Cognac Otard: ein brennender Nordmann

Cognac – eine Stadt und eine Region, die für ein Qualitätsprodukt stehen. Ein Produkt, das einer Tradition der Jahrhunderte entspringt. Eine Stippvisite bei Cognac Otard…

Nicht einmal 20.000 Einwohner hat die Stadt Cognac im Département Charente. Unweit von Bordeaux, steht Cognac, ebenso wie die etwa 120 Kilometer entfernte Universitätsstadt an der Gironde, für Tradition und einen international mehr als anerkannten Namen. Cognac: das bedeutet Tradition, Qualität - und auch eine gehörige Portion Verantwortung.

Es sind Namen wie Martell (gegr. 1715), Rémy Martin (gegr. 1724), Hennessy (gegr.1765) und Otard (gegr. 1795), die für die Region stehen und sich entscheidend verantwortlich für den Ruf und die Qualität des Branntweinprodukts zeichnen. Doch auch Tradition unterliegt einem Wandlungsprozess. Davon kann das Haus Otard durchaus ein Liedchen singen, denn nach der Übernahme durch Martini & Rossi S.p.A. im Jahr 1991 ist Otard mittlerweile Teil des Bacardi-Konzerns. Fluch oder Segen? Wie immer bei Übernahmen und den entsprechenden Veränderungen in einem Unternehmen wird dies die Zeit auflösen.

Die Geschichte Otards

Als eines der ältesten Cognac-Häuser weist Otard eine ganz besondere Geschichte auf, welche durch die Wirren und Irrungen der Französischen Revolution entscheidend mitgeprägt wurde. Der französische Adelige Jean-Baptiste Antoine Otard (1763–1824), der als der Gründer des Unternehmens gilt, kann einen bis in die Wikingerzeit reichenden Stammbaum nachweisen. Der Name Otard entsprang der Geschichte nach von einem Wikinger mit dem Namen Ottar, der im 9. Jahrhundert aus dem Nordland nach Schottland floh. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Familie sesshaft in der Region unweit von Stonehaven.

Dort, in Aberdeenshire, erbauten sie über knapp vier Jahrhunderte das Schloss Dunnottar Castle. Die festungsartige Anlage hatte, gerade vom frühen Mittelalter an, eine strategisch wichtige Rolle. Um 1688 floh der Urgroßvater des Firmengründers als Königstreuer in Folge der Glorious Revolution ins Exil nach Frankreich, kämpfte für Ludwig XIV und erlangte die Würden eines Barons. Die Familie ließ sich in den folgenden Jahren in der Region Cognac nieder und widmete sich schon früh den Prozessen der Destillation. Dass Kenntnisse des Whisky-Brennens aus ihrer ursprünglichen Heimat dabei nützlich waren, dürfte leicht nachvollziehbar sein.

Für Jean-Baptiste Antoine Otard brachen in der Zeit der Französischen Revolution als Mitglied des Adels schwere Zeiten an. Zunächst verhaftet und zum Tode verurteilt, wurde er mit anderen Gefängnisinsassen vom Pöbel befreit. Nach einem kurzzeitigen Aufenthalt in England, kaufte er nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Rahmen einer Auktion das Schloss von Cognac. Noch heute ist das Schloss im Zentrum Cognacs, direkt am Fluss Charente mit Blick auf die Pont Neuf gelegen, Dreh- und Angelpunkt des Cognac-Hauses Otard.

Der Innenhof des Schlosses.
Der Innenhof des Schlosses.

 

Die Region und der Otard-Stil

Für den Cognac wird bekanntermaßen nur Weißwein verwendet. Die Trauben für den genutzten Weißwein werden von der Île de Ré und Marans im Norden, bis in den Süden hinter Chalais und Montguyon angebaut. Sechs Anbaugebiete lassen sich in diesem Areal benennen: Grande Champagne, Petite Champagne, Borderies, Fins Bois, Bons Bois und Bois ordinaires et communs. Für Otard kommen allerdings nur vier Anbauflächen infrage: Grande und Petite Champagne, Fins Bois und ein Teil auch aus der Region Bons Bois (V.S.O.P.-Produktion). Für Otard zählt in diesem Zusammenhang vor allem der Qualitätsgedanke, wie uns Philippe Jouhaud (Sales und Marketing Director von Château de Cognac SAS) im Gespräch verrät. "Für uns ist es wichtig zuverlässige Handelspartner zu haben. Mit vielen arbeiten wir schon seit Jahrzehnten zusammen. Es ist absolut notwendig, dass wir immer den gleichen Stil behalten. Von daher erfolgt die Zusammenarbeit mit Händlern und Partnern sehr gezielt. In der Region Borderies, die durchaus qualitativ hochwertig ist, hatten wir oft Schwankungen bei den Lieferungen. Von daher haben wir uns aus der Region zurückgezogen", so Jouhaud.

Es entscheiden nicht nur die Produzenten und Händler über die Qualität, es ist auch der schonende Umgang mit der Traube. Natürlich versucht man im Hause Otard eine vorsichtige Pressung anzuwenden, um einen möglich klaren Saft zu generieren – alles um eine perfekte Fermentation in den Tanks zu sichern und folgend eine erfolgreiche Doppelte Destillation (typisch für Cognac!) durchzuführen. "Es gibt zwei Möglichkeiten, die Destillation zu betreiben: entweder mit oder ohne die Weinhefe (engl.: Lees). Wir sind der Meinung, dass es mit der Hefe einen floraleren Geschmack gibt, darum ist dies der Weg bei Otard", verrät uns Philippe Jouhaud weiter.

Philippe Jouhaud: Sales und Marketing Director des Unternehmens.
Philippe Jouhaud: Sales und Marketing Director des Unternehmens.

 

Und dieser Destillationsprozess unterliegt einem sehr straffen Zeitplan in Cognac. Die meisten Weine in der Region werden im Freien gelagert. Der 1. April ist ein letztes Datum, an dem die Weine noch genutzt werden können. Mit der Wärme des Frühlings werden die Weine "zerstört", sind nicht mehr nutzbar für eine gute Cognacproduktion. Die Destillateure Otards sind angehalten, möglichst schnell die Destillationen abzuschließen.

Der Unterschied der Regionen

Schon an zwei Destillaten (Grande Champagne und Fins Bois) lässt sich der geschmackliche Unterschied erkennen. Dabei gibt es sicher kein besser oder schlechter, "alles ist sehr subjektiv", so Jouhaud. Das Destillat der Grande Champagne erscheint etwas milder, delikater und etwas floral. Das Destillat der Trauben aus Fins Bois erscheint wesentlich fruchtiger, mehr Struktur und Körper ist wahrnehmbar. "Charakteristisch ist es, dass die Weine aus Fins Bois nicht die lange Kapazität für das Aging haben", erklärt der Sales und Marketing Director weiter.

Ein Gang durch das Schloss ist auch ein Gang durch die Vergangenheit.
Ein Gang durch das Schloss ist auch ein Gang durch die Vergangenheit.

 

Nach diesen Destillaten geht es in der Produktion weiter mit dem Aging, die Destillate kommen in die Eichenfässer. Die meisten der Eichenfässer kommen - oder zumindest das Holz dafür - aus der Mitte Frankreichs. Und eben um diese "Tradition", dass die verwendeten Hölzer für die Fässer aus Frankreich kommen müssen, existiert eine große Debatte derzeit in Cognac. Wie zukünftig die Frage bezüglich der verwendeten Hölzer beantwortet wird – ob amerikanische Eiche usw. – Verbreitung findet, wird sich sicherlich bald klären. Firmen wie zum Beispiel Martell haben diese Versuche bereits unternommen.

Für Philippe Jouhaud ist die Frage schwer zu beantworten. "Es gab schon in der Vergangenheit Prozesse mit anderen Hölzern aus anderen Regionen. Von daher: Wieso soll man da die Regeln nicht etwas lockern? Andererseits darf sich der Stil des Produkts nicht ändern. Cognac soll auch als solcher erkannt werden. Es ist sehr schwer, da eine Grenze zu finden." Nun, die Frage steht im Raum, Antworten werden sicher kontrovers diskutiert und werden die zukünftige Ausrichtung der Region und ihrer Produzenten bestimmen.

Jahrzehnte gelagerte Cognacflaschen im Keller des Schlosses.
Jahrzehnte gelagerte Cognacflaschen im Keller des Schlosses.

 

Ein Fest der Superlative

Für das renommierte Cognac-Haus Otard sind die Weichen seit langem gestellt. Es ist ein Weg mit Exporten in die gesamte Welt – mit den Schlüsselmärkten Asien, Arabien und Russland. Dies gilt aber wohl ausnahmslos für alle führenden Häuser der Region. Zur Standortbestimmung - und vielleicht auch ein wenig zur Selbstdarstellung - finden sich alljährlich die größten und marktbestimmenden Produzenten zu einem Fest ein, das seinesgleichen suchen dürfte. Immer im September, zur angehenden Erntezeit, findet die Aktionsveranstaltung "La Part des Anges" statt.

Stets für einen guten Zweck, versteigern etwa 50 Cognac-Häuser ihre besten Flaschen und zeigen somit der Weltöffentlichkeit was sie können – und was sie im laufenden Destillations-Jahr produziert haben. Alles mit Rang und Namen kommt eigens für diese Veranstaltung nach Cognac. Sollte es dem einen oder anderen Interessenten nicht möglich sein zu kommen, gibt es wie bei jeder größeren Auktion auch die Möglichkeit eines telefonischen Angebots für die bereits im Vorfeld bekannt gegeben Flaschen.

Veranstalter dieser Auktion ist der B.N.I.C., das Bureau National Interprofessionnel du Cognac. Der staatlich kontrollierte Verband von 1941 unterstützt die Händler und Produzenten der Region, stets die Qualität überprüfend und überwachend, so dass Richtlinien der AOC-Bestimmungen eingehalten werden.

Weitere Informationen unter: www.lapartdesanges.cognac.fr

Weitere Informationen Otard: http://www.baronotard.com/global/en/home.aspx

 

Lage Otard:

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Impressionen:

 

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 23/08/2017

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