Biosphere Expeditions: Dieses Jahr verlieren wir den Kampf gegen die Wilderer!

Naturschutz ist für viele eher Luxus als Notwendigkeit. Regierungen kürzen überall Mittel für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen - jetzt bedroht die Coronavirus-Pandemie den Naturschutz!

Unter Bürgerwissenschaft (citizen science) versteht man die Beteiligung der Öffentlichkeit an wissenschaftlicher Forschung. Das Ergebnis sind oft zum einen Fortschritte in der wissenschaftlichen Forschung und zum anderen das Entstehen eines besseren Verständnisses der Öffentlichkeit für die Wissenschaft. Insbesondere im Naturschutz sind internationale Bürgerwissenschaftsprojekte als Daten- und Finanzierungsquellen immer wichtiger geworden. Ein Beispiel dafür ist Biosphere Expeditions, eine internationale gemeinnützige Naturschutz-Organisation, getragen von Bürgerwissenschaft.

Die Auswirkungen der Covid-19-Krise werden jetzt in einem wissenschaftlichen Bericht über das Projekt der NGO zum Schutz der Meeresschildkröten in Costa Rica deutlich. Internationale Bürgerwissenschaftler*innen sind entscheidend für den Erfolg des Projekts, das im Jahr 2019 67% der Nester von Lederschildkröten und Suppenschildkröten am Strand von Pacuare an der Karibikküste Costa Ricas vor Wilderern gerettet hat. Im Jahr 2020 - ohne internationale Freiwillige aufgrund der Pandemie - ist diese Zahl bis jetzt auf 47% gesunken. "Das bedeutet, dass wir den Kampf gegen die Wilderer in diesem Jahr verlieren", sagt der Naturschutzbiologe Dr. Matthias Hammer, Gründer und Geschäftsführer von Biosphere Expeditions.

Fauna & Flora Enonkishu. (c) Biosphere Expeditions
Fauna & Flora Enonkishu. (c) Biosphere Expeditions

 

Anderswo auf der Welt ist das Bild ähnlich. In Kenia sieht sich die NGO zusammen mit ihrem lokalen Schutzgebietspartner Enonkishu Conservancy mit einem doppelten Problem konfrontiert: "Die Ranger müssen wegen des Einbruchs der Tourismuseinnahmen in Teilzeit arbeiten, gleichzeitig nimmt die Wilderei zu, da die von der Pandemie schwer betroffenen Menschen versuchen sich so günstig wie möglich zu versorgen", erklärt Hammer. "Wir haben eine Spendenkampagne gestartet, um die Situation zu entschärfen, aber diese globale Krise hat die Dinge wirklich sehr schwierig gemacht", erklärt Hammer.

Und weiter: "In Niedersachsen, wo wir im Wolfsschutz tätig sind, erwarten wir aufgrund des Mangels an internationalen Bürgerwissenschaftlern*innen einen Rückgang der Datenerhebung um 50% oder mehr. Das bedeutet, dass wir viel weniger über die Anzahl der Wölfe, der Rudel und über die Wolfsökologie in diesem Gebiet wissen werden", so Hammer. Da solche Daten Grundlage für strategische Entscheidungen im Artenschutz sind, müssen diese möglicherweise verzögert werden oder auf unzureichender Basis gefällt werden. Der Naturschutz leidet somit indirekt auch unter dem Corona-Virus.

Und das sind nur einige Herausforderungen, die sich durch die Krise stellen. "Über die Finanzierung von Projekten und über wirtschaftliche Anreize, die durch Bürgerwissenschaftsprojekte geschaffen werden, haben wir da noch gar nicht gesprochen", sagt Hammer. Bürgerwissenschafts-Expeditionen müssen verpflegt, untergebracht, geführt usw. werden. All dies schafft Einkommen und wirtschaftliche Anreize für Einheimische und Kommunen, basierend auf einer intakten Natur. "Dies ist besonders wichtig, denn Pandemien werden auch durch Umweltzerstörung verursacht", so Hammer.

Bürgerwissenschaftlerinnen vermessen eine Wolfsspur. (c) Biosphere Expeditions
Bürgerwissenschaftlerinnen vermessen eine Wolfsspur. (c) Biosphere Expeditions

 

Die Projekte stellen außerdem oft das ganze Jahr über auch Mittel für Wildhüter, Forschung und andere Naturschutzaktivitäten bereit. Covid-19 und die damit verbundenen Reiseverbote und -beschränkungen haben all dies gefährdet. „What pays, stays“, also, was sich ökonomisch bezahlt macht, bleibt, ist ein englisches Sprichwort unter Naturschützern und meint damit pragmatische Ansätze, die zu echten Ergebnissen im Naturschutz führen", erklärt Hammer. Das Coronavirus scheint auch diese Gewissheit infrage zu stellen.

Aber es gibt Hoffnung. Gerade jetzt werden sich viele Menschen darüber bewusst, dass die Bürgerwissenschaft ein mächtiges Instrument zur Bewältigung von Naturschutzproblemen ist. "Als wir vor 20 Jahren damit angefangen haben, wurden wir oft belächelt und nicht ernst genommen", sagt Hammer. "Dies hat sich im Laufe der Jahre allmählich geändert, und es scheint, als habe Covid-19 die Menschen wirklich aufgerüttelt und die Macht und das Potenzial der Bürgerwissenschaft verdeutlicht. Das Virus ist also sowohl eine Chance, als auch eine Herausforderung.

Biosphere Expeditions ist eine internationale, gemeinnützige Natur- und Artenschutzorganisation, getragen von Bürgerwissenschaft.

Unser Planet steckt in der Krise. Noch nie stand die Natur so unter Druck. Wir glauben daran, dass es in der Macht jedes Einzelnen liegt, das zu ändern. Wir achten auf die Natur und befähigen Menschen sie zu schützen - durch Bürgerwissenchaft und angewandten Naturschutz. Wir sind eine gemeinnützige, visionäre und nach ethischen Standards handelnde Naturschutzorganisation. Wir sind Mitglied der IUCN, des UN-Umweltprogramms und der Europäischen Bürgerwissenschafts-Vereinigung (ECSA). Seit 1999 arbeiten wir Hand in Hand mit Menschen und Biologen vor Ort in unseren Projektgebieten, setzen uns für einen Wandel ein und schützen unser aller Natur. Und unser Konzept geht auf – die Einrichtung von Schutzgebieten auf vier Kontinenten ist nur ein Beispiel.

Fotos: LAST, Biosphere Expeditions

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Zuletzt bearbeitet am 23/06/2020

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