Madeira: Top-Kulinarik in historischer Kulisse

So ein kleines Abenteuer ist es dann eben doch – so ein Flug nach Madeira; oder eben auch zurück Richtung Lissabon oder auf andere Teile des Festlands. Denn der Flugplatz kann schon ein Erlebnis sein. Doch dazu später. Erst einmal angekommen, belohnt die Insel in vielerlei Hinsicht!

Vielen Touristen ist Madeira als ferne Destination bekannt, irgendwo im Ozean. Und das stimmt natürlich. Zu Portugal gehörig, liegt die kleine portugiesische Insel gut 1000 Kilometer von Lissabon und etwa 700 Kilometer von der Küste Marokkos entfernt. Als autonome Region Portugals, setzt sich Madeira in einem Verbund aus der kleineren Inseln Porto Santo, der Inselgruppe Ilhas Desertas und den unbewohnten Ilhas Selvagens zusammen. Und mit der großen Entfernung zum Festland und dem Wissen, dass diese Inseln mitten im Ozean vulkanischen Ursprungs sind, dürfte auch schnell klar sein, dass das Meer jenseits der Klippen schnell in enorme Tiefen führt. Rasch geht es auf gut 4000 Meter Tiefe; auf Ausflügen mit dem Boot lässt sich entsprechend durchaus der eine oder andere Meeresbewohner sichten, der eben diese Tiefen als seinen Lebensraum nutzt.

Natürlich sind das in erster Linie Fleckendelfine, Große Tümmler, Gewöhnliche Delfine, Streifendelfine und Rauzahndelfine, aber auch Grindwale, Blainville Schnabelwale, Pottwale, Brydewale, kleine Schwertwale und Finnwale lassen sich auf den meist mehrstündigen Touren durch die kleine Inselwelt beobachten. Und dies taten mit Sicherheit schon diverse Generationen vor der heutigen, denn geschichtsträchtig ist Madeira allemal, war es doch lange Zeit Anlaufpunkt der ganz großen Atlantikschiffe, stets gefüllt mit der Prominenz vergangener Tage.

Delfine vor Madeira...
Delfine vor Madeira...

 

Reid`s Palace

Als wir zuletzt Randolph Churchill, den Ur-Ur-Enkel Winston Churchills trafen, sprachen wir natürlich auch über seinen berühmten Vorfahren, unter anderem – neben seiner Vorliebe für Whiskey und Zigarren – auch über seine Reiselust. Eines seiner Ziele war auch Madeira – und eben dort ein ganz spezieller Ort bzw. ein ganz spezielles Hotel: das mittlerweile zu Belmond gehörige Reid`s Palace.

Dieses außergewöhnliche Hotel mit dem beeindruckenden subtropischen Garten, ist ein wahres Relikt der Geschichte, strömt den Odem der Vergangenheit noch immer aus. Denn 1887 bis 1888 durch den gebürtigen Schotten und wohlhabenden Weinhändler William Reid erbaut, schuf dieser durch seinen Einsatz und seine Vision zwar ein wahres Monument der Geschichte, erleben durfte er die Finalisierung des Baus hingegen nicht mehr. Ein Jahr vor der Fertigstellung verstarb Reid. Was blieb und bis heute noch Bestand hat, ist sein Name: Reid`s Palace.

Und ein Palast ist es – oder besser: war es. Denn mittlerweile hat das Hotel diverse Renovierungsarbeiten über sich ergehen lassen müssen, verschiedene Anbauten haben das großzügige Hotel erweitert. Dennoch hat es seinen Charme nicht verloren, so wie es wohl einst auch Winston und Clementine Churchill, der irische Dramatiker George Bernard Shaw, der unvergessene Charlie Chaplin oder auch Gregory Peck bis zur Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn erlebt haben dürften. Sie alle waren Gast in diesen geschichtsträchtigen Mauern, trafen sich abends auf der großen Terrasse, ließen die Blicke über das Meer schweifen und gaben sich dem einen oder anderen illustren Gespräch in der atemberaubenden Atmosphäre an den Klippen hin.

Historische Aufnahme: Winston und Clementine Churchill im Reid´s Palace.
Historische Aufnahme: Winston und Clementine Churchill im Reid´s Palace.

 

Belmond Reid`s Palace Gastronomic Festival

Und eben dort, wo einst die Prominenz vergangener Tage wandelte, dass eine oder andere Sonnenbad nahm, entschloss sich die Leitung des Hotels vor nunmehr zwei Jahren ein Event der ganz besonderen Art zu veranstalten. Kulinarik-Festivals gibt es viele. Aber mit diesem Haus im Blick und dem ewigen Meeresrauschen im Ohr, eher wenige. Und so schickt sich diese Destination fernab des Festlands an, ein fester Bestandteil im Kalender der Kulinariker zu werden. Diesjährig, mit der zweiten Ausgabe des "Belmond Reid`s Palace Gastronomic Festival - The Art of Flavours" brachten die Veranstalter wohlklingende Namen der Kulinarik auf die Insel.

Allen voran der Chefkoch des Reid`s Palace Luis Pestana, wohl durchaus mit der kürzesten Anreise, der als bisher einziger als auf Madeira geborener Koch einen Michelin Stern verliehen bekam. Vielleicht weitaus bekannter dürfte den meisten Genießern Oscar Velasco sein. Zuletzt trafen wir ihn in Portugal bei einem anderen Festival, wo er ebenfalls - wie auch auf Madeira – absolut begeistern konnte. Mit dem Dish "Crunchy squid with black garlic aioli and curry" stellten wir uns bei dem seit 2003 mit zwei Sternen ausgezeichneten Velasco gleich zweimal an die cooking-station am Pool des Reid`s.

Gruppenfoto der teilnehmenden Köche.
Gruppenfoto der teilnehmenden Köche.

 

Aus der kulinarischen Kaderschmiede "Lerbach" kommend, zeigte auch die Deutsche Julia Komp, ehe sie sich in eine mehrmonatige Auslands- und Schaffenspause begab, was sie "auf der Pfanne hat". Mit "Dashi, barley und sweet potato" ein ebenso kurzes Statement: lecker! Aus Portugals Sterne-Restaurant Midori kam Pedro Almeida. Asiatisch beeinflusst, brachte er "Xara head with unagi kabayaki" auf die Teller, Óscar Gonçalves aus Portugals "G Restaurant" brachte mit "Egg, apple and veal mackerel" die vielleicht köstlichste Kleinigkeit auf die Teller.

Eine recht weite Anreise hatte Rudi Liebenberg, der aus dem Belmond Mount Nelson in Kapstadt anreiste und nicht nur durch sein "Beef, chakalaka and biltong" überzeugte, sondern uns durch seine Erzählungen seiner Wirkungsstätte in Südafrika zusätzlich begeisterte. Nicht minder begeistern konnte uns Davide Bisetto. Er zeigt sich verantwortlich für das Oro Restaurant im Belmond Venedig, präsentierte "Duck with madeira" und punktete voll. Als Italiener ist Davide übrigens der erste Chefkoch aus seinem Heimatland, der zwei Michelin Sterne in Frankreich verliehen bekam. Und auch er machte uns neugierig auf seine italienische Wirkungsstätte, so sehr, dass wir kürzlich Davide im Oro besuchten. Der Artikel von unserem Besuch erscheint im KULINARIKER schon in Kürze!

...und ein Feuerwerk zum Abschlusss...
...und ein Feuerwerk zum Abschlusss...

 

Abschlussabend im William

So besonders das Festival mit der historischen Fassade des Reid`s als Kulisse an sich war, fast untypisch bezüglich des Erscheinungsbildes gestaltet sich ein Besuch im Sternerestaurant "William" des Hotels. Denn jenseits der fast altehrwürdigen Mauern präsentiert sich das Restaurant wesentlich moderner. Am Abend nach dem Festival zeigten insgesamt sieben Küchenchefs mit einem eigenen Gang letztmalig ihr Können.

Und so oblag es zunächst Oscar Velasco den Start in den Abend einzuläuten: Hühnchen und Ratatouille mit etwas "crunch", gefolgt von Ciprianis Davide Bisetto Tortellinis, von denen es hätten mehr sein können. Zwar kamen derer acht auf die Teller, aber die waren dann doch denkbar klein – wenn auch richtig gut. Aber wen wundert`s? Wenn ein Italiener keine Teigware perfekt zubereitet, wer dann...

Als vielleicht nicht ganz gelungen, dürfte die "Miso Cod Soup" von Pedro Almeida angesehen werden. Wenn auch geschmacklich gut, verirrten sich unzählige Fettaugen auf der Suppe. Aber vielleicht sollte das ja so auch sein, als Geschmacksträger quasi. Mehr als gelungen und nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch, war der Kompsche Gang "Hiramasa Kingfish". Mit einer tollen Tanduri-Note, Blumenkohlknospen und Linsen. Farbenfrohes brachte Julia Komp da auf die Teller, gut unterstützt von einem Esporão Reserva B 2017. Dieser Wein aus Portugal entspringt dem Alentejo. Kein teurer Wein, kein hochdekorierter Tropfen: aber passend zur Gelbschwanzmakrele.

Julia Komp: Hiramasa Kingfish, Tandoori, Cauliflower and Lentils.
Julia Komp: Hiramasa Kingfish, Tandoori, Cauliflower and Lentils.

 

Ebenfalls farbenfroh ging es mit Luis Pestanas "Espada, Caviar, Lobster and Fennel" weiter. Eine Hippe auf dem Lobster, ein guter Schlag Kaviar und ein Private Selection Branco 2017 (Alentejo): kreisrunder Gang. Ein geschmacklicher Kontrast folgte im "letzten" Hauptgang: Hirsch mit Haferwurzel und Trüffel. Und das war mal eine richtige Portion, die geschmacklich einen krönenden Abschluss erstellte. Óscar Gonçalves aus Bragança und bekannt in Portugal durch seine regionale Küche, punktete zum Finale genauso wie bereits am Vortag.

Aeroporto de Christiano Ronaldo

Ein gelungenes Festival schloss mit dem Dinner im "William" – und wer sich diesjährig nicht aufmachte, diesem Festival beizuwohnen, sollte sich für das nächste Jahr "Madeira - Belmond Reid`s Palace Gastronomic Festival" in den Kalender schreiben. Eine mehr als lohnenswerte Veranstaltung inmitten einer Traumkulisse.

Doch so schön die Aufenthalte in der Regel auch sind, ein Ende finden sie alle. Dann heißt es: zurück nach Hause. Also, ab zum Flughafen und eingecheckt. Wie anfangs erwähnt, kann das gerade auf Madeira durchaus ein Erlebnis werden. Durch seine weltweit wohl einmalige Architektur und die direkte Meeresnähe, verlangt die 2777 Meter lange Start- und Landebahn (es gibt nur eine – gestützt auf 180 Betonkolonnen!) bestes Können des Piloten. Der Flughafen von 1964 war durch die Scherwinde der Steilküste stets schwer anzufliegen, es gab sogar einige Flugzeugunglücke. Allerdings erfolgte im Jahr 2000 eine Überarbeitung der Start- und Landebahn mit einer leicht geänderten Ausrichtung.

180 Betonkolonnen stützen die Start- und Landebahn!
180 Betonkolonnen stützen die Start- und Landebahn!

 

Nunmehr gilt der Flughafen "Aeroporto de Christiano Ronaldo" als sicher, wenngleich nach wie vor nicht einfach anzufliegen. Bei unserer Abreise warteten wir recht lange auf unser Flugzeug. Grund: der Pilot brauchte drei Versuche zur Landung. Unvergessen!

Weitere Informationen unter: https://www.belmond.com/hotels/europe/portugal/madeira/belmond-reids-palace/

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker, Belmond Reid`s Palace

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Zuletzt bearbeitet am 19/09/2019

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