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Chianti Classico & "Chicchiricchi" - Neues vom schwarzen wie vom "grünen" Hahn…

2016 feiert die "terra del Chianti", exakter das engumgrenzte Weinbaujuwel des Chianti Classico, seinen 300. Geburtstag. Aber auch sein berühmtes Symbol, der auf jeder Etikette zu findende Gallo Nero, der schwarze Hahn, feiert Geburtstag.

Er wird heuer 710 Jahre alt. Und hat mit neuen Jahrgängen, erlesenen Bioweinen und Edeltropfen, die sogar direkt in die Historie der italienischen Filmindustrie führen, Spektakuläres zu bieten. Und die Zeichen für die Zukunft stehen gut: Denn der 2015er Chianti Classico gilt bereits heute als kommender Super- wenn nicht Jahrhundertjahrgang. Vor Ort war Jürgen Sorges.  
 
Happy Birthday, schwarzer Hahn!

Gut, dass 2016 nicht nur der Chianti Classico Geburtstag hat. Denn auch der "Schwarzer Hahn" feiert, wenn auch nicht so großformatig "rund": 710 Lenze trägt der edle Gockel nun stolz unterm Kamm spazieren – und hat trotz erheblichem gesellschaftlichen und sozialem Wandel auf seinem Hühnerhof südlich Florenz noch nicht eine weiße Feder im prächtigen Hahnenkostüm zu beklagen! Dies ist umso bemerkenswerter, als es einige Male in seiner Lebensgeschichte doch auch recht ruppig zuging. Denn als 1306 die Lega del Chianti auf Betreiben des aufstrebenden Florenz gegründet wurde, war sie erst einmal nichts als ein militärisches Verteidigungsbündnis vor den Toren der Arnostadt. Damals ritt und kämpfte man unter der Flagge jenes schwarzen Hahns auf goldenem Grund, der dann rasch – und auch mangels militärischer Feinde – zusätzlich zum Symbol des landwirtschaftlichen Fortschritts aufsteigen sollte.

Auch im Weinbau wurde sein Kikeriki, damals natürlich nur toskanisch respektive heute hochitalienisch als "Chicchiricchi" zu vernehmen, unüberhörbar. Schon 1444 verkündeten die Ortsgewaltigen von Radda in Chianti, dass die Weinernte nicht vor dem Michaelistag, ergo dem 29. September, stattzufinden habe. Gezeichnet: Gallo Nero, schwarzer Hahn!

Grund für die Einmischung in den Weinbau war damals, "jenen guten Wein zu erhalten, der sich gut verkaufen lässt", wie das Dokument wohl auch festhielt. Dies alles ging bis 1774 gut, als der Großherzog der Toskana, Pietro Leopoldo, die Lega del Chianti kurzerhand – weil überflüssig – auflöste. Der schwarze Hahn wurde kurzerhand auf Eis gelegt, um dann 1970 mit umso größerem Getöse wieder zum Leben erweckt zu werden. Spätestens 1985/86 war der gute Gallo Nero gänzlich wieder aufgetaut. Heute ist die Lega del Chianti eine veritable Organisation mit einem Capitano Generale (zuletzt Baron Giovanni Ricasoli-Fridolfi), dem Legaten und Damen zur Seite stehen. Selbst die Jugend darf mitmischen, als Page ("paggio") oder auch Edelfräulein ("damigella").

Geburtstagskind: Der
Geburtstagskind: Der "schwarze Hahn"

 

Doch nicht nur die Jugend setzt heute längst auf Bioprodukte. Und da könnte es passieren, dass dem schwarzen Hahn schon in naher Zukunft ein farbenfrohes Pendant zur Seite steht:
 
Der "grüne" Hahn: Vom Siegeszug des Bio-Chianti Classico

Nicht nur voll im Trend, sondern mittlerweile auch in höchsten Qualitätssphären rangieren die 2016 vorgestellten Weine aus Bio-Anbau. Unter die Top 5, wenn nicht Top 3 der Chianti Classico-Kollektion 2016 zu zählen sind die Weine des Castello di Volpaia! "Alles bio", heißt es im herrlichen Weingut in Radda in Chianti, das mit dem Chianti Classicio DOCG Volpaia 2014 einen sehr runden, guten neuen Spitzentropfen vorlegt, der auch mit seiner rassig roten Farbe besticht (90 % Sangiovese, 10 % Merlot). Immerhin 120.000 Flaschen wurden abgefüllt. Nur ein Zehntel davon, 12.000 Falschen gibt es hingegen vom großartigen Chianti Classico DOCG Riserva Coltassala 2012. Frisch, fruchtig, aromatisch, ein sehr, sehr guter ausgereifter Volpaia-Biowein der Extraklasse! Der hat allerdings mit einem angedachten VK von 36 Euro (Online-Angebot des Hauses) auch seinen Preis!

Ebenso phantastisch sind die Klosterwinzer der Badia a Coltibuono! Welche Pracht Bioweine mittlerweile entfalten, beweist der Chianti Classico DOCG Riserva Badia a Coltibuona 2011: 90 % Sangiovese, 4 % Canaiolo, 3 % Ciliegiolo und 3 % Colorino haben die Weinmeister der legendären Abtei (und nun Ökoklosters) in 30.000 Flaschen abgefüllt. Dies alles und leider auch Bio haben hier aber ebenfalls ihren Preis. Im Weinladen des Flughafens Firenze-Peretola kostet so ein an Frucht- und Kräuteraromen reiches Fläschchen gut und gerne 25 Euro – oder mehr. Dennoch, ein wirklicher Tipp! Auch der Chianti Classico DOCG Badia a Coltibuono 2014 in gleicher Zusammensetzung wird viele Liebhaber finden (160.000 Flaschen).

Die Geschichte des folgenden, voll auf Biowein umgestellten Betriebs Dievole startete schon 1090: Zwei Weinbauern pachteten gemeinsam einen 1 ha großen Weinberg und legten dafür zwei Hühner, drei Laib Brot und sechs Silbertaler aus Lucca auf den Tisch des Landherrn. Der Name des Weingutes war ihnen offenbar Programm: Dievole steht für "Dio vuole", "Gott will es" - und so geschah es auch! Diese Parole machte dann wenig später Weltkarriere: Papst Urban II. verführte am 27. November 1095, auf der Synode von Clermont, mit seinem rhetorisch perfekten "Deus lo vult" gleich mal Tausende zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land. Aber auf Gut Dievole wird man im Kreuzzugsjahr 1096 sicher brav zu Hause geblieben sein. 1020 Jahre später verwendet der junge Diplom-Agronom Lorenzo Bernini, nur in etwa namensgleich mit Roms berühmten Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini (1598 – 1680), maximal 30 mg Sulfit pro Liter, um hervorragende Weine herzustellen. Marketingchefin Elena Oprea gibt ihm da Recht, weil längst auch Kunden aus Deutschland und den USA das Gut schätzen. So ist Berninis Chianti Classico DOCG Dievole 2014 zwar kein barockes Kunstwerk, dafür aber ein sehr leckerer, süffiger und für den schwierigen Jahrgang außerordentlich guter Bio-Rotwein. Satte 400 ha Land werden bewirtschaftet, 80 ha sind für Wein reserviert. Für die Fermentierung nutzt Lorenzo Bernini konische Eichenfässer, für die Lagerung (14 Monate) Edel-Eiche aus Allier (Frankreich).

Seit 2013 ist es erklärtes Ziel des Gutes, möglichst den klassischsten aller Chianti Classico-Weine herzustellen. Daneben geht man seit 2013 massiv auch in die Bio-Olivenöl-Produktion und bietet 27 Übernachtungsmöglichkeiten in Suiten, Doppelzimmern und Appartements mit zwei Swimming Pools, Wein-Bar und Ristorante mit Open Air-Dining. Perfekt für Erholungssuchende ist zudem der 27 km lange Naturpfad für Wanderer, Radler oder Reiter. Hergestellt werden auch Weißwein und Rosé, Vin Santo und Vin Santo Occhio di Pernice (Auge des Rebhuhns), Grappa. Grund genug also, diesem Wein Resort 12 km vor den Stadttoren von Siena demnächst die Aufwartung zu machen.

Wo der Chianti seine Wurzeln hat...
Wo der Chianti seine Wurzeln hat...

 

Schließlich ist da noch das Weingut Rocca di Montegrossi, 7 km südlich von Gaiole in Chianti, das seine Keller nahe der romanischen Kirche San Marcellino hat. Von den 100 ha Land sind 20 ha mit Wein (13 ha Sangiovese, 2,5 ha Merlot, der Rest Canaiolo, Colorino, Cabernet Sauvignon, Pugnitello und Malvasia Bianca del Chianti), dazu weitere 20 ha mit Olivenbäumen bepflanzt. Seit 2006 hat man sich hier dem rigorosen Bioanbau verschrieben, seit 2010 ist alles zertifiziert. Und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Ein großes, würziges Aroma mit leichter Schärfe im Abgang zeichnet den phantastischen Chianti Classico DOCG Gran Selezione Vigneto San Marcellino 2011 aus, von dem immerhin noch 9000 Flaschen im Handel sind (95 % Sangiovese, 5 % Pugnitello). Auch das Olivenöl Extra Virgin DOP Chianti Classico ist großartig! Rocca di Montegrossi war übrigens mal imperialer Sitz Kaiser Friedrichs II., des "Staunens der Welt".

Weitere Chianti Classico-Entdeckungen…

Die Familie Triacca erwarb das toskanische Weingut Villa Franchi/ La Madonnina (345 ha auf 200 bis 450 m Höhe mit Wäldern, Feldern, Wiesen, 100 ha stehen unter Rebe; Jahresproduktion: 4000 hl) im Jahr 1969. Auf der Anbaufläche entstehen für den Chianti Classico vor allem Sangiovese (85 %), dann Cabernet Sauvignon (7 %), dazu Colorino (5 %) und Merlot (3 %). Super ist der Chianti Classico Riserva 2012 DOCG (95 % Sangiovese, 3 % Cabernet Sauvignon, 2 % Merlot; 200 000 Flaschen).
In der 1904 gegründeten Fattoria der Familie Taddei produzieren die Önologen Franco und Matteo Bernabei jährliche 200.000 Flaschen, darunter den großartigen Chianti Classico DOCG Gran Selezione Lornano 2012 (10.000 Flaschen). Er enthält neben 85 % Sangiovese satte 15 % Merlot, was ihm eine kräftige Note und reiches Aroma verleiht. Einfach ausgezeichnet!!!

Nur 5000 Flaschen des Chianti Classico DOCG Gran Selezione Ottantuno 2012 aus der Fattoria Luiano sind im Handel. Dabei hatte dieser einwandfreie, stattliche Wein (85 % Sangiovese, 15 % Merlot) eine viel größere Aufmerksamkeit verdient. Wein wird hier seit 1389 angebaut. 2015 starteten die Mannen um Eigner Antonio Palombo mit der Rekultivierung der Hochlagen zur Herstellung eines neuen Cru!!!

Einfach sehr, sehr gut ist der tanninreiche Chianti Classico DOCVG Gran Selezione San Vicenti 2011 aus 85 % Sangiovese und 15 % Merlot (6000 Flaschen). Francesco Muzzi und Partner Roberto Pucci haben die Tenuta San Vincenzi zu einem echten Tipp gemacht!

Schließlich perfekt fürs Dinner ist der Chianti Classico Gran Selezione Valiano "6.38" 2010 (30.000 Flaschen; 90 % Sangiovese, 10 % Merlot) aus der Fattoria Valiano. Richtig großartig und auch günstiger ist dann der Chianti Classico DOCG Valiano 2013 (95 % Sangiovese, 5 % Merlot). Die Familie Piccini produziert seit 1882 – und dies aus Leidenschaft!

Kino und Puschenkino – mit Chianti Classico

Erwartungsgemäß hat auch Sergio Zingarelli, Präsident des Consorzio Vino Chianti Classico, einen echten "Brummer" im Sortiment des edlen Weingutes Rocca delle Macie: Der Chianti Classico DOCG Gran Selezione Sergio Zingarelli 2012 besticht durch sein leicht fruchtiges, aber volles, immer angenehmes Aroma. Nur 5000 Flaschen sind im Angebot (90 % Sangiovese, 10 % Colorino). Natürlich ist Rocca delle Macíe untrennbar mit der Geschichte des italienischen Nachkriegsfilms verbunden. Vater Italo Zingarelli war erst Boxer, stieg dann ab 1949 in Roms Cinecittá vom Filmstatisten und Stuntman bis 1954 zum Produktionsdirektor auf. Italos erste Filmproduktion war 1958 der Sandalenfilm "La rivolta dei Gladiatori" ("Rebellion der Gladiatoren"). Weltberühmt wurde er 1970 als Produzent der Westernkomödie "Lo chiamavano Trinità..." ("Die rechte und die linke Hand des Teufels") mit Terence Hill ("Der müde Joe") und Bud Spencer (" Das kleine Kind/Bambino"), der zahlreiche weitere Spaghetti-Western und Kassenschlager auch mit den "Vier Fäusten" folgten. 1973 erwarb Italo Zingarelli Rocca delle Macíe. Der neue Chianti Classico DOCG Famiglia Zingarelli 2014 besteht aus 95 % Sangiovese und 5 % Merlot – und beweist, dass Film, Puschenkino und Wein vorzüglich harmonieren können.

Weitere Information:
Firenze Turismo, Tourismusbüro Piazza della Stazione 4, 50121 Firenze, Tel. +39 055 2 12 245, www.firenzeturismo.it, www.comune.fi.it
Toscana Promozione, Via Vittorio Emanuele II 62, 50134 Florenz, Italien, Tel. +39 055 46 28 01, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.toscanapromozione.it

Information Weine (Chianti Classico):
Consorzio Vino Chianti Classico, Via Sangallo 41, Localitá Sambuca, 50028 Tavernelle Val di Pesa (Provinz Florenz), Tel.. +39 055 8 22 85, www.chianticlassico.com

Sehr zu empfehlende Chianti Classico-Weine (alphabetisch):
Badia a Coltibuono, Loc. Badia a Coltibuono, Gaiole In Chianti (Siena),Tel.+39 0577 7 44 81, www.coltibuono.com
Mit Klosterbesichtigung, Übernachtung (auch Agriturismo), Restaurant und Direktverkauf (1.04 – 3.11 tgl. 9.00 – 19.00, 4.11 - 31-12 Di. – So. 9.00 – 18.00 Uhr)

Castello di Volpaia, Giovanna Stianti, Localitá Volpaia, 53017 Radda in Chianti (Siena), Tel. +39 0577 73 80 66, www.castellodivolpaia.com/en/borgo-di-volpaia/, http://vino.volpaia.it
Nur nach Vereinbarung Degustation, Besichtigung, Kochkurse, Dorfführung, Führung durch die Burg aus dem 11. Jh. ; auch Herstellung von Bio-Olivenöl, Essig und Grappa

Dievole, Localitá Dievole 6, Vagliagli, 53019 Castelnuovo Berardenga (Provinz Siena), Tel. +39 0577 32 26 13, www.dievole.it
Mit Übernachtung (27 Zimmer und Appartements), zwei Swimming Pools, Weinbar, Restaurant, Naturpfad (27 km lang)

Fattoria di Valiano, Loc. Piazzole, 53011 Castellina in Chianti (Siena), Tel. +39 0577 5 40 11, www.tenutepiccini.it
Gutsbesuche Mo. – Fr. 10.00 – 17.00 Uhr

La Madonnina, c/o Cavitria Casa Vinicola Triacca SRL, Via Nazionale 121, 23030 Villa di Tirano, Italien, Tel.+39 0342 70 13 52, www.triacca.com, www.triaccavini.eu/de/

Lornano, Loc. Lornano 11 – 53035 Monteriggioni Siena, (Firenze), Tel. +39 0577 30 90 59, www.lornano.it
Mit Agriturismo (4 Landhäuschen)

Luiano, Via di Luiano 32, 50024 Mercatale Val di Pesa (Provinz Florenz), Tel. +39 055 82 10 39, www.luiano.it

Rocca della Macíe, Loc. Le Macìe 45, 53011 Castellina in Chianti (Siena), Tel. +39 0577 73 21, www.roccadellemacie.com
Mit Enoteca Rocca delle Macìe, Enoteca in Castellina in Chianti sowie
Relais und Ristorante Riserva di Fizzano, Loc. Fizzano, 53011 Castellina in Chianti (Siena), Tel. +39 0577 73 71, www.riservadifizzano.com
San Vincenti, Podere Stignano 27, 53013 Gaiole in Chianti (Siena), Tel. +39 0577 73 40 47, www.sanvincenti.it

Fotos: Jürgen Sorges, Chiara Daniele

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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