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"Solare" und die extremen Jahrgänge

Diesjährig wurde es dann doch "schwierig" bei der Vorstellung des jährlichen Ausnahmeprojekts Ornellaias. "Schwierig" - und dennoch ganz besonders...

Alle Jahre wieder, so kann man es fast schon sagen, kommt es im ersten Quartal des Jahres zu einer ganz besonderen Präsentation in Italien: Ornellaia unterstützt durch eine wohl einmalige Aktion im Rahmen einer Auktion bei "Sotheby‘s Wine" und die Weitergabe des Erlöses an Stiftungen die bildende Kunst. Die aktuelle und seit 2019 bestehende Partnerschaft mit der Solomon R. Guggenheim Foundation in New York ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt - und dürfte für beide Seiten eine durchaus lohnende Verbindung sein.

Wie jedes Jahr, werden auch von der nun jüngst vorgestellten "Solare"-Edition 100 Doppelmagnums an Weinsammler aus aller Welt verkauft, während die einzige Salmanazar und die 6-Liter-Imperials nur in einer Online-Auktion Sotheby‘s ersteigert werden können. Letztjährig kamen so stolze 312.000 Euro zusammen und konnten an die Fondation übergeben werden. Und auch diesjährig wird ein hoher Betrag erwartet, der zur Unterstützung des Programms Mind‘s Eye (Das geistige Auge) eingesetzt werden soll.

Wenn Kunst auf Wein trifft

Der argentinische Künstler Tomàs Saraceno.
Der argentinische Künstler Tomàs Saraceno.

 

So meint Giovanni Geddes da Filicaja, CEO von Ornellaia, bei der Präsentation im Palazzo Strozzi in Florenz: "Seit den Anfängen der Vendemmia d‘Artista im Jahr 2009 freuen wir uns, die wichtigsten Kunststiftungen durch die Feier des einzigartigen Jahrgangscharakters des Ornellaia unterstützen zu können." Der argentinische Künstler Tomàs Saraceno, der die Etiketten der Flaschen des "Solare" gestaltete, war zwar in Florenz, bei der Präsentation allerdings krankheitsbedingt abwesend. Allerdings fand seine künstlerische Gestaltung der "Solare" Zustimmung und Bewunderung.

Der 1973 in San Miguel geborene Aktionskünstler hat sich in den letzten Jahren einen Namen in der Kunstszene durch seine komplexen Installationen und meist geometrische Formen seiner Kunstwerke gemacht. Der Künstler, der ein Atelier in Berlin besitzt, versteht seine Installationen als Antwort auf globale Themen, wie die zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde, Bevölkerungswachstum und ökologische Probleme.

Die zehn Flaschen Ornellaia 2017 Solare Vendemmia d‘Artista.
Die zehn Flaschen Ornellaia 2017 Solare Vendemmia d‘Artista.

 

Für die Gestaltung des "Solare" bediente sich der 47-Jährige ebenfalls einer geometrischen Form: dem Kreis. Denn "Solare" (strahlend), wen wundert es, ist durch die "Verbindung von Sonne und Erde" und die im Hintergrund "strahlende" Korona kraftvoll dargestellt. Und kraftvoll, dafür dürfte der Ornellaia-Wein ebenfalls durchaus stehen. Wenn auch, so erzählt und Axel Heinz im Gespräch: "2017 kann man nur als extremen Jahrgang beschreiben, in dem Sonne und Hitze eine entscheidende Rolle gespielt haben. Deshalb habe ich beschlossen, den Charakter des Ornellaia 2017 eben mit "Strahlend" zu benennen."

Zum Charakter des Weines sagt der Direktor des Weinguts: "Die Noten von dunklen Beeren und Lakritz dominieren, sind unterlegt von samtigen Tanninen, die für heiße Jahrgänge typisch sind; gleichzeitig schenken eine exzellente Geschmeidigkeit und Säure dem Wein einen prachtvoll mediterranen Charakter."

Axel Heinz, Direktor von Ornellaia.
Axel Heinz, Direktor von Ornellaia.

 

Masterclass: Tasting der "Schwierigkeiten"

Stilvoll wurde die Pressekonferenz in der Bibliothek des Palazzo Strozzi abgehalten, welche einen mehr als großen Zuspruch fand und einigen Teilnehmern nicht einmal mehr einen Sitzplatz bieten konnte. Und Stilvoll ging es auch bei dem vorher stattfindenden Tasting der "Schwierigen Jahrgänge" zu. Denn mit den Jahrgängen 2006, 2010, 2011 und 2017 hat Axel Heinz durchaus besondere Weine in die Gläser gebracht. Aber diese Weine zu vergleichen, dürfte eher ein unfaires Rennen sein. denn jeder Jahrgang hatte seine Probleme, unterschiedliche klimatische Bedingungen und Ernteerlöse.

So ist der Ornellaia 2017 (56% Cabernet Sauvignon, 25% Merlot, 10% Petit Verdot, 9% Cabernet Franc) wahrscheinlich unumwunden als einer der schwierigsten Jahrgänge Ornellasias überhaupt zu bezeichnen. 2017 war eines der heißesten und trockensten Jahre in der Geschichte des Weinguts, schon zu Beginn des Jahres waren die Wasserreserven des Bodens schon nicht komplett gefüllt, was sich in der Folge auch entsprechend bemerkbar machen sollte. Resultat des heißen Sommers war die früheste Ernte die Ornellaia in ihrer Geschichte überhaupt je durchführte. Und: Die Trauben waren entsprechend auch die "kleinsten, die ich bei einer Ernte je gesehen habe", erzählt Heinz im Tasting.

Axel Heinz: 2017 war eines der heißesten und trockensten Jahre überhaupt.
Axel Heinz: 2017 war eines der heißesten und trockensten Jahre überhaupt.

 

Der Ornellaia 2011 (51% Cabernet Sauvignon, 32% Merlot, 11% Cabernet Franc, 6% Petit Verdot) war bezüglich der Erntedaten in einem sehr ähnlichen zeitlichen Ablauf. "Allerdings", so Heinz weiter, "zeigt uns dieser Jahrgang mehr als der 2017er, was der Klimawandel verursachen, beeinflussen kann." Dieser Wein zeigt mehr Vanillenoten, frische Frucht, etwas Tabak; hinzu kommen leichte Citrus- und Pfeffernoten. Dezente Pfeffernoten zeigt auch der Ornellaia 2010, der mit 39% Merlot den höchsten Anteil dieser Sorte spendiert bekam (53% Cabernet Sauvignon, 4% Cabernet Franc, 4% Petit Verdot).

Und das spürt man, der Merlot gibt sein volles Potential an den Wein ab. Und da der Merlot bekanntermaßen schlechter mit Trockenheit umgehen kann, liegt der Verdacht nahe, dass der Boden in diesem Jahr mehr Feuchtigkeit offerierte. Und so war es dann auch, wie Axel Heinz uns bestätigt. Durch die Charakteristik und den Umgang mit der Feuchtigkeit, erklärt sich auch der geringe Umfang von Merlot im 2017er, 2010er - und auch im 2006er Ornellaia. Denn das Weinjahr 2006 war auch eine untypische Weinsaison...

Denn in diesem Jahr gab es Hitzewellen, die die Pflanzen extrem strapazierten. Dennoch: ein Wein, der seine Balance gefunden hat – obschon Axel Heinz zunächst dachte, dass dies sicher kein guter Wein wird. Letztendlich spielt, wie so oft, die Zeit dem Wein in die Karten. Und so muss man es wohl auch mit dem Ornellaia 2017 sehen: die Perfektion, die Balance und die Charakteristik braucht vielleicht noch etwas "Ruhe"...

Das Setting für die Masterclass...
Das Setting für die Masterclass...

 

Doch jenseits der Masterclass ging es natürlich primär um die Präsentation des "Solare" - eine Präsentation, die sicher in der Branche seinesgleichen suchen dürfte. Ein tolles Produkt, ein hervorragendes Weinunternehmen und Professionalität gemischt mit italienischem Charme...

Fotos: Michael Schabacker, Ornellaia

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Zuletzt bearbeitet am 04/03/2020

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