Ribera del Duero: Spaniens ehrgeizigste Winzer

Immer mehr Weinbauern in Spanien setzen auf Qualität. Das kleine Anbaugebiet Ribera del Duero hat sich in den vergangenen Jahren als Top-Marke positioniert – und konkurriert im Hochpreissegment längst mit den besten Riojas.

Kaum ein Weinbaugebiet kann in den vergangenen 30 Jahren eine so rasante Entwicklung vorweisen. Ribera del Duero ist längst zu einer der populärsten europäischen Weinbauregionen avanciert. Im Herzen der Region Kastilien schlängelt sich das Anbaugebiet links und rechts des namengebenden Flusses gemächlich durch die karge Landschaft. Der Duero fließt von der kastilischen Hochebene nach Westen und mündet bei Porto in Portugal als Douro in den Atlantik. Vor einer malerischen Tafelbergkulisse wachsen die Rebstöcke auf einer Höhe zwischen 750 und 1.100 Metern.

Seit 1982 verfügt die Region über eine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung. 8148 Winzer in knapp 300 Bodegas bearbeiten die Gesamt-Rebfläche von gut 23.000 Hektar, was gerade einmal gut zwei Prozent der Rebfläche Spaniens entspricht. Die durchschnittliche Produktion pro Hektar beträgt 4000 Kilogramm – ein Zeichen von Qualität. Rund ein Viertel der Rebstöcke ist älter als 45 Jahre. Die Weinberge der Bodega Dominio de Atauta sind teils gar mit 160 Jahre alten Reben bestockt.

Alte Rebe im Anbaugebiet Ribera del Duero.
Alte Rebe im Anbaugebiet Ribera del Duero.

 

In den Weinbergen steht zu rund 90 Prozent Tempranillo, der sich unter dem Synonym Tinto Fino perfekt an das extrem kontinentale Klima angepasst hat. Temprano bedeutet „früh“ und ist ein Hinweis darauf, dass diese Sorte dank ihrer frühen Blüte mehr Zeit hat, um voll auszureifen. Daneben werden Cabernet Sauvignon, Garnacha Tinta, Malbec, Merlot und als einzige weiße Rebsorte Albillo kultiviert. Die Weine sind vom unverkennbaren Landklima geprägt: Die Winter sind sehr lang und kalt, mit Spitzenwerten bis zu -20° C. Im Sommer kann das Quecksilber sogar bis auf 40° C steigen. Zudem sind im Sommer die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht mit bis zu 30 Grad sehr groß.

Kräftige Beerenaromen und vergleichsweise hohe Säure

Dies schafft das perfekte Klima, damit die Tempranillo-Trauben reichlich Farbe, Gerbstoff, Aroma und Fruchtsäure ansammeln kann, bis sie ab Anfang Oktober geerntet werden. Viele der Weinberge liegen auf Kalkböden. Das trägt in Kombination mit der Höhe dazu bei, den Säuregehalt der Trauben zu erhalten. Das Ergebnis sind Rotweine, die sich durch eine hohe Konzentration und kräftige Beerenaromen bei vergleichsweise hoher Säure auszeichnen .In diesem Jahr ernteten die umtriebigen Winzer an den Ufern des Duero 96 Millionen Kilogramm Trauben von sehr hoher Qualität – nach 125 Millionen im Jahr 2018 die zweitgrößte Ernte der Geschichte. Ein Meilenstein: Die 600.000 kg der weißen Traube Albillo Mayor werden erstmals in der erst 37-jährigen Geschichte dieses Anbaugebiets den D.O. (Denominación de Origen)-Status erhalten. Marketingdirektor Pablo Baquera Peironcely sieht darin einen „großen Schritt“, die mehr Winzer auf diese Sorte aufmerksam machen dürfte. Bisher setzen nur 30 Produzenten auf Albillo.

Erntehelfer bei der Arbeit...
Erntehelfer bei der Arbeit...

 

"Ich wage zu sagen, dass es die komplexeste aller weißen Sorten ist, die wir kennen. Sie muss zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden, weder zu spät noch zu früh, was eine beständige Beobachtung erfordert. Er ist vielseitig, elegant und für die Langlebigkeit geboren. Ihn herzustellen bedeutet, Risiken einzugehen, es ist Opfer, aber das Ergebnis ist es wert."

Zu den international anerkannten Vorzeige-Gütern zählen Weinkenner das erst 1999 gegründete Aalto. Gründer Mariano Garcia prägte 30 Jahre lang Vega Sicilia, Kultstätte des spanischen Weinbaus. Die im letzten Jahrgang produzierten 300.000 Liter deckt nach eigenen Angaben lediglich 20 Prozent der gesamten Nachfrage ab. Flaggschiff ist der Aalto PS stammt aus 60 Jahre alten Reben. Gut integrierte Tannine mit einem gehaltvollen, fruchtigen Finale. Großes Potential.

Wald der Eseltöter

Valdemonjas ist ein strikt biodynamisch produzierender Familienbetrieb mit sieben Hektar Rebfläche. Gründer Alejandro Moyano-Agüera war Manager bei Syngenta und hat es sich dem Weinbau vor 20 Jahren als Hobby verschrieben. Heute produziert er mit seinem Sohn Alexis 40.000 Flaschen pro Jahr. Abrì las Alas – ‚Ich öffnete die Flügel‘ heißt der Flaggschiff-Wein des strikt ökologisch arbeitenden Betriebs. "Die Trauben werden nur sanft gepresst, um nur die Blume des Weines zu extrahieren und Tannin-Überschüsse zu vermeiden", erklärt Juniorchef Alexis. Gut 18 Monate liegt der Wein in neuen Burgunderfässern, die Abfüllung des aktuell erhältlichen Jahrgangs 2012 erfolgte Ende Mai 2014 – bei Halbmond. Kräftige und komplexe Aromen von reifen schwarzen Früchten und dunkler Schokolade am Gaumen. Langer und anhaltender Abgang.

Alexis, Charo und Alejandro Moyano-Agüra.
Alexis, Charo und Alejandro Moyano-Agüra.

 

Valduero ist mit 200 Hektar eigenen Weinbergen das größte Weingut in der Region Ribeira del Duero. Strenge Selektionen im Weinberg führen dazu, dass nur 4.000 kg Trauben pro Hektar geerntet werden. Genügt das Lesegut nicht den Anforderungen, lässt Chefin Yolanda auch ganze Jahrgänge wie 2009 oder 2012 ausfallen. Als ‚Master of Wine‘ hat sie extrem hohe Ansprüche. Für den Valduero Reserva Premium 6 años lässt sie nur ausgesuchte Trauben aus über 40-jährigen Einzellagen gelten. Ausgebaut wird er drei Jahre lang in vier unterschiedlichen Typen von Eichenfässern, um anschließend weitere drei Jahre lang in der Flasche zu reifen – ein komplexer Wein mit viel Kraft, ausbalancierter Säure und intensivem Abgang. Hervorragend und auf diesem Niveau in Ribera del Duero kaum anzutreffen ist auch der Weißwein García Viadero Blanco Albillo.

Der Wald und das Weinanbaugebiet Bosque de Matasnos (‚Wald der Eseltöter‘) erstreckt sich über 240 Hektar und liegt 18 Kilometer entfernt von Aranda del Duero auf der Hochebene der Ribera del Duero auf 950 Metern über dem Meeresspiegel. Önologe Jaime Postigo hat sich vollständig dem nachhaltig-ökologischen Anbau verschrieben. So säubern Schafe den Wald, während die Traubenstängel mit dem Dung der Schafe kompostiert und wieder in die Weinberge eingebracht wird. Postigo weiß um die Besonderheit der extremen Klimaverhältnisse und ihre Bedeutung für den Gärungsprozess. Der Einfluss des kühlen Klimas wird durch das Ökosystem des Waldes maßgeblich abgemildert.

Panoramaaufnahme der Region...
Panoramaaufnahme der Region...

 

Kuriose Cuvée

Dadurch entsteht ein optimales Mikroklima. Die maximale Produktionsmenge liegt bei nur 3500 Kilogramm pro Hektar. Die Lese des 2018er Jahrgangs bedeutete 13.000 Handarbeit für 35 Hektar Weinberge. Kaum Wunder, dass die feinen Tropfen aus dem Bosque de Matasnos von Topköchen wie dem mit insgesamt zehn Michelin-Sterne ausgezeichneten Martin Berasategui ausgewählt werden. Neben dem "Bosque de Matasnos Edicion Limitada“ aus dem in der Ribera als "hervorragend" eingestuften Jahrgang 2015 sollten sich Weißwein-Liebhaber keinesfalls den gelungenen Blanco de Matasnos entgehen lassen – eine sechs Monate im Eichenfass gereifte kuriose Cuvée aus Chardonnay, Viognier und Verdejo.

Ein kulinarisches Highlight ist, wenn David Izquierdo, Küchenchef des ‚El 51 del Sol‘ in Aranda de Duero - gleichsam mitten im Nirgendwo - auf der Hochebene zu den Weinen von Jaime Postigo kocht. Nur zwei Beispiele für sein herausragendes Talent sind die aus Hirschknochen-Reduktion zum Reh und der Thunfisch, dessen Textur an Kobe-Rind erinnert. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die Inspektoren des Guide Michelin auf Izquierdo aufmerksam werden.

Lese mit dem Traktor...
Lese mit dem Traktor...

 

Aperçu am Rande: Nirgends sonst wird so viel Geld für edle Weine aus der Ribera del Duero investiert wie in der Schweiz. Auf den Plätzen folgen Mexiko, die USA – und dann erst Deutschland.

Fotos: Christian Euler

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Zuletzt bearbeitet am 01/12/2019

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