Dramatisch schönes Taubertal (Teil 1)

Eine aufregende Geschichte erlebte die autochthone Rebsorte Tauberschwarz. Erstmals erwähnt wurde sie in er einer Urkunde des Hochstifts Würzburg im Jahr 1726...

Bis nach dem zweiten Weltkrieg galt der Tauberschwarz als eine der wichtigsten Rebsorten in den Weinbergen an der Tauber bei Weikersheim und im Vorbachtal. Als aber in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die große Flurbereinigung erfolgte und die Weingärtner den sortenreinen Anbau und auch eher Weisswein bevorzugten, wurden die oft mehr als 200 Jahre alten Reben gerodet. Einem glücklichen Zufall ist die Rettung der besonderen Rebsorte zu verdanken, denn der Winzer Hermann Balbach bevorzugte Tauberschwarz und lagerte immer ein 100 Liter Fass mit Tauberschwarz in seinem Keller.

Weinbauberater Georg Dierolf erfuhr davon und motivierte die Familie, einen Versuchsweinberg mit verschiedenen Tauberschwarz-Klonen zu bepflanzen. Der Durchbruch ist dem Polarwinter 1978/ 79 zu verdanken, denn bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad waren fast alle Reben in der Region erfroren bis auf den Tauberschwarz. Die Sorte, die inzwischen von Slowfood in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde, erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit und wird im Taubertal nur in kleinen Mengen angebaut. "Wir möchten, dass der Tauberschwarz eine Art Rarität bleibt", begründet Matthias Balbach, der Enkel von Herrmann Balbach, die Entscheidung für die Produktionsmenge des aromatisch eleganten Weines.

Weinberg mit der autochthonen Rebsorte Tauberschwarz.
Weinberg mit der autochthonen Rebsorte Tauberschwarz.

 

Zauberhaftes Weinland

Das Weinland Taubertal befindet sich zwischen Rothenburg ob der Tauber und Wertheim am Main. Auf knapp 100 Kilometern säumt die Tauber diesen anmutigen Landstrich mit seinen sanft hügeligen Weinbergen, romantischen Flusstälern und historischen Städten, wie Creglingen, Röttingen, Weikersheim, Bad Mergentheim, Lauda-Königshofen und Tauberbischofsheim. "An der Tauber treffen sich drei Weinbaugebiete, zwei Weinbauzonen und zwei Bundesländer. Im südlichen Taubertal zählt die Rebfläche zu Bayern und zum Anbaugebiet Franken, Bereich Maindreieck. Zwischen Weikersheim, Niederstetten und Bad Mergentheim liegt das Weinanbaugebiet Württemberg, Bereich Kocher-Jagst-Tauber. Das mittlere Taubertal von Lauda-Königshofen, Ortsteil Unterbalbach bis zur Mündung der Tauber in den Main bei Wertheim gehört zum Weinbaugebiet Baden, Bereich Tauberfranken", beschreibt Jochen Müssig, Geschäftsführer vom Tourismusverband "Liebliches Taubertal" die besondere Lage der Region und ergänzt: "Nur in den Anbaugebieten Maindreieck und -viereck sowie im Bereich Tauberfranken dürfen Qualitäts- und Prädikatsweine im Bocksbeutel abgefüllt werden".

Im Taubertal werden rund 1100 Hektar Anbaufläche durch Winzer und Weingärtner bewirtschaftet. Etwa 65 Prozent sind mit Weißweinsorten und 35 Prozent mit Rotweinsorten bestockt. Zu den Weißweinen gehören der Müller-Thurgau und der Silvaner, aber auch die Kernerrebe, Bacchus, Burgunder, Auxerrois, Riesling, Ruländer, Scheurebe, Traminer und Gewürztraminer. Bei den Rotweinen sind hauptsächlich Sorten, wie Schwarzriesling, Blauer Spätburgunder, Dornfelder, Regent, Acolon und Tauberschwarz vertreten. "In den Weinen aus dem Taubertal steckt eine unglaubliche Leidenschaft", bestätigt Artur Steinmann, Präsident vom Fränkischen Weinbauverband.

Artur Steinmann, Präsident vom Fränkischen Weinbauverband.
Artur Steinmann, Präsident vom Fränkischen Weinbauverband.

 

Schon seit 125 Jahren existiert die Beckensteiner Winzergenossenschaft und ist damit die drittälteste Badens. Insgesamt bewirtschaften 354 Mitglieder aus 20 Weinorten rund 275 Hektar Rebflächen. Empfehlenswert sind unter anderem ein 2018 KILIAN Becksteiner Kirchberg Tauberschwarz mit leichten Beerenaromen, etwas Würze und Frische am Gaumen. Ebenfalls ein Genuss, der 2018 KILIAN Gerlachsheimer Herrenberg Chardonnay trocken. Er ist im Barrique gereift und zeigt eine feine Säurestruktur sowie intensive Vanillearomen am Gaumen. Auch der 2017 Alte Rebe Spätburgunder gefällt mit seinem Duft von Backobst, Schokolade und Pfeffer.

Die Weingärtner von Markelsheim

Einen überraschenden Eindruck macht der Zusammenschluss der Weingärtner von Markelsheim. Eine vielfältige Genießerauswahl zeichnet das Sortiment der Mitglieder aus Markelsheim, Weikersheim, Elpersheim, Schäftersheim, Laudenbach und der Stadt Niederstetten mit Oberstetten und Vorbachzimmern aus. Vom leichten, frischen Weißwein bis hin zum vollmundig-charaktervollen Rotwein sind zahlreiche Variationen der Weine, die in den Steillagen im Vorbachtal und Taubertal angebaut werden, vorhanden. Diese ausgesuchte Lage, Muschelkalkböden und der sorten- sowie jahrgangsbetonte Ausbau zu etwas ganz Besonderem. Zu den ausgezeichneten Weinen gehören ein 2015 Markelsheimer Tauberberg Spätburgunder Spätlese trocken Barrique und ein 2015 Markelsheimer Propstberg Silvaner Auslese trocken. Ebenfalls dazu gehört der 2018 Laudenbacher Schafsteige Tauberschwarz QbA trocken, der aus den Urreben des Tauberschwarz gewonnen wird und durch eine Maischegärung eine deutlich kräftigere Note bekommt. Genauso überzeugend ist ein leichter, eleganter Tauberschwarz Rosé von 2018.

Und zwischendurch ein Glas Wein. Hier: von Baumann...
Und zwischendurch ein Glas Wein. Hier: von Baumann...

 

Das Taubertal mit seinen Seitentälern zählt zu den schönsten Regionen in Deutschland. Zahlreiche exquisite Weingüter und hervorragende kulinarische Adressen werden unmittelbar mit dem, über die Jahrhunderte vom Weinbau geprägte Kulturlandschaft, in Verbindung gebracht. So befindet sich auch das Weingut Baumann sowie die Brennerei und Imkerei Michael Baumann am Fuß des imposanten Gerlachsheimer Herrenbergs. Aus dem Bewusstsein heraus, das ökologisch wertvolle Erbe der Vorfahren für zukünftige Generationen zu schützen und zu bewahren, haben sich die Brüder Matthias und Michael Baumann entschlossen, neue Wege zu beschreiten und erhielten im Jahr 2013 die DEMETER-Zertifizierung. "Wir wollen Weine mit eigenem Charakter, lebendige Weine, die unsere Ideen widerspiegeln. Weine, aus denen die Einzigartigkeit der Terrassenanlagen des Gerlachsheimer Herrenberg hervorgeht, Weine, die die Idee der Nachhaltigkeit verwirklichen. Bei uns gibt es nur Bio- und sonst gar nichts", bestätigt Michael Baumann und ergänzt: "Mit unserer Demeter-Weinserie gehen wir einen etwas anderen Weg. Unnötiger Tand wird weggelassen, der Wein ist das Ereignis! Auch wenn manche Noten einzeln eventuell sogar disharmonisch klingen mögen, so komponieren wir aus diesen vielen Noten ein klangvolles Werk. ‚Fis‘ alleine kann ganz schön schräg klingen, im D-Dur Akkord ist der Ton aber sehr festlich und harmonisch."

Informationen
Deutsches Weininstitut GmbH, https://www.deutscheweine.de
Tourismusverband „Liebliches Taubertal e.V.“,https://www.liebliches-taubertal.de/
Rebgut Lauda, https://rebgut.de/
Hotel Becksteiner Rebenhof, https://www.becksteinerrebenhof.de/
Weingut Krämer, https://www.kraemer-oeko-logisch.de
Winzerhof Stahl, https://www.winzerhof-stahl.de/
Bioweingut Baumann, https://bioweingut-baumann.de/
Becksteiner Winzer eG, https://www.becksteiner-winzer.de
Weingärtner Markelsheim, https://www.markelsheimer-wein.de
Julius Echter Keller, https://www.markelsheimer-wein.de/julius-echter-keller
Restaurant Bundschu, https://www.hotel-bundschu.de
Weingut Benz, https://www.weingut-benz.de/
Weingut Hofmann, https://www.weinguthofmann.com/

Fotos: Carola Faber

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Autor

Carola Faber

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