Schnitzel "Tel Aviv" und Wolfsbarsch im Salzteig

Im "Mani" in Berlin lässt sich die Vielfalt der israelischen Küche entdecken...

Von Wien bis Tel Aviv ist es nur ein Katzensprung, zumindest in kulinarischer Hinsicht. Jedenfalls haben in Israel die üblichen Platzhirsche wie Falafel oder Schawarma ungeahnte Konkurrenz bekommen. Das Schnitzel, oft gewaltig und immer hauchdünn, in einer köstlichen Panade aus Ei und Mehl. Bisher galten vor allem Österreich und Deutschland als Reviere für die beliebte Spezialität. Doch, was hierzulande kaum jemand weiß, auch in den Strandbars von Tel Aviv verbreitet der kulinarische Klassiker regelrechtes Sucht-Potential, versichert Ariel Schiff.

Der Mitgesellschafter der Amano-Hotelgruppe hatte zum Lunch in sein Restaurant "Mani" geladen, das zu dem gleichnamigen Hotel gehört. Dunkel gehaltene, in warmes Licht getauchte Räumlichkeiten, eine offene Küche und originelle Kunst an den Wänden, nämlich große Schwarzweiß-Fotos des Mani-Teams, von Oliver Rath in Szene gesetzt - das stylishe Restaurant wird seinem Standort mehr als gerecht: die Torstraße, als szenig und hip gehandelt, in Berlin-Mitte.

Mit seinem Küchenteam hat er das Schnitzel "Tel Aviv" kreiert, so ganz anders als die mitteleuropäischen Kalorienbomben. Es fängt schon mit dem Fleisch an, nicht Kalb oder Schwein, sondern Huhn. In schmale Streifen geschnitten und mit reichlich Salat verbreitet es die sommerlich-mediterrane Leichtigkeit des Seins. Dazu Hummus und Labneh, ein in der arabischen Welt verbreitetes joghurtähnliches Erzeugnis. Ganz speziell ist die Panade, in der sich diverse Gewürze verbergen, frisch aus Israel eingeführt. Unter anderem Koriander, Fenchelsamen oder Kurkuma, wie Franziska Weigl verrät. Sie ist der weibliche Part der Spitze des Küchenteams, zu dem noch Angelo Sini gehört. Derzeit beziehe man, so die Küchenchefin weiter, noch keine Produkte von lokalen Erzeugern, man lote aber schon die eine oder andere mögliche Zusammenarbeit aus.

Schnitzel Tel Aviv im Mani.
Schnitzel Tel Aviv im Mani.

 

Wie auch immer, alleine die Meeresfrüchte lohnen den Besuch, besonders als raffiniert zubereitete Vorspeisen. Diese sogenannten "Chuzpeles" sind so portioniert, dass man sie gut teilen kann, so wird das Essen, wie in Israel üblich, schnell zu einem geselligen Ereignis. Herrliche Aromen entfalten vor allem der Wildlachs mit Sesam, Limette und Dill-Mayonnaise oder die "Spicy Prawns" mit Koriander, Salzzitrone und Chili. Alles topfrisch, mit einem gelungenen Zusammenspiel von leichten Gewürz-, Säure- und Schärfenoten, die sich nicht übertünchen, sondern ergänzen.

Lohnend auch der Wolfsbarsch im Salzteig als Hauptgericht, der mit Salatherzen serviert wird. Für eine pikante Note sorgt hier die weitere Beilage, die mit Chili zubereiteten Harissa-Kartoffeln. Fleischfans werden mit dem Grillteller "Mani Style" fündig. Entrecote, Maispoularde und Lammhüfte sind von zarter Textur und auch geschmacklich tadellos. Vegetarier kommen ebenfalls auf ihre Kosten, etwa mit dem geschmorten Kürbis. Dazu gibt es, der winterlichen Saison entsprechend, Topinambur neben weiteren Beilagen wie Couscous und Petersilien-Pesto. Ebenfalls herrlich leicht fällt das Dessert aus, erfrischendes Apfel-Basilikum-Sorbet mit Dattel Brownie, Dattel in Portwein, Apfel Ganache und Ingwer.

Die Getränke stehen den Speisen in keiner Weise nach. Das beginnt schon mit dem sehr sommerlich-prickelnden, alkoholfreien Aperitif, aus Cranberry-Saft, Limette und Ginger Ale. Die Weine, sie kommen aus Israel, erweisen sich schnell als ideale Begleiter für die Speisen. Der Weißwein, ein nicht allzu trockener Fumé Blanc von 2017, bestehend aus Sauvignon Blanc und Semillon, stammt von dem Weingut Dalton aus Galiläa. Dort liegt auch das Weingut Golan Heights Winery, das hier mit seinem Rotwein, einem fruchtbetonten Syrah von 2014, glänzt. "Gamla" steht groß auf dem Etikett - die gleichnamige Serie des Erzeugers, benannt nach einer historischen jüdischen Stadt auf den Golanhöhen, die den Römern lange Jahre erbitterten Widerstand leistete.

Grillteller Mani Style.
Grillteller Mani Style.

 

Mit seinem Lokal gelang Ariel Schiff ein kleines Wunder. Als er vor acht Jahren das Mani eröffnet hatte, habe man, so der Inhaber, ihn beinahe ausgelacht. Israelische Küche? Darunter könnten sich die Gäste in Deutschland wohl nur wenig vorstellen. Die Unkenrufe waren unberechtigt, nach einiger Zeit lief das Restaurant. Inzwischen habe es, so Ariel Schiff, in Berlin für einen regelrechten Boom gesorgt, dauernd macht ein neues israelisches Lokal auf.

Wohl auch deshalb tritt man im Mani nicht auf der Stelle. Die Speisekarte werde, so Ariel Schiff, regelmäßig weiterentwickelt, jeden Monat ändere man drei bis vier Gerichte. Eine Spezialität wird aber wohl nicht so schnell verschwinden, werde sie doch am meisten bestellt. Dabei ist sie gerade hierzulande nicht ganz unumstritten, gilt sie doch nicht nur Kindern als recht fade: Blumenkohl, ausgerechnet, hier im Ofen mit Öl und Salz geröstet. Damit gelang dem Inhaber wohl ein zweites Wunder. Ariel Schiff: "Der absolute Hit".

Weitere Informationen unter: https://www.amanogroup.de/de/hotels/mani/

Fotos: Fritz Hermann Köser

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Zuletzt bearbeitet am 06/02/2019

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