Defilee bei der "Donna curiosa" (Teil 2)

Erst einmal lud das Konsortium zum Dinner ins Restaurant des Relais La Cappuccina, wo der 2019 wie 2020 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küchenchef Maurizio Bardotti vom örtlichen Ristorante "Al 43" Erlesenes auftischen ließ...

Gut, dass etwa zum Schweinebauch mit Kakuni, Liebstöckel und Apfel in Gin hervorragende DOCG-Weine des Vernaccia di San Gimignano gereicht wurden. Bestens aufgestellt war da das Weingut Tollena: erst einmal überzeugte der 2019er Tollena Lunario. Und dann setzte der Tollena "Signorina Vittoria" 2016 (95 % Vernaccia, 5 % Chardonnay) dem Ganzen die siegreiche Krone auf. Er überzeugte auch im Vergleich zu den in Deutschland im Verkauf nahezu unschlagbar weit vorn liegenden Weinen von Teruzzi, die mit dem Vernaccia di San Gimignano "Isola Bianca" 2019 und dem Vernaccia di San Gimignano Riserva "Sant`Elena" 2017 (je 100 % Vernaccia) ebenfalls überdurchschnittlich gut vertreten waren.

Eine positive Überraschung war auch der Vernaccia di San Gimignano "Rialto" 2018 (100 %) der Tenuta Cappellasantandrea, von dem allerdings nur 3000 Flaschen auf dem Markt sind. Schließlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Vin Santo 2008 von Guicciardini Strozzi exzellent war. Ebenso der Il Lebbio 2011.

Welche Reize San Gimignano auch im sonnigen Februar bietet, hatte Bürgermeister Andrea Marrucci schon bei seiner Eröffnungsrede angekündigt. Da ist erst einmal der nun endlich ausgestellte, schon 2010 gemachte Sensationsfund der etruskischen Bronzestatue des "Hinthial". Der Statue aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde im Archäologischen Museum ein eigenes Ausstellungsareal eingerichtet. Aktuell baute man dort sogar aus. Denn die einstige Kapelle neben dem Museum soll ab 2020 diesen einzigartigen Fund beherbergen. Dank des San Gimignano-Pass (13 Euro) können Besucher auch nach der Corona-Krise wieder die Highlights im Ort kostengünstig besuchen.

Kunstwerk in der Kirche San Lorenzo in Ponte.
Kunstwerk in der Kirche San Lorenzo in Ponte.

 

Dazu zählt neben Museen und Galerien auch die kleine, 1240 fertiggestellte Kirche San Lorenzo in Ponte. Großartig sind hier die Fresken, die ab 1411 Cenni di Francesco di ser Cenni schuf. Schon zuvor war hier Simone Martini (1284 – 1344) aktiv. Er schuf hier um 1310 das Bildnis der berühmten Madonna in Gloria, das Cenni di Francesco dann ab 1410711 erweiterte. Ganz einmalig ist hingegen das gleich zur Linken des Haupteingangs angebrachte Riesenfresko zum Thema "Hölle". Hier sind jene mittelalterlich geprägten, aber schon von Papst Gregor dem Großen festgelegten sieben Hauptlaster abgebildet, denen Menschen zu Lebzeiten anheimfielen.

Danach folgte folgerichtig der Absturz in die Hölle, wo sich die Laster dann gegen die einst sorglosen Protagonisten wendeten. Mit dabei ist natürlich auch die Völlerei, zur der Fress- und Trunksucht, Schwelgerei, Gefräßigkeit und Maßlosigkeit gehören. Gezeigt wird hier ein armer Wicht, dem, unter einer Weintonne begraben, ein Beelzebub eifrig tagein tagaus Wein eintrichtert –welch Höllenqual. Dazu zeigt gleich nebenan eine barbusige Frau auch das ebenfalls schwerwiegende Laster der Wollust an.

San Gimignano wartet also auch zumindest für die etwas zu trinkfreudigen Anbeter der kuriosen Signora Vernaccia mit einigen fundamentalen Warnungen. Aber das zählt an diesem herrlichen Frühlingsmorgen nicht, wo man sich an der Piazza della Cisterna zu Sonnenbad und Cappuccino trifft oder gleich der Gelateria Dondoli die Aufwartung macht. Die hält nicht nur zwei Weltmeistertitel in der Kunst der Eisherstellung. 2015 gewann man auch noch den ebenso prestigeträchtigen Titel der besten Eisdiele der Toskana. Eines ist in jedem Fall sicher: Dondoli gilt mit seinen Biomilch-Eiskreationen als kreativster und innovativster Speiseeiskünstler zwischen Florenz und Siena.

Ab in die Gelateria Dondoli...
Ab in die Gelateria Dondoli...

 

Und natürlich spielt der Gedanke der Völlerei und Trunksucht auch keine Rolle beim diesjährigen Höhepunkt der 15. Anteprima Vernaccia di San Gimignano, der Verkostung von gleich 12 Weinen in der Sala Dante des historischen Rathauses. Unter dem Motto "Der Weißwein und sein Territorium" hatte Gast Alessandro Torcoli, Direktor der 1964 gegründeten Zeitschrift "Civiltá di bere" sechs Vernaccia der Jahrgänge 2013, 2014, 2016 und 2017 ausgewählt, die gegen sechs längst klassische, durch ihr Territorium klar definierte Weine aus den Ländern Argentinien, USA, Neuseeland, Australien und Südafrika antraten. Sie stammten aus den Jahrgängen 2016, 2017, 2018 und 2019.

Nun, das Duell "Signora Vernaccia di San Gimignano" gegen den arrivierten Rest aus der "Neuen Welt" konnte eigentlich nicht schief gehen. Denn immerhin war schon Dante 1299 hier im Saal. Und auch er hat in seinen Schriften den Vernaccia zitiert. Und so schritt man frohgemut zur Blindverkostung. Ziel war, für die Wiedererkennbarkeit des Territoriums zu sensibilisieren. Dazu wurden alle Weine anonymisiert eingeschenkt. Den Start machte ein leicht herber, noch jung wirkender Vernaccia mit heller Farbe. Der Ostrea 2017 des Gutes Marmoraia überzeugte durch seine cremige Note, Zitronen- und Vanille-Aromen. Die Trauben wuchsen auf dem berühmten "limo" von San Gimignano und gelangten dann 10 Monate in den Stahltank. Numero Due war dann der sehr runde, leicht apfelig schmeckende, sehr komplexe und sehr, sehr gute "Sant`Elena 2016" von Teruzzi. Er ist für 20 Euro im Handel.

Die Nummer Drei und vielleicht noch einen Tick runder war dann der 2014er "Le Mandorle" der Fattoria Poggio Alloro. Sie ist, nebenbei, wie auch das Weinresort Borgo Tollena, als idealer Übernachtungsstandort für San Gimignano zu empfehlen. Poggio Alloro produziert nur Bioweine. Dieser mit Noten von Schokolade, Mandel und auch Apfel aufwartende Wein stammt vom höher liegenden Weinberg "Mandeln". Der untere Weinberg ist der Kastanie gewidmet. Doch einig ist man sich hier im Auditorium auch, das unter den aktuellen Jahrgängen des Vernaccia vor allem die Jahre 2013, 2016 und natürlich 2019 besonders gut sind.

Perfekte Harmonie, Frische, guten Körper und Cremositá...
Perfekte Harmonie, Frische, guten Körper und Cremositá...

 

Die Nummer 4, der "L`Albareta Vernaccia di San Gimignano Riserva 2014" des Weingutes Il Colombaio di Santa Chiara, überzeugt durch perfekte Harmonie, Frische, guten Körper und Cremositá. Die Trauen stammen vom 17 Jahre alten Weinberg "L`Albereta". Sei gelangen 7 bis 8 Monate in Zement, ehe 18 bis 19 Monate in Holz folgen. Gelungen! Nummer Fünf entpuppt sich dann als Favorit der Vernaccia-Auslesen: Es ist ein Vernaccia di San Gimignano Riserva 2013 von Panizzi: sehr rund und aus einem großartigen Jahr. Dazu schwört Signore Panizzi auf historische Herstellungsmethoden. Schließlich beschließt eine Vernaccia Riserva 2013 des Gutes La Lastra den Reigen.

Dann folgen die "Internationalen". Vorneweg darf es ein südafrikanischer Chenin Blanc von The Society`s sein, der zwischen Paarl und Stellenbosch wuchs: intensiv, fruchtig, mit Noten von Honig und Apfelblüten! Es folgt ein australischer Klassiker, der 2019er Riesling Polish Hill Vineyard Clare Valley von Grosset.

Und auch die Nummer Neuen ist ein Superklassiker: Der 2018er von The Society`s stammt diesmal aus dem australischen Hunter Valley und ist ein veritabler Semillon mit wenig Alkohol (10,5 - 11 %) mit Noten von Nuss und Erdnuss. Seine volle Pracht soll er erst nach fünf bis sieben Jahren entfalten. So ist er also noch recht jung. Schließlich bilden mit dem herrlichen US-amerikanischen Director`s Cut Russian River Chardonnay 2016 von Pate-Regisseur Francis Ford Coppola und dem noch besseren argentinischen Adrianna Vienyards White Bones Chardonnay Mendoza der Bodega Catena zwei Weine den Abschluss, denen Signora Vernaccia in der Rubrik "Klassik" nicht ganz ebenbürtig ist.

Aber dafür besitzt sie ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist die "Donna curiosa", San Gimignanos "kuriose Lady".

Information:
Consorzio del Vino Vernaccia di San Gimignano, Via di Fugnano 19, 53037 San Gimignano, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0577 94 01 08, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.vernaccia.it 
Weinresort Borgo Tollena, c/o Azienda Agricola Tollena, Loc. Tollena, 53037 San Gimignano, Tel. +39 0577 90 71 78, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.borgotollena.it 
Agriturismo Fattoria Poggio Alloro, Via Sant`Andrea 23, 53037 San Gimignano, Tel. +39 0577 95 01 53, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.fattoriapoggioallroo.com 

Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/ 

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 18/05/2020

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