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Whisky: Hochprozentige Versuchungen als Investment

In der einen Hand die Selbstgedrehte, in der anderen ein Gläschen Gerstenbrand. "Man muss dem Leben immer um mindestens einem Whisky voraus sein" lautete nicht ganz grundlos eine der Maximen von Hollywood-Ikone Humphrey Bogart. Einer seiner Epigonen, Johnny Depp, will gar in einem Whisky-Fass bestattet werden.

Kein Wunder, dass Iren und Schotten seit jeher darum streiten, wer den ersten Whisky gebrannt hat. Der Zwist ist unerbittlich – und wird wohl nie geschlichtet werden. Der irischen Legende nach brachte St. Patrick, der Schutzpatron der Insel, die Technik des Destillierens im fünften Jahrhundert aus dem Mittelmeerraum mit nach Irland. Schottische Genießer kontern mit breiter Brust, dass St. Patrick im schottischen Dumbarton geboren wurde.

Der Name des begehrten Hochprozenters leitet sich aus dem schottisch-gälischen Uisge Beatha (gesprochen etwa: uschkeba) ab und heißt wörtlich übersetzt Lebenswasser. Die Herstellung gleicht einer Kunst: Jede Brennerei verwendet ihr eigenes Wasser, meist aus einer nahen Quelle. Ein Single Malt Whisky darf nur aus gemälzter Gerste ("Malt") in einer einzigen Destillerie hergestellt worden sein. Stammen die Brände aus verschiedenen Brennereien, heißt das Ergebnis "Blended Malt" oder "Vatted Malt". Bourbon wiederum steht für Whisky, der überwiegend aus Mais hergestellt wurde.

Die Lagerung erfolgt in unterschiedlich großen Fässern. Meistens landet der bernsteinfarbene Getreidebrand in einem schmucken schottischen Hogshead, das 250 Liter fasst. Kenner behaupten, dass die jahrelange Reifung im Eichenfass kann für 60 bis 80 Prozent des Geschmacks verantwortlich sein kann. Als ideal gilt Eichenholz aus 70 bis 200 Jahre alten Stämmen. Wichtig für das sensorische Erlebnis sind zudem die frühere Nutzung des Fasses, der Standort des Lagerhauses, das Mikroklima und die Dauer der Reife.

Whisky ist mehr als nur ein nobles Getränk. Er kann eine bessere Wette als Aktien sein - gerade in unsicheren Börsenphasen wie zurzeit. Eine Richtschnur bietet der World-Whisky-Index. Die Online-Plattform überwacht aktuell 47.439 Flaschen mit einem Gesamtwert von 5,64 Millionen Euro und ermöglicht so eine monetäre Standortbestimmung. Die Ende 2007 eingeführte Internetseite führt Käufer und Verkäufer zusammen. Whisky-Fans können sich ein eigenes Portfolio einrichten und mit den Flaschen handeln. Für die teuerste Flasche, einen Springbank Single Malt von 1919, werden aktuell 55.000 Euro aufgerufen. Deutlich mehr hat ein Chinese im vergangenen September im Duty-Free-Laden des Changi-Flughafens in Singapur auf den Tisch gelegt: Satte 145.000 Euro ließ sich wohl der bestallte Herr einen Tropfen kosten, von dem es laut Flughafensprecher weltweit nur zwölf Flaschen gab.

Whisky als Wertanlage

Michel Kappen, Gründer des World-Whisky-Index, sieht die stetig steigende Nachfrage bei gleichzeitig schwindendem Bestand als beste Voraussetzung für langfristig steigende Preise. Die jährliche Rendite veranschlagt der Ex-Banker auf zwölf Prozent. So erstaunt es kaum, dass immer mehr renditeorientierte Connaisseure dem besonderen Reiz einer Whisky-Sammlung verfallen und auf Preissteigerungen wie diese hoffen: Ein 1995 abgefüllter Brora wurde drei Jahre später für umgerechnet 100 Euro verkauft. 2006 hatte sich der Getreidebrand im Wert verdoppelt. Heute wechselt die Dreiviertelliterflasche nicht unter 500 Euro ihren Besitzer.

Whisky-Auktionen, auf denen sich das ein oder andere Schnäppchen machen lässt, gibt es in größerem Umfang schon seit den 1980er-Jahren. Kenner der Szene zählen Bonhams.com, Mctears.co.uk und Whiskyauction.com zu den seriösen Häusern. Ohne die nötige Fachkenntnis sollte aber kein Whisky-Fan dem Sammelfieber frönen – zumal sich immer mehr Fälscher auf dem lukrativen Markt tummeln.

Manche Auktionshäuser berichten über Rücksendequoten von zehn bis zwanzig Prozent. Kennern zufolge hat zwischenzeitlich gar die italienische Mafia mit Fälschungen auf dem immer schneller wachsenden Markt Fuß gefasst. Selbst Händler sind nicht vor Betrug geschützt. Beliebt bei Gaunern sind neben gefälschten Siegeln und Etiketten vor allem Originalflaschen mit gefaktem Inhalt. "Sammler sollten niemals teure Flaschen von unbekannten Händlern kaufen", mahnt daher "The Whisky Chamber"-Gründer Thomas Ide, der hierzulande zu den profundesten Marktkennern zählt und sich als Botschafter für unverfälschten und traditionellen Genuss versteht. Zudem sollte man sich vor einem schnellen Zuschlag im Internet detaillierte Bilder von Flaschen und Etiketten zeigen lassen und genau mit den Originalen vergleichen.

"Sammler sollten vor allem nach Flaschen Ausschau halten, die in begrenzter Anzahl erhältlich sind", rät Whisky-Aficionado Thomas Ide. Viel versprechend sind Whiskys aus Destillerien, die bereits geschlossen wurden, etwa Rosebank. Potenzial birgt Ide zufolge auch Pittyvaich. Seit 1993 ruht der Betrieb in der erst 1975 eröffneten Brennerei, 2005 wurde die Destillerie abgebaut. Pittyvaich liegt im Whiskystädtchen Dufftown in der Speyside, die auch als "Malt Whisky Capital of the World" bezeichnet wird. Zugreifen sollte auch, wer an Edelbrände der Banff Distillery kommt, die 1983 abgerissen wurde.

Keine unüberlegten Schnellschüsse beim Kauf

Sogar das britische Unterhaus ließ sich von Banff beliefern. "Obwohl es nie offizielle Abfüllungen gab, kamen doch einige unabhängige Abfüllungen als Single Malt auf den Markt", weiß Thomas Ide, der Banff-Brände für unterbewertet hält. Bereits 1975 wurde die Destille Ladyburn geschlossen. Entsprechend entwickeln sich auch hier die Preise. Ide findet die Originalabfüllungen aber "immer noch sehr bezahlbar". Und den anfangs nach Eiche und Vanillenoten schmeckenden Imperial Whisky gibt es heute gar zu Preisen wie vor zehn Jahren. Die Destillerie ging 2005 an den französischen Spirituosen- und Weinmulti Pernod Ricard.

Grundsätzlich sollten die Flaschen möglichst in ihrer Originalverpackung, am besten in unbeschädigtem Zustand sein. Das i-Tüpfelchen sind ältere Fässer mit lange gelagertem Whisky in einer besonders ausgefallenen Aufmachung. Auf der anderen Seite stehen Whiskys, die in der ganzen Welt Kultstatus genießen, aber bereits überteuert sind. "Ardbeg ist schon durch die Decke gegangen", warnt Szenekenner Thomas Ide vor unüberlegten Schnellschüssen.

Doch selbst wenn der Einkauf einmal zu teuer sein sollte, müssen sich Getreidebrand-Gourmets nicht grämen: Bevor man mit Verlust verkauft, kann man das feine Lebenswasser auch selbst genießen – und sogar sehr alt damit werden: "Zigaretten, Whisky und wilde, wilde Frauen," zählten zu den Ingredienzen des Briten Henry Allingham, der 2009 im biblischen Alter von 113 Jahren das letzte Glas aus der Hand gab.

Weitere Informationen finden Sie unter www.worldwhiskyindex.com und www.whisky-chamber.com.

Foto: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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