DER KULINARIKER trifft: Jasper Reidel (Geschäftsführer Weingut Hermannsberg)

Seit der Gründung 1902 als Königlich-Preussische Domäne, produziert das Weingut Hermannsberg Weine höchster Qualität!

Mit Kellermeister Karsten Peter hat das Unternehmen einen Mitarbeiter mit Gespür für guten Wein an seiner Seite. DER KULINARIKER im Gespräch mit Geschäftsführer Jasper Reidel...

Wann haben Sie Ihren ersten eigenen Wein produziert?

Ich bin seit dem Frühling 2018 auf Gut Hermannsberg tätig, Karsten Peter ist allerdings schon seit dem Herbst 2009, als meine Familie das Weingut übernommen hat, unser Kellermeister. Ich gebe meinen Input, aber im Keller ist er der Chef. Wir sind sehr glücklich, dass so viele unserer Kunden, Top-Sommeliers und Kritiker begeistert von unserem letzten Jahrgang sind, den 2018er Weinen und die 2019er scheinen uns ähnlich toll gelungen zu sein. Damit kommt die ehemalige Königlich-Preußische Weinbaudomäne wieder ganz oben an. Das ist ein sehr schönes Gefühl!

Wie viele Weinbergslagen gehören zum Weingut und was ist die Gesamtgröße der Rebflächen?

Gut Hermannsberg hat 30 Hektar eigene Weinberge, die auf 7 Terroirs / Lagen aufgeteilt sind und allesamt als VDP.GROSSEN.LAGEN. klassifiziert sind. Das ist eine sehr seltene Konstellation und sechs von unseren 7 Terroirs sind von vulkanischem Muttergestein und daraus entstandenen Böden geprägt. Das gibt unseren Weinen einen unvergleichlichen Charakter und diese kraftvolle, elegante und mineralische Struktur.

Welche Rebsorten bauen Sie hauptsächlich an?

Seit der Gründung des Guts im Jahr 1902 vom Preußischen Staat liegt der Schwerpunkt ganz klar auf dem Riesling. Die Staatliche Weinbaudomäne erlangte ihren Weltruf mit großartigen Rieslingen und an dieser Tradition möchten wir auch heute auf Gut Hermannsberg anknüpfen. Wir lieben die erstaunliche Bandbreite an Frucht-, Blüten-, Kräuter, Gewürz- und anderen Aromen, die Riesling-Weine bieten können, sowie das wunderbare Spiel zwischen ihnen und der typischen frischen Säure der Sorte an der Nahe. Was wir aber beim Riesling am meisten lieben, ist die Art, wie er die einzigartige Konstellation von Bedingungen in jeder einzelnen Lage in Aroma und Geschmack übersetzt. Seine Rolle auf Gut Hermannsberg ist die des Terroir-Übersetzers unserer 7 Terroirs, denn Riesling ist immer ein Spiegel seiner Herkunft. Wir haben außerdem eine kleine Fläche Weißen Burgunders, um unseren Gästen eine spannende Alternative zum Riesling anbieten zu können.

Königlich-Preußische Weinbaudomäne Hermannsberg: 2016er GG, 2019er 7 Terroirs, 2016er Vom Schiefer...
Königlich-Preußische Weinbaudomäne Hermannsberg: 2016er Hermannsberg GG, 2019er 7 Terroirs, 2016er Vom Schiefer...

 

Wer arbeitet im Betrieb maßgeblich mit? Wer kümmert sich um was?

Hier auf Gut Hermannsberg sehen wir uns als eine Art Patchwork-Familie aller Altersstufen von zwanzig bis beinahe siebzig, mit ebenso vielfältigem Background und aus allen Himmelsrichtungen. Jeder einzelne Mitarbeiter spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Gut Hermannsberg, ob in der Weinproduktion, in unserem Gästehaus oder unserer Gastronomie.

Maßgeblich sind natürlich meine Geschäftsführer-Kollegen Karsten Peter, den ich schon erwähnt habe, und Achim Kirchner der sich sehr erfolgreich um unseren Vertrieb kümmert. Eine weitere ganz entscheidende Rolle spielt unser 3-Köpfiges Außenbetrieb- / Kellerteam Udo Preussger, Philipp Wolf und Maximilian Schmidt. Ohne Ihre harte Arbeit würden wir nicht diese beständige Qualität in unseren Weinen erzeugen können.

Gab es im vergangenen Jahr Änderungen im Weingut?

Letztes Jahr haben wir zwei neue Weine lanciert und erfreulicherweise kamen sie noch besser an, als wir es zu hoffen gewagt haben. Der trockene Riesling 7 Terroirs ist der neue Basiswein aus unseren 30 Hektar VDP.GROSSEN.LAGEN. und kostet nur 11,90 Euro ab Hof.
Ganz anders sieht es beim 2013 Kupfergrube Sekt Extra Brut, der letzten September in Bad Kreuznach versteigert wurde und im Markt für 69,- bis fast 100,- Euro zu finden ist. Wir freuen uns natürlich über einen solchen Preis für so ein Spitzenprodukt und dieser ist auch gerecht, andererseits erreichen wir mit dem 7 Terroirs eine viel breitere Kundschaft mit einem Spitzen-Riesling bereits im Basissegment und das ist auch sehr wichtig.

Werden besondere Methoden beim An- und Ausbau angewandt?

Ja, aber wie Karsten Peter oft sagt "Dogma ist nicht unsere Sache!" Trotzdem lassen Sie mich die wichtigsten Punkte aufzählen: die Weine aus unseren 30 Hektar eigenen Weinbergen werden von Hand gelesen und grundsätzlich spontanvergoren, also ohne Zusatz von gezüchteten Hefen aus der Tüte. Zeit ist das wichtigste kellerwirtschaftliche Mittel und alle diese Weine reifen zwischen 6 Monaten und 6 Jahren in unserem tiefen, kühlen Keller. Unser Ziel ist nicht nur einen tollen Geschmack zu erzielen, sondern einen einmaligen, unverwechselbaren Geschmack, der zur langen Tradition des Weinguts passt. Alle großen Weine der Welt sind so.

Welche Schwerpunkte setzt der Betrieb?

Bei uns liegt der Fokus eindeutig auf trockenen Weinen, aber wenn die Natur es zulässt, erzeugen wir dazu auch einige edelsüße Weine wie beispielsweise unsere 2015 Kupfergrube TBA, die von Robert Parkers The Wine Advocate mit 100 Punkten ausgezeichnet wurde und bei der Nahe VDP-Versteigerung 2017 bei mehr als 12.500 Euro pro Flasche den Zuschlag erhalten hat. Ein damaliger neuer Rekord für einen jungen Nahewein.

Heutzutage will die Welt vorwiegend trockene Weine. Die Nahe war bis in die 1980er ein fast reines Anbaugebiet für Süssweine und erst die Klimaveränderung der letzten Jahrzehnte hat Idealbedingungen für trockene Spitzen-Rieslinge geschaffen. Natürlich freuen wir uns nicht über die Klimaerwärmung, dennoch ist unsere Region ein Gewinner dieser Entwicklung. So können wir wirklich jedes Jahr große trockene Weißweine erzeugen und auf der anderen Seite haben unsere Weine trotzdem ihren "Cool Climate" Typus – aromatische Feinheit, schlanken Körper und rassige, mineralische Art – behalten.

Gehört der Betrieb Verbänden oder Netzwerken an? Wenn ja, welchen und seit wann?

Ja, seit 1910 sind wir Gründungsmitglied des Verbands deutscher Prädikatsweingüter (VDP), der heute etwa 200 Mitglieder hat, zu denen ein großer Teil der führenden Weingüter Deutschlands gehört. Auf der anderen Seite haben wir ganz neue Partnerschaften, zum Beispiel mit den Weingütern Beaumont Family Wines in Südafrika und Sphera Winery in Israel. Mit den Kommunikationsmitteln des 21. Jahrhunderts funktioniert das sehr gut.

Königlich-Preußische Weinbaudomäne Hermannsberg: 2019er 7 Terroirs, 2016er Vom Schiefer, 2015er Kupfergrube GG...
Königlich-Preußische Weinbaudomäne Hermannsberg: 2019er 7 Terroirs, 2016er Vom Schiefer, 2015er Kupfergrube GG...

 

Wie beschreiben Sie selbst Ihre Arbeitsweise?

Die Bandbreite der Aufgaben ist sehr groß und darin liegt der Reiz. Wir sind an unseren 7 Terroirs gebunden und von der Natur abhängig, das stellt uns jedes Jahr vor neue Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Unser Fokus liegt ausschließlich auf der Qualität unserer Weine und da machen wir keine Kompromisse. Im Weinbau geht es dabei immer um sehr langfristige Entscheidungen. Manche Reben sind hier über 70 Jahre alt! Deshalb ist Nachhaltigkeit für uns zugleich der Erhalt der Natur, von und mit der wir leben. Wir wollen unverfälschte, ehrliche Weine und das beginnt immer im Weinberg und setzt sich im Keller zum Beispiel mit der Spontanvergärung oder dem Verzicht von Schönungsmitteln fort: wir wollen dem Wein nichts geben und auch nichts nehmen. Eine sehr konsequente puristische Grundidee mit viel Respekt vor der Natur, denke ich.

Welche Rebsorten und welche Weinstile bevorzugen Sie persönlich?

Neben unseren trockenen Rieslingen trinke ich sehr gerne tolle Rotweine aus vielen Gebieten von Baden über Bordeaux und Priorat in Spanien. Aber natürlich auch andere großartige Rieslinge von unseren deutschen Kollegen. Es gibt so viele tolle Weine zu entdecken und das macht viel Freude.

Haben Sie Lieblingsweine?

Unser 2015 Kupfergrube GG Reserve, dieser Wein wird am 1. Sept. 2020, nach fünfjähriger Reifezeit in unserem Keller, auf den Markt kommen. Der Ruf von Gut Hermannsberg beruht vor allem auf den Kupfergrube-Weinen, nicht zuletzt, weil sie sich durch ihren ausgeprägten vulkanischen Charakter abheben. Unser 15er Jahrgang ist wahrscheinlich das kraftvollste und konzentrierteste Kupfergrube GG. Ein atemberaubender Wein, der sich gerade erst zu öffnen beginnt. Trotz des warmen und trockenen Jahrgangs gibt es keine Spur von den exotischen Fruchtaromen, zu denen es dann oft kommt, vielmehr sind die für die Lage charakteristischen Rauch- und Grapefruitnoten sehr ausgeprägt. Selbst im Alter von fünf Jahren benötigt er weitere Reife, um sich von seiner besten Seite zu zeigen. Unsere Entscheidung unser Kupfergrube GG künftig erst nach fünf Jahren Reifezeit auf den Markt zu bringen, ist folglich ein logischer Schritt. Ein Wein mit Jahrzehnte-langem Reifepotenzial, bei dem die Zeit ihn nie seicht oder gewöhnlich machen wird.

Welche Pläne/ Visionen haben Sie für das Weingut Hermannsberg. Wie soll es in den nächsten Jahren aussehen?

Gemeinsam mit unserem Team, haben wir es in den letzten elf Jahren geschafft, seitdem meine Familie das Weingut übernommen hat, Gut Hermannsberg wieder an der deutschen Weinspitze zu etablieren. Unsere Weine sind mittlerweile bei der Großzahl deutscher Top-Händler, Sterne-Gastronomen sowie in 25 Exportmärkten erhältlich. Das ist eine beeindruckende Leistung für die kurze Zeit, die nur durch harte Arbeit des gesamten Teams machbar war. Genau daran wollen wir in den kommenden Jahren anknüpfen und diese Stellung nachhaltig festigen und weiter ausbauen.

Neben der Weinproduktion hat unser Weingut auch ein Gästehaus, ein Restaurant, eine Vinothek und ist ein Tagungs- und Veranstaltungsort. Mit diesem Setup möchten wir künftig auch noch mehr Menschen zu uns an die Nahe bringen und damit auch helfen den Standort Nahe als Weintourismusziel noch attraktiver zu gestalten.

Informationen unter: https://gut-hermannsberg.de/

Foto: Carola Faber / Weingut Hermannsberg

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Zuletzt bearbeitet am 13/05/2020

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Autor

Carola Faber

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