European Art of Taste: Schinken, Wein und noch viel mehr

Gut, dass sich Adriano und Irina Rossetti für diesen wunderbaren Ort entschieden und eine durchaus hohe sechsstellige Eurosumme investierten, um das Landgut La Volpaia zu erwerben!

Denn das auf das 16. Jh. zurückgehende Anwesen liegt im Herzen der Toskana, bei Barberino Val d`Elsa, jenem Dorf, aus dem die später durch Päpste wie Skandale berühmt gewordene Adelsfamilie Barberini stammt. La Volpaia wird als Agriturismo geführt, ist vollends authentisch toskanisch, ohne auf den Pool für Gäste zu verzichten. Und es bietet auch im Inneren des Landhauses stilechtes Mobiliar und Kunstwerke, das der Vorbesitzer, der renommierte Architekt und Künstler Andrea Talíaco, ihnen gleich mit überließ.

Während der Künstler, Jahrgang 1940, sich nun direkt nebenan auf sein wohlverdientes Altenteil zurückgezogen hat, können Gäste nun ein Gutteil von Andrea Talíacos Werken quasi nebenbei während ihres Aufenthaltes ausgiebig studieren und erleben. Nicht genug damit: Auch das letzte von einst zwölf Pferden des Altstars, dessen Werke sonst vorwiegend in Privatsammlungen auf vier Kontinenten zu finden sind, ist mit von der Partie: Das Künstlerross mit dem passenden Namen Passepartout hat bereits 27 Lenzen auf dem Buckel, orientiert sich heute am Rhythmus der Hühner und scheint sein "Gnadenbrot" aufs prächtigste zu genießen. Toskana vom Feinsten sind auch die hier ab und an auftauchenden Ziegen und die 250 uralten Olivenbäume, deren Bestand die Rossettis nun verdoppeln wollen.

Harmonie zwischen Natur, Kunst, Architektur und Kulinarik

Keine Frage: Setting und Location stimmen hier am Verlauf der mittelalterlichen Vai Francigena, in uraltem Etruskerland! San Gimignano liegt quasi um die Ecke, ebenso das magische Dreieck des Chianti Classico Weins, Greve, Radda und Castellina in Chianti. Dazu ist es nur ein Katzensprung bis nach Siena oder Florenz. Und auch die Wein- und Käsehochburgen Montalcino, Montepulciano oder Pienza sind nicht fern. Perfekt also, um die Topqualitäten der mit dem schützenden Siegel der Urspungsbezeichnung, dem D.O.P. ausgestatteten Produkte zu verkosten.

Für die richtige Harmonie zwischen Natur, Kunst, Architektur und Kulinarik sorgen derweil Irina und Adriano, der zur Begrüßung gleich einige Top-Weine des Chianti Classico DOP, es sind DOCG-Spitzenweine, entkorkt hat. Dazu präsentiert die Tafel zwischen frischen Weintrauben, Walnüssen und Rosinen den herrlichen, mit farbigem Bildzeichen geschützten und mit Heißhunger und Appetit verzehrten toskanischen Pecorino-Käse, natürlich nur den Pecorino Toscano DOP bzw. in seiner länger gelagerten Form der Pecorino Toscano DOP stagionato!

Landgut La Volpaia.
Blick vom Landgut La Volpaia auf die nähere Umgebung.

 

Dazu wird das seit dem Jahr 2000 streng geschützte, höchst wertvolle und gesunde Olivenöl aus dem Chianti-Classico-Gebiet verkostet: Dies Siegel des Olio Chianti Classico DOP wartet mit dem legendären Gallo Nero, dem schwarzen Hahn auf weißem Untergrund auf, das allerdings zur Abgrenzung vom Wein von grünen Kreisrund eingerahmt wird. Schließlich darf auch der nicht minder edle, vielleicht nicht ganz so berühmte aber bei Kennern höchst geschätzte toskanische Schinken nicht fehlen.

Sein Siegel wird beherrscht von der roten Landkarte der Toskana, golden eingerahmt samt vier goldener Sterne und dem schützenden Urspungsnamen "Prosciutto Toscano DOP". Und natürlich sind die bereits zum Antipasto gereichten herrlichen Schinkenscheiben mit prächtigem aromatischem Geschmack und typischen Aromen von Pfeffer, Knoblauch, Lorbeer, Rosmarin und Wacholder ein Gedicht. Der würzige Schinken passt natürlich auch perfekt zu süßen Früchten, Melonen oder Feigen.

Gewinner dieses Treffens...

Selbstverständlich beeindrucken auch die zum Essen gereichten Weine von allerhöchste Qualität, vorweg der süffige Ribaldoni Villa Rosa DOCG 2016 der Familie Cecchi. Es folgen ein Kultwein des Castello di Meleto, der Vigna Casi Riserva 2015, sowie als Höhepunkt schließlich die Gran Selezione vom Castello Fonterutoli aus Castellina in Chianti. Wer meint, damit der Weltweinhochburg des Chianti Classico genüge getan zu haben, hat die Dessertweine vergessen. Da ist einmal der mit seinem unverwechselbaren Geschmack punktende, golden glänzende Vin Santo des Ricasoli-Gutes Castello di Brolio, aus dem Jahr 2011.

Und da ist der uneingeschränkte Gewinner dieses Treffens, der Vin Santo vom Bio-Weingut Badia a Coltibuona, natürlich ein rötliches Occhio di Pernice, ein legendäres "Auge des Rebhuhns", ein perfekter Vin Santo del Chianti Classico. Noch scheint das richtige Gefäß zur Verkostung von Olivenöl nicht erfunden zu sein. Aber Hausdame Irina hat flugs eine Idee und holt wunderbare japanische Sake-Keramikschälchen hervor, aus denen sich der edle Olivensaft, der nie über 27 Grad Celsius gepresst bzw. zentrifugiert werden darf, herrlich heraus schlürfen lässt.

Auf zum Tasting...
Auf zum Tasting...

 

Neben den imponierenden chemischen sorgen die organoleptischen Eigenschaften für Furore: Da sind die herrlichen Farbtöne vom dunklen Grün bis zur golden nuancierten Grünfarbe. Und da ist der einmalige Geschmack rein und fruchtig, mit Anteilen von Kräutern, Pinienkernen und Mandeln, sogar Artischocke. Nur das lästige – aber nötige – Schlürfen stört!

Sodann gehen wir erst einmal dem Schinken auf den Grund. Wir sind zu Gast im Salumificio Viani, wo Vater und Sohn Viani und Team jährlich 300 000 Schinken allerhöchster Güte herstellen. Sogar der US-Markt wird beliefert, wegen der besonders hohen Einfuhrhürden reift dieser USA-Schinken in gesonderten Abteilungen Das kapital- wie kostenintensive Geschäft erfordert auch sonst viel Fingerspitzengefühl.

Denn mit dem Parma-Schinken oder dem aus San Daniele sind allein schon in Italien zwei weitaus umsatzstärkere Konkurrenten des toskanischen Schinkens am Werke. Dabei, so Emore Magni, Direktor des Konsortiums Prosciutto Toscano, zeichnet sich der toskanische Schinken vor allem durch lange Reifung und seinen intensiveren Geschmack aus.

Castello di Verrazzano und Bar dell`Orso

Besonders erfolgreich in den USA ist das vor den Toren von Greve in Chianti seit 1170 beheimatete Castello di Verrazzano. Nach dem Rundgang durch die herrlichen heiligen Hallen der Burg-Cantina geht es unter dem gestrengen Etikettenblick Giovannis an die Verkostung. Unter Anleitung des ebenso souverän wie flott agierenden Restaurant-Sommeliers gilt es erst einmal, den hauseignen lachsfarbenen, Rosato "Il Rosé" 2018 zu verkosten. Und der 12,5-prouzentige aus 100 % Sangiovese entpuppt sich als dominant erdbeerig, mit Nuancen von Pfirsich und Granatapfel – und wird daher viele Liebhaber haben. Er ist ab Kastell für schlanke 13,50 € im Angebot. Der rubinrote Chianti Classico 2016, 95 % Sangiovese und 5 % Canaiolo, bringt satte 14 % mit und imponiert mit Aromen von Schwarzer Johannisbeere und Pflaume und kostet 14,50 €.

Castello di Verrazzano.
Castello di Verrazzano.

 

Aber er kann natürlich nicht dem schon mit 94 Punkten prämierten, 24 Monate im Fassgelagerten Chianti Classico Riserva 2015 (14,5 %) mithalten, dessen Eleganz mit Aromen von schwarzer Johannisbeere, roter Kirsche, Tabak und schwarzem Pfeffer besticht. Er wird für 26,50 € feilgeboten. Überraschend ist, dass dieser idealerweise ab 2024 zu entkorkende Wein sogar die 42 € teure Gran Selezione des Hauses vom Hügel Querciolina aussticht, die immerhin 30 Monate im Fass lagerte, davon 6 Monate im Barrique. Unser Favorit. Die 2015er Riserva.

Schließlich die Entdeckung des Tages: ein Kultort für die Freunde der toskanischen Cucina Povera, die unterhalb der Sieneser Festung von Monteriggioni öffnende Bar dell`Orso.

Hier treffen sich Dorfpolizisten, Schüler und Fernwanderer, Radler und LKW-Fahrer, Biker und vor allem Foodies, um die Leckereien auf den dargebotenen Schneidebrettchen und Platten mit großem Vergnügen zu besten lokalen Weinen und zu kleinem, moderatem Preis zu vernichten. Allerdings teilt das Haus auch zurecht mit: "Ein reicher Gang an Geschmacksnoten und Düften der Toskana, die sich für ein vegetarisches Essen leider nicht eignen!"

Natürlich dürfen DOP-Schinken und Salami, grobe Würste der Sieneser Schweinrasse Cinta Senese, Mortadella und die Fenchelsalami Finocchiona, die mit dem weiteren Gütesiegel IGP geschützt ist, nie fehlen. Aber spätestens beim ersten Gang kommen auch die Vegetarier zum Zug: Da sollten unbedingt Pici mit Käse und Pfeffer oder Ravioli mit Trüffelsauce geordert werden. Und ganz Verwegene wählen natürlich die hauseigene Ribollita – eine Delikatesse – und wie alle Speisen hier scher DOP-verdächtig!

Information DOP ist TOP in der Toskana:
EAT – The European Art of Taste: www.europeanartoftaste.eu/
Chianti Classico-Olivenöl: Olio Chianti Classico DOP, www.oliodopchianticlassico.com
Toskanischer Schinken: Prosciutto Toscano DOP, www.prosciuttotoscano.com
Pecorino-Käse: Pecorino Toscano DOP, www.pecorinotoscanodop.it
Chianti Classico-Wein: Vino Chianti Classico DOCG, www.chianticlasscio.com

Chianti Classico D.O.P. (DOCG):
Castello di Verazzano, www.verrazzano.com/de/

Verrazzano in Florenz:
La Cantinetta dei Verrazzano, www.verrazzano.com/de/the-cantinetta-in-florence/
Spumantino al Ponte Vecchio, www.verrazzano.com/de/the-spumantino-in-florence/

Toskana-Schinken D.O.P., Salami, Würste, Wild:
Salumificio Viani S.r.l., This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.salumificioviani.com , www.viani.de/de/produkte-nach-hersteller?manufacturer[]=Salumificio+Viani 

Essen und Trinken:
Bar dell`Orso, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://bardellorso.it/bar-monteriggioni-siena-de.php; tgl. 5.00 – 24.00 Uhr geöffnet

Übernachten:
Agriturismo La Volpaia, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.lavolpaia.it/ , www.facebook.com/lavolpaia1521/ 

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 05/11/2019

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