Die lange Reise des Skrei

Nordnorwegen und damit schon ein wenig verbunden die Lofoten stehen nicht umsonst auf vielen Bucketlisten. Dafür gibt es viele Gründe. Einer ist für Kulinariker unbestritten der Skrei...

Doch das eigentlich wirklich Spannende ist bereits die Anreise auf die Lofoten. Klassischerweise geht es dabei oft über Bodø nach Svolvær. Und das ist eine Anreise, die Fluggäste – gerade zur Winterzeit – kaum vergessen dürften. Denn das raue Klima und die Witterungsbedingungen sind schon die halbe Reise wert. Sozusagen.

Für uns ging es von Deutschland zunächst nach Oslo. Ein kurzer Nachtstopp im Flughafenhotel, ehe es am nächsten Morgen weiter nach Bodo ging. In Bodøs Airport, übrigens ein recht kleiner Flughafen mit wenig Platz um sich zu verlaufen, kann durchaus der eine oder andere Stopp etwas länger dauern. Denn die oben erwähnten Wetterbedingungen machen sich hier mehr als stark bemerkbar. Oft schneit es, eine klirrende Kälte und ein eisiger Wind stehen auf der Landebahn und sorgen dafür, dass erst einmal das Räumkommando des Flughafens die Wege zu den Flugzeugen freischaufelt.

Bodø Airport: Wetterverhältnisse, die in Deutschland jeden Flughafen in die Knie zwingen würde...
Bodø Airport: Wetterverhältnisse, die in Deutschland jeden Flughafen in die Knie zwingen würde...

 

Einmalige Aussicht

Dann geht’s in aller Regel rein in die kleinen Propellermaschinen. Platzreservierung? Fehlanzeige. Man sucht sich einen Sitz wo gerade etwas frei ist. Aber Vielflieger wissen: ist es kalt, geht es zunächst zum Enteisen. Und das im Schneetreiben. Minutenlang peitscht das Enteisungsmittel auf die kleine Maschine, fast könnte man denken in einer Dusche zu stehen ohne nass zu werden. Doch ist die Prozedur geschafft und der kleine Flieger schiebt sich durch den Schnee und nimmt Tempo auf, ist nach einigen Minuten schon der erste Traum von den Lofoten erfüllt. Denn die vielleicht 20-minütige Reise ist mehr als kurzweilig, Im Gegenteil: es ist einmalig schön, ein fast unbeschreibliches Gefühl, die kleinen vereisten Felsen und kleinen Inseln im Meer aus der Höhe zu sehen. Eine schier endlos scheinende "Wasserwüste" mit eisigen Felsoasen. Versprochen: dieser Anblick bleibt im Gedächtnis, begeistert schon vor Erreichen der Lofoten!

Auf zum Enteisen auf der schneebedeckten Piste...
Auf zum Enteisen auf der schneebedeckten Piste...

 

Nach der Landung in Svolvær geht’s dann hinein in den kleinen Flughafen. Natürlich zu Fuß durch den Schnee. Doch kurz nach unserer Landung reißt der Himmel auf, die Sonne strahlt in vollster Kraft und die Fahrt geht 24 Kilometer weiter in einen wohl weltweit bekannten Ort: Henningsvær. Fußballfans und auch der eine oder andere Interessierte wird den kleinen Fußballplatz, der eingekesselt vom nördlichen Eismeer schon eine der schönsten Lagen der Welt für sich beansprucht, aus den Medien kennen. Aber so bekannt der kleine Ort im Süden der Lofoten für Kicker-Freunde auch ist, seine eigentliche Bedeutung und internationalen Ruf in der Kulinarik verdankt Henningsvær dem Fischfang.

Fußballplatz in Henningsvær: Aussicht inklusive.

 

Es geht von Bodø kommend noch einmal über zwei Brücken ehe man den Ort erreicht. Und will man zum Fußballplatz (Kunstrasen), kommt noch einmal eine kleine Brücke dazu. Denn der kleine Ort ist aufgeteilt über mehrere kleine Inseln. Aber dennoch: hier ist es nicht so groß und weit auseinandergezogen, als dass man den gesamten Bereich nicht innerhalb einer Stunde ablaufen könnte. Aber das macht diesen Ort der Fischer für Besucher eben so besonders und sympathisch. Durch die schneebedeckten Straßen zu wandern, in der Ferne die Fischer zu beobachten oder am Hafen einfach nur stehen und das Treiben der Möwen und in der Ferne vielleicht auch des einen oder anderen Seeadlers zu bewundern, ist hier die größte Erfüllung.

Der Hafen von Henningsvær: Eis-Romantik.
Der Hafen von Henningsvær: Eis-Romantik.

 

Qualität nach Norm

Doch ist es in den letzten Jahren ruhig geworden im Hafen. Einst fuhren hier in dem 450 Seelen Ort dutzende kleine Fangboote aus. Denn natürlich hat sich der Fischfang in den letzten Jahrzehnten drastisch geändert. Eines allerdings ist geblieben, hat sich die Tradition des speziellen Fischfangs stets bewahrt: der Fang des Skrei. Der Winterkabeljau wird hier nur mit Handangeln und Langleinen gefangen. Und zu Zwecken der Nachhaltigkeit - und natürlich auch zum Schutz dieser Tradition – ist alles um Fang, Transport und Verarbeitung streng reglementiert – seit 2005 ist Skrei im Übrigen eine geschützte Marke (Qualitätsnorm: NS 9406:2013).

Eines der vielen kleinen Fischerboote an der Küste.
Eines der vielen kleinen Fischerboote an der Küste.

 

Eine zwingend notwendige Maßnahme war es natürlich, sich dem nachhaltigen Bestandsschutz anzunehmen. Denn in den 1990er Jahren hat die jahrzehntelange Überfischung nicht nur die Bestände des Kabeljaus reduziert, vielmehr gab es eine existenzielle Bedrohung für den Fisch. Nunmehr ist festgeschrieben, dass der geschlechtsreife "Gadus morhu" aus der Barentsee stammen muss und nur in der Wintersaison vom 1. Januar bis zum 30. April gefangen wird. Und dies vornehmlich in den Gebieten um die Lofoten und der Inselgruppe Vesterålen vor der Küste Norwegens, etwa 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Innerhalb von zwölf Stunden wird der Skrei dann in einer der 49 Fischverarbeitungsbetriebe verpackt und entsprechend weiter transportiert.

Der Skrei wird innerhalb von nur zwölf Stunden verarbeitet und verpackt.
Der Skrei wird innerhalb von nur zwölf Stunden verarbeitet und verpackt.

 

Der lange Weg

Das ist schon das Ende des Winterkabeljaus. Aber eigentlich beginnt die Geschichte tief in der eisigen Barentsee, wenn der Skrei an die Küste Norwegens kommt, um sich Laichplätze zu suchen. Wochenlang schwimmt der Skrei dazu insgesamt 600 Kilometer, hinein in die wärmeren Gewässer an der Küste, die durch den Golfstrom zumindest Temperaturen über dem Gefrierpunkt haben (4 - 7 Grad). Da sind sie dann schon gut einen Meter lang und wiegen bis zu acht Kilogramm. Und begibt man sich auf die offene See, beobachtet die Fischer bei der Arbeit, wird klar was für ein Knochenjob die Männer auf der offenen See vollbringen.

Alle Jahre wieder: wenn der Kabeljau an die Küste kommt, sind die Fischer schon da!
Alle Jahre wieder: wenn der Kabeljau an die Küste kommt, sind die Fischer schon da!

 

Das Meer ist hier selten ruhig, immer wieder schlagen die Wellen an die Boote, während die Leinen eingezogen werden und einer nach dem nächsten Skrei an die Oberfläche kommt. Dabei schwimmen die Fische, je nach Region, auf einer Tiefe von etwa 90 Metern. Für einige ist es die letzte Runde zum Laichen an den Lofoten. Aber im nächsten Jahr kehren die neuen Skrei an die gleichen Plätze zurück um sich fortzupflanzen. Und die Fischer von Henningsvær werden dann auch wieder da sein...

Weitere Informationen unter: https://fromnorway.com/de-DE/

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker, Norwegian Seafood Council

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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