Acht auf einen Streich! Der Meerwein "Nesos"! (Teil 2)

Und so lauschten alle gespannt seinen Ausführungen zur Geschichte jenes neuen Weltwunders von der eher als Urlaubsdorado bekannten Insel Elba: dem Meerwein "Nesos"...

Und nicht zuletzt die wissenschaftlichen Untersuchungen und Recherchen des Mailänder Professors sorgten dafür, dass Elba und "Nesos" zusammenfanden und auch perfekt zusammen passen: Erst einmal stammt das Wort "Nesos" aus dem Altgriechischen und bedeutet "Insel". Und dann war Attilio Scienza auch noch vor Ort, um den dortigen Winzern in einem Vortrag seine Erkenntnisse zu den antiken Weinen mitzuteilen.

Allen voran der Antike berühmte, von Roms Patriziern sehr geschätzte Wein der Insel Chios hatte es ihm angetan. Und er war dem Geheimnis dieses Wunderweins des Mittelmeeres auf die Spur gekommen. Ein Glücksfall dann, dass auch Antonio Arrighi bei diesem Vortrag zugegen war. Denn Arrighi, ebenso renommierter wie experimentierfreudiger Winzer mit einigen kleinen Weinberge nahe dem herrlichen Elba-Hafendörfchen Porto Azzurro, hatte schon zuvor mit der Produktion von Wein in großformatigen Terrakotta-Amphoren für Furore gesorgt.

Gesagt, getan: die zwei entschlossen sich, mittels experimenteller Archäologie das Geheimnis dieses antiken Superweins auch praktisch zu lüften. Den antiken Titel des Weins von Chios, "Wein der Reichen", verliehen keine frühen Gourmets, sondern Roms berühmtester Universalgelehrter: Marcus Terentius Varro (116 v. Chr. – 27 v. Chr.). Dazu schwärmte auch Plinius der Ältere von diesem Tropfen. Laut ihm ließ Julius Cäsar diesen Wein beim Bankett zur Einführung in sein drittes Konsulat auftischen. Solche Lobeshymnen führten den akribischen forschenden, indes auf der Pressekonferenz auch ausgiebig schmunzelnden Professor Scienza zur Frage, wie die damaligen Weingüter mit damals bescheidenen Mittel dennoch herausragende Wein produzieren konnten. Und ans Tageslicht kam, dass sie salziges Meerwasser nutzten – auch als Antiseptikum, und um ihre speziell auf Chios gedeihenden Trauben vor dem Keltern zu reinigen.

Antonio Arrighi.
Antonio Arrighi.

 

Der Clou aber war, dass Professor Scienza entdeckte, dass Elbas uralte autochthone Traube Ansonica bemerkenswerte Analogien zu zwei antiken Rebsorten aus der Ägäis besitzt, die auch die antiken Winzer auf Chios anbauten: Rhoditis und Siderits. Die Trauben dieser zwei Rebsorten besitzen eine robuste, delikat raue, frische Haut, die es erlaubt, sie für eine Weile auch Meerwasser auszusetzen. Und exakt dies machte nun Antonio Arrighi, unterstützt von Attilio Scienza und den Weindozenten Angelo Zinnai und Francesca Venturi von der Uni Pisa.

Dabei gebührt den Bio-Tauchern von Spazio Mare aus Elbas Porto Azzurro besonderer Dank. Denn die Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus verpflichteten Taucher aus Elbas "blauem Hafen" versenkten gleich mehrmals Körbe prallgefüllt mit frisch vom Weinberg geernteten Ansonica-Trauben in der azurblauen Barbarossa-Bucht bei Porto Azzurro. Die Weidenkörbe befestigten sie exakt zehn Meter unter der Meeresoberfläche.

Das entspricht etwa zwei Bar Druck. Gleichzeitig sorgte die dort vorherrschende Strömung dafür, dass die Trauben wunderbar gleichmäßig vom salzigen Meerwasser umspült und so perfekt "gereinigt" wurden. Wie viel Zeit die Trauben unter Wasser verbringen sollten, war unklar. Doch Antonio Arrighi und Professor Scienza sind sich nach langwierigen Experimente einig: Drei Tage sollten ihre Trauben schon im Meer "baden", länger aber sollte diese Art von "Osmose" nicht dauern. Und so lüfteten sie ein weiteres Geheimnis aus der Antike. Und auch beim anschließenden Trocknen an Land erweist sich der meerwasser-Schutzschild als hervorragend geeignet zum Schutz der Aromen in den Trauben. Heraus kam der Weißwein "Nesos" – der erste "Vino Marino", Meerwein, der Neuzeit. Übrigens schlugen bislang alle Versuche mit roten Trauben fehl! Doch dies ist nur ein vorläufiges Ergebnis...

Nun: Es gab vom ersten, in Amphoren gereiften Jahrgang 2018 nur ganze 40 Flaschen! Und die letzten acht Buddeln dieser Weltsensation hatte Antonio Arrighi mitgebracht – und zur Freude auch von Professor Scienza entkorkt und so der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Und tatsächlich waren diese "Acht auf einen Streich" eine Wucht: Der Wein ist eine wirkliche Besonderheit, insbesondere auch auf der Zunge! Denn man sollte nicht unterschlagen, dass man das Salz des Meeres schmeckt. Die chemische Untersuchung der Uni Pisa ergab sogar, dass der Wein eigentlich wegen seines hohen Salzgehaltes gar nicht in den Handel dürfte. Aber, so später Antonio Arrighi aufgeräumt beim Umtrunk mit einem Tropfen aus der allerletzten Flasche, da sei man schon wegen einer Ausnahmegenehmigung im Gespräch.

Der Nesos...
Der Nesos...

 

Höchst erfreulich ist auch, dass der nächste Jahrgang des "Nesos" schon etwas umfangreicher ausfallen wird. Denn Antonio Arrighi hat zehn klassisch geformte Amphoren mit dem neuen Nesos gefüllt. Allerdings fassen diese nicht 700 Liter wie sein berühmter Amphorenwein "Hermia". Doch immerhin füllen 50 bis 100 Liter diese durchaus teuren Mini-Amphoren, die wie schon zuvor in der toskanischen Terrakotta-Hochburg Impruneta hergestellt wurden.

Der Werdegang des "Nesos" ist übrigens dokumentiert: Filmemacher Stefano, ebenfalls bei der Präsentation anwesend, erhielt für seinen 15 Minuten langen Kurzfilm "Vinum Insulae" (Inselwein) auf dem 26. Internationalen Filmfestival Oenovideo in Marseille den ersten Preis unter 144 eingereichten Filmen aus 17 Ländern. Und vielleicht werden ja nun auch die Lokalgewaltigen der Insel Elba auf Arrighi und den Professor aufmerksam, die durch ihren gelungenen Auftritt die PrimAnteprima zum Event der Fröhlichen Wissenschaft wandelten. Die Region Toskana hat das Potential dieses Weins auch für die Region längst erkannt.

Und auch der Nationalpark Toskanischer Archipel dürfte schon bald die auch mediale Bedeutung erkennen. Elbas Gourmets sind sich da längst einig. Und die Honoratioren der Unis Pisa und Mailand sowieso! Denn sie wissen: Die Sache mit dem Salzgehalt kriegen Arrighi und Scienza auch noch hin – ganz locker und ganz sicher!

Information:
Azienda Agricola Arrighi: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.arrighivigneolivi.it 
Trailer "Vinum Insulae": https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/,
https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/videos/2474622335922674/
Trailer zum "Nesos" bei Antonio Arrighi: https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/videos/2474622335922674/
Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 07/05/2020

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