Zu Besuch auf der Chianti Classico Collection 2020

Einmal jährlich hält der "König der Toskana" Hof: Doch es ist kein Herrscher im eigentlichen Sinn, es ist der Gallo Nero, der schwarze Hahn, schlechthin das Markenzeichen und Emblem für die Weine des Chianti Classico DOCG, der zum Kommen lädt...

Einen royalen Palast hat der schwarze Hahn nicht, man trifft sich dennoch stilecht und entspannt in der Stazione Leopolda, dem alten Bahnhofsgebäude nahe der Florentiner Porta di Prato. Und ganz in Schwarz trat der Hahn in diesem Jahr auch nicht auf. Stattdessen stand die diesjährige 27. Ausgabe der Chianti Classico Collection, diesem riesigen jährlichen Qualitätstreffen neu edierter Chianti-Classico-Weine samt Ausblick auf das neue Weinjahr, unter dem Slogan "Alle Farben des Chianti Classico".

Und so leuchtete sein Gefieder in allen Regenbogenfarben und schillerte in zig Farbschattierungen: Rubinrot für den Wein, Purpur für die Trauben, Grün für die Weinstöcke, aber auch Braun für Erde und Terroir und strahlendes Blau für den einzigartigen Himmel über dem nur 70 000 Hektar großen Gebiet des Chianti Classico.

Und nicht genug damit: Giovanni Manetti, Präsident des Konsortiums Vino Chianti Classico, konnte 2020 erneut mit phantastischen Zahlen aufwarten. Er repräsentiert nicht nur 515 Mitglieder, von denen 354 auch in Flaschen abfüllen und mit eigenen Weinlabels auf dem Markt vertreten sind. Er repräsentiert auch einen Jahresumsatz von sagenhaften 400 Millionen Euro, die allein die 270 000 Hektoliter Chianti Classico-Weine auf den nur 10 000 Hektar bedeckenden Weinbergen, einem Siebtel des sonst auch waldreichen Chianti Classico-Gebietes, generieren.

Montalcino Tasting...
Montalcino Tasting...

 

Das sind satte 50 Prozent der jährlich verdienten 800 Millionen im gesamten Chianti Classico-Gebiet. Und das sich zur Zweitageveranstaltung 2020 auch 200 Gallo Nero-Weingüter einfanden, um insgesamt 740 Weine zu präsentieren, darf ebenfalls als Erfolg gewertet werden. Ebenfalls zum zweiten Mal durften auch die Endverbraucher an dieser Veranstaltung der Superlative teilnehmen – allerdings nur am zweiten Tag, dem Dienstag, und auch nur von 14.00 bis 18.30 Uhr. Doch trotz der verlangten 40 Euro Eintritt war auch dieser Nachmittagsevent proppenvoll.

Schon zuvor hatten sich indes mehr als 300 Journalisten aus 30 Ländern und einige tausend Weinexperten aus aller Welt versammelt, um in anderthalb Tagen insgesamt 10 000 Flaschen zu leeren und dem Geheimnis des Gallo Nero noch intensiver auf die Spur zu kommen. 50 Sommeliers sorgten dafür, dass nie Mangel an Nachschub war, um die Nachfrage nach Jahrgangswein (Annata), einer gediegenen Riserva oder dem Höhepunkt, der Gran Selezione, zu befriedigen. Ein Beispiel: Wer sich einen kompletten Überblick über diese "Große Auslese", das neue Aushängeschild des Chianti Classico, verschaffen wollte, musste gleich 127 Gran Selezione verkosten…

Chianti Classico-Weine werden heute in über 130 Länder weltweit exportiert. Und dies betrifft vor allem die exquisiten Top-Qualitätsweine. Riserva und Gran Selezione machen 42 Prozent der Jahresproduktion im Chianti Classico aus. Doch sie generieren satte 55 % der erzielten Erlöse. Und gerade die Gran Selezione legte derzeit eine Performance sondergleichen hin. 2019 sorgte die "Große Auslese" für einen Verkaufsanstieg von 15 Prozent.

Ambassador Dr. Jens Priewe (m.).
Ambassador Dr. Jens Priewe (m.).

 

Eigentlich geben die Italiener ihren geliebten König der Toskana gar nicht so gern her: Doch nur 22 Prozent der Chianti Classico-Weine bleiben letztlich im "Bel Paese". Doch den Großteil sichert sich die globale Gemeinde der Genießer! Allein 34 Prozent dieser Topweine werden jährlich in den USA entkorkt, wo vielleicht auch der ein oder andere Schluckspecht mithilft, diesen grandiosen Umsatz zu bewältigen. Es folgen mit weitem Abstand Kanada (10 %), Großbritannien (7 %) und Deutschland (6 %). Doch Werbung für den Gallo Nero, diese weltweitbekannte Marke, kann dennoch nie schaden. Daher genehmigte sich der "König der Toskana" in diesem Jahr auf der Chianti Classico Collection 2020 einen erweiterten Hofstaat: Erstmals überhaupt wurden zwei Ehrenbotschafter des Chianti Classico gekürt und unter großem Applaus ausgezeichnet. Diese außerordentliche wie honorige Aufgabe übernehmen nun zukünftig der italienische Star-Weinkritiker Daniele Cernilli ("Doctor Wine") und der Doyen der deutschen Weinkritik, Dr. Jens Priewe.

Aber für den Gallo Nero, machen sich jährlich auch zig weitere Kaliber der internationalen Weinzunft auf den Weg nach Florenz. Etwa John Umberto Salvi, Urgestein der internationalen Weinkritik und mit seinen 83 Jahren nicht einmal der Älteste auf der Chianti Classico Collection 2020. Dieser Titel gebührt dem Niederländer Frank Schoonhoven, der noch einige Wochen älter ist. Doch John Salvi ist auch "MW", Master of Wine. Diese Qualifikation legte er sich bereits 1970 zu – als einer der ersten 20 weltweit. Heute sind weltweit ca. 380 solcher "MWs" aktiv, reisen wie John Salvi zwischen China, Japan und Indien, Frankreich, Spanien, den USA oder Ungarn hin und her und sorgen mit ihrer Expertise dafür, dass mancher Wein sein verdientes Adelsprädikat erhält.

Gut daher, das auch John Salvi einen Adelstitel führt. Er ist ein echter Conte, ein päpstlicher Titel, den er einem Vorfahr zu verdanken hat. Denn 1732 bis 1762 entstand in Rom der Trevi-Brunnen nach einem Entwurf von Nicola Salvi, der dann zum Conte aufstieg. Schön daher, dass John Umberto Salvi schon vor der Stazione Leopolda in diesem Jahr seine hochgradig lesenswerte, oft amüsante Autobiographie mit dem Titel "Count of Wines" ("Graf der Weine") präsentierte (15 Euro). Und 50 Jahre im globalen Weinbusiness sind natürlich auch ein guter Anlass für diesen publizistischen Schritt.

John Salvi, ein echter Conte.
John Salvi, ein echter Conte.

 

Dass der die "Kunst des Weines" bravourös beherrschende John Salvi nicht einziger Adliger beim Hoffest des Gallo Nero ist, versteht sich zudem von selbst. Da sind erst einmal die glorreichen Namen der Frescobaldi, Antinori oder Ricasoli: Und natürlich ist Baron Francesco Ricasoli mit dem seit 1993 von ihm geführten, auf 1141 zurückdatierenden Castello di Brolio persönlich auf der Chianti Classico Collection 2020 vertreten.

Gleich sagenhafte vier Gran Selezione-Weine bietet sein Haus auf, das auch in Sachen Weintourismus federführend in der Toskana ist. Ricasoli besitzt zudem das größte Weingut im Chianti Classico mit Sitz in der Gemeinde Gaiole in Chianti: 1200 Hektar Land, davon 235 ha Weinberge und 26 ha Olivenhaine sind zu unterhalten. Die sehr unterschiedlichen Weinberge und die seit 2008 praktizierte Unterteilung in Zonen ermöglichten dann diesen einzigartigen Schritt hin zu den vier Gran Selezione, die natürlich nur in den besten Weinjahren produziert werden.

Da ist erst einmal der von Sales Manager Federico Ordile präsentierte Castello di Brolio Gran Selezione 2016 (97 % Sangiovese, 3 % Abrusco): Elegant, konzentriert und mit gut durchstrukturierten Tannin ausgestattet, überzeugt er auch nach Jahren Lagerung durch seine Frische. 50 000 Flachen sind im Handel. Und dann sind da noch 27.000 Flaschen des Colledilá Chianti Classico Gran Selezione 2016, ein purer Sangiovese vom gleichnamigen 7 ha großen Weinberg in 390 m Höhe – ein Gedicht. Ebenfalls vom Jahrhundertjahrgang 2016 profitiert Ricasolis Roncione Chianti Classico Gran Selezione 2016: Blumige Frische mit leichten Gewürznoten zeichnen ihn aus (6000 Flaschen).

Tenuta di Perano...
Tenuta di Perano...

 

Die von Hand gelesenen und streng selektierten Trauben stammen vom Roncione-Weinberg (10 ha) in 320 m Höhe. Und schließlich ist da ja auch noch der Favorit: Ricasolis CeniPrimo Chianti Classico Gran Selezione 2016 (100 Prozent Sangiovese, 6000 Flaschen) brilliert durch balsamische Noten, Intensität und Volumen. Der kleine Weinberg (6 ha) im Tal des Arvia-Flusses liegt in 300 m Höhe. Und ihn sollte man sich merken.

Da will natürlich auch Marchese (Markgraf) Frescobaldi nicht hintanstehen. Ihm gelang mit der Übernahme der Tenuta di Perano das wohl meistbestaunte Chianti Classico-Debüt aller Zeiten. Gerade erst kürte es der Gambero Rosso zu Italiens Weingut des Jahres 2020. Und die mit bis zu 95 und 96 Punkten ausgezeichneten Weine sind einfach eine Klasse für sich. Da ist der superelegante Rialzi Chianti Classico Gran Selezione 2015! Und vielleicht noch einen Tick besser ist sogar der Tenuta di Perano Chianti Classico Riserva 2016. In solchem Adelsreigen möchte natürlich auch nicht das renommierte Castello di Querceto ausscheren. Im Gegenteil: Oberhalb Greve in Chianti betreibt der Adlige Alessandro Francois 65 Hektar Weinberge, die in 26 Parzellen strukturiert sind. Wer einmal von der Burg ins Amphitheater des Talrunds geschaut hat, wird das sagenhafte Ambiente stets in Erinnerung behalten.

Weingutdirektor Dr. Marco Fizialetti präsentiert gleich zwei neue Superweine: Da ist die Chianti Classico Gran Selezione La Corte 2017. Dieser bereits seit 1978 hergestellte elegante pure Sangiovese vom nur 3,4 Hektar großen Weinberg La Corte ("Der Hof") lagert 14 Monate im Barrique. Er überzeugt ebenso wie der noch bessere Il Picchio 2017 (95 % Sangiovese, 5 % Colorino). Alessandro Francois dazu: Die Idee ist, mit immer tieferem Verständnis und so wenig Kellerei-Eingriffen wie möglich die reiche Diversität der Böden und der charakteristischen Mikroklimata des Castello di Querceto (in Wein) zu übersetzen." Am Ende ist aber der Chianti Classico Castello di Querceto 2018 die große, überaus positive Überraschung. Ein sehr, sehr guter Wein aus einem höchst vielversprechenden Jahrgang (92 % Sangiovese, 5 % Canaiolo, 3 % Colorino).

Frank Schoonhoven.
Frank Schoonhoven.

 

Schließlich: kein Adliger, aber durch zig höchste Ehrungen geadelt, ist auch John Matta. Italiens viermaliger Winzer des Jahres (1997, 2002, 2005, 2010) residiert auf dem vor den Toren von Greve in Chianti hoch auf dem Berg thronenden Castello Vicchiomaggio. Zudem sind die Weine unter den diesjährigen Favoriten von Frank Schoonhoven, der mit sicherem Gespür für allerbesten Wein die heiligen Hallen der Stazione Leopolda durchstreift.

Und tatsächlich erreichen sowohl der Chianti Classico Gran Selezione Le Bolle 2016 und der Chianti Classico Gran Selezione La Prima 2016 absolute Höchstwerte bei der Weinkritik (92 bis 96 Punkte). Der energetisch starke La Prima 2016 beeindruckt durch Aromen von dunklen Kirschen sowie Lavendel, Sandelholz und sogar Teeblättern und überragt dabei sogar noch den La Prima 2015. Weinkritiker James Suckling gab ihm 96 Punkte. Und auch Le Bolle beeindruckt mit Aromen von Nelken, dunkler Schokolade und dunkler Kirsche. Doctor Wine-Autor Daniele Cernilli notierte 94 Punkte.

Und schließlich: Natürlich umfasst der große Hof des "Königs der Toskana" auch noch zig weitere herausragende Weingüter, die jenseits aller Adelstitel mit Tradition, modernster Technik und exzellentem Knowhow dem Schwarzen Hahn die Referenz erweisen. Grund genug, sich diesen in einer zweiten Reportage zu widmen.

Information:
Consorzio Vino Chianti Classico: www.chianticlassico.com 
Chianti Classico-Olivenöl: Olio Chianti Classico DOP, www.oliodopchianticlassico.com 

Chianti Classico-Weine DOCG und Olivenöl Chianti Classico DOP live:
Casa Chianti Classico, Circonvallazione Santa Maria 18, 53017 Radda in Chianti, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0577 73 81 87, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.casachianticlassico.it 

Toskanischer Schinken: Prosciutto Toscano DOP, www.prosciuttotoscano.com 
Toskanischer Pecorino-Käse: Pecorino Toscano DOP, www.pecorinotoscanodop.it 

Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/ 

 

Impressionen:

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 19/06/2020

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