Pure Food Camp: Ellinge Slott & Co.

Raus aus der Natur, rein in das Ellinge Slott in Eslöv, Südschweden. Teil 2 des "Pure Food Camp" mit Titti Qvarnström - und jeder Menge Kulinarik hinter und vor historischen Mauern...

Kontrastreich soll es sein - ja, das kann so unterschrieben werden. Ist doch der Weg aus den zwei Tagen "Pure Food Camp" im Nysrup Naturhotell (siehe Artikel) eher irgendwo zwischen Pfandfinderurlaub und Naturspaziergang einzuordnen – wenn auch, wie beschrieben, zur "Erdung" mehr als zu empfehlen. Der folgende Aufenthalt im Ellinge Slott (dt.: Schloss Ellinge) ist dann auch so ein wenig Belohnung für die entbehrungsreichen Tage davor.

Mit der Ankunft in dem durch einen Burggraben umgebenen Schloss aus dem 11. Jahrhundert, tritt man ein in eine kleine aristokratische Wunderwelt. Ganze zwölf Schlafräume stellt das Ellinge Slott Übernachtungsgästen bereit. Eine abwechslungsreiche Geschichte verbirgt das Anwesen hinter seinen Mauern: 1371 noch Teil einer Rinderfarm, ab 1783 mit einem Malzhaus auf dem Gutshof ein Ort der Bierherstellung – und heute steht in unmittelbarer Nachbarschaft die Brennerei "Purity Vodka" - vielfach ausgezeichnet, unter anderem als bester Wodka der Welt.

Die drei Qualitäten des Purity Vodka.
Die drei Qualitäten des Purity Vodka.

 

Die kleine Brennerei mit dem großen Namen, stellt mittlerweile drei verschiedene Wodkas her. Der Klassiker des Unternehmens ist der Purity Vodka 34. Hinzukommen die gerade erst auf dem Markt erschienenen Purity Vodka 17 und Purity Vodka 51. Diese Zahlen stehen jeweils für die verschiedenen Durchläufe des Brennprodukts durch die Brennblasen. Zweimal im Monat sind die Kupferkessel in einen Produktionsprozess eingebunden. Eigentümer und Master Blender Thomas Kuuttanen wirft stets ein wachsames Auge auf die Produktion, um die Qualität auch stets gleichbleibend hoch zu gewährleisten. Jährlich verlassen so bis zu 300.000 Flaschen die Produktionsräume, von denen bis zu 90 Prozent in den Export in die USA gehen. Eine kleine Erfolgsgeschichte ist der Purity Vodka – direkt im Schatten der Mauern des Ellinge Slott.

Kulinarik hinter Schlossmauern: Crayfish satt zum Kräftskiva

Und eben dort ist Titti Qvarnström, 38, gleich an beiden Abenden des "Pure Food Camp" – dem "luxury part" – anwesend und sorgt für die kulinarische Untermalung mit Nordischer Küche. Und damit es dann auch gleich richtig regional wird, sorgt schon der erste Abend für ein Hineingleiten in landestypische Kulinarik-Bräuche. Denn in einem vielleicht kleinen aber dennoch prunkvollen Esszimmer bringt Titti zur Crayfish-Party, dem Krebsfest (schwedisch: Kräftskiva), einen großen Topf Flusskrebse auf den Tisch. Die Tiere krabbelten am Nachmittag noch gesellig durch die Körbe, ehe sie dann auch schon zeitig in das kochende Wasser, unter Zugabe von einer ordentlichen Portion Bier, Zucker, Salz und Dill, nach wenigen Minuten ihren Panzer vom tristen Braun in ein fast strahlendes Rot verwandelten. "Die Flusskrebse sollen gekühlt gegessen werden, also kühlen sie jetzt bis zum Abend ab", erklärt die Chefköchin. "Allerdings kühlen sie im Topf ab, damit alle Aromen erhalten bleiben."

Flusskrebse satt zur Crayfish-Party.
Flusskrebse satt zur Crayfish-Party.

 

Wenige Stunden später kommen die Krebse dann auf den Esszimmertisch, auf dem die notwendigen Lätzchen schon bereitliegen. Mit kleinen Zangen geht es dann an die Schalentiere, mit ein wenig Butter und Brot, ein Genuss. Und zwischendurch wird dann ein Schnaps getrunken, und dazu wird gesungen. Da unser Tisch allerdings multilingual daherkommt, ist die Verständigung auf einen gemeinsamen Song kaum machbar. So ein wenig klappte es dann doch, als Pippi Langstrumpf nach dem zweiten oder dritten Schnaps als gemeinsamer Song erkoren wird. Die eine oder andere Flasche Beerenwein und regionales Bier darf dabei natürlich nicht fehlen. Schier unzählige der Flusskrebse landen auf den Tellern, in einer Atmosphäre, geprägt von Jagdszenen und Schlössern auf den Tapeten, geschwungenen Vorhängen an den Fenstern, silbernen Kerzenständern und einem großen Kronleuchter in der Mitte des Raumes, so dass der Abend gerne lang wurde und erst nach Stunden die Gemächer aufgesucht wurden.

Handgepflückt und frischgepresster Apfelsaft

Die Zutaten, die Titti Qvarnström auf die Teller brachte, waren regional und von bester Qualität. Dafür ist die Region Skåne durchaus bekannt. Belegbar ist dies nicht zuletzt durch einen in der Nähe des Schlosses gelegenen Bauernhof, der seine angebauten Produkte in der näheren Umgebung anbietet. Es sind vielleicht gerade mal 15 Minuten Fußweg, und mit dem Bränneriets Gård in Eslöv erreicht man, dutzende von Fasanen auf dem Wege dorthin passierend, einen Bauernhof mit einer Vielzahl an angebauten Produkten sowie einem angeschlossenen Hofladen mit Café und kleinem Restaurant. Seit 2012 besteht da der Bränneriets Gård in seiner jetzigen Form. Eigentümer Anders Nilsson ist allerdings schon seit 50 Jahren hier auf dem Hof, der sich allerdings über die Jahre immer wieder verändert und vergrößert hat.

Lecker: Frischer Apfelsaft direkt aus der Presse.
Lecker: Frischer Apfelsaft direkt aus der Presse.

 

Seine Frau Margit und er arbeiten extrem saisonal, natürlich. Denn das Klima hier in Südschweden verlangt nach gewissen Anbauweisen und vor allem limitierten Produkten bzw. Saatgut. Dennoch ist ein Rundgang über das Gelände und die Anbauflächen mehr als kurzweilig: Boskop für frischen Saft hier, Tomaten dort, diverse Beeren auf der anderen Seite, Sonnenblumen und Kohlsorten, direkt neben Kartoffeln, Paprika und Wurzeln. Und im kleinen Hofladen wird die Ernte dann zum Teil angeboten. Ein kleines Frischeparadies!

Abschlussdinner im Kerzenschein

Und ein Teil der Produkte landet am abschließenden Abend im Ellinge Slott nochmals auf den Tellern. Denn das "Pure Food Camp" läuft fünf Tage, je zwei Nächte in der Natur, und eben, zumindest bei diesem Camp, zwei Nächte im Ellinge Slott. Der Speiseraum wird noch einmal Austragungsort der regionalen Kulinarik. Die eine oder andere Beere findet sich im Nachtisch wieder, Rote Bete und Kürbis ergänzen die knusprige Ente, garniert mit Petersilienwurzel. Auch die eine oder andere Flasche Wein kreist, ehe alle Teilnehmer des Camps – abermals – zufrieden in die Betten fallen.

Knusprige Ente mit Rote Bete und Kürbis.
Knusprige Ente mit Rote Bete und Kürbis.

 

Das Konzept des "Pure Food Camps" ist wahrlich ein kulinarisches Ausnahme-Projekt. Die gesamte Region – oder besser – viele Produzenten und Dienstleister der Region, werden mit eingebunden. Es entsteht nicht nur ein authentisches Gefühl bei den Teilnehmern, es ist vielmehr ein Konzept, dass unter Umständen nicht nur dort regional verwurzelt sein dürfte, sondern vielleicht auch ein andernorts anwendbares Projekt wird, verrät uns abschließend die zuständige Marketing- und PR-Frau Lotta Ranert: "Es gibt Überlegungen, dass Pure Food Camp im kommenden Jahr in Alaska zu starten. Erste Gespräche haben da schon stattgefunden", verrät sie uns. Und Zweifel zur Realisierung sollten da nicht aufkommen. Die Organisation und Planung, die Einbindung der regionalen Produzenten und der Ablauf des Camps war wirklich jede Lebensminute wert. Eine – fast – einzigartige Erfahrung; von den Nächten im Wald, bis zu den illustren Abenden im Ellinge Slott… absolut empfehlenswert!

Weitere Informationen unter:

Pure Food Camp
Web: http://purefoodcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/purefoodcamp/

Bränneriets Gård
Nöbbelöv 1303
241 93 Eslöv
This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. 
Web: http://www.brannerietsgard.se

Titti Qvarnström
Web: http://www.tittiqvarnstrom.se/

Ellinge Schloss / Ellinge Slott
Adresse: Ellinge Gård, 241 93 Eslöv, Schweden
https://ellinge.se/

Purity Vodka
https://www.purityvodka.com/ 

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 20/09/2018

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