Als der Whisky im Osten aufging

Er ist so etwas wie der Gründervater des Japanischen Whisky. Geboren in der Präfektur Hiroshima im Jahr 1894, war der 1979 verstorbene Masataka Taketsuru der Kopf und Macher hinter der Nikka Whisky Distilling Co. Ltd. …

Das Unternehmen, das heute von dem Hauptsitz in Tokio aus Produkte in die gesamte Welt verkauft, startete, um ein Fixdatum zu nennen, seine Erfolgsgeschichte im Jahr 1918. Der damals 24-jährige Taketsuru begab sich nach seinem Chemiestudium auf nach Schottland, um dort Destillationsverfahren zu erlernen, sich mit den Prozessen des Whiskymachens vertraut zu machen. Dazu studierte er an der Universität von Glasgow Organische Chemie, bevor er 1920 zurück nach Asien fuhr. Mit dem erlernten Wissen und seiner neuen Gattin Rita, der Tochter eines englischen Doktors, im Gepäck, kehrte er nach einer langen Schiffsreise zurück nach Japan.

Gerade die Prozesse des Blendings interessierten Taketsuru, gerade um qualitativ hochwertige und lagerbare Whisky zukünftig selbst produzieren zu können. Das in vielen Destillieren Erlernte transportierte er nach Japan, um selbst Whisky zu produzieren. Doch bis zu diesem fertigen Produkt, einem trinkbaren Whisky, war es noch ein sehr weiter Weg. Denn das Unternehmen, das ihn 1918 nach Schottland schickte, unterstützte nach seiner Rückkehr die Ideen und Prozesse des Japaners zunächst nicht mehr. Vorstellbar, dass Taketsuru mehr als enttäuscht war, zumal er sein gesamtes Geld investierte und nunmehr mittellos war.

Ein langer Weg

Etwa ein Jahr später bekam der engagierte Chemiker allerdings eine Anstellung in einem Unternehmen, das die Herstellung von Whisky ins Auge fasste. Die Kotobukiya Limited (Suntory) stellte den damals 29-Jährigen ein, das erlernte Wissen aus Schottland in das Unternehmen einzubringen. Allerdings musste sich Taketsuru auf einen Zehn-Jahres-Vertrag einlassen. So sicherte sich das Unternehmen langfristiges Wissen. Gerade für ein Produkt, das viele Jahre in der Lagerung benötigt, um an Reife und Tiefe zu gewinnen, sehr wichtig.

Taketsuru schuf für das Unternehmen nach recht kurzer Zeit den ersten Japanischen Whisky, allerdings kam es in den Folgejahren immer mehr zu einem Zerwürfnis in der Arbeitsbeziehung der beiden Parteien, bis hin zu der Herabstufung Taketsurus zu einem normalen Bierbrauer. Ein Prozess, der den jungen Mann, der so weit gereist war, um die Whiskydestillation zu erlernen, sicherlich deprimiert haben dürfte. Und so verwundert es wenig, dass der Vertrag nach zehn Jahren aufgelöst wurde und der nunmehr 40-Jährige seine eigenen Visionen verfolgte.

Nach nur vier Monaten, im Oktober 1940, finalisierte er seine eigene Destille, die Yoichi Distillery. Doch um die Zeit, bis der Whisky als fertiges Produkt Marktreife erlangen würde, zu überbrücken, produzierte der Japaner Schnaps aus Äpfeln. Denn Schnäpse aus Früchten benötigen keine lange Lagerzeit und können somit schnell verkauft werden. So kam es also, dass das Unternehmen neben der Whiskyproduktion auch "Calvados" produzierte, oder zumindest ähnliche Produkte, die durch den Verkauf monetär die Zeit zu überbrücken halfen. So entstand Dainipponkaju Co., Ltd. (übersetzt: beste Saftfirma Japans).

Nikka heute

Zwei Malz-Destillen besitzt das Unternehmen heute: die Yoichi Distillery und Miyagikyo Distillery. Dabei hat die Yoichi Distillery durch seine Lage ein Alleinstellungsmerkmal in Japan. In der Nähe von Sapporo gelegen, produziert Yoichi Malz-Whisky mit torfigen und recht maskulinen Noten. Die Miyagikyo Distillery befindet sich etwas zentraler auf der Insel, liegt nördlich von Tokio. Dort wird Grain Whisky (Coffey Grain) hergestellt, der 2012 erstmals herausgebracht wurde. Dieser wird aus Mais hergestellt und klassisch in Coffey Stills destilliert. Die Produkte bieten floral-fruchtige Noten zwischen Zitrus, Vanille und Minze und kommen mit stolzen 45 Prozent Alkohol auf den Markt (Nikka Coffey Grain).

Ob nun Coffey Grain oder Coffey Malt (Vanille, fruchtig, Orange), Single Malt von Yoichi (Vanille, Pfirsich, rauchig, salzig) oder Miyagikyo (Zitrus, Pflaume, rote Beere, pfeffrig) bzw. der "Nikka From the Barrel" (Blend mit Früchten, Vanille, Honig - stolze 51,4 Prozent Alkohol!): wie so oft gilt, der Geschmack entscheidet!

Weitere Informationen unter: www.nikkawhisky.eu

 

Lage Yoichi Distillery:

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Lage Miyagikyo Distillery:

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Impressionen:

 

Fotos: Sven Goldmann (Nikka Whisky)

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Zuletzt bearbeitet am 17/08/2017

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