Duval-Leroy: Champagnergenuss à la Fin de siècle

Egal ob Rebsortenverschnitt oder sorterein, etwa als Blanc de Blanc: rund 99,9 % aller Champagner werden aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay gekeltert. Zugelassen für den Anbau innerhalb der Region sind insgesamt aber tatsächlich gleich sieben Rebsorten. Was also steckt in den restlichen 0,1% des französischen Lebenselixiers par excellence?

Nun, da wären zunächst ein wenig Pinot Gris Vrai, vor allem aber Pinot Blanc - also Grau- und Weißburgunder - aus denen auch in Deutschland gerade im Weißburgunderbereich teilweise recht charaktervolle Schaumweine produziert werden. Weitaus spannender aber sind die beiden autochthonen Champagner-Rebsorten Arbane und Petit Meslier - letzterer wohl aus einer spontanen Kreuzung des vor allem aus dem Jura bekannten, kraftvollen Savagnin und des säurebetonten Gouais Blanc entstanden - von denen allerdings wohl nur die wenigsten Champagnerfans jemals etwas gehört haben dürften.

Dabei waren diese beiden weißen Rebsorten bis Ende des 19. Jahrhunderts in der Champagne noch weit verbreitet. Doch mit der Reblausplage und dem Siegeszug des in Sachen Terroir deutlich weniger anspruchsvollen, vor allem aber weitaus ertragreicheren Chardonnay, war das Schicksal der beiden Traditionsweine besiegelt. So sind heute gerade einmal knapp vier Hektar in den Gemeinden Jouy-les-Reims, Venteuil und Cormoyeux im Marnetal sowie in Buxeuil an der Côte–de-Bar mit Petit Meslier Reben bestockt bzw. rund zwei Hektar mit Arbane. Ebenfalls in Venteuil bzw. entlang der Côte-de-Bar. Bei einer Gesamtanbaufläche der Champagne von aktuell rund 33.000 Hektar zusammen also etwas weniger als 0,018%. Klar, dass es deshalb auch kaum mehr als ein halbes Dutzend Produzenten gibt, die ihre Cuvèe mit diesen mittlerweile Raritätenstatus genießenden Weinen abrunden.

Weinberg von Duval-Leroy, im Hintergrund das Örtchen Vertus.
Weinberg von Duval-Leroy, im Hintergrund das Örtchen Vertus.

 

Ein Champagnerhaus geht aber noch einen Schritt weiter. So produziert der 1859 in Vertus gegründete Familienbetrieb Duval-Leroy, der rund 200 Hektar eigene Weinberge bewirtschaftet – davon über 40% in Grand Cru- und Premier Cru-Lagen an der Côte des Blancs – in seiner exklusiven Précieuses Parcelles-Serie auch einen reinsortigen Petit Meslier. Das ist weltweit einmalig und Grund genug für den KULINARIKER diese Reminiszenz an die große Champagnerkultur des 19. Jahrhunderts zu verkosten.

Geführt wird das Unternehmen aktuell in der 6. Generation von Carol Duval-Leroy und ihren drei Söhnen. Gleichzeitig hat Carol, die das Haus in den vergangenen 20 Jahren konsequent modernisiert und den Stil des Hauses deutlich verfeinert hat, das prestigeträchtige Amt der Präsidentin der "Association Viticole Champenoise" inne.

Mit einem Endkundenpreis von plusminus 100 Euro liegt das Preisniveau des Duval-Leroy Petit Meslier Extra Brut unter dem namhafter Prestigecuvées oder von Lagen-Raritäten anderer Grandes Marques – präsentiert sich im Glas dabei aber weitaus spannender als mancher Wein der Konkurrenz. So viel sei schon einmal verraten. Außerdem gibt es vom aktuellen Jahrgang 2007 gerade mal 3717 (!) Flaschen. Im Vergleich: vom aktuellen Dom Perignon 2009 soll es etwa fünf bis sechs Millionen geben. Schwer da noch von Exklusivität zu sprechen.

Carol Duval-Leroy und ihre drei Söhne.
Carol Duval-Leroy und ihre drei Söhne.

 

Doch jetzt zur Verkostung. Schon das Bukett des goldgelben, fast ein wenig ins Amberfarbene spielenden Weines ist eine Wucht und – im Vergleich zu den meisten "Standard"-Champagnern – fast schon irritierend intensiv, doch keineswegs aufdringlich. Ein prall gefüllter Korb reifer, ja exotischer Früchte springt uns da aus dem Glas entgegen und sofort setzt Speichelfluss ein. Man will diesen Wein einfach sofort probieren. Doch wir halten uns noch etwas zurück.

Dominiert am Anfang noch verschwenderische Opulenz, wird der olfaktorische Eindruck nach ein zwei Minuten im Glas zunehmend komplexer und vielschichtiger. Im Hintergrund glauben wir auch eine minimal oxidative Note wahrzunehmen. Mit der Zeit treten dann elegante Blütenaromen in den Vordergrund wie Veilchen und Magnolien, außerdem Weinbergpfirsiche, aber auch etwas Zitronenverbene und sogar eine minimale Rauchigkeit. Großartig!

Am Gaumen beeindruckt die überaus feine Perlage gepaart mit druckvoller Säure, die die feingliedrigen Fruchtaromen regelrecht über die Zunge tanzen lässt. Insgesamt präsentiert sich der Wein ausgesprochen harmonisch und perfekt ausbalanciert. Eleganz pur. Allerdings ist das, wie gesagt, ein durchaus typisches Markenzeichen der Champagner von Duval-Leroy. Dazu der deutliche Eindruck von Süße, die allerdings weniger der Dosage geschuldet scheint - schließlich handelt es sich um einen Extra Brut - als vielmehr eine typische Eigenschaft der Rebsorte darstellt. Ein wirklich großartiges Champagnererlebnis! Zugreifen!

Duval-Leroy Petit Meslier Extra Brut.
Duval-Leroy Petit Meslier Extra Brut.

 

Weitere Infos: www.duval-leroy.com/en/home 
Den Petit Meslier 2007 und zahlreiche weitere Champagner aus dem Hause Duval-Leroy gibt es gibt es bei: www.der-schmeckt-mir.de

Fotos: Philippe Martineau, Duval-Leroy, Christian-Philippe Paris

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Zuletzt bearbeitet am 19/12/2019

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Autor

Thomas Hauer

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