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Hommage à Camille – Louis Roederer präsentiert zwei exklusive neue Coteaux Champenois

Auch wenn die Champagne und ihre Winzer gemeinhin nicht gerade als experimentierfreudig gelten, was nicht zuletzt den wohl strengsten Appellationsregeln der Welt geschuldet sein dürfte, gibt es doch immer wieder spannende Neuheiten jenseits des marktgängigen Mainstreams aus den Kellern der altbekannten Platzhirsche zu entdecken!

Oft sind diese vermeintlichen Novitäten allerdings eher Wiederentdeckungen und knüpfen an uralte Traditionen des geschichtsträchtigen Anbaugebiets an. Dazu gehört neben einer Renaissance fast vergessener Rebsorten wie Petit Meslier und Arbane oder von Kuriositäten wie des AOC Rosé des Riceys, den angeblich schon Ludwig XIV. besonders gerne geschlürft haben soll, vor allem die Rückbesinnung auf die ganz eigenständigen Qualitäten der Coteaux Champenois, also der legendären Champagner-Stillweine, die 1974 in einer eigenen Appellation zusammengefasst wurden. Schließlich mussten bis zur Bändigung der Flaschengärung noch sämtliche Weine des heute rund 34.000 Hektar umfassenden Anbaugebiets ganz ohne Bläschen auskommen, waren aber damals schon weit über die Grenzen der Region hinaus berühmt.

Früher oft nur in Ausnahmejahren produziert, profitieren die Stillweine heute vom Klimawandel und steigenden Durchschnittstemperaturen, die das Lesegut gleichmäßiger reifen lassen - schließlich liegt die Champagne bereits rund 300 Kilometer nördlich des Burgunds. Das Ergebnis sind Weine, die dann manchmal aber selbst eingefleischte Burgunderfans vor Neid erblassen lassen. Vor allem wenn man ihnen ein paar Jahre Reife gönnt, die die Still-weine auf Grund hoher Säure spielend vertragen. Dass diese Entwicklung, die dem Coteaux Champenois zu einer neuen Blüte verhelfen könnte, traditionellen Champagnerwinzern allerdings eher Sorgenfalten ins Gesicht treibt, weil es eines Tages schlicht zu warm werden könnte, um noch einen charakteristischen Champagnerschaumwein zu produzieren, ist eine andere Geschichte. Doch zurück zu den Stillweinen.

Meist stammen die Coteaux Champenois unserer Tage aus den besonders begehrten Grand Cru Lagen von Ambonnay, Vertus, Bouzy oder Cumières und werden - im Vergleich zu ihren prickelnden Vettern - in fast schon homöopathischen Dosen produziert. Selbst in den besten und ertragreichsten Jahrgängen stehen rund 385 Millionen Flaschen Champagnerschaumwein geschätzt gerade mal gut eine Million Flaschen Coteaux Champenois gegenüber. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählt u.a. Bollingers Côte aux Enfants, zu den besten der legendäre Ambonnay Rouge von Kultwinzer Egly-Ouriet. Bisher jedenfalls. Den zuletzt hat auch die fa-miliengeführte Maison Louis Roederer zwei reinsortige Einzellagen-Stillweine vorgestellt, die das Zeug zum Star haben. Und das soll erst der Anfang sein.

Sie firmieren unter dem selbstbewussten Label Hommage à Camille und sollen damit an Camille Orly-Roederer erinnern - zu ihrer Zeit eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Champagnerwelt und Urgroßmutter von Frédéric Rouzaud, heutiger Eigentümer und Geschäftsführer von Louis Roederer.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes hatte Camille 1932 die Leitung des Champagnerhauses übernommen und blieb mehr als 40 Jahre an der Unternehmensspitze. Dank ihrer außergewöhnlichen Energie und Hartnäckigkeit gelang es ihr Roederer unbeschadet durch die Kriegswirren zu führen und nachhaltig zu modernisieren. Legendär waren aber auch ihre Soireen im Stammsitz der Familie am Boulevard Lundy im Herzen der Champagnerkapitale Reims, bei denen sie ihre Gäste und Kunden gerne mit Stillweinen aus einigen der damals besten Lagen der Maison in Avize und Cumièrs überraschte, die sie auch selbst sehr geschätzt haben soll.

Louis Roederer Hommage à Camille: Coteaux Champenois Blanc 2018 und Coteaux Champenois Rouge 2018.
Louis Roederer Hommage à Camille: Coteaux Champenois Blanc 2018 und Coteaux Champenois Rouge 2018.

 

Vor diesem Hintergrund entschieden Frederic Rouzaud und Roederers langjähriger Chef de Cave, Jean-Baptiste Lecaillon, an diese Tradition anzuknüpfen. So begann Lecaillon bereits vor Jahren mit großem Aufwand nach geeigneten Plots für einen großen Champagner Stillwein zu suchen und wurde schließlich in Le Mesnil-sur-Oger mit der 0,55 ha großen Parzelle Volibarts (Chardonnay) und in Mareuil-sur-Aÿ mit dem 0,43 ha Microplot Charmont (Pinot Noir) fündig. Produziert wurden im offiziellen Premierenjahrgang 2018 deshalb auch gerade mal 1631 (Pinot Noir) bzw. 2880 Flaschen (Chardonnay).

Lecaillons Ziel war es dabei einen völlig neuen und eigenständigen Ausdruck des Terroirs herauszuarbeiten, ohne dabei Pinots oder Chardonnays anderer Anbaugebiete zu kopieren und dem Coteaux Champenois damit wieder jene eigenständige Stellung und Wertschätzung zurückzugeben, die er über Jahrhunderte innehatte. "Wir wollten keine Burgunderkopie machen, sondern wir suchen in den Weinen die unbeschwerte Leichtigkeit eines Champagners", fasst Lecaillon seinen Ansatz zusammen. Weitere Editionen der Hommage aus weiteren Ausnahme-Plots sollen in Zukunft folgen.

Während der biodynamisch bewirtschaftete, stark sonnenexponierte Weinberg in Mareuil-sur-Aÿ 2002 komplett neu mit speziell für die Stillweinproduktion selektionierten Pinot Noir Klonen aus Burgund und dem Elsass bepflanzt wurde, gestaltete sich die Suche nach dem perfekten Weinberg für den Chardonnay deutlich schwieriger. Nachdem Lecaillon zunächst mit einer Parzelle in Avize experimentiert hatte, stellte sich bald heraus, dass die dort erzielten Qualitäten zwar perfekt für Roederers prestigeträchtigen Cristal geeignet waren, für einen Stillwein aber nicht das nötige Format mitbrachten. Dann kam Lecaillon das Schicksal zu Hilfe, denn er stieß auf einen wohlgehüteten 1961er Stillwein aus Le Mesnil, der den Kellermeister verzauberte und schnell war die 1997 neu angelegte, südöstlich orientierte Par-zelle Volibarts als ideales Experimentierfeld für den weißen Hommage identifiziert.

Der Kulinariker hatte nun die Chance beide Weine gemeinsam mit Kellermeister Jean-Baptiste Lecaillon und Martin A. Barak von Maisons Marques et Domaines, exklusiver Distributeur von Louis Roederer in der Schweiz, im Rahmen eines kombinierten Live- und Zoom-Tastings zu verkosten – und um es gleich vorwegzunehmen. Die Reise ins eidgenössische Wildegg hat sich gelohnt.

Tasting
Louis Roederer Hommage à Camille Coteaux Champenois Blanc 2018
Maischegärung auf einem Drittel der Schalen, anschließend 15 Monate auf der Hefe, und Ausbau in Amphoren (35%), Edelstahltanks (44%) und französischer Eiche (21%). Im Glas intensiv goldfarben mit hellen Reflexen. Exotisches Bukett geprägt von hellen Blüten und Früchten, etwas Stachelbeere aber auch dezenter Anklang gerösteter Mandeln. Ist das wirklich ein Chardonnay? Mit der Zeit treten reduktive und vegetative Noten in den Vorder-grund, die zunehmend komplexe, Sicht stets verändernde Nase lädt regelrecht zum Meditie-ren ein. Am Gaumen deutlich salzig, viel Kreide, kristallklar und fokussiert mit dezenter Sü-ße, die dem Wein eine gewisse Molligkeit verleiht, insgesamt aber trotzdem eher schlank und ultraelegant. Straffes Finale mit leichter Schärfe. Insgesamt ein bemerkenswert eigenständiger Charakter, der von weiterer Flaschenreifer profitieren wird. Den möchte wir nochmal in 10-15 Jahren im Glas haben. 93+ Punkte (140 Euro)

Louis Roederer Hommage à Camille Coteaux Champenois Rouge 2018
Späte Lese und strenge, dreifache Selektion. 17tägige Mazeration mit 21% ganzen Trauben und regelmäßigem Unterstoßen des Tresters. Anschließend 14monatiger Ausbau in Barrique-Fässern aus französischer Eiche. Kräftiges Rubinrot. Dem Glas entströmen zunächst noch etwas zugeknöpft wirkende, typische Pinotaromen von Himbeeren und dunklen Früchten, aber auch dezente Würzaromatik. Mit mehr Zeit und Luft steigen dann feine Kakaoaro-men und etwas Rauch aus dem Glas auf. Am Gaumen streichelzart mit fein geschliffenen, seidigen Tanninen. Kraftpaket und ätherische Leichtigkeit in Personalunion. Jetzt schon wunderbar zu genießen, wird mit ein paar Jahren in der Flasche aber noch gewaltig zulegen. 94+ Punkte (160 Euro)

Weitere Infos: www.louis-roederer.com und www.mmdsuisse.com

Fotos: Emmanuel Allaire für Champagne Louis Roederer

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Zuletzt bearbeitet am 29/03/2021

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Autor

Thomas Hauer

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