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Giusti Wine: Der Traum des Selfmade-Milliardärs ist Realität (Teil 1)

"Wein ist, wie Kunst, Materie, Farbe, Licht, Erfüllung der Sinne, verrückte Leidenschaft und Vernunft, geduldige Forschung und zeitlose Leidenschaft."...

Dieser spektakuläre eine Satz von Ermenegildo Giusti fasst seine Philosophie zu Wein und Weinbau perfekt zusammen – und treibt ihn wohl auch an. Denn in gerade zwei Jahrzehnten schuf der Kanadier, der er auch gern bleiben möchte, 20 km nördlich von Treviso im geschützten Weingebieten des DOCG Asolo Prosecco Superiore und des DOC Montello e Colli Asolani ein kleines Weinimperium, das nun schon 14 Prozent der Anbaufläche dieser zwei Areale umfasst. Rund um Nervesa della Battaglia gehören ihm nun 100 ha Land, von denen 70 ha dem Weinbau gewidmet sind. Seit Ermenegildo Giusti im Jahr 2000 die ersten zwei Hektar erwarb, wurden schon über 30 Millionen Euro in diese Gehöfte und Ländereien investiert. Heute verteilt sich der Besitz auf zehn Landgüter (Tenute), die sämtlich vom Hauptsitz an der Via Arditi 1 in Nervesa della Battaglia dirigiert werden. 2018 machte Giusti Wine mit nur 24 Angestellten einen Umsatz von 3,5 Mio. Euro und produzierte 400.000 Flaschen Wein, die in 29 Länder exportiert wurden.

Und die Expansion geht weiter: 2022 peilt man 750.000 Flaschen Jahresproduktion sein, es soll ein Umsatz von 7 Mio. Euro erzielt werden. Dies ist keineswegs abwegig, denn 2020 öffnete die neue Cantina von Giusti Wine. Die prachtvolle Anlage, ein perfekt in die Landschaft gezaubertes architektonisches Wunderwerk des Architekten Armando Guizzo, das auf fünf Ebenen auch unterirdisch Akzente setzt, entstand in nur fünf Jahren: 2 Jahre für die Genehmigungen, ein Jahr für die exakten Planungen und zwei für die Realisierung. Und dieser ganz nach der eingangs vorgestellten Philosophie von Ermenegildo Giusti entstandene Bau, ein wirkliches Kunstwerk, war dem Bauherrn jeden der stolzen 15 Millionen Euro Investitionssumme wert!

Cantina von Giusti Wine.
Cantina von Giusti Wine.

 

Der Weinkeller besitzt sogar ein Belvedere, von dem aus der Blick weit über die Weinberge im Montello und hinüber zur Abtei Sant`Eustachio schweift. An diesem phantastischen Panoramapunkt sollen einmal exklusive Dinner und Events stattfinden. Und dies mit Grund: Denn sowohl die Hügel des Montello als auch die 1062 von Rambaldo III Collalto errichtete Benediktinerabtei spielten im Leben von Ermenegildo Giusti eine prägende Rolle. Denn schon im Knabenalter von acht Jahren streifte Ermenegildo oft im Schatten der Klosterruine umher, die er wie auch die nahe Einsiedelei San Girolamo von 2017 bis zum März 2018 mit Millionenaufwand restaurieren ließ. Denn Ermenegildo wuchs nahebei in Volpago del Montello in einer Bauernfamilie auf. Zwar besaß die im 16. Jahrhundert wohl auch aristokratische Vorfahren im nahen Conegliano, einer weiteren Prosecco-Hochburg. Doch Vater Augusto, in Venisseux in Frankreich geboren und seine Gattin Maria Vittoria waren einfache Winzer, die die damals landestypischen Rebsorten Prosecco, Bianchetta und Verdiso anbauten. Die Weinbautradition in der Familie reicht bis 1870 zurück.

Ermenegildo indes entschied sich im Alter von 19 Jahren, mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder nach Vancouver in Kanada auszuwandern. Dort gelang ihm, der nur den Schulabschluss der Mittleren Reife besaß, dann tatsächlich eine Bilderbuchkarriere. Denn sein erklärtes Ziel damals war: reich werden. Heute ist die dortige Giusti Group eine der größten Baufirmen Nordamerikas, aus dem jungen Immigranten wurde ein Milliardär. 2007 erhielt er zudem noch die Ehrendoktorwürde. Zeit seines Lebens wollte Ermenegildo Giusti auch etwas in Italien aufbauen, am liebsten natürlich in seiner alten Heimat. Und so erwarb er im Jahr 2000 die ersten zwei Hektar Land und pflanzte 2006 die ersten Weinberge.

Ermenegildo Giusti.
Ermenegildo Giusti.

 

Und das er geraden dem Terroir der Hügel des Montello eine neue, höchste Qualität an Weinreben abringen wollte, dürfte auch kein Zufall sein. Denn der Montello war zwar zu Zeiten der Republik Venedig ebenfalls Holzlieferant für die Flotte der Serenissima, aber die Freiflächen wurden als hochgeschätztes Weinbaugebiet bekannt, dessen Weine die reiche Lagunenstadt allen Importweinen vorzog. Doch im 19. Jahrhundert war das Montello-Gebiet wieder dicht bewaldet. Dann aber kam im Jahr 1892 ein Gesetz, das den Waldbestand parzellierte und zur Rodung animierte. Ziel war, durch die Holzwirtschaft die Armut im Montello abzubauen. Auf den Freiflächen sollte Landwirtschaft entstehen. Doch der Säuregehalt und der Karstboden ließen dies nicht zu.

Und so ging die gute Idee eher schief. Neben den Umweltschäden hatten die nun erneut verarmten Bewohner von Nervesa della Battaglia, das damals noch nur Nervesa hieß, auch noch den Spott zu ertragen. Sie erhielten den Dialekt-Spitznamen "bisnent", was italienisch "due volte niente" und deutsch "zweimal nichts" bedeutet. Und nicht genug damit: Dann kam auch noch der Erste Weltkrieg. Im Gefolge der 12. Isonzo-Schlacht Ende Oktober 1917, die auch als "Schlacht von Karfreit" (50.000 Tote und Verletzte) bekannt ist und in Italien als katastrophaler "Rückzug von Caporetto" memoriert wird, weil die königliche italienische Armee sie gegen Deutsche und Österreich-Ungarn verlor, verlief die Front nun entlang des Piave-Fluss.

Rebstöcke von Giusti.
Rebstöcke von Giusti.

 

Und so wurde Nervesa am Piave, weil mitten im Hauptkampfgebiet, bis zum Juni 1918 bis auf die Grundmauern zerstört, ehe es im November 1918 zum Sieg Italiens und zum Waffenstillstand in der Villa Giusti kam, die indes einem Adligen gehörte und weit weg von Nervesa in Padua stand. Es waren hier also nach Kriegsende tatsächlich historisch schwerste Bürden zu tragen, der prompt den ehrenden Zusatznamen "della Battaglia" ("der Schlacht") erhielt. 1935 ließ Mussolini hier sogar ein monumentales Kriegerdenkmal namens Sacrario del Montello errichten, in dem 9325 italienische Soldaten bestattet sind. Die Eisenkuppel erhielt das Bauwerk aber erst in den 1980er Jahren.

An die Ruine der Abtei des Heiligen Eustachius aber dachte niemand mehr. Dabei ist diese Abtei, die wohl schon auf einem antiken Römerkastell erbaut wurde, das möglicherweise einem Nerva oder Nervisius gehörte, stets auch ein kleiner Schatz der Kulturgeschichte gewesen. Hier war Italiens erster Kunstkritiker Pietro Aretino zu Gast, ebenso die Dichterin Gaspara Stampa. Vor allem aber verfasste hier der toskanische Gelehrte Giovanni Della Casa (1503 – 1556) sein berühmtestes Werk "Il Galateo ovvero de’ costumi", "Der Galateo oder Von den Sitten". Dies Erziehungsbuch, dessen Name "Galateo" sprichwörtlich wie später der deutsche "Knigge" war, enthielt auch zahlreiche Ratschläge für das gute Verhalten von Politikern...

Teil 2 erscheint am 29.11.2020 im KULINARIKER!

Information:
Società Agricola Giusti Dal Col (Giusti Wine), Geschäftsstelle im Landhaus (Country House) Case Rolando, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.giustiwine.com 
Neue Cantina (Weinkeller): This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Übernachten auf den Weingütern Giusti:
Landhaus (Country House) Case Rolando, Landhaus (Country House) Abbazia, Via Arditi, 1, 31040 Nervesa della Battaglia, sowie Villa Maria Vittoria
Besichtigung der Abbazia Sant`Eustachio und der Ermitage San Girolamo: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.abbaziasanteustachio.com 

Fotos: Giusti Wine

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Zuletzt bearbeitet am 28/11/2020

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