Genusswandern in Friaul-Julisch-Venetien (Teil 1)

Die autonome Region Friaul-Julisch-Venetien im äußersten Nordostzipfel Italiens erstreckt sich im Grenzgebiet zu Österreich und Slowenien von den schneebedeckten Gipfeln der julischen und karnischen Alpen über grüne Hügel- und zerklüftete Karstlandschaften bis hinunter in die weite, ungezähmte Flussebene des Tagliamento und weiter an die Adria mit dem Golf von Triest und den Stränden von Grado. 

Dennoch steht der Landstrich, in dem sich das mediterrane Flair zypressengesäumter Alleen und der Zauber mittelalterlicher Städte vor einer dramatischen Hochgebirgsszenerie entfaltet, im Schatten seines westlichen Nachbarn Venetien oder den nahegelegenen Badeorten Kroatiens im Südosten. Doch gerade für Outdoorfans und Genießer birgt das Friaul, dessen Name sich vom lateinischen Forum Julii ableitet, historischer Name von Cividale, der ältesten erhaltenen Siedlung des Landstrichs, die von Julius Caesar einst als Militärlage gegründet wurde, ungeahnte Schätze. Locken hier doch nicht nur unzählige regionale Spezialitäten, sondern auch attraktive Mountainbike Trails und endlose Wanderrouten aller Schwierigkeitsstufen – vom ebenen Panoramahöhenweg bis zum ausgesetzten Kletterseig in den Dolomiten, auf denen man den Kalorienüberschuss gleich wieder abtrainieren kann. 

Zu den schönsten Städten der Region gehören neben Cividale mit seiner berühmten Teufelsbrücke selbst, das stolz hoch über dem Bett des träge dahin fließenden Natisone thront, vor allem Udine, historische Kapitale des Landstrichs und natürlich die reiche Handels- und Hafenmetropole Triest – die Stadt der Winde, über deren prachtvolle Boulevards und weite Plätze, allen voran die monumentale Piazza Unita d´Italia, das ganz Jahr über eine steife Briste streift, die sich in Form der Bora, eines kalten Fallwindes, im Winter manchmal über Tage bis zur Orkanstärke steigern kann. 

Der Piazza Unita d´Italia.
Der Piazza Unita d´Italia.

 

Bekannt ist Triest Genießern aber vor allem als Standort der Firmenzentrale des italienischen Kaffeegiganten illy, der unweit des Hafens im drei Schichtbetreib täglich rund 100 (!) Tonnen Rohkaffee röstet und konfektioniert, bevor er in alle Welt verschifft wird. Kein Wunder, dass in Italiens Kaffeehauptstadt mit rund 1500 Tassen pro Kopf und Jahr deshalb auch etwa dreimal so viel Kaffee konsumiert wie im Rest des Stiefels. Außerdem unterhält illy auf dem Betriebsgelände die firmeneigene Università del Café, wo Baristas, aber auch interessierte Laien Kurse rund um die perfekte Zubereitung der kleinen schwarzen Bohnen belegen können, die aber auch ein anerkanntes Postgraduate-Studium der Kaffeewissenschaften anbietet. 

Gelegenheiten einen Espresso, Macchiato oder cremigen Cappuccino zu schlürfen, gibt es im sich zum Meer hin öffnenden Stadtzentrum von Triest mit seinen prachtvollen Monumentalbauten aus dem 19. Jahrhundert, die an die Zeit erinnern, als die Stadt noch Teil der K.&K. Monarchie war, natürlich reichlich – eine der schönsten Adressen: das Café Tommaseo. Wer etwas handfesteren Genüssen zugeneigt ist, macht einen Abstecher ins Buffet da Pepi – hier steht Schweinernes im Mittelpunkt der rustikalen Küche. Einen Besuch wert ist aber auch der erst unlängst direkt am Wasser eröffnete Ableger von EATALY – hier kann man nicht nur zahlreiche friulanische Spezialitäten erwerben, sondern diese auch gleich mit Blick auf die Marina verspeisen. 

Besuch in der Firmenzentrale des italienischen Kaffeegiganten illy.
Besuch in der Firmenzentrale des italienischen Kaffeegiganten illy.

 

Einen besonders schönen Blick auf die Stadt genießen Besucher dagegen entweder vom Kastell San Giusto in der Oberstadt oder von einem attraktiven Höhenwanderweg, der das oberhalb von Triest gelegene Dörfchen Opicina mit Prosecco verbindet. Denn was viele nicht wissen – Prosecco bezeichnet nicht nur die bekannten Schaum- und weißen Stillweine aus Venetien und dem Friaul, sondern auch eine Rebsorte (die seit 2009 allerdings offiziell Glera heißt) und das gleichnamige Dorf. Auf ebener Schotterpiste führt der Spazierpfad hoch über der Küstenlinie in rund einer Stunde vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten. Nicht weniger spektakulär: der ebenfalls nahe gelegene Sentiero di Rilke – der Rilke-Wanderweg – der die steil abfallenden Kliffhänge zwischen dem Schloss von Duino und Sistina entlang führt. Einst soll der Dichter hier bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Duino als Gast seiner mütterlichen Freundin Gräfin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe die Inspiration zu seinen wortgewaltigen Duineser Elegien zugeflogen sein – kein Wunder angesichts der dramatischen Kulisse. 

Im zweiten Teil unserer Reportage wandern wir zu einer Grapperia, zum Consortio Colli Orientali und nach Udine...

Informationen:
Der Hagener Spezialveranstalter Wikinger Reisen hat gleich mehrere attraktive Wander- und Genussarrangements in der Region Friaul-Julisch-Venetien im Angebot. Eine 10tägige kombinierte Wander-Studienreise gibt es inkl. Flug mit Lufthansa und Halbpension bereits ab 1.425 Euro p.P im DZ. Individuelle Arrangements mit 8 Tagen ohne Anreise bereits ab 548 Euro p.P im DZ mit Frühstück und drei Abendessen. 
Weitere Informationen unter: www.wikinger-reisen.de

Links: 
Fremdenverkehrsamt von Friaul-Julisch-Venetien mit Reistipps und Infos: www.turismofvg.it
 Illy Kaffeeuniversität - Triest: www.illy.com/en-us/company/company/universita-del-caffe
Café Tommaseo - Triest: www.caffetommaseo.it
Buffet da Pepi - Triest: www.buffetdapepi.it
Eataly - Triest: www.eataly.net/it_it/negozi/trieste/
Grapperia Nonino - Percoto: www.grappanonino.it/de
Villa Nachini - Corno di Rosazzo  : www.colli-orientali-friuli.com/de/villa
Laboratorio del Dolce - Udine: www.laboratoriodeldolce.com
Zur Sterbenden Mortadella - Udine: www.pierimortadele.com

 

Impressionen:

Fotos: Marco Milani, Thomas Hauer

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Zuletzt bearbeitet am 02/05/2018

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Autor

Thomas Hauer

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