Slowenien: Der Rebula–Traum (Teil 1)

Was für eine Traumlandschaft! Hinter jedem Hügel eröffnen sich neue Ausblicke auf eine Region, die ein wenig an eine Märchenwelt erinnert...

Auf jeder Anhöhe thront ein Dörfchen mit weithin sichtbaren Kirchtürmen oder Burgen. An die Hänge schmiegen sich Weinberge. Auf dem Talboden wachsen Obst- und Olivenbäume. Dieses malerische Kleinod liegt in Slowenien, zwischen den Alpen und der Adria.

Auf der Bühne dieses Gebiets Brda, das wie ein riesiges Amphitheater geformt ist leben auf einer Fläche von etwa 72 Quadratkilometern rund 6000 Menschen. Davon widmen sich mehr als 400 dem Weinbau. Brda liegt am Alpe-Adria-Trail, der vom Großglockner bis ans Meer führt und sich direkt an die italienische Weinregion Collio anschließt. Beide Regionen verfügen über Kalkmergelboden (Opoka), der beste Voraussetzungen für den neuen Shootingstar unter den Weinen Sloweniens bietet, die alte Rebsorte Rebula, denn sie reifen auf den Opokaboden sehr gut aus und bringen besondere Aromatik in den Wein.

Ob leicht und frisch oder süß aus getrockneten Trauben oder auch im Eichenfass gereift, als Orangewein, Amphorenwein oder Schaumwein: Die autochthone Weißweinsorte Rebula (Ribolla Gialla) inspiriert Winzer durch ihre Wandlungsfähigkeit und auch durch das enorme Alterungspotenzial der Weine. Beim 3. Internationalen Wein-Workshop in der Renaissance-Villa Vipolže stellten italienische und slowenische Kellereien und Winzer wie Ščurek, Moro, Dolfo, Medot, Zanut, Jermann, Edi Simcic, Kristian Keber, Erzetic, Radikon, Gravner, Ferdinand, Marjan Simcic und Klet Brda mit den Neuheiten und Raritäten verschiedenste Produkte der spannenden Rebsorte vor.

Weinfrau Jana Gravner.
Weinfrau Mateja Gravner.

 

Preisgekrönte Winzer stellen Neuheiten vor

Gegründet wurde das Weingut Ščurek vor rund 120 Jahren. Heute bewirtschaftet Stojan Ščurek mit seinen fünf Söhnen 20 Hektar Rebfläche. Jährlich werden bis zu 100.000 Flaschen Spitzenwein mit einem frischen, vollmundigen Geschmack produziert. Sein neuester sommerlicher Wein zeigt fruchtige Aromen und Nuancen von weißem Pfirsich.

Die Geschichte des Hofes der Familie Moro ist sehr lang und geht bis zur Urgroßmutter Margerita zurück. Um sich weiter zu entwickeln und sich den neuen Strömungen nicht zu verschließen wurde in den letzten Jahrzehnten die Produktion modernisiert. Selbstverständlich ist es aber für die Winzer, dass die Ernte immer noch vollständig in Handarbeit erfolgt. Die Weinberge mit einer Gesamtfläche von sieben Hektar sind auf Terrassen angelegt. "Um die beste Qualität zu erreichen, arbeiten wir unter Berücksichtigung von Lage, Wind und Mikroklima mit minimalen Erträgen", sagt Winzer Boris Jakoncic. Sein eleganter Rebula Margerita 2018 überzeugt durch Aromen von Ananas, Pflaumen, Pfeffer und Mineralität.

„Vertrauen ist nicht genug, man muss daran glauben", betont Marko Skočaj, der Inhaber des Weinguts in Ceglo (Goriška Brda, bekannt als Collio), das unter der Marke Dolfo geführt wird. Sein Großvater Dolfo Skočaj kaufte kurz nach dem Ersten Weltkrieg das erste Weinfeld. Er glaubte, dass Brda die besten natürlichen Bedingungen für die Reben und die Produktion von Weinen mit hervorragender Qualität besitzt und diese sich dann gut verkaufen lassen würden. Sein Sohn Rudolf erweiterte das Gut, übergab es jedoch 1986 seinem erst 19-jährigen Sohn Marko, der das von Generation zu Generation weitergegebene Wissen, so glaubte er, mit neuen Ideen verbessern könne würde. Marko wiederum war sich sicher, dass es Zeit für eine unabhängige Vermarktung der Weine sei und schloss sich einer Gruppe junger Winzer an. Als Hommage an seinen Opa erhielten seit 1989 seine Weine die Bezeichnung Dolfo.

Der Erfolg führte zur Erweiterung der Weingärten und ein neuer Keller mit Verkostungsraum wurde gebaut. Die Familie Skočaj bewirtschaftet heute 14 Hektar Weinberge (vier auf der italienischen Seite und zehn auf slowenischem Gebiet) und produziert jährlich 55.000 Flaschen exzellenter Weine. Der Dolfo Rumena Rebula 2018 besticht durch eine schöne Nase nach Kräutern, reifen Trauben und einer feinen Eleganz sowie ausgewogener Balance zwischen Süße und Säure.

Sloweniens sanfte Hügel im Mikroklima...
Sloweniens sanfte Hügel im Mikroklima...

 

Einzigartiges Mikroklima

Das Weingut Medot erstreckt sich über drei Hektar im Herzen von Goriška Brda. Von der Spitze des Hügels bietet sich ein herrlicher Blick auf die mit Ribolla Gialla, Pinot Noir und Chardonnay bepflanzten Terrassen. Die Reben sind bis zu 40 Jahre alt und gedeihen in dieser Gegend aufgrund ihres spezifischen Mikroklimas besonders gut. Die Weintradition der Familie Simčič reicht bis ins Jahr 1812 zurück. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs und festigte sich seine Verbundenheit mit dem Weinbau. Miro Simčič gründete in den neunziger Jahren die heutige Marke Medot. Die neueste Edition von Simon Simčič ist ein komplexer Medot Rebula journey 2018, der Nuancen von Birne und weißem Pfirsich zeigt.

Zanut ist ein Familienweingut, das bereits in der dritten Generation bewirtschaftet wird. Die acht Hektar Weinberge befinden sich in extrem sonnigen Lagen in Neblo und Golo Brdo. Die Entwicklung und Reifung der Weine basiert ausschließlich auf natürlichen Verfahren. Die Weine kommen in zwei Gruppen auf den Markt. Zum einen sind es frische, leichte Weine wie Rebula, Sivi Pinot, Zakaj, Cabernet Sauvignon und Merlot. Die zweite Gruppe besteht aus komplexen, herausragenden Weinen, zu denen Sauvignon und reifere Weine wie Jama, Cabernet Sauvignon, Augustus und Merlot Brjač gehören. Bei der Masterclass stellte Borut Kocijančič einen harmonischen Zanut Rebula 2017 mit Nuancen von Honig, Pfeffer und einen langen Abgang vor.

Das Weingut Jermann spiegelt ebenfalls die Geschichte einer besonderen Leidenschaft, denn sein Gründer Anton Jermann kam 1881 aus dem Burgenland um seine Weinstöcke in Friaul-Julisch Venetien Giulia zu pflanzen. Mit Erfolg. Heute gehören 200 Hektar zu dem Weingut. Die Produktion findet in zwei Kellern statt: im historischen Keller in der Nähe von Villanova di Farra und in Dolegna del Collio. Silvio Jermann präsentierte mit einem Jermann Ribolla Visvik 2017 einen gut strukturierten Wein mit Aromen von Ananas, Minze, Zitronenschale und ausgeprägter Mineralität.

Winzer Edi Simčič.
Winzer Edi Simčič.

 

Der Beginn der Winzerkarriere von Kristian Keber startete mit der Erbschaft vom Großvater: ein alter Weinberg. Immer noch werden Trauben seines 1,7 Hektar großen Weinberges ausschließlich von Hand geerntet und dann zur Mazeration freigegeben. Die Gärung erfolgt in Zementtanks. Am Ende der Gärung werden die Trauben gepresst und dekantiert. Anschließend lagern sie zwei Jahre in Eichenfässern. Hier reift der Wein auf natürliche Weise. Nach diesem Prozess wird der Wein ohne Filtration in Flaschen abgefüllt. Der aromatische und blumige Kristian Keber Brda 2016 gefiel durch Nuancen von Orangenblüten, Aprikosen und Kardamom.
Weiter geht es in Teil 2 über Weine von 1957 und die Magie von Opoka!

Informationen:
Slowenien, www.slovenia.info
Brda, www.brda.si
Ščurek, www.scurek.com
Moro, www.moro-wines.com
Klet Brda, www.klet-brda.si 
Dolfo, www.dolfo.eu
Medot, www.medot-wines.com
Zanut, www.zanut.si
Jermann, www.jermann.it
Edi Simcic, www.edisimcic.si
Kristian Keber, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Erzetic, www.vina-erzetic.com
Radikon, www.radikon.it
Gravner, www.gravner.it
Ferdinand, www.ferdinand.si
Marjan Simcic, www.simcic.si
Gredič Castle Restaurant, www.gredic.si/en

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 17/10/2019

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Autor

Carola Faber

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