Kunst-Genuss – Dominique Godat übernimmt Leitung der Züricher Kronenhalle

Kennengelernt haben wir Dominique Godat vor mehr als zwölf Jahren im Zuge einer Kulinariker-Reportage über den Alltag in der Küche eines Grandhotels, genauer gesagt der Küche des St. Moritzer Kulm, dessen General Manager Godat damals noch war...

2013 wechselte er nach Moskau, um die Leitung des nicht minder geschichtsträchtigen Hotels Metropole zu übernehmen, wo schon Lenin mit seinen Genossen ausgiebige Gabelfrühstücke abzuhalten pflegte. In dieser Funktion wurde Godat von der European Hotel Managers Association zuletzt auch zum Hotel Manager des Jahres gekürt.

Wir treffen den ehemaligen Vollbluthotelier allerdings nicht an den Ufern des Moskwa, sondern nur einen Steinwurf vom Zürichsee entfernt an seiner neuen Wirkungsstätte in einem fünfstöckigen Biedermeierblock: der weltbekannten Kronenhalle, deren Leitung Godat dieses Frühjahr übernahm und deren Geschichte bis in die golden 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht, als das ehemalige «Hôtel de la Couronne» in der Rämistrasse 4 am Zürcher Bellevue von Seidenbaron Gottlieb Zumsteg und seiner Frau Hulda übernommen wurde.

Unter ihrer Patronage avancierte die Kronenhalle innerhalb weniger Jahre zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Züricher Bohème, von Literaten und weltbekannten Künstlern. So zählten u.a. Alberto Giacometti, James Joyce, Richard Strauss, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, aber auch Modegrößen wie Coco Channel oder Yves Saint Laurant zu den regelmäßigen Gästen. Doch war es vor allem Gottlieb und Huldas Sohn Gustav Zumsteg, der die elegante Brasserie zur Legende machte.

Machen die Kronenhalle einzigartig: die Kunstwerke an den Wänden!
Machen die Kronenhalle einzigartig: die Kunstwerke an den Wänden!

 

Mit großer Leidenschaft hat Zumsteg über Jahrzehnte eine Kunstsammlung mit Schwerpunkt auf der klassischen Moderne zusammengetragen, auf die nicht nur manches Museum neidisch wäre, sondern die Kronenhalle im Lauf der Jahre ganz nebenbei auch in eine der bedeutendsten Gemäldegalerien der Schweiz verwandelt hat, deren Werke Gäste als Gratiszugabe zu Kronenhalle Klassikern wie Züricher Geschnetzeltem oder Matjeshering genießen können. Und so zieren die dunklen, holzgetäfelten Wände bis heute bedeutende Werke von Chagall, Mirò, Braque, Rauschenberg, Kandinsky, Matisse, Bonnard, Hodler, Segantini oder Picasso – alles Originale versteht sich.

Kein Detail darf dabei verändert, kein Kunstwerk entfernt, verkauft oder auch nur umgehängt werden – so hat es Zumsteg verfügt. Und so wird ein Besuch der Kronenhalle zu einer Art Zeitreise in eine längst vergangene Epoche, ohne dass das Interieur samt schwarzweiß livriertem Service dabei auch nur ansatzweise altbacken wirken würde. Im Gegenteil: fast scheint die Kronenhalle auf eine fast mystische Weise aus der Zeit gefallen; lässt man den Lärm und die Hektik der Welt bei einem Besuch zumindest für ein paar Stunden hinter sich.

Heute liegen die Geschicke der Kronenhalle in den Händen einer Stiftung und – was das operative Geschäft des Gastronomiebetriebes angeht – eben jenen von Dominique Godat, der das traditionsreiche Lokal mit behutsamer Hand in die Zukunft führen soll, wozu auch eine behutsame Modernisierung und Verschlankung seiner Küche steht, für die seit mittlerweile 25 Jahren Küchenchef Peter Schärer verantwortlich zeichnet.

Kulinarisches aus der Hand von Küchenchef Peter Schärer...
Kulinarisches aus der Hand von Küchenchef Peter Schärer...

 

Zu deren großen Klassikern gehört, neben dem schon erwähnten Geschnetzelten oder dem Matjes, z.B. der Cocktail de Crevettes, die Blinis aux Saumon fumé, eine klare Oxtail-Suppe, Filetgulasch Stroganoff oder die Kalbsbratwurst. Zu den traditionsreichen Desserts zählen das köstliche Mousse au Chocolat mit Crème fraîche (unbedingt probieren!), Crème caramel oder Zitronensorbet mit Champagner. Wer solche unsterblichen Klassiker schätzt, wird in der Kronenhalle also in jedem Falle glücklich werden, denn die Qulaität der Speisen ist über jeden Zweifel erhaben.

Wer dagegen zwar das geschichtsträchtige Ambiente genießen möchte, für den es auf dem Teller allerdings ruhig etwas "moderner" zugehen darf, wird auf der Karte mit den Tagesempfehlungen fündig. So haben wir bei unserem Besuch zusammen mit Dominique Godat u.a. exzellente, fast ätherisch leichte Ravioli mit saftigen Scampi und scharfem weißem Curry oder ein perfektes Randen-Risotto mit gebratenen Jakobsmuscheln probiert. Im Hautgang ließen wir es uns dann aber doch nicht nehmen, das Züricher Geschnetzelte zu wählen, das in der Kronenhalle traditionell mit in der Soße pürierten Champignons gereicht wird, was die Soße deutlich intensiver und gleichzeitig herrlich sämig macht. Dazu bietet die Weinkarte eine exzellente Auswahl schweizerischer wie internationaler Tropfen.

Und auch wenn ein Lunch oder Dinner (am Abend unbedingt reservieren!) ein beträchtliches Loch ins persönliche Genussbudget reißen kann – mindestens 100 besser 150 Sfr. pro Person sollte man in jedem Fall einkalkulieren, soll es nicht bei einem simplen Tellergericht bleiben – ist ein Besuch der Kronenhalle doch ein einmaliges Erlebnis und sicher ein Highlight während eines Zürichbesuchs. Nach dem Dinner lockt dann noch ein Absucker in der angeschlossenen Kronenhalle Bar.

Die Kronenhalle: geschichtsträchtiges Hotel in Zürich!
Die Kronenhalle: geschichtsträchtiges Hotel in Zürich!

 

Wir wünschen Dominique Godat eine glückliche Hand bei dem Drahtseilakt die große Tradition der Kronenhalle auch für die nächsten Dekaden zu bewahren und sie gleichzeitig mutig ins 21. Jahrhundert zu führen.

Weitere Infos:

www.kronenhalle.ch

Hoteltipp:
Das stylische 25h Hotel an der Züricher Langstrasse nur wenige hundert Meter vom Züricher Hauptbahnhof entfernt und sein Pendant in Zürich West bieten – wie alle weiteren 25h-Hotels - bei Direktbuchung über die Hootelwebseite www.25hours-hotel.com bei Verwendung des Codes 25h_friend noch bis Ende 2020 einen Rabatt von 25% auf die beste verfügbare Rate. Vor allem das Haus an der Langstrasse liegt dabei ideal um ins Züricher Nachleben einzutauchen. Sein stylisches Restaurant NENI ( www.neni.ch ) unter Ägide der israelischen Küchenchefin Haya Molcho und ihrer vier Söhne lohnt ebenfalls einen Besuch und bietet eine für Züricher Verhältnisse preiswerte und unkomplizierte Auswahl nahöstlicher Streetfoodspezialitäten. Das 25h Hotel Zürich West punktet kulinarisch dagegen mit abwechslungsreichen und gut zubereiteten ital. Klassikern, die im Restaurant Ribelli ( www.ribelli-restaurant.com ) aufgetischt werden.

Fotos: Foodbilder Josia Sutter, Inneneinrichtung Christian Flierl

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Zuletzt bearbeitet am 09/08/2020

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Autor

Thomas Hauer

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