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Weinwissen: Rheingau, Riesling und Renommee

Sie gilt als kapriziöse Königin der Reben – und ist hierzulande die mit Abstand bedeutendste Weinsorte. Viele deutsche Spitzenlagen sind ausschließlich mit ihr bestockt. Und kein Geringerer als Weinpapst Hugh Johnson bezeichnet sie als den besten Weißwein der Welt.

Deutscher Riesling ist über die nationalen Grenzen hinaus buchstäblich in aller Munde – und doch kein Allerweltswein. Gerade einmal 34.000 von mehr als sieben Millionen Hektar Rebfläche sind mit Riesling bepflanzt. Zwei Drittel davon wachsen in Deutschland. Zu den bekanntesten deutschen Fans der edlen Kreszenz zählt Günther Jauch, der sämtliche Weinberge seines Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar mit Rieslingreben bestockt. Das renommierte Gut, das der omnipräsente Fernsehmoderator vor einigen Jahren übernommen hat, existiert seit etwa 500 Jahren, seit 1805 ist es in Familienbesitz. "Deutschland ist mit seinem Klima das prädestinierte Land für diese weiße Rebsorte", sagte der Jung-Winzer in einem Interview, "unser Weingut würde viel verlieren, falls es vom einzigartigen Riesling abrücken würde".

Saftige Renditen mit Genussgarantie

Die hohe Qualität der Riesling-Rebsäfte spiegelt sich auch in ihrer Wertentwicklung wider. Bei einer Raritäten-Weinversteigerung, die der VDP-Rheingau mit dem Auktionshaus Christie's im November 1999 veranstaltete, erzielte eine 1921er Kiedricher Berg Auslese des Weingutes Robert Weil den weltweit höchsten Flaschenpreis für einen Wein des 20. Jahrhunderts. Mit damals noch 1000 D-Mark taxiert, fiel der Hammer für die 0,75-Liter-Flasche erst bei 20.000 D-Mark. Heute wären das rund 10.230 Euro. Auch mit kleinerem Einsatz sind beträchtliche Wertsteigerungen binnen kurzer Zeit möglich: Auf der Versteigerung des VDP Rheingau im Laiendormitorium des Klosters Eberbach Ende September vergangenen Jahres bekam die 1,5-Liter-Flasche des 2010er Riesling Spätlese des von der Topwinzer-Familie Eser geführten Weinguts Johannishof den Zuschlag bei 40 Euro – nach einem Taxpreis von 20 Euro.

Renaissance des Rieslings

Rieslingweine erleben derzeit mehr als eine Renaissance. Die Zeiten, als die Gewächse hiesiger Provenienz häufig als pappig und süß verspottet wurden, sind längst vorbei. "Der Riesling knüpft an alte Zeiten an, als er zum Quartett der größten Weine gehörte und von Monarchenhäusern geschätzt wurde", bringt es Wilhelm Weil, Gutsdirektor und Mitinhaber des Weinguts Robert Weil in Kiedrich im Rheingau, auf den Punkt. Das Renommierweingut wurde 1875 von Robert Weil gegründet und befindet sich heute in vierter Familiengeneration. 85 Hektar Weinberge haben Wilhelm Weil und sein Team bestockt, 99 Prozent davon entfallen auf Riesling, auf dem winzigen Rest Anteil wächst Spätburgunder. Insgesamt reicht das für 620 000 Flaschen der begehrten Tropfen, die auch bei manchen Staatsempfängen gereicht werden.

Wilhelm Weil, der auch dem Verband der Prädikatsweingüter VDP im Rheingau vorsitzt, hat eine ehrgeizige Vision: den Riesling wieder an die Weltspitze führen. Und er scheint auf dem besten Weg dahin. Als "Erotik in Flaschen, die süchtig macht" charakterisiert das Sylter Kultrestaurant "Sansibar" die vielfach preisgekrönten Kreationen des Ausnahmewinzers. "Die edelsüßen Spezialitäten des Hauses sind weltweit unter den allerbesten zu finden – wenn sie nicht gar das Maß aller Dinge sind." Zu den besten Jahrgängen der jüngeren Weingeschichte zählen für den Ausnahmewinzer vor allem 2003 und 2009. "Ersterer war für edelsüße Qualitäten einmalig – ein kleines Weltwunder." Überhaupt habe sich durch die globale Erwärmung eine "Qualitätskonstanz eingestellt, von der unsere Vorfahren nur träumen konnten." Niemals zuvor war es in 23 aufeinanderfolgenden Jahren möglich, alle Qualitätsstufen vom Kabinett über die Spätlese bis zur Trockenbeerenauslese zu ernten. Zum Vergleich: In den 100 Jahren zuvor gab es allenfalls sieben dieser Ausnahmejahrgänge.

Fotos: Wikipedia commons

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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