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Weingut Monchiero: Tradition im Sechserpack

Location ist alles, definitiv nicht nur in der Hotellerie. Im Falle des Weingutes Monchiero muss man nicht lange zögern, um ihm die bestmögliche aller Lagen zuzusprechen...

Dabei ist das Dörfchen Castiglione Falletto mit seiner seit 2018 in Privatbesitz eines örtlichen Winzers übergegangenen Burg, auf der auch mal die Familie Falletti residierte, ziemlich unbekannt. Ganz anders aber sieht es ringsum in der direkten Nachbarschaft. Da ist erst einmal das Dörfchen Barolo, kaum größer als Castiglione Falletti, wo ebenfalls ein örtliches Castello Falletti existiert. Dort, an der Piazza Castello 4, öffnet sogar das berühmte Korkenziehermuseum, das Museo Cavatappi ( www.museodeicavatappi.it/de/ ). Hier kann man 500 Korkenzieher aus drei Jahrhunderten bewundern, sich anschließend in der Weinbar mit Restaurant den kulinarischen Genüssen aus der längst zum UNESCO-Welterbegebiet aufgestiegenen Landschaft begeistern und sodann in der Vinothek zum Kauf begehrtester Barolo-Flaschen schreiten. Denn natürlich reist man in die Dörfchen Barolo oder eben Castiglione Falletto nicht wegen Korkenziehern. Der Inhalt der Flaschen darf es dann schon sein – genügend Pekuniäres im Täschchen vorausgesetzt.

Andererseits kann man natürlich auch gleich in Castiglione Falletto bleiben, z. B. auf dem Weingut Monchiero, das zudem als B&B fungiert und absolut günstige Zimmer und Wohnungen inmitten der weltweit gerühmten Weingärten des Barolo-Gebietes offeriert. Vorteil Nummer 2: Von Castiglione Falletto ist es auch nicht weit in die Trüffelhochburg Alba. Und auch das heute touristisch hochfrequentierte 2500-Seelen-Dorf La Morra liegt direkt vor der Tür. Unvergesslich dort der Blick von der Piazzetta auf der Hügelkuppe des Weindorfes auf das sich unterhalb ausbreitende grandiose Panorama des Amphitheaters der Weinberge.

Die ganze Familie Monchiero.
Die ganze Familie Monchiero.

 

Vorteil Nummer 3, der für Monchiero in Castiglione Falletto spricht: Natürlich bietet auch Monchiero phantastische Weine. Dafür muss man nicht extra nach Barolo auseichen! Noch dazu ist Monchiero ein Traditionsweingut. Schon die Großeltern des heutigen Eigners Vittorio Monchiero lebten hier, kümmerten sich fleißig um ihre Landwirtschaft, besaßen indes im Dorfortsteil Roere di Santa Maria von La Morra gerade einmal etwas mehr als einen Hektar Land. Das war kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Und damals, zu Mussolini-Zeiten wie auch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Alba und das Barolo-Gebiet als widerständiges Partisanenland zu Ehren gekommen waren, herrschte ringsum durchaus auch Mangel an vielem.

Eine Ausnahme dürften indes Korkenzieher gewesen sein. Die gab es stets wohl überall, und somit auch auf dem Weingut Monchiero, womit Vorteil Nummer 4 anzuzeigen wäre. Denn einen solchen sollte man unbedingt zur Hand haben, um ein Fläschchen des Monchiero Langhe DOC Nebbiolo 2018 zu öffnen. Denn dieser Klassiker aus dem Herzen der Barolo-Zone, die Monchiero-Weinberge liegen direkt an der Straße von Alba nach Monforte, sollte jeder einmal probiert haben. James Suckling gab diesem herrlich harmonisch, indes auch wuchtigen Wein (14,5 % Alkoholgehalt) aus der unschlagbaren Nebbiolo-Traube schon satte 92 Punkte. Und natürlich wird er bei Monchiero nach alter Tradition vinifiziert. Er darf nicht mehr als 18 Monate in alten Eichenfässern ruhen. Dann aber entfaltet er seine feinen Eigenschaften, beeindruckt mit seiner granatroten Farbe und seinem intensiven Bukett. Er passt perfekt zu jeder Art von Fleischgerichten und ist noch dazu bei einem Preisangebot von ca. 13 € für die 0,75-l-Flasche fast ein Schnäppchen.

Vittorio Monchiero.
Vittorio Monchiero.

 

Eigentlich muss man der Familie Monchiero heute überaus dankbar dafür sein, dass sie die Barolo- und vor allem die Nebbiolo-Winzertradition bis heute so erfolgreich aufrechterhält. Dies hätte auch ganz anders laufen können. Denn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden sich die Brüder Remo und Maggiorino Monchiero zu einem couragierten Schritt. Denn anders als ihre weiteren Brüder wanderten sie nicht in die USA aus, um dort ihre Glück zu suchen. Sie blieben, warfen einen Blick auf die schwierige, wenig ertragreiche, arbeitsintensive Landwirtschaft und entscheiden sich 1954, die Viehwirtschaft abzuschaffen. Auch die Obstbäume waren nicht mehr vonnöten, dafür wurde alles zur Herstellung von Wein hergerichtet.

Dafür wechselte man etwas weiter südlich in das Gebiet von Castiglione Falletto und La Morra kaufte dort Land. 1971 war es dann soweit: Die Brüder Remo und Maggiorino konnten ihren ersten Barolo abfüllen. Und ihr Siegeszug begann. Anfangs verkaufte man nahezu ausschließlich in die USA. Die kommerzielle Atlantikbrücke schufen indes nicht die emigrierten Geschwister, sondern ein Mitarbeiter, der bis heute auf dem Weingut arbeitet. Heute dürften es eher äußerst vermögende US-Amerikaner aus Übersee sein, die in La Morra, Barolo oder eben Castiglione Falletto Schlange stehen, um eines der renommierten Weingüter zu ergattern. Doch anders als in der Toskana sind die Weinbauen hier stur, sehr familienorientiert und schützen auch kleinsten Landbesitz. Bis heute ist es einem US-Amerikaner nur ein einziges Mal gelungen, in diese uralten Domänen der Einheimischen.

Luca Monchiero.
Luca Monchiero.

 

Dies, obschon schwindelerregend hohe Preisgebote gemacht werden. Für einen Hektar Weinberg kann da schon mal die Eine-Million-Euro-Schwelle locker überschritten werden. Und so ist selbst jeder Kleinwinzer im Barolo heute auf dem Papier ein Millionär – und winkt doch amüsiert lächelnd stets alle Offerten ab. Bei Monchiero hieß der Schlüssel für die Zukunft Vittorio, Sohn von Maggiorino. Kaum über 20 Jahre alt, begann er nach dem Besuch der Weinschule in Alba in den 1980er Jahren die Arbeit auf dem Familiengut.

Und es war Vittorino, der in den 1990er Jahren dafür sorgte, dass alle Weinberge neu bepflanzt wurden, die bestmögliche Technik eingeführt wurde und die modernsten Techniken der Weinherstellung adaptiert wurden. Vittorios Gattin Daniela kümmerte sich derweil um Verkauf und Messepräsentationen. 1999 wurde weiteres Land in den Zonen Montanello, Pernanno, Rocche und Roero di Santa Maria erworben. Und seit 2017 ist auch die nächste Generation aktiv: Der älteste Sohn Luca nahm den Platz an der Seite seiner Eltern ein.

Und demnächst wird auch Bruder Stefano nach Beendigung seines Studiums der Agrarwissenschaften dazu stoßen. Welche Weinschätze dank der Erfahrung von nun fast einem Jahrhundert Landwirtschaft, der Kenntnis des lokalen Terroirs und der besonderen Charakteristik der Barolo-Zone entstehen, zeigt die Familie Monchiero auch mit ihrem Monchiero Barolo DOCG Rocche di Castiglione 2016: Diesen Wein sollte niemand verpassen! Und dies nicht nur, weil er schon mit 91 bis 94 Punkten höchstbewertet wurde (WineEnthusiast: 91 Punkte; Decanter: 93 Punkte und Silbermedaille bei den World Wine Awards; winescritic.com: 94 Punkte).

Hier wachsen die Trauben des Weinguts...
Hier wachsen die Trauben des Weinguts...

 

Die Trauben für diesen herrlichen, perfekt strukturierten, doch ebenso eleganten Barolo stammen von einer besonderen Lage in Castiglione Falletto, ihr Weingarten liegt in Süd-Ost-Richtung. Drei Jahre darf er in Eichenholzfässern lagern, danach aber auch sofort getrunken werden. Er passt perfekt zu reifem Käse, zu Wild- und natürlich Fleischgerichten. Dieser Wein ist zu Recht das Aushängeschild des Weingutes, das heute über 12 Hektar Fläche verfügt, davon 9 Hektar in Castiglione Falletto. Die Weinberge in La Morra sind hingegen für den Monchiero Barolo Roere di Santa Maria reserviert.

Und dass sich Vittorino Monchiero höchstpersönlich bis ins Kleinste um die Qualität seiner Weine kümmert, versteht sich nahezu von selbst. Er gilt als tatsächlicher Botschafter der wahren Traditionen des Barolo-weins. Dies gilt natürlich auch für den Weinkeller, wo Barolo und Barbera in großen Fässern aus slawonischer Eiche (Tonneaux, 50 Hektoliter) reifen. In den Weingärten gedeihen auch Dolcetto, Moscato und Arneis. Doch insgesamt werden jährlich nur 40 000 Flaschen abgefüllt. Und so bleibt natürlich Monchiero Barolo DOCG Rocche di Castiglione 2016 (100 % Nebbiolo; 14,5 % Alk.) das Maß aller Dinge. Er ist online für ca. 33 – 35 € pro 0,75-l-Flasche zu haben, doch Kenner greifen auch zu den angebotenen Sechserpacks für ca. 200 €, die mitunter als Sonderangebot auch schon für 180 € zu haben sind.

Information:
Azienda Agricola Monchiero Fratelli, Via Alba – Monforte 49, Castiglione Falletto, Provinz Cuneo, Region Piemont, Italien, Tel. +39 0173 628 20, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://de.monchierovini.com; mit B&B: DZ 70 €, EZ 55 €, Wohnung (2 – 4 Pers., mind. 4 Nächte) 80 – 130 €

Fotos: Weingut Monchiero

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