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Generationswechsel im Weinbau

Familienbetriebe genießen hierzulande einen guten Ruf. Die meisten der klein und mittleren Unternehmen befinden sich in Familienhand, sind regional stark verwurzelt, haften teils noch mit Privatvermögen und schreiben Traditionen gerne ganz groß. Kurzum: Sie sind das Rückgrat unsere Volkswirtschaft und haben bislang allen ökonomischen Krisen erfolgreich getrotzt.

Doch zunehmend stehen sie vor einem radikalen Umbruch: dem Generationenwechsel. Die Elterngeneration macht also Platz für den Nachwuchs. Das heißt aber auch, unternehmerische Verantwortung abgeben und gleichzeitig darauf vertrauen, dass die "Jungen Wilden" die Familiengeschichte erfolgreich fortführen. Wie das geht, zeigt ein Beispiel aus der Pfalz.

Das Weingut Brand in der Pfalz hat diesen Generationenwechsel im letzten Jahr offiziell vollzogen. Nun stehen maßgebliche Änderungen bevor. Der KULINARIKER sprach mit den Jung-Winzern Daniel und Jonas sowie ihren Eltern Silke und Jürgen Brand.

Jürgen und Silke, Ihr seid ja noch recht jung. Warum habt Ihr den "Staffelstab" jetzt schon übergeben?

Jürgen: Der Betrieb meiner Eltern war zu klein, um einen Angestellten zu verkraften. Also pachtete ich mir bereits im Alter von 20 Jahren Weinberge und hatte entsprechend früh schon viel Verantwortung zu tragen. Ich denke, meiner persönlichen Entwicklung hat das sehr gut getan. Ehrlich gesagt hätten wir auch nicht mehr die Power, nochmal so durchzustarten, und ich bin mit meinem Lebenswerk doch sehr zufrieden.

Silke: Außerdem setzen wir uns ja nicht zur Ruhe: Wir haben ja noch das Wein- und Gästehaus, das wir erst vor zwei Jahren gegründet haben und mit dem wir unsere traditionelle Kundschaft weiter bedienen wollen. Damit haben wir aber den Weg frei gemacht, für die hochwertige Bio-Linie unserer Söhne und freuen uns über jeden Kunden, den wir an sie verlieren.

Wie schwer ist es, wirklich loszulassen?

Jürgen: Die Frage kann man auch andersrum sehen: Ist auch in zehn Jahren noch einer da, der weitermacht? Wenn man so ehrgeizige Kinder hat, können die sich auch schnell anders orientieren. Gerade, wenn man so viel Herzblut reingehängt hat wie wir, ist man froh, wenn die Kinder darauf aufbauen.

Gab es auch Zweifel?

Jürgen: Von der fachlichen Seite sind sie beide super ausgebildet, Daniel ist ein Riesentalent im Ausbau der Weine mit sehr viel Intuition und sehr akribisch. Jonas hat jetzt vor allem in Österreich sehr viel über ökologischen und biodynamischen Weinbau gelernt. Da lerne ich von meinen Söhnen! Doch natürlich gibt es auch Defizite, gerade in der Verwaltung und Organisation. Da ist vor allem Silke unser Manager und auch ich bin ja im Hintergrund noch da.

Gemeinsam bei der Ernte.
Gemeinsam bei der Ernte.

 

Ihr hängt ja auch finanziell mit vom Erfolg der Söhne ab. Wie gut könnt Ihr noch schlafen?

Silke: Tatsache ist, dass wir in den letzten Jahren jeden Cent in das Projekt gesteckt haben. Man ist im Weinbau vor allem auch von der Natur abhängig, es gibt keine absolute Sicherheit. Doch sind wir alle vier auch Siegertypen und wir werden alles daran setzen, das die Story auch ein Happy End hat.

Was habt Ihr den Jungs mit auf den Weg gegeben?

Jürgen: Beharrlichkeit und Ausdauer sind wichtige Eigenschaften in unserer Branche. Aber auch ein waches Auge für den Markt und die richtigen solventen Partner. Die Chemie zum Kunden muss stimmen – ich mache schon immer gern Geschäfte auf Augenhöhe.

Wer bestimmt denn jetzt, was passiert?

Daniel: Wichtige Entscheidungen werden zusammen getroffen, die Meinung der Eltern ist uns weiterhin sehr wichtig.

Und wie läuft es zwischen Euch als Brüdern?

Jonas: Daniel und ich entscheiden gemeinsam. Oft sind wir zwar einer Meinung, doch natürlich ist das nicht immer der Fall. Dann geben wir der Sache einen Tag Zeit und reden nochmal drüber. Manchmal sieht man die Sache dann anders – oder wir treffen uns halt in der Mitte.

Daniel: Wir beide arbeiten in jedem Bereich, egal ob in der Außenwirtschaft, im Verkauf oder im Büro. Der Weinkeller ist allerdings mein Terrain. Bei den Lagenweinen stecken wir dann aber die Köpfe zusammen, da kann es dann auch mal etwas verrückter werden. Am liebsten bin ich zusammen mit Jonas im Weinberg: Da läuft die Arbeit wie von selbst: Es entwickeln sich immer tolle Gespräche und es entstehen gute Ideen. Das fühlt sich dann gar nicht wie Arbeit an und ich weiß, warum ich den Beruf ausübe.

Daniel, Du bist zunächst mit Deiner eigenen Weinlinie eingestiegen. War das ein langer Weg von damals bis zur Übernahme?

Daniel: Am Anfang war es schon etwas schwierig. Klar, mein Vater ist offen für vieles und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Aber bestimmte Sachen hat man früher einfach anders gemacht. Früher haben wir jede Traube vom Boden aufgelesen, heute schneiden wir die grünen Trauben zur Hälfte auf den Boden, um eine bessere Qualität zu erzielen. Das muss man erst mal verstehen und natürlich die Ergebnisse verkosten! Ich denke, letztlich haben ihn die Weine, die entstanden sind, überzeugt. Jetzt spüre ich sein Vertrauen und das tut natürlich verdammt gut. Den Keller habe ich früh übernommen und auch die Weine im Wein- und Gästehaus ausgebaut. Durch diesen teilweise kalten Sprung ins Wasser habe ich viel gelernt und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Es ist toll, seine eigene Linie immer weiter auszubauen und das zu verkaufen, was einem selbst schmeckt.

Mit der offiziellen Umstellung auf biologischen Anbau musstet Ihr also Überzeugungsarbeit leisten?

Jonas: Ja, klar. Zumal es in unserer Region nicht viele Winzer gibt, die Bio-Weinbau betreiben, war es Neuland für uns alle. Wir haben das dann erstmal in einer kleinen Fläche ausprobiert und die Premiumweine biologisch behandelt. Das hat uns dann auch die Sicherheit gegeben, dass es für uns in unserer Region funktioniert. Wenn man dann sieht, wie toll die Weinberge aussehen, dann brauchst du keine große Überzeugungsarbeit. Aber natürlich war es trotzdem ein großer Schritt!

Bio-Weinbau.
Bio-Weinbau.

 

Spürt Ihr mitunter elterliche Skepsis?

Jonas: Am Anfang haben wir das gespürt. Es war aber nie unangenehm, wir haben das verstanden. Die Entscheidung hatte Einfluss auf uns alle, also ist etwas Skepsis angebracht und man sollte nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Aber jetzt haben wir so ein schwieriges Jahr in Hinsicht auf den Pflanzenschutz hinter uns und alles sieht top aus. Das stärkt einen und beruhigt die Gemüter.

Und wie sieht es im Dorf und der Region aus?

Bio ist teilweise ein schwieriges Thema, zumindest was die ältere Fraktion im Dorf angeht. Oft wird man schief angeschaut, weil man Backpulver zum Pflanzenschutz ausbringt. Unter den Winzern, besonders den jüngeren, wird Bio gerne gesehen. Selbst schrecken die meisten jedoch oft vor dem hohen Arbeitsaufwand zurück oder dem höheren Risiko. Wir haben das Thema bisher allerdings noch nicht sehr breit getreten, daher wissen viele Betriebe gar nicht, dass wir ökologischen Weinbau betreiben. Wir freuen uns aber über jeden, der Interesse zeigt und helfen da auch gerne aus. Ganz toll fanden wir auch die Wandlung unseres Großvaters: Anfangs war er ein großer Skeptiker, jetzt hat sich das völlig gewandelt und er zeigt mit seinen fast 70 Jahren großes Interesse an allem, was draußen passiert!

Was wäre, wenn Eure Eltern ihr Einverständnis nicht gegeben hätten?

Daniel: Dann hätte es für uns wohl nicht funktioniert. Wir waren an einem Punkt, da hieß es einfach 'Ganz oder gar nicht'. Es fühlt sich einfach am besten an, ohne Gift zu arbeiten und wenn man so einen langfristigen Beruf ausübt wie wir, arbeitet man nicht nur für sich, sondern auch für nächste Generationen.

Wie sehen Eure Zukunftsplanungen aus?

Daniel: Wir möchten die Schwurhandlinie weiter ausbauen. Auch ein paar neue Weinkreationen sind geplant, vielleicht auch bald ein Gemeinsschaftscuvée. Außerdem wollen wir unsere Region, die Nordpfalz, bekannter machen.

Jonas: Wir träumen davon, die Artenvielfalt im Weinberg weiter zu steigern. Vielleicht bekommen wir mal eine Gottesanbeterin in den Weinberg, das wäre toll!

Daniel und Jonas, wie hat sich Euer Leben in den letzten Jahren verändert?

Daniel: Wir haben unsere Lebenseinstellung geändert. Wie essen und leben bewusster und achten auch privat auf regionale Zutaten. Außerdem kommen wir etwas mehr rum. Durch Messen und Kontakte lernen wir viele Städte kennen. Das ist toll, so bekommt man ein besseres Gefühl für die Kundschaft und merkt wie Städter "ticken".

Weitere Informationen finden Sie unter www.weingut-brand.com

Fotos: Andreas Durst / Weingut Brand

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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