Gorgona: Wein von der Gefängnisinsel! (Teil 1)

Frescobaldis Weißweinstar "Gorgona" beeindruckt auch mit dem neuen Jahrgang 2018 mit einem "schmelzenden" Wein der Extraklasse, samt "Duft der Freiheit" und voller Hoffnung und Emotion.

Seit 2012 engagiert sich das Weltweinunternehmen Marchesi Frescobaldi in einem Sozialprojekt auf der letzten italienischen Gefängnisinsel Gorgona, die 2019 ihr 150-jähriges Jubiläum feierte. Grund genug für eine kleine Heerschar von Journalisten, der Einladung des Marchese (Markgrafen) Lamberto Frescobaldi und des Inselgefängnisdirektors Carlo Mazzerbo zu folgen und so die sonst für Video- und Kameraaufnahmen wie auch für Mobiltelefone strikt verbotene Insel einmal kennenzulernen.

Denn für die Präsentation der neuen Ernte 2018 des auf Gorgona von Frescobaldi jährlich mit ca. 100.000 Euro unterstützten Weinbauprojektes für Langzeitgefangene wird nur an diesem einen Tag im Jahr eine durchaus spektakuläre Ausnahme von den sonst strengen Verhaltens- und vor allem Fotografie-Regularien gemacht.

An seiner kleinen Mole des Inselhafens darf bzw. kann jeweils nur ein Boot anlegen. Direkt an das mit kristallklarem, azurblauem Wasser aufwartende Hafenecken schließt sich das pittoreske Inseldörfchen mit Gebäuden aus dem 19. Jh. an. Hoch über der Hafeneinfahrt thront der Neue Turm, die im Medici-Architekturstil errichtete karminrot leuchtende Torre Nuova. Gleich hinter dem Inseldorf erheben sich linkerhand oberhalb die zwei Gefängnisbauten, vorne beigefarben, das Gebäude dahinter weiß. Das Schöne an diesen Bauten: Hier wohnen die Gefangenen, von denen die meisten mindestens 15, 20 oder gar 30 Jahre aufgebrummt bekommen haben, heute zumindest tagsüber "con le porte aperte", mit offenen Gefängnistüren".

In dem kleinen Hafen der Insel ist nicht viel Platz...
In dem kleinen Hafen der Insel ist nicht viel Platz...

 

Die meisten dürfen sich zudem zumindest um ihrer Arbeit nachzugehen, auch frei auf der Insel bewegen. Nur die Inselküste ist tabu, übrigens auch für Inselbesucher, die verdutzt am verlockenden weißen Strand der Cala dello Scala stehen und die Verbotstafel entdecken. Ein Bad in den kühlen Mittelmeerfluten des hier einzigartig schönen Meeres ist also leider verboten!

Immerhin nutzen später zwei der aktuell 26 bis 27 Mitarbeiter der Polizia Penitenziaria den Strand für ein kurzes Sonnenbad im Liegestuhl. Von spektakulärem Strandgetümmel kann aber keine Rede sein. Erst einmal begrüßen uns aber die Inselmitarbeiter, von denen ständig ca. 15 bzw. 16 im Dienst sind, an der Hafenmole zu einem kleinen Aperitif, Espresso, Saft und Teigwaren – sämtlich von Strafgefangenen hergestellt und ausgegeben. Man entdeckt ein vergittertes Fenster und Darstellung einer Sonne an Wand dieses historischen Eingangs zur 1869 gegründeten Agrar-Strafkolonie, der früher auch als Fischereibasis genutzt wurde.

Hier empfangen uns Inselgefängnisdirektor Carlo Mazzerbo und Marchese (Markgraf) Lamberto Frescobaldi mit kurzen, freundlich gestimmten Reden und einem "Herzlich willkommen"! Und natürlich muss auch etwas zur Historie dieser Insel und zum 2012 gestarteten, höchst erfolgreichen Inselprojekt zwischen Frescobaldi und den Justizbehörden Italiens gesagt werden.

Inselgefängnisdirektor Carlo Mazzerbo und Marchese Lamberto Frescobaldi.
Inselgefängnisdirektor Carlo Mazzerbo und Marchese Lamberto Frescobaldi.

 

Da ist einmal Gorgona, 35 km von Livorno, die nördlichste Insel des Toskanischen Archipels, schon in der Antike als Urgo, Gorgon und Orgón erwähnt und leider nie Heimstatt der zu den Gorgonen zählenden, die griechische Mythologie bereichernden Medusa, deren Gorgonenhaupt bekanntlich viel Schrecken verbreitete. Dafür war Gorgona spätestens ab 416 eine Mönchsinsel, auf der die Reliquien des Heiligen San Gorgonio aufbewahrt wurden und die noch Italiens Nationalheilige und Schutzpatronin Europas, die Hl. Katharina von Siena, besuchte.

Da war die Insel noch unter dem Schutz der Seerepublik Pisa, von deren Präsenz bis heute die Torre Vecchia, der alte Turm aus dem 12. Jh. kündet, den wir schon lange vor unserer Ankunft hoch auf dem Kamm der Inselsilhouette und – auch von den Inselgefangenen – perfekt restauriert bewundern konnten.

Heute leben hier 90 Strafgefangene, die sich für den Aufenthalt auf der Insel genauso bewerben mussten wie für eine Arbeit im Sozialprojekt des Weinbaus mit Frescobaldi. Ausgeschlossen von der Insel sind Sexualstraftäter und Mitglieder der organisierten Kriminalität, mithin der Mafia. Auch Mitglieder der Roten Brigaden wird man hier schwerlich finden.

Etwas mehr erfährt man dann bei der Erkundung der Geschichte des Sozialprojektes, das 2012 auf den Weg gebracht wurde, nachdem sich Frescobaldi als einziges von 150 angefragten Weinbau-Unternehmen bereit erklärt hatte, auch finanziell in dies auf den ersten Blick doch recht kuriose Projekt einzusteigen. Nun, Frescobaldi ist ein Weltunternehmen mit klangvollem Namen und grandioser, 700-jähriger Vergangenheit, setzte 2018 über 119 Mio. Euro um, was im Vergleich zu 2005 mehr als eine satte Verdopplung darstellt.

Inselgefängnisdirektor Carlo Mazzerbo und Marchese Lamberto Frescobaldi.
Inselgefängnisdirektor Carlo Mazzerbo und Marchese Lamberto Frescobaldi.

 

Wunderbar ist es, dass uns mit Emilio Giusti einer jener Inselmitarbeiter begleitet, der das Insel-Weinprojekt von Frescobaldi von Anfang an miterlebt und mitgestaltet hat und dafür später auch offiziell belobigt werden wird. Wie schon Markgraf Lamberto Frescobaldi am Vorabend macht auch kein großes Gewese um die einstigen Straftaten der Inselgefangenen, von den bis heute ca. 19 vom Frescobaldi-Projekt massiv profitiert haben. Denn sie erhalten mit ca. 10 Euro pro Stunde den offiziellen Mindestlohn in Italien, während die restlichen Gefangenen mit einem Tageslohn von ca. 10 Euro auskommen müssen.

Allenfalls an einem hapere es, so erzählt uns Signore Giusti. Genügend Arbeit für die 90 Gefangenen auf der kleinen Insel anzubieten. Denn die sei schon vonnöten. Erst einmal versammeln wir uns aber vor der kleinen Kirche San Gorgonio mit ihrem separat stehenden Glockenturm und einer schick angebrachten Sonnenuhr, wo sich rechterhand etwas unterhalb auch eine Palme und ein der Grotte von Lourdes nachempfundenes Marienhäuschen anschließt, dessen Inschrift Besucher sogar auf Englisch auf der Insel begrüßt. Zur linken der Kirche findet sich eine der nur zwei Trinkwasserstellen auf der Insel, gefolgt von einem – Kinderspielplatz! So etwas noch dazu in Sichtweite der beiden Gefängnisbauten hätte hier nun niemand erwartet…

Information Weine:
Marchesi de` Frescobaldi, https://de.frescobaldi.com/
Gorgona-Weine: www.frescobaldi.com/i-vini/gorgona, https://de.frescobaldi.com/gorgona/
Gorgona-Weinverkauf Deutschland: z. B. bei Ludwig von Kapff, www.ludwig-von-kapff.de/frescobaldi-700-jahre-toskanische-spitzenweine/ , www.ludwig-von-kapff.de/frescobaldi-gorgona.html

Toskanische Küche und Verkostung Frescobaldi-Weine:
Ristorante Frescobaldi Firenze, www.frescobaldifirenze.it

Allgemeine Information zu Gorgona:
Infopark, www.parcoarcipelago.info

Tagesbesuche auf der Insel Gorgona:
Tagesausflüge/Inselführungen: Toscana Mini Crociere (in Kooperation mit verschiedenen Anbietern, vor allem Toscana Trekking www.toscanaminicrociere.it/gorgona-2/
Gültigen Ausweis nicht vergessen!
Toskana Trekking: www.toscanatrekking.it/Gorgona%2023mar19.htm

Weitere Anbieter:
Ufficio Guide, www.ufficioguide.it/itinerari/gorgona.htm ; Ticket: ab 40 Euro
Naturatour, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it./2019/05/10/escursioni-e-visite-allisola-di-gorgona-livorno/

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 15/01/2020

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