Wenn Wände flüstern könnten...

Zarte Nebelschwaden hüllen die Landschaft ein, umschmeicheln die Häuser und die Berghänge im Pinzgau. Zauberhaftes Licht lässt das geschichtsträchtige Haus in exponierter Lage auf dem Hochplateau gleichsam schweben und das märchenhafte Schloss Mittersill thront dort wie eine stolze Königin...

Es ist spürbar, dass das Tal bald von gleißendem Sonnenschein durchflutete sein wird. Umgeben ist das Schloss Mittersill im Nationalpark Hohe Tauern von einer zauberhaften Natur mit zahlreichen schmucken Seitentälern.

Bis zur Panoramabahn Kitzbüheler Alpen sind es mit dem Auto oder mit dem hoteleigenen Shuttleservice nur wenige Minuten. Von der Bergstation aus bietet sich ein grandioser 360 Grad Blick. Einheimische, wie auch Touristen sind von diesem Panorama immer wieder begeistert. "Wenn man hier oben steht, dann werden alle anderen Gedanken oder Sorgen so klein und unwichtig", lächelt Hildegard Gandler, Geschäftsführerin des Schlosses.

Etwas unterhalb des Gipfels befindet sich der Hüttenhotspot Toni Alm. Gäste können per Ski, mit dem Skido oder dem Hubschrauber dorthin gelangen. Empfehlenswert ist allerdings nach einem zünftigen Einkehrschwung bei Toni eine Wanderung zurück bis zum Schloss. "Beim Wandern lässt es sich gut erzählen. Man kann die Gedanken schweifen lassen Es tut einfach gut", bestätigt Dr. Johann Bründl von der Inhaberfamilie.

Gesagt, getan und auf dem Weg nach Hause berichtet er von der wechselvollen Geschichte des Schlosses, dass sich seit 2009 im Besitz seiner Familie befindet. Er erzählt von dem Gefängnis im Keller und den Hexenprozessen, die dort stattgefunden haben sollen. Die Geschichte des Schlosses reicht zurück bis in das Jahr 1150. Damals wurde es von den Grafen von Lechsgemünd aus Bayern erbaut wurde. 1228 gelangte es in den Besitz des Fürst-Erzbischofs von Salzburg.

Schloss Mittersill.
Schloss Mittersill.

 

Nachdem es im Zuge eines Bauernaufstandes 1526 fast vollständig zerstört wurde, begann der Wiederaufbau bereits zwei Jahre später. Es folgten zahlreiche Besitzerwechsel bis es 1934 der adlige Unternehmer Baron von Pantz erwarb. Dieser lockte nicht nur namhafte Adelige, sondern auch Industrielle und Filmstars aus aller Welt nach Mittersill. 1937 verbrachte beispielsweise Königin Juliane der Niederlande ihre mehrwöchige Hochzeitsreise im Schloss Mittersill. Wegen der nationalsozialistischen Übergriffe zwischen 1938 und 1945 musste Baron von Pantz das Schloss 1938 verlassen. "Er errichtete eine Kopie von Mittersill in Franconia, New Hampshire USA", bestätigt Dr. Johann Bründl.

Treffpunkt der Prominenz

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges erhielt Baron von Pantz das Schloss zurück und er gründetet den damals exklusivsten Club der Welt, den Sport- und Shooting-Club. Zahlreiche Prominente reisten nach Mittersill. Zu den Gästen gehörten unter anderem der Schah von Persien, Soraya, König Faruk von Ägypten, der Herzog von Windsor, Aristoteles Onassis, Aga Khan, Henry Ford II., Gina Lollobrigida, Clark Gable und Bing Crosby. Als Mitte der 60er Jahre entschieden wurde, das Schloss an ein Clubmitglied zu verkaufen, wurde es zunächst als Konferenzzentrum und Jugendherberge genutzt, bevor es 2009 in die heimischen Hände von Hildegard Gandler und Dr. Johann Bründl gelangte. Sie restaurierten das Anwesen mit viel Liebe zum Detail und stilistischem Geschick sowie die individuell gestalteten Zimmer und Suiten, die größtenteils nach den prominenten Gästen benannt sind. Originalfotos und Literatur zeugen von dem Leben der Berühmtheiten des Jet-Sets. Sehenswert ist auch die 60 Quadratmeter große Königin Juliane -Suite mit einer holzgeschnitzten, original spätgotischen Decke, verziert mit venezianischen Malereien.

Modeikone Coco Chanel gehörte ebenfalls zu den Stammgästen. "Sie soll mit dem Baron romantische Tage im Schloss verbracht haben. Das wird jedenfalls im Dorf erzählt", schmunzelt der Hausherr Dr. Johann Bründl. Während dieser Zeit wurde sie durch die Uniform des Pagen zu ihrer berühmten, klassischen Chanel Jacke inspiriert. Auch Clark Gable hat seine Spuren in dem Hot Spot hinterlassen. "Sein Golf-Pack und Tennisschläger sind immer noch hier. Wir wissen bis heute nicht, warum er sie nicht mitgenommen hat", sagt Hoteldirektorin Stephanie Busch von Holtum.

Golf-Pack und Tennisschläger von Clark Gable.
Golf-Pack und Tennisschläger von Clark Gable.

 

"Wenn Wände flüstern könnten gäbe es bestimmt noch sehr viele weitere spannende Geschichten", schwärmt Dr. Johann Bründl nach der Wanderung von der Alm bis zum Schloss: "Ich bin diesen Weg tatsächlich heute zum ersten Mal gegangen. Für mich ist es ein ganz besonderes Erlebnis auf diese Weise nach Hause zu kommen".
Es gibt nicht viel Häuser, in denen die fast 1000 Jahre alte Geschichte so hautnah gespürt werden kann und die gleichzeitig einen idealen Ausgangspunkt für zahlreiche sportliche Aktivitäten darstellt. Längst haben sich die Qualitäten, zu denen auch das hervorragende Restaurant gehört, herumgesprochen. Inzwischen werden in dem geschichtsträchtigen Ambiente wieder Gäste aus aller Welt begrüßt.

Fürstlich speisen im gotischen Zimmer

Auf der Speisekarte stehen vor allem traditionelle, bodenständige Gerichte, die modern interpretiert werden. Die feinen, saisonalen Zutaten stammen überwiegend aus der Region.

Weitere Spezialitäten der Schlossküche sind selbstgemachte Pralinen, hausgemachte Kuchen und ofenfrisches, selbstgebackenes Brot. "Bei den Produkten gibt es keine Kompromisse. Mein Anspruch ist höchste heimische Qualität", so Chefkoch Geri Voithofer, für den es selbstverständlich ist, vorwiegend regionale, saisonale und erstklassige Produkte zu verwenden. Ein Gourmetabend im historischen Anwesen ist gleich das bestes Beispiel für die ausgezeichnete Qualität der Küche, des Kellers und des Service. Gespeist wird im gotischen Zimmer, im Fürstenzimmer oder im Kellergewölbe.

Zum Salsa Verde mit Rettich und Flusskrebsen, einem knackigen Genuss, der auch den Seh-Sinn betört, reicht Winzer Andi Kollwitz einen Chardonnay Neusatz 2015 und einen Chardonnay Tatschler 2013.

Genussabend im Schloss: stilvoll.
Genussabend im Schloss: stilvoll.

 

Reife Fruchtaromen prägen den kräftigen und fein strukturierten Chardonnay von 2015, während der würzige, elegante Tropfen von 2013 durch seinen besonders langen Abgang gefällt. Aromenstark und mit Schmelz in der Konsistenz gelingt Chefkoch Geri Voithofer mit der Kerbelrahmsuppe und Bergkäse eine spannungsreiche Kombination.

Elegant und sensibel arrangiert wirkt die confierte Huche mit Zwiebel. Dazu serviert der Winzer aus dem Burgenland einen wunderbar würzigen und feinen Sauvignon Blanc Steinmühle 2017.

Zweierlei vom saftigen Bioschwein mit Topinambur und Mais zeigt die regionale Verbundenheit des Chefkochs. Kleine Finessen in der Präsentation unterstreichen die Vielschichtigkeit der Kochkunst. Dazu mundet die Beerenaromatik des Blaufränkisch Setz 2012 sowie der kraftvolle, ausgewogene Steinzeiler 2009. Das finessenreiche Dessert, Apfel mit Buchweizen und Sauerampfer, wird von einem Chardonnay Beerenauslese 2014 begleitet. Seine feinen Frucht- und Honigaromen überzeugen wie auch die edle Süße. Spätestens nach dem Dessert kann der Gast dem Titel des Abends nur zustimmen: "In der Geschichte verwurzelt. In der Moderne angekommen. Mit Herz gelebt".

Tipp: Lohnenswert ist auch ein Besuch im ausgezeichneten Spa, in dem Therapeutin Mercedes Deak hervorragende Behandlungen anbietet.

 

Impressionen:

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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Autor

Carola Faber

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