Goldene Bohnen aus Peru

Die einspurige Straße zu den weltbesten Kaffeefarmern ist haarsträubend. Neben uns eine abgrundtiefe Schlucht, unter den Rädern Schotter, voraus steile Hänge mit Urwald...

Wir kurven durch eine der entlegensten Regionen von Peru, die Grenze zu Bolivien nah. Ziel nach neun Stunden Fahrt ab Flughafen Juliaca ist das Dorf San Pedro de Putina Puncu, Heimat von Wilson Sucaticona. Unter Insidern in Sachen Bio-Spezial-Kaffee reicht die Bekanntheit des Andenbauern bis nach USA, Japan und Europa. Denn seit er 2010 die Goldmedaille für seinen Cafe Tunki auf dem internationalen Wettbewerb der SCAA (Special Coffee Association of America) gewann, eine Art Oscar der globalen Öko-Kaffeewelt, ist er ein Aushängeschild für Bohnen aus Peru. Für solche, die aus Bio-Pflanzungen stammen. Peru ist weltgrößtes Exportland für organischen Kaffee.

Organisch heißt auch nachhaltig und fair bezahlt. Inzwischen vermarken einige Produzenten ihre ungerösteten Bohnen direkt. Wie die Finca Rosenheim, mit dem Cup of Excellence ausgezeichnet. Ein Käufer sitzt an der Elbe – "Die Rösterei-Hamburger Caféhaus". Ein paar Säcke landeten unlängst im Hafen. Nicht nur ein langer Weg aus den Anden. Wenn man erlebt hat, unter was für Umständen und mit welchen Risiken die auf Qualitätsoptimierung wirtschaftenden Bauern ihre paar Hektar bearbeiten, müsste man sich bei jeder Tasse vor Ihnen verbeugen.

Kaffee in seiner ursprünglichen Form, lange vor der Röstung... 
Kaffee in seiner ursprünglichen Form, lange vor der Röstung... 

 

Nicht zuletzt, weil sie durchhalten. Größte Kontrahenten in dieser unwegsamen Region sind Coca-Pflanzer. Die Ausbeute pro Hektar bringt viermal so viel Gewinn. Zudem wachsen die Kokainhaltigen Blätter quasi von allein, während der Anbau von Kaffee nicht weniger Erfahrung erfordert wie Weinbau. Speziell auf dem Öko und Fair Trade Sektor.

Die reifen Kaffee-Kirschen werden von Hand aus den noch unreifen herausgepflückt und im Entpulper vom Fruchtfleisch befreit. Nur die Bohnen bleiben übrig. Beschädigte werden rausgefischt, der Rest in reinem Andenwasser mehrmals gespült und auf Holzpaletten im Freien getrocknet und wiederum handverlesen. Das größte Risiko bei der Ernte ist Regen. Fällt er vorm Pflücken, vergammeln die roten Kirschen in der schwülen Hitze innerhalb weniger Stunden am Strauch.

Tasting: Geruch, Konsistenz, Geschmack...
Tasting: Geruch, Konsistenz, Geschmack...

 

"Das riecht und schmeckt man später", sagt Wilson Sucaticona. Dem Handwerk auf der Pflanzung folgen strenge Qualitätskontrollen seitens der peruanischen Kaffee-Kooperative Cecovasa in Juliaca. Die Farmer liefern ihre Ernte persönlich dort ab. Experten prüfen und beurteilen Sack für Sack. Nach festgelegten Preisen erhalten die Produzenten direkt ihr Geld. Und der Einkäufer aus fernen Landen weiß, dass er nicht die Katze im Sack kauft. Denn jeder trägt ein Schildchen. Darauf ist die Güteklasse verzeichnet sowie die Herkunft. Auch in dieser Hinsicht ähnelt die Öko-Kaffeeproduktion also der des Premium Weinbaus.

 

Impressionen:



Fotos: Paul Spierenburg

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Autor

Kiki Baron

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