević begraben sind – darunter sechs Könige. Einst hatte hier der schwarze Georg gewohnt, Weinberge und Obstgärten betreiben und gleichzeitig die massive Verteidigung der unterhalb liegenden Stadt Topola organisiert. Opelnac bezieht sich wahrscheinlich auf die "hölzernen Teile eines Ochsenkarrens" – auch hier ist die ländliche Verbundenheit stark zu spüren. Schon das Eingangsportal des 27 Meter hohen, schneeweißen Tempels ziert ein Kunstwerk: das Mosaik des Drachen tötenden Hl. Georg, eine Arbeit, die in Venedig hergestellt wurde.

Der polierte Marmorfußboden der Kirche stammt aus München, der gewaltige Deckenleuchter in Form einer Krone, neun Meter im Durchmesser, ist aus massiver Bronze und wiegt 1500 Kilogramm! Einmalig sind die Mosaiken. Dabei handelt es sich um Kopien aus 60 mittelalterlichen serbischen Kirchen und Klöstern. Insgesamt finden sich in der Kultstäte 725 bemalte Mosaiken: 513 davon im Tempel, 212 in der Krypta. Wer alle Figuren zählen möchte, kommt leicht auf 1500, wer alle Farben zählt, wohl auf 15.000. Besonders beeindruckt in der südlichen Apsis die Galerie der serbischen Herrscher, die mit Stefan Nemanja, Großfürst von 1168 bis 1196, beginnt. Über allem thront in der Hauptkuppel der Christus Pantokrator.

Unbedingt danach zu besichtigen ist das Haus König Peters I. Der Regent wurde für seinen schlichten Lebensstil gerühmt und empfing gern auf der von Weinranken geschützten Terrasse. Im Haus zeigt heute das Museum Portraits der Königsfamilie, dazu aber auch das Original-Telegramm mit der in Französisch abgefassten offiziellen Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien im Jahr 1914. Absender war das Außenministerium in Wien.

Im Ort Topola wird schließlich Karađorđe selbst mit einem Denkmal und einem Museum gewürdigt, das nochmals die Ereignisse des ersten serbischen Aufstandes Revue passieren lässt. Gut, dass man hier nun auch Wein aus den Weinbergen des Königlichen Winzergutes von Topola erwerben kann.

Stopover im Weinkeller "Vrbica"

Vor die Verkostung lädt Tihomir Timotijevic zur individuellen Weinlese! Denn der erfolgreiche Bauingenieur möchte seinen Gutsgästen ein unverwechselbares Erlebnis ermöglichen, bevor es zur eigentlichen Sache geht. Und so streben Besucher des Weingutes, das sich in perfekter Weinlage, 320 Meter über dem Meeresspiegel, an den Bilderbuchhängen von Aranđelovac ausbreitet, erst einmal in den Weinberg, der dem Gutsrestaurant TARPOŠ am nächsten ist.

Trauben am Weinstock vor der Lese.
Trauben am Weinstock vor der Lese.

 

In unserem Fall sind die bereitgestellten Weidenkörbchen flugs gefüllt. Jetzt, Anfang Oktober, reifen zwar nur noch Cabernet-Sauvignon-Trauben, alle anderen Sorten sind längst abgeerntet. Doch so kurz vor der Lese, Herr Timotijevic kündigt einen Termin um den 18. Oktober an, hängen viele pralle Trauben an den Weinstöcken – und verführen natürlich gleich beim Einsammeln zum Naschen. Anschließend dekorieren die tiefdunkel leuchtenden Trauben die Tafel auf der Veranda des Gutsrestaurants, von der aus allein schon der Blick auf das gewachsene Kulturland ringsum ein Genuss ist.

Der stellt sich umgehend auch bei der Präsentation der TARPOŠ-Vorspeisen ein: gegrillte, mit Käse gefüllte Pflaumen im Speckmantel, in gebratenem Paprika und Schinken gerollter Ziegenkäse, dann sahnig-buttriger Kajmak aus der Region Sumadija mit Ziegenkäse mit Rosmarin in Olivenöl. Natürlich dürfen auch teils in Birnen gerollter Räucher- und auch Rinderschinken ebenso nicht fehlen wie eingelegte Weintrauben. Eigentlich könnte man an dieser Stelle bereits das Menü mit einem flugs servierten Rakija abschließen – so opulent kommt es daher.

Noch dazu mundet auch der wohltemperierte hauseigene "Lipar" (Sauvignon Blanc 2013; 12,5 %) ausgezeichnet. Tihomir Timotijevic ist auch ein wenig stolz auf seine jüngsten Weinbauerfolge, die er durch den Ankauf von 40 einzelnen, bis dato in Familienbesitz befindlichen Kleinweinbergen ermöglichte. Und so befinden sich in den noch im Ausbau befindlichen Lager- und Produktionsräumen 400 Meter oberhalb des Haupthauses weitere önologische Köstlichkeiten: der kräftige, bei 16 – 17° C sein Bukett entfaltende "Tarpoš" (im Barrique-Fass gereifter Merlot), der bei 18° C ideale "Orašac" (Cabernet Sauvignon aus dem Barrique-Fass), die bei 9 – 11° C zu servierenden zwei Weißen "Venčac" (Rheinriesling) und "Lipar" (Sauvignon Blanc, der im Lager auf 13,2 % Alkohol reift!), oder der bei 12° C perfekte "Menuet" (Chardonnay und Chardonnay im Barrique-Fass): Tihomir Timotijevic ist durchaus stolz auf seine Leistungen, gibt aber auch gerne zu, dass er ständig neu dazu lernt. Derzeit keltert er 35.000 Liter pro Jahr, die vorhandenen Kapazitäten lassen 60.000 Liter zu. Angestrebtes Ziel sind aber 100.000 Liter!

Später einmal soll dort oben am Hang auch sein neues Weinverkostungszentrum eröffnen. Samt kleinem Hotel mit 42 Zimmern. Vorerst hält er im Gutshaus vier Zimmer für Gäste bereit. Und natürlich ist es auch sein Herzenswunsch, das die von ihm neubegründete Weinbautradition von seinen Kindern fortgeführt werden wird.

Beide seien promovierte Psychologen, so Herr Timotijevic. Doch es bestehe Hoffnung, dass seine Tochter sich vermehrt für Wein interessiere. Schon jetzt sei sie regelmäßig in Gutshaus und Restaurant aktiv. Dort werden nun zum frischen Rosé TARPOŠ mit Ziegenkäse gefüllte Putenfilets an Steinpilz- und Champignon-Sauce und mit Gorgonzola gefüllter Feige und Walnüssen serviert. Es folgt – Serbien verlangt das zweite Fleischgericht – ein gefülltes Schweinefilet mit Pflaumen-/Mandelsauce. Schließlich: Wem dies alles noch nicht reicht, der darf zum "Weinbergkuchen" greifen: getrocknete Pflaumen, Walnüsse, Rosinen und Preiselbeeren, dazu Pita – eine Delikatesse.

Essen nach der Weinprobe.
Essen nach der Weinprobe.

 

Seit sechs Jahren betreibt Herr Timotijevic das Weinrestaurant, und natürlich lädt er auch zur Verkostung des neuen Jahrgangs. Aber er sieht sich auch als Pionier. Denn zwar gab es in diesem lieblichen Tal Ende des 19. Jahrhunderts 200 Hektar Weinanbau, doch heute sind es nach wie vor kaum mehr als 10 %. Der tiefe Einschnitt erfolgte nach dem 2. Weltkrieg. Und so ist "Vrbica", immerhin nun schon 27 Hektar groß, samt dem beinahe unschlagbaren Restaurant TARPOŠ tatsächlich eine äußerst innovative wie tatkräftige Neuleistung, in die Tihomir Timotijevic zusätzlich zu den Subventionen für neue Weinberge bisher 1,6 Millionen. Euro investierte. Welch ein Wunder zudem, dass das Prachtmenüs inklusive Weinen kaum mehr als ca. 20 Euro kostet.

Information zu Serbien und Zentral-Serbien

Vor der Reise:
National Tourismusorganisation Serbien, Čika-Ljubina 8, 11000 Belgrad, Republik Serbien, Tel. +381 11 655 71 27, Tel. +381 11 209 78 28 (Nikola Tesla Airport Belgrad), www.serbien.travel

Vor Ort:
Tourismusorganisation Čačak, Gradsko šetalište bb, 32 000 Čačak, Tel. +381 32 34 23 60, www.turizamcacak.org.rs

Regional Development Agency (RDA) Zlatibor, Petra Ćelovića bb, 31000 Užice, Bezirk Zlatibor, Tel. +381 31 52 30 65, www.rrazlatibor.co.rs/english/

Übernachten/Restaurant:
Hotel »Mona«/Restaurant »Perun«, Miladina Pecinara 26, 31315 Zlatibor, Tel. +381 31 84 10 21, www.monazlatibor.com/english/, www.perunzlatibor.com; 120 DZ und Suiten; DZ mit Frühstück 10 000 Dinar/80 € (125 RSD/Serbische Dinar = 1 €), Suite 20 000 Dinar/160 €; mit Restaurant »Perun« (tgl. 11.00 – 23.00 Uhr geöffnet; Reservierung: Tel. + 381 31 84 10 21), Pensionsrestaurant »Vila« (tgl. 7.30 – 10.30, 18.00 – 21.00 Uhr), Lada Bar (tgl. 7.30 – 22.30 Uhr) sowie Kinderparadies »Playroom Monica« mit Bar (Mo – Sa 12.00 – 21.30, S0 10.00 – 18.00 Uhr); mit Spa »Mona« und vielen Freizeit-, Sport- und Activity-Angeboten

Weine/Restaurant:
Vinarija Vrbica/Restaurant TARPOŠ, c/o Tihomir Timotijevic, Vrbica bb, 34300 Aranđelovac, Tel. +381 34 72 58 05, www.vinarijavrbica.rs; Restaurant tgl. 11.00 – 24.00 Uhr; auch Weinkellerbesichtigung und Übernachtung (4 Zimmer)

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 10/12/2016

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