Frische Austern und Irish Coffee

Der eiszeitliche Fjord von Killary bildet die natürliche Grenze zwischen den beiden Bastionen des traditionellen Irlands: der Grafschaft Mayo und der Grafschaft Galway...

Irlands einziger Fjord, erstreckt sich mit seiner Länge von rund 16 Kilometern zwischen dem Atlantik und dem malerischen Ort Leenane, der im Jahr 1989 Berühmtheit erlangte. Der kleine Ort, der zwischen den umliegenden Connemara Mountains fast miniaturartig wirkt, diente damals als Kulisse für die Verfilmung von John B. Keanes Theaterstück „The Field“. Im Film spielt sich ein Großteil der Handlung im Gaynor’s Pub ab.

Heute noch sind die Einwohner schnell zu einem Gespräch bereit, und sie geben auch gern Auskunft, so dass es gar nicht schlimm ist, wenn mal ein Wegweiser fehlt. Jeder kennt den Weg zu dem Familienbetrieb Killary Fjord Shellfish von Simon und Kate Kennedy. Ein kleiner Abzweig führt von der Landstraße auf einen kilometerlangen Feldweg, auf dem sich offensichtlich die Schafe wohlfühlen. Genüsslich bewegen sie sich von einer Seite des Weges auf die andere oder halten genau in der Mitte ihr Schläfchen. Seit fast 30 Jahren züchtet das Ehepaar Miesmuscheln auf Leinen, die sich acht Meter unter der Wasseroberfläche des Fjords befinden.

Miesmuscheln an Leinen.
Miesmuscheln an Leinen.

 

Dank der einzigartigen Kombination von Süß- und Meerwasser, die der Killary Muschel einen unverwechselbaren süßen Geschmack verleiht, hat sich der Fjord als idealer Ort herausgestellt. "Es ist unglaublich, aber wir ernten etwa 100 Tonnen im Jahr. Natürlich züchten wir auch Austern und dickschalige Trogmuscheln", erklärt Simon Kennedy. Mit einem kleinen Boot fährt er auf den Fjord, zieht die Leinen mit den Miesmuscheln aus dem Wasser, füllt diese in große Behälter, um sie anschließend an Land zu bringen. In einer Halle, gleich am Anleger werden die Muscheln gewaschen und in Netze verpackt. Nach getaner Arbeit teilt Simon Kennedy Kostproben der frischesten Produkte des tiefen Fjords mit seinen Assistenten Kevin Leffy, Jamie Allison und dem Meeresbiologen Justus Pockrandt aus Rostock, der jedes Jahr bei der Ernte hilft. "Frische Austern mit Brown Bread von Kate und einem eisgekühltem Glas Weißwein - das ist einfach ein Gedicht", freut sich Justus Pockradt über die täglichen Delikatessen.

Zurück in Leenan wartet schon Bernhard King. Für ihn ist es ein besonders glücklicher Tag. Schon in der dritten Generation betreibt er mit seiner Frau Allison eine Farm, die um 1900 gebaut wurde. Insgesamt 530 Hektar Land gehören zu seinem Gebiet, dass sich größtenteils 500 Meter über dem Meerspiegel befindet. Das Berglamm ernährt sich hauptsächlich von Moorheide, Kräutern, Gräsern und Bergblumen, die Speisekarte sorgt für einen unvergleichlich delikaten Geschmack. "Das Fleisch der rund 500 zertifizierten Biolämmer pro Saison, die am Meer gezüchtet werden, zeichnet sich außerdem durch sein unvergleichliches Aroma aus, das durch die leichten Salzwässer entsteht", berichtet der Schafzüchter und führt seine Zuhörer ein kleines Stück hinauf in die atemberaubend schöne Berglandschaft.

Bei Bernhard King dreht sich alles um Berglämmer.
Bei Bernhard King dreht sich alles um Berglämmer.

 

Aufgeregt begleiten die Hunde ihr Herrchen und treiben die frei laufenden Tiere immer wieder zu einer Herde zusammen. Nach gut drei Minuten legt Bernhard King eine Pause ein. Er spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ein zartes Wimmern ist zu vernehmen. Der gezielte Blick lässt ihn schnell die Ursache finden. Ein Berglamm hat sich in einem Stückchen Zaun so verfangen, dass es sich nicht mehr allein befreien konnte. "Das Tier wäre grausam gestorben. Nun konnte ich helfen. Ich bin so froh. ", begeistert Bernhard King mit echter irischer Gastfreundschaft.

Die lebendigen Farbkontraste zwischen dem intensiven Grün der Hügel, dem Blau des Wassers und den weißen Schafen, die frei über die Berge streifen, begleiten noch lange auf dem Weg nach Ballina im County Mayo. Mit etwas Glück sind Lachse zu entdecken, die die weißen Schaumkronen auf dem schwarzen Moorwasser der pittoresken Aasleagh-Wasserfälle am Ende des Fjords überspringen.

Auf der Suche nach dem Lachs…
Auf der Suche nach dem Lachs…

 

Der Klang und Geschmack des pittoresken Connemara

Der Weg zum Maam Valley führt durch eine beschauliche Landschaft. Seehunde räkeln sich an der Küste neben den traditionellen Galway Hooker, einem historischen Segelschiff mit rotbraunen Segeln. Ein paar Kilometer weiter harren Silberreiher am Ufer der zahlreichen Wasserflächen aus. Lastwagen mit Torf zum Heizen kreuzen die kurvige Straße. Ein kleines weißes Steinhäuschen mit einem roten Ziegeldach steht an einem sanft plätschernden Fluss. Bald öffnet sich das Tal und erste Häuser kommen zwischen den satt grünen Hügeln zum Vorschein. Durch die leicht beschlagenen Scheiben eines Pubs ist eine Band zu erkennen. Nach und nach nehmen die Gäste den treibenden Rhythmus auf, lassen sich von der sehnsuchtsvollen Musik zum Mitmachen animieren. Zunehmend füllt sich die Tanzfläche. Schon bald bringen fröhlich lachende Menschen den Dielenboden zum Schwingen.

Der Klang, der Geschmack und die pittoreske Seite von Connemara - kaum wird das intensiver erlebt als in Keane`s Bar, im Maam Valley. Der Pub gehört zu den ältesten lizenzierten Lokalen in Irland. Errichtet wurde das Gebäude von Alexander Nimmo, einem schottischen Ingenieur, in den frühen 1820er Jahren als seine Residenz, während er die Straßen von Connemara entwarf und baute. Heute befindet sich in dem Haus ein Pub, der bei Touristen, Reisenden und Einheimischen gleichermaßen beliebt ist. Die Bar gleicht einem sehr gemütlichen Wohnzimmer mit einem großen offenen Kamin - ein Juwel von einem Pub in einem der malerischsten Täler von Connemara.

In dieser Bar lässt es sich gut tanken!
In dieser Bar lässt es sich gut tanken!

 

Kaum nimmt der Gast in den schweren, abgewetzten Ledersesseln vor dem offenen Feuer Platz, serviert Mitarbeiter Thomas Higgins auch schon einen original Irish Coffee mit Powers Whiskey aus der Magnumflasche. "Ich wollte hier nur drei Monate bleiben, inzwischen lebe ich schon 28 Jahre in diesem Dorf", verrät der Wirt und erzählt von dem lieblichen Tal, seinen 200 Einwohnern. "Es gibt kaum einen sichereren Platz in ganz Irland. Wir sind alle per SMS miteinander vernetzt. Sollte jemand etwas Ungewöhnliches bemerken, wird eine Botschaft gesendet. Hier muss sich niemand Sorgen machen." Neben den 90 Haushalten gehören eine Polizeistation, Kirche, Schule, ein Lebensmittelgeschäft, ein Pub und ein kleiner Hafen zu dem Ort. Direkt neben der Bar befindet sich eine Tankstelle. So eine von der Sorte, wo die Autos beim Tanken nicht die Station anfahren, sondern noch direkt auf der Straße halten können.

Informationen

Fáilte Ireland, www.failteireland.ie, www.discoverireland.ie 

Irland Information, www.ireland.com 

Killary Fjord Shellfish, www.killaryfjordshellfish.com 

Connemara Mountain Lamb, www.connemaramountainlamb.ie 

 

Impressionen:

 

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 11/05/2018

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Autor

Carola Faber

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