Mariendistelöl, Kaviar vom Stör und kaschubische Genüsse…

Auch 2020 ist die 85. Auflage der Internationalen Grünen Woche eine Messe der Superlative: Über 1800 Aussteller, darunter 620 ausländische aus 61 Ländern, präsentieren mehr als 100.000 Produkte!

In den Hallen unter dem historischen Funkturm am Berliner Messedamm werden bis zum 26.1.2020 über 400 000 Besucher erwartet. Davon sind allein 85 000 Fachbesucher, die auch an 300 Veranstaltungen rund um wichtige Themen wie richtige Ernährung oder Zukunft der Landwirtschaft teilnehmen. Manche sprechen gar von der Internationalen Grünen Woche als dem "Davos des Agrarbusiness": 200 Minister und Staatssekretäre aus aller Welt reisen an, um sich auch über Biokraftstoffe, Veredelungsprozesse von Nahrungsmitteln oder im Frische Forum Fleisch auszutauschen.

Gastland der diesjährigen Grünen Woche ist in Halle 10.2. Kroatien, dass natürlich mit seiner hervorragenden, sowohl von der Adriaküste als auch vom bergigen Hinterland inspirierten Küche punktet. Weine und vor allem Spirituosen aus Kroatien stehen im Vordergrund der Produktpalette. Aber es gibt auch Clous wie das unverzichtbare Ajvar: Der Gemüsekaviar aus einem Mus aus Paprika, wahlweise auch aus Paprika und Auberginen, ist selbstverständlich eine Klasse für sich. Und kurios ist auch die im Retro-style angebotene Orangenlimo "Pipi" – perfekt für den Strand!

Ganz auf der Höhe der Zeit zeigt sich auch Deutschlands Nachbarland Polen, das sogar mit Bioprodukten und Veganem aufwartet. Keine Frage: "Polen schmeckt!" und so nimmt es auch nicht Wunder, dass gleich zwei Mal die zwei holländischen Käse-Meisjes als "Frau Antje Pikantje" samt Pauken und Trompeten den Polen am Eröffnungstag der Grünen Woche ihre Aufwartung machen.

Keine Frage: Polen schmeckt!
Keine Frage: Polen schmeckt!

 

Selbstverständlich taucht der gut gewählte Slogan "Polen schmeckt" des polnischen Nationalen Zentrums für die Förderung der Landwirtschaft KOWR gleich mehrmals auch am zentralen Stand 101 in Halle 11.2., um den sich Polens Aussteller versammeln. Dabei sind etwa die Familienbäckerei Ba-Ja, die seit 1965 mit historischen Rezepten Backwaren herstellt, die natürlich auch vegetarisch, vegan oder als hauseigene Spezialität auch glutenfrei hergestellt werden. Roggenbrot und – ein Tribut auch an das hereinströmende Publikum – Berliner Pfannkuchen mit Quark- oder gar Feigenfüllung bietet die Manufaktur Pasikonik, während die Firma Walt-milk Milch- und Käseprodukte anbietet ( www.osmsieradz.pl ).

Vor Ort sind aber auch Haselnüsse des Produzenten Tree Nuts (www.treenuts.pl) oder eingelegte Gurken oder Heidelbeermarmeladen nach Traditionsrepzepten aus "Großvaters Garten", die der Produzent Ogrodek Dziadunia ( www.ogrodekdziadunia.pl ) bereitstellt. Und neue Start-ups bereichern die Vielfalt der landwirtschftlichen Produkte aus Polen, deren Export zu 82 Prozent in EU-Länder geht, allen voran nach Deutschland. Ssind die 2014 gegründeten Kaffeeröster Kawepale ( www.kawepale.pl ) und die Firma Nutracevit ( www.biohaskap.com , www.nutracevit.com ) präsent.

Wurstproduktion: auch das gehört zu Polen.
Wurstproduktion: auch das gehört zu Polen.

 

Letztere hat sich auf die natürliche und biologische Züchtung und Verarbeitung einer neuen Superfrucht spezialsiert: die aus Kamtschatka und Japan stammende, daher auch Kamtschatka-Heckenkirsche genannte Blaue Heckenkirsche (englisch haskap berry, lateinisch Lonicera caerulea). Ganz traditionell stellt hingegen Zieloni Mi ( www.przetworyzborowski.pl ) Blaubeermarmeladen her, während die Familienbrauerei Edi Browar seit 1998 mit hellen und dunklen Bieren zum Beispiel in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Honig, Mandel oder Minze reüssiert.

Ein erster großer Höhepunkt ist dann das bioorganisch hergestellte Mariendistelöl ( www.bioorganeo.pl ). Die Mariendistel, polnisch Ostropest, ist aktuell jenseits der oder schwer angesagt – und dürften daher rasch auch den deutschen Markt erobern. Das kaltgepresste Öl ist ein perfekter gesunder Zusatz zu Salaten oder Eiern.

Die auf Bioplantagen im Ermland und in Masuren gezüchtete Mariendistel unterstützt die Leberfunktion, enthält beträchtliche Mengen Vitamin E und Omeaga-6 und unterstützt das Immunsystem. Überhaupt, so Ewelina Kuzma von der in Warschau ansässigen Firma Contractus die die auch in der Kräutertüte erhältliche Mariendistel produziert und Biokräuter weltweit vermarktet, hemmt Mariendistelöl Entzündungen und fördert die Regeneration. Am Stand gleich nebenan präsentieren dann die Mitarbeiter und Manager Eugeniusz Bojanowski und Jakob Baron von Drobgen ( www.dropgen.pl ) bzw. vom Hersteller Polski Gesi (Polnische Gänse; www.gänsedelikatessen.de, www.polskigesi.pl) fantastische kaschubische Genüsse.

Diestelöl aus Polen.
Diestelöl aus Polen.

 

Nahe Gdansk beheimatet, werden hier – und ohne jede Konservierungsstoffe – Geschmack und Tradition der bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Rezepturen der kaschubischen Küche wieder lebendig. So entstehen Gourmetprodukte wie Gänseschmalz, Gänseleberpastete und sogar Kaviar vom Gänsefleisch: Gehacktes und gebratenes Fleisch, Leber- und Gänsefett samt natürlichen Aromen, das in seiner Konsistenz an dunklen Kaviar erinnert und wie auch der kaschubische Gänsefleischbraten eine wahre Delikatesse für Feinschmecker ist.

Den absoluten Höhepunkt am diesjährigen Polenstand präsentiert hingegen Tomasz Królikowski. Stündlich lädt der Chefkoch und Consultant zu neuen, von ihm kreierten Fischgerichten an den Stand der polnischen Fischwirtschaft. Da ist z. B. ein großes Aquarium zu bewundern, im dem Störe schwimmen. Sie stammen – noch nicht – aus Oder und Weichsel – sondern aus Europas derzeit größter Störfarm Goslawice. Vor etwa 10 Jahren begann man wie auch in einer zweiten polnischen Fischfarm mit der Aufzucht von Stören. Nach acht bis zehn Jahren Wachstum produzieren diese auch Kaviar.

Aktuell werden so jährlich 800 kg weißer Kaviar "geerntet" – natürlich ohne die kostbaren Störe zu töten. Als Antonius Caviar ( www.antoniuscaviar.com.pl ) sind sie auf dem Markt. Und Tomasz Królikowski sorgt dann auch für die Rezepte zu polnischem Fisch, seien es nun Störsuppe, Piroggen mit geräucherter Forelle, Kartoffeln und Schnittlauch oder Pita aus der Pfanne mit geräuchertem Stör und Pickles. Die Rezepte liegen aus, man kann sie also auch daheim ausprobieren. Selbstverständlich wirbt das sich sehr professionell präsentierende Polen auch mit den touristischen Reizen, etwa mit der Stadt Thorun (Thorn), mit Chelmno, der Stadt der Verliebten, oder den Vorzügen der Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Und Kaviar vom Stör...
Und Kaviar vom Stör...

 

Und natürlich gibt es an der ein oder anderen Stelle noch etwas Marketing- und Werbeluft nach oben: So wirbt die Brauerei Sowie aus dem Eulengebirge etwas ungelenk mit dem Slogan "Die Seele der Region eingesperrt in Bier". Oder war es nur ein Übersetzungsfehler der Plakathersteller?

Fotos: Jürgen Sorges, Ellen Spielmann

 

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Zuletzt bearbeitet am 19/01/2020

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