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Orpheus, Manna und Fellini...

65 Mio. Euro spült alljährlich der Vino Nobile di Montepulciano in die Kassen der 78 abfüllenden Weingüter des herrlichen toskanischen Städtchens am Valdichiana, dessen Konsortium im Jahr 2020 zudem das 40. Jubiläum der Verleihung der prestigeträchtigen Weingebietsauszeichnung DOCG feierte...

16.500 Hektar umfasst das landwirtschaftliche Gebiet von Montepulciano, 2000 Hektar sind für den Weinbau reserviert. Und das lohnt: Denn 78 Prozent der jährlich 7 Millionen produzierten Flaschen gehen in den Export. Das macht zwar nur 3,1 % des gesamten toskanischen Hektoliter-Weinoutputs pro Jahr. Doch hinzu tritt natürlich noch die Abfüllung des Rosso di Montepulciano (1,3 % der toskanischen Weine).

Und auch die traditionell in Montepulciano sehr stark vertretene Herstellung des herausragenden lokalen Vin Santo erhöht die Umsätze. Solche beeindruckenden Zahlen lassen das 14.000-Einwohner-Städtchen mit den uralten Weinkellern unter dem Pflaster der herrlichen Altstadt alljährlich jubeln. An der grandiosen Piazza Grande mit dem Dom und Rathaus herrscht Hochstimmung. Noch besser wird diese in jedem Jahr in der Fortezza oberhalb des Centro Storico, wohin man auch 2020 zur Anteprima Vino Nobile di Montepulciano lud. Es galt, die zurückliegenden Ernten zu feiern und auch die ersten Prognosen für den neuen Jahrgang 2019 vorzustellen. Vorab: Dieser wurde mit 5 Sternen, der höchsten Auszeichnung bewertet. Man darf also auch in naher Zukunft weiter mit großen noblen Weinen aus Montepulciano rechnen.

Das Interesse des Publikums, der Journalisten und der Tester aus aller Welt richtete sich aber vermehrt auf den von den 44 teilnehmenden Weingütern vorgestellten neuen Jahrgang 2017. Für den war die Prognose aus 2018 ebenfalls mit fünf Sternen prächtig. Und dann galt es natürlich, die sowieso schon hoch gehandelte, als großartig eingestufte Riserva 2016 zu verkosten. Erst einmal wartete das Konsortium des Vino Nobile di Montepulciano um Präsident Andrea Rossi mit einer Überraschung auf.

Das historische Rathaus von Montepulciano an der Piazza Grande.
Das historische Rathaus von Montepulciano an der Piazza Grande.

 

40 Jahre sind ja beinahe eine Ewigkeit. Und so galt es zum Jubiläum der Verleihung der DOCG-verleihung, etwas ganz Besonderes zu bieten. Dass dies gelang, ist vor allem einem Meister seines Fachs zu verdanken: Danny del Monaco. Der Grandseigneur der italienischen Cocktailszene war nicht nur schon Weltmeister beim Bacardi Martini Grand Prix, mehrfach nationaler und internationaler Champion und Italiens Barmann des Jahres 2016. Er ist auch Markenbotschafter der italienischen Spirituosengruppe Santoni Liquori und – seit 1997 – Besitzer der Firma "Cocktail in the World Mixology" ( www.cocktailintheworld.com ).

Und die organisiert nicht nur Events, bietet Beratung und Kooperation auf internationalen Märkten und sorgt mit Kursen an der eigenen Cocktail-Akademie und Meisterklassen dafür, dass auch der Nachwuchs beizeiten Weltniveau erreicht. Für Montepulciano sollte sich der renommierte Top-"Mixologe", Spitzname "Der Alchemist" – eigens einen Cocktail ausdenken. Und den brachte er mit seinem Team gleich höchstpersönlich vorbei: Kreiert wurde der "Orfeo", schon vom Namen her eine gute Wahl, ist doch Kulturbringer Orpheus als Meister des Weins und des Weinbaus der richtige Namenspate für dieses äußerst süffige, wunderbar schmeckende Getränk. Denn dessen Basis bildet der Vino rosso di Montepulciano.

Das Rezept:

5 cl Rosso di Montepulciano 3 cl Amaro, idealerweise von Santoni
2 cl Chinotto (Getränk aus der Chinotto-Frucht)
0,5 cl Bergamotte (Zitrusfrucht) und Ingwer
2 Himbeeren
1 Stückchen rosarote Grapefruit
Rosmarin
Honig

Garantiert wird diese herrliche Erfindung mit einem "Rahmen" aus Rosmarin und einer Scheibe getrockneter Orange. Perfekt, vor allem zu den leckeren Häppchen, die die lokale Macelleria Fabio beisteuerte. Dies fand auch Bürgermeister Michele Angiolini, der mit seinen zwei Metern Körpergroße beinahe der größte aller Protagonisten auf der Bühne war. Doch überragt wurde er dann doch noch von einem ehemaligen italienischen Basketballstar, der locker 2,20 m Größe auf das Parkett zauberte und seine Liebe zum noblen Wein aus Montepulciano bekundete. In dieser aufgeräumten Stimmung ging der Event dann gleich über zum nicht minder großartigen Dinner.

Lecker: die Basis bildet der Vino rosso di Montepulciano...
Lecker: die Basis bildet der Vino rosso di Montepulciano...

 

Erneut präsentierte sich Montepulciano im Rahmen der neuntätigen Dauerveranstaltung der Anteprima Toscana als großartigster und bester Gastgeber. Diesmal sorgte das lokale Ristorante Silene für die kulinarischen Highlights. Küchenchef Roberto Rossi setzte auf Perlhuhn-Porchetta auf crunchig leckerer Gemüsesuppe und Trüffelscheibchen, zuvor auf Ente an reifem Pecorino und Kräutern aus Montepulciano. Zum Dessert lockte eine "Reise" vom Herbst in den Frühling mit Kastanientörtchen, Orangencreme und kleinen kandierten Karotten, ehe die hausgemachten Petit Four, Espresso und Grappa an die Open Bar der Enoteca im Kastell riefen.

Dass dazu edelste Weine gereicht wurden, versteht sich von selbst. Los ging es mit einem Vino Nobile di Montepulciano DOCG 2016 von der Tenuta di Gracciano della Seta, der mit satten 14 Prozent aufwartete und sehr, sehr gut ist. Doch umgehend wurde dieser gleich vom nächsten 2016er Vino Nobile der Poderi Boscarelli getoppt. Der 2016er entpuppte sich auch am nächsten Tag bei der allgemeinen Verkostung als einer der besten überhaupt: Mit seiner ausgewogenen Harmonie und Aromen etwa nach Erdbeeren wurde er von einzelnen Testern sogar mit 95 Punkten belohnt.

Und auch Boscarellis 2017er DOCG Vino Nobile di Montepulciano übersprang locker die 90-Punkte-Hürde. Da fiel der Wein der Fattoria Svetoni (2016er DOCG) deutlich ab. Überhaupt zeigte sich die Klasse der 2016er Nobelweine – diese Bezeichnung ist übrigens erst seit Ende des 18. Jahrhunderts üblich – am nächsten Tag auch noch bei den 2016er Superweinen, die Pietro Riccobono von der Tenuta Trerose und vor allem auch Andrea Natalini mit seinem 2016er vom Podere Le Bèrne präsentierten. Letzteres Weingut überzeugte dann zudem mit sagenhaftem Vin Santo "Occhio di Pernice" (Rebhuhnauge), den auch das agile Damentrio des Weingutes Villa Sant`Anna in nahezu gleicher Topqualität anzubieten hat. Hingegen fiel ihr zum Dinner kredenzter guter Vino Nobile "Poldo" DOCG 2015 doch etwas gegen diese zwei Weingüter ab. Mit Boscarelli sollte man sie in jedem Fall ganz oben in die Hitliste der 2016er Vino Nobile setzen. Fast außer Konkurrenz kam dann aber noch ein 2004er Vino Nobile von den Cantine Dei ins Glas. Einfach super.

Tasting Vecchia Cantina.
Tasting Vecchia Cantina.

 

Und da die Dei-Weine ebenfalls überzeugten, zieren nun vier herausragend aufgestellter Musketiere diesen Weinjahrgang des Vino Nobile. Als erstaunlich gut entpuppten sich auch die Weine der Vecchia Cantina di Montepulciano. In der dortigen neuen Cantina setzt man, so Tiziana Mazzetti, eher auf normale, bezahlbare Weine, erzeugt aber doch prächtige Tropfen, Und auch der Vin Santo aus dem der Cantina Vecchia angeschlossenen Cantina Del Redi kann voll überzeugen. Einzigartig war dann am nächsten Mittag aufgedeckte Lunchbuffet. Hier schoss dann das ehrwürdige örtliche Caffé Poliziano den Vogel ab.

Das 1868 gegründete, Anfang des 20. Jahrhunderts im Liberty-Stil umgebaute Café an Montepulcianos Via Voltaia del Corso 27/29 zählt zu den schönsten Italiens – und sah schon illustre Gäste. Hier kehrte z. B. gern Federico Fellini mit Lebensgefährtin Giulietta Masina ein. Zum 100. Geburtstag Federico Fellinis (20.1.1920 – 31.10.1993) schufen die Konditoren eine herausragende Geburtstagstorte, die an diesen Star des italienischen Kinos auf prächtigste Weise erinnert.

Und auch er könnte jederzeit ein Markenbotschafter für Montepulciano und vor allem für das nahe Chianciano Terme sein. Hier drehte er seinen mit zwei Oscars prämierten, 1963 in die Kinos gelangten Meisterfilm "Otto e mezzo" ("Achteinhalb"). Und wer sich in und um Montepulciano auf Spurensuche nach dem Grande Maestro aus der römischen Cinecittá begibt, muss auch unbedingt zur Villa il Patriarca. Dass Hotel liegt zwischen Chiusi und Chianciano Terme und beherbergte das Traumpaar der Fünfziger und Sechziger Jahre. Zwei Suiten sind dort nach den beiden benannt. Und im dortigen Gourmet-Restaurant "I Salotti" kocht die mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Katia Maccari. Sie versorgte 2019 auch die Gäste der Anteprima Vino Nobile di Montepulciano auf herausragende Art.

Tasting Villa Sant Anna.
Tasting Villa Sant Anna.

 

Spätestens zu einem dortigen Dinner wird dann ein erlesener Vino Nobile di Montepulciano fällig werden. Meine Favoriten sind Boscarelli, Trerose, Dei und unbedingt auch Le Bèrne. Und als Aperitif kommt dann nur ein "Orfeo" des magisch mixenden Alchemisten in Frage.

Information:
Consorzio Vino Nobile di Montepulciano, Fortezza di Montepulciano, Via di San Donato 21, 53045 Montepulciano, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0578 75 78 12, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.consorziovinonobile.it

Vecchia Cantina di Montepulciano: www.vecchiacantinadimontepulciano.com
Tenuta Trerose: https://tenutatrerose.it/en
Poderi Boscarelli: www.poderiboscarelli.com/en/
Villa S. Anna: www.villasantanna.it/en/home-eng/
Cantine Dei: www.cantinedei.it/nobile/
Fattoria Svetoni: www.fattoriasvetoni.it/
Cantina del Redi: www.cantinadelredi.com/
Tenuta di Gracciano della Seta: www.graccianodellaseta.com/en/the_wines/
Podere Le Bèrne: www.leberne.it

Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/

 

Impressionen:

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 25/04/2020

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