Big Business: Kult-Wodka aus der der Grande Champagne

Der Golf von Biskaya schickt seine Ausläufer starker Stürme bis ins Herz der Grande Champagne und regt die Kreativität seiner Bewohner an. Francois Thibault inspirierte die Natur zu einer samten Variante eines starken Getränks. Das Ergebnis: Grey Goose Wodka.

Verlässt man von Bordeaux kommend die Europastraße 606 bei Barbezieux-Saint-Hilaire in Richtung Westen werden die Dörfer kleiner, die Straßen schmaler und die Kurven immer enger. Die in der Ferne sichtbaren Anwesen strahlen in der Nachmittagssonne auf den umliegenden Hügeln und es scheint als würde es hier nur Sonntage und keine Wochentage zu geben. Auf den Wegen streunen Hunde nur scheinbar mit einem festen Ziel, vor den Häusern beäugen alte Damen skeptisch den Verkehr – wenn dann mal ein Auto am Tag vorbei kommen sollte. Angekommen in der Grande Champagne.

Mit rund 34.000 Hektar gehört der Verwaltungsbezirk zu der ersten Adresse für die besten Cognac der Welt. Rund 17 Prozent der Fläche mit sechs "Cru Anbaugebieten" dienen dem Weinanbau und der Herstellung des "Eaux-De-Vie", der französischen Bezeichnung für aus Obst oder Weintrester destillierte Schnäpse. 15 Fahr-Minuten vor der Stadt Cognac strahlen die Außenmauern eines alten Herrenhauses besonders hell.

Im Hause Grey Goose

Erst vor ein paar Jahren, 2014, wurde das Gebäude-Ensemble aus dem 17. Jahrhundert detailverliebt wieder aufgebaut. Durch ein enges Tor gelangt man über einen Schotterweg durch eine gepflegte Gartenanlage direkt zum Eingang. Die perfekte Bilderbuch-Idylle bekommt mit einem strahlenden Gastgeber in der Eingangstür ihr I-Tüpfelchen. Francois Thibault, Herr von Le Logis, angesehener Kellermeister, umtriebiger Spirituosen-Erfinder empfängt mit offenen Armen seine Besucher. Es ist eine ganz besondere Ehre hierher eingeladen zu werden. Das Anwesen ist trotz 14 perfekt ausgestatteten Gästezimmern, einer Profi-Küche und Swimming-Pool kein Hotel. Es ist das Zuhause von Grey Goose, der Wodkamarke, die zu einer einmaligen Erfolgsgeschichte werden sollte und deren Geschichte der Hausherr ausgewählten Gästen aus der ganzen Welt hier erzählt.

Francois Thibault.
Francois Thibault.

 

Als Francois Thibault Mitte der 1990er Jahre in der französischen Cognac-Region, von Plänen berichtete in seiner Heimat demnächst Wodka herstellen zu wollen, lächelten die Bauern nur müde oder beschimpften ihn als Verräter. Wodka aus dem Cognac? Unvorstellbar! Wie kann man nur auf so eine Idee kommen? Die Idee stammte aus den USA, wo Sidney Frank, ein angesehener und erfolgreicher Spirituosenhändler, für den amerikanischen Markt auf der Suche nach einem besonders hochwertigen Wodka war.

In Francois Thibault fand er den perfekten "Partner in Crime" und 1997 standen die ersten Flaschen in den Trend-Bars an der Ost- und Westküste. Ursprünglich ausschließlich für den Export produziert und mit einer aufwendigen Werbekampagne begleitet, gehört Grey Goose 20 Jahre später zum Sortiment in jeder besseren Bar.

Leicht rauchig…

Der Winter-Weizen wird in der Picardy Region, nördlich von Paris, geerntet. Hier wächst er vier Monate länger als herkömmlicher Sommer-Weizen und bekommt damit eine besonders feine Struktur. Er gilt auch als Top Weizen für besonders gute Brote. Nach der Destillation wird der Rohstoff ins Cognac transportiert, wo die Feinarbeit beginnt. Aus 150 Metern Tiefe fließt kalziumreiches, natürliches Wasser in die auf sechs Tanks verteilte Fermentation und eine Filteranlage aus Kupfer. Reinstes Quellwasser dient zum Schluss der Verdünnung. Das System hat Francois Thibault entwickelt. Eindrucksvoll und begeistert erklärt er die verschiedenen Arbeitsvorgänge. Das allerletzte Geheimnis, wie der milde, leicht rauchige Geschmack des 40prozentigen entsteht, scheint aber nur Monsieur Thibault zu kennen. Über den Maître De Chai lächelt heute keiner mehr in der Region.

Le Logis: Bilderbuch-Idylle.
Le Logis: Bilderbuch-Idylle.

 

Und wohin geht die Reise in der Zukunft? Natürlich ist Francois auf diese Frage vorbereitet und überreicht eine kleine, in eine feine Rolle aus Holz gebettete, Flasche. Das Geheimnis hat noch keinen Namen, aber kurz erklärt steht auf der Flasche: "My intention was to combine the quality and sophistication of Grey Goose Spirits with aging, four years in new barrels from four different origins: French Oak, American Oak, Acacia and Cherry". Honig, gelbe Blüten und Vanille weckt die Sehnsucht nach den ersten Sonnenstrahlen des nächsten Frühlings.

Der Sonnenuntergang taucht den Hof in ein feines oranges Licht an diesem Abend im Spätsommer und Francois Thibault lädt zu einem Aperitif in der hauseigenen Bar ein. Nach dem dritten Glas tauchen die ersten Graugänse am Himmel auf. Sie und wir kommen im nächsten Frühjahr gerne wieder.

Fotos: Robert Doerk, Le Logis - Grey Goose

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Zuletzt bearbeitet am 09/09/2017

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Autor

Robert Doerk

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