Die charmante Welt der Marken: Wein, Kultur, Natur (Teil 1)

Diese geschichtsträchtige Region strotzt nur so vor Charme! Die Rede ist von Italiens wunderschön bergig-hügeligen Marken, die sich in der Mitte des Landes, eingerahmt zwischen Adria und Apennin, befinden und so viel zu bieten haben.

Der große Tourismus und Kommerz haben hier noch nicht Einzug gehalten, bekannter sind eher die angrenzenden Nachbarn – wie die Emilia Romagna, die Abruzzen, die Toskana, Umbrien oder Lazio.

Wir haben uns die Gegend rund um die mittelalterlichen Städtchen Ascoli Piceno, Fermo und Offida begeben, also in die südlich-mittleren Marken bis hin zur Küste. Die Fahrt ist geprägt von bezaubernden, ursprünglichen Landschaftsbildern und hat eine fast erdende Wirkung.

Die südlichen Marken reichen bis zur Küste der Adria.
Die südlichen Marken reichen bis zur Küste der Adria.

 

Entlang der bezaubernden Hügellandschaft

Entlang der sanften Berge und Weingärten trifft man auf hübsche Örtchen, die zum Innehalten oder zu einem Spaziergang durch die Altstadt einladen. Man kann praktisch kontinuierlich auf Spuren der Picener und der Römer waten, während die Burgen und Kloster vom Mittelalter erzählen.

Diverse urige Trattorias oder Restaurants rund um den Piazza del Popolo - also den Marktplatz - laden mit Blick auf die meist detailgetreu instand gehaltenen historischen Gebäude zum Aperetivo oder Snack.

Wer in der Gegend ist und nicht einmal die regionaltypischen Oliven all Ascolana probiert hat, wird von den Einheimischen für verrückt erklärt. Schließlich waren schon Giacomo Puccini, Rossini und Giuseppe Garibaldi bekennende Fans dieser mit Fleisch gefüllten, panierten und frittierten Olive, deren Rezept seit ungefähr 1800 weitergegeben wird.

Am besten trinkt man dazu einen der Weine der Region – die perfekte Gelegenheit, woanders fast vergessene Rebsorten kennenzulernen.

Auf den Spuren unbekannter Weine

Hier gedeihen unter anderem Rebsorten, von deren Existenz man im Rest der Welt eher nur am Rande etwas mitbekommt. Verbindet man bei den Weißen in den Marken vor allem den Verdicchio, begegnet uns auf unserer südlichen Reiseroute durch die DOCG Offida der Pecorino und der Passerina.

Vinyard with a view.
Vinyard with a view.

 

In dieser zu den Provinzen Ascoli Piceno und Fermo gehörenden DOCG-Region (=geschützte Ursprungsregion) liegen die Weinberge auf einer Höhe zwischen 50 und 650 Meter und dehnen sich vom mittleren Bergland bis zur Küstenzone aus.

Offida Pecorino: komplex und strukturiert

Der widerstandsfähige, langlebige Pecorino wurde erst 1982 wiederentdeckt. Bei der Suche nach alten heimischen Rebsorten wurde man in uralten Weinbergen fündig. Seitdem begann der erneute Anbau – und dies ausschließlich mit wurzelechten Reben. Der Pecorino bringt generell weniger Ertrag und ist gegen Sonnenbrand empfindlich, was ihn für viele Winzer über lange Zeit uninteressant machte und weshalb ihn viele mit beispielsweise Trebbiano ersetzten.

Inzwischen erlebt er aber eine wahre Renaissance, denn diese charaktervolle Rebsorte kann sehr komplexe, strukturierte Weine hervorbringen.

Blick über die Weinberge der Region.
Blick über die Weinberge der Region.

Offida Passerina

Auch die Passerina-Traube findet in letzter Zeit mehr Beachtung, denn sie wird neuerdings nicht mehr nur als Verschnitt-Partner eingesetzt. Einige Winzer zeigen, dass sie in reinsortigem Ausbau interessant sein kann. Dafür nehmen sie die Mehrarbeit im Weinberg mit der nicht ganz unkomplizierten, eher zuckerärmeren Rebsorte in Kauf.

Die Weine zeichnen sich dann mit einem Duft nach Blüten und Zitrusnoten aus. Die Frische und delikate Vollmundigkeit in Kombination mit feinwürzigen Fruchtaromen macht den Passerina zu einem guten Essensbegleiter. Gerne wird er zu Pasta oder Risottos mit Gemüse, weißem Fleisch oder Meeresfrüchten gereicht.

Aufgrund des sich bei zeitiger Lese ergebenden kräftigen Säuregerüsts erfreut er sich auch für die Herstellung von Spumantes einiger Beliebtheit. Als Süßwein ausgebaut, also als Passito oder Vino Santo, entwickelt er Noten von Honig, Konfitüre, getrockneten Früchten mit ätherischen Nuancen.

Der Rote Rosso Piceno

Gebietstypisch im Rotweinbereich ist neben dem Offida Rosso der Rosso Piceno. Dieser wird aus den Ur-Rebsorten der Region Montepulciano (35-85%) und Sangiovese (15-50%) und höchstens 15% weiterer zugelassener Rebsorten gekeltert (das können auch der weiße Passerina oder Trebbiano sein).

Der in den Hügeln der Offida gereifte Sangiovese kann dem Piceno eine floral-beerdige Nuance geben. Manche Winzer setzen auf einen höheren Montepulciano-Anteil, um bei den Weinen eine dunklere Note einfließen zu lassen.

Lese in den Weinbergen von Offida.
Lese in den Weinbergen von Offida.

 

Verschiede Charakteristika

Der Rosso Piceno Superiore muss mindestens zwölf Monate Reife vorweisen, also mindestens doppelt so lange wie die einfache Variante. Wird er reinsortig ausgebaut, liegt der Mindestanteil von Sangiovese bei 85%.

Die Weine beziehungsweise ihre Rebsorten stehen eher für Weine mit Struktur, Rückgrat, Gerbstoffen und Saft, nicht unbedingt für ausgeprägte Finesse. Jedoch wird der Rosso Piceno mit unterschiedlichen Ansätzen ausgebaut. In Bestform wird ihm auch das Gewicht und die Ausgewogenheit eines Chianti zugeordnet.

Die etwas weniger kräftigen, harmonisch-leichteren Varianten, werden oft zu würzigen Nudelgerichten, Eintöpfen und Hülsenfrüchten getrunken. Sind sie noch jung, auch gerne zum traditionellen „brodetto die peste alla machigiana“, einer Art Fischeintopf. Die robusteren, strukturierten Versionen liebt der Märkische Connaisseur zu gebratenem Huhn, rotem Fleisch, Schwein und der heimischen Salami.

Im folgenden 2.Teil erfahren Sie, wo man vor Ort in einem Paradies für Weinentdecker verkosten und sich weiter bilden kann. Außerdem gibt es einige Tipps zum Eintauchen in die Kultur und faszinierendem Abtauchen in die Katakomben der Römer. Und zu guter Letzt schicken wir Sie in die Weinberge und auf eine Auszeit und Genuss direkt am türkisblauen Meer.

 

Weitere Informationen:

Tipps für Offida:

- Wein-Entdecken in der Enoteca: www.spaziovino.it 

- Kirche Santa Maria della Rocca in Offida: http://www.turismoffida.com/de/santa-maria-della-rocca.html
- Casa de Mar in Campofilone: www.casademar.it 

- Tipps für Ascoli Piceno:

- Aperetivo/ Essen direkt an der Piazza dell Popolo: Caffè Menotti
- Mangiafuoco-Restaurant: charmant-uriges Restaurant mit gröberer Weinauswahl http://www.bottegaemangiafuoco.it
- Dinner im historischen Keller der Altstadt: Circolo Cittadino; www.circolocittadino.it 
- Hotel: Palazzo Guiderocchi, zentral gelegenes Hotel in der historischen Altstadt, www.palazzoguiderocchi.com 

Tipps für Fermo:

- Teatro dell´Aquila
- Zisterne

 

Impressionen:

Fotos: Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 02/10/2018

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