Alles "prètto" dank DOP-Siegel, auch beim Pecorino (Teil 2)

Am Eingang zur für ihre gute Küche bekannten Osteria le Corti empfängt uns ein echter Fürst: Principe Duccio Corsini. Anfang der 1990er Jahre übernahm er die Verantwortung für die 250 Hektar große Tenuta Villa Le Corti – und baute sie bis heute zum Muster- und Vorzeige-Biolandgut um...

Mit Erfolg – und mit Weltklasse-Erzeugnissen allerhöchster Qualität, was vor allem das Olivenöl, aber mehr und mehr auch den Wein betrifft. Italo Calvino (1923 – 1985), der auf Kuba geborene, im nahen Siena in der Toskana verstorbene herausragende italienische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, hievte in seinem Meisterwerk "Der Baron auf den Bäumen" literarisch erstmals einen Adligen in die lichten Höhen einer Baumkrone.

Im Roman verlässt am 15. Juni 1767 der zwölfjährige Cosimo nach einem misslungenem Mittagessen die Familientafel, um fortan 50 Jahre nur noch auf Bäumen zu leben. Ähnlich dürfte sich Duccio Corsini gefühlt haben, als er vor über einem Vierteljahrhundert das alte Familienanwesen Le Corti übernahm. Seit 1363 ist es in Besitz jener Fürstenfamilie Corsini, die fast ein Jahrtausend die Geschicke von Florenz, der Toskana und Italiens mitbestimmte.

Principe Duccio Corsini.
Principe Duccio Corsini.

 

Doch als Duccio Corsini damals vor der Anfang des 16. Jahrhunderts unter seinen Vorfahren Bartolomeo Corsini und Bruder Filippo vom damaligen Stararchitekten und Künstler Santi di Tito erbauten Villa Le Corti stand, dürfte es ihm ähnlich ergangen sein. Um es mit Walter Kempowski zu sagen: Alles war in Dutt. Die hochherrschaftliche Villa, Stolz und Beweis für Glanz und Macht der Corsini, war baufällig, besaß weder Elektrizität noch fließend Wasser – und stand dazu noch unter Denkmalschutz.

Und auch die 1602 bis 1614 unterirdisch angelegte, riesige Cantina befand sich in marodem Zustand. Gründe genug also, um erst einmal in die Luft zu gehen. Doch Duccio Corsini entschied sich und blieb unter den damals 12 000, heute 13 000 Olivenbäumen des Landgutes, was heute ein ausgesprochener Glücksfall ist. Denn was danach kam, war eine wirkliche Erfolgsstory. Längst bewohnen Duccio Corsini und Gattin Clotilde wieder Teile der Villa, die heute sogar tagtäglich jedem Gast für Besuche offensteht. Noch dazu beherbergt sie seit 2014 das Familienarchiv, das auch Dokumente zum einzigen Corsini-Papst Clemens XII. bewahrt. Lorenzo Corsini (1652 – 1740) bekleidete das pontifikale Amt von 1730 bis zu seinem Tode. Der in hohem Alter gichtgeplagte Papst regierte acht seiner zehn Amtsjahre vom Bett aus, was ihm aber nicht hinderte, die Kirche zu reformieren und vor allem die Finanzen zu ordnen.

Für die Nachwelt bleibt er als Patron der Künste und Wissenschaften in Erinnerung, war in Rom Erbauer des berühmten Trevi-Brunnens und ließ auch den Konstantinbogen restaurieren. In der Villa le Corti wird er mit einer Marmorbüste geehrt und ist natürlich auch im Familienstammbaum gesondert hervorgehoben.

Villa le Corti.
Villa le Corti.

 

Vielleicht wird Duccio Corsini einst als Fürst der Oliven in die Familienchronik eingehen. Denn das ist auf nun 70 Hektar des Landgutes sein Metier. Erst einmal wurde die Cantina restauriert, die heute auch die Trauben von 49 Hektar Weinbergen bewahrt. Aber sie besaß und besitzt bis heute auch noch bis zu 200 Jahre alte riesige Keramikgefäße, in denen einst Olivenöl lagerte, der grüngoldene Schatz der Tenuta. Die fürstliche Sisyphos-Arbeit begann damit, dass der Olivenbestand nach dem Frost von 1985 wieder aufgepäppelt werden musste.

Damals waren 96 Prozent der Bäume betroffen. Dies dauerte bis 2003, als Corsini sein Olivenöl zum geschützten Olio Extra Vergine di Oliva Chianti Classico DOP machte. Seit 2007 ist die Tenuta zudem vollständig biologisch zertifiziert. Zwischendurch – und bis heute – musste Duccio Corsini zudem viele alte Zöpfe abschneiden. Das begann mit dem Frantoio, der alten Ölmühle des Gutes. Heute wird hier – wie überall auch – nichts mehr gepresst. Die Zentrifuge erledigt die Arbeit und lässt den Oliven keine Chance zu Oxidationsprozessen. Die Temperatur steigt zudem nie über 26°C – ein äußerst schonender Prozess, der aber ökonomisch auch Nachteile mit sich bringt. Der Ertrag beträgt so nur 14 Prozent der Ernte oder umgerechnet einen Liter reinstes frisches Olivenöl – pro Olivenbaum!

Und bei höheren Temperaturen könnte der Ertrag glatt auf bis zu 25 Prozent steigen! Als er in den Neunzigern startete, brachten die umliegenden Gehöfte ihre Oliven noch in Jutesäcken zu ihm. Nicht selten lagerten die frischen Früchte zudem über Nacht noch im Autokofferraum. Viel zu viel Wärme war die Folge, sehr ungünstig für höchste Olivenölqualität, wie Duccio Corsini beim Gespräch erzählt. Da musste erst einmal Nachhilfe geleistet werden. Heute werden die frisch geernteten Oliven in luftdurchlässig perforierten 15 kg-Plastikkisten transportiert. Überhaupt: Die Oliven werden manuell gepflückt und müssen binnen sechs Stunden (!) komplett verarbeitet sein. Dies dürfte Weltrekord sein!

Weinkeller der Corsini.
Weinkeller der Corsini.

 

Und ist ebenfalls kostenintensiv. Denn bei Regen oder Starkwind kann nicht gepflückt werden. Auch die Tradition, zu Allerheiligen zu ernten, hat sich erledigt. 2018 begann man schon am 17. Oktober, 2019 wurde ab dem 15.10. gesammelt. Heute zählt das Le Corti Olio Extra Vergine di Oliva DOP zu den besten der Welt, wird z. B. für hochexklusive Luxuskreuzfahrten in aller Welt geordert. Und ist meist schon vor Weihnachten ausverkauft, mit Ausnahme jener Marge, die fürt den Verkauf ab Gut zurückgestellt wird. Für den halben Liter werden dabei 19,10 Euro fällig, ein stolzer Preis, der aber von dem nur schmunzelnd als "zweite Wahl" bezeichneten Le Corti Olio Extravergine di Oliva unterboten wird. Eigentlich ist es gleichwertig, verzichtet aber auf die Bezeichnungen Bio und DOP – und kostet 17,10 Euro in der Dreiviertel-Literflasche.

Noch nicht ganz so weit ist Fürst Corsini mit dem Wein, obschon auch seien Chianti-Classico-Kollektion schon enorm hohe Punktzahlen einheimste. Neben Le Corti betreibt Duccio Corsini mit Schwester Sabrina in der Maremma auch noch das Landgut Marsiliana, wo ebenfalls Wein angebaut wird. Zwar mussten die Corsini nach der italienischen Landreform 1954 dort 4000 Hektar Land abgeben, aber es blieben ihnen dort auch noch über 2000 weitere Hektar. V

on Le Corti stammt indes der edle ZAC, ein IGT Toscana Rosso, der nach Zia Anna Corsini, Tante Anna Corsini benannt ist. Der reine Sangiovese ist ein klassischer Toskana und hochelegant, eben wie die hochbetagt verstorbene Anna Corsini, die übrigens niemals heiratete. Großartiger noch ist der Cortevecchia, ein echter Chianti Classico DOCG Riserva und damit ein DOP-Wein, der schon 92 und 93 Punkte einheimste. Und auch der kostengünstige Le Corti 2016, ein Chianti Classico DOCG und DOP, erhielt durchweg 92 Punkte – bei einem annehmbaren Preis von gerade 15,50 Euro pro Flasche.

Das aktuelle Corsini-Aushängeschild ist hingegen der Don Tommaso Chianti Classico Gran Selezione DOCG, dessen Trauben ebenfalls hier auf den Hängen der Tenuta bei San Casciano in Val di Pesa auf nur einem Weinberg gelesen werden. Kein Wunder also, dass sich nicht nur der Online-Kauf, sondern auch der Besuch beim Fürsten Corsini lohnt,. Nach Villen- und Kellerbesichtigung locken die Degustation und die Osteria mit feiner toskanischer Traditionsküche, dazu der Laden, wo auch Aceto Balsamico und Vin Cotto verkauft werden. Schließlich bietet der Fürst auch Übernachtungen, etwa im Chianti Classico-Gebiet im La Sperone oder in Gugliaie. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten bestehen in der Maremma.

Alter Weinkarren vor der Villa Le Corti.
Alter Weinkarren vor der Villa Le Corti.

 

Olivenöl Chianti Classico DOP, Chianti Classico-Weine und Weine IGT Principe Corsini:
Principe Corsini Villa e Valle Le Corti, Via San Piero di Sotto 1, 50026 San Casciano in Val di Pesa, Provinz Florenz, Region Toskana, Tel. +39 055 82 93 01, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.principecorsini.com/it/content/villa-le-corti ; Besichtigung und Degustation: Tel. +39 055 829 30 26, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; Öffnungszeiten L'Enoteca Le Corti: Mo 10.00 – 15.00, Di 10.00 – 17.00, Mi – Sa 10.00 – 18.00 Uhr; mit Kochschule (Kurse 2 – 3 Std.; Info: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.); Osteria Le Corti, Tel. +39 055 829 30 26, Tel. +39 348 72 15 125, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; tgl. ab mittags bis ca. 18.00 und n. V. geöffnet

Information DOP ist TOP in der Toskana:
EAT – The European Art of Taste: www.europeanartoftaste.eu
Chianti Classico-Olivenöl: Olio Chianti Classico DOP, www.oliodopchianticlassico.com
Toskanischer Schinken: Prosciutto Toscano DOP, www.prosciuttotoscano.com
Pecorino-Käse: Pecorino Toscano DOP, www.pecorinotoscanodop.it
Chianti Classico-Wein: Vino Chianti Classico DOCG, www.chianticlasscio.com

 

Impressionen:


Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 09/01/2020

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