Luxus auf ökologisch - geht doch!

"Ich wollte dem Land etwas zurückgeben", sagt Chris Kingsley. Holz- und Möbelbusiness hatte den Amerikaner im früheren Leben nach Burma gebracht...

Das Etwas: Unbeleckter Dschungel und menschenleere Strände, geschützte Paradiese für Fauna und Flora unter und über Wasser. Ein Urlaubziel für maximal 28 Gäste. "Wa Ale" heißt sein grünes Reich. Die hügelige Insel, 38 Quadratkilometer groß, liegt in der Andaman Sea vor der Südküste des heutigen Myanmars.

Streift man auf holperigen Pfaden durchs Gehölz oder paddelt im Sea Canoe durch die Mangroven scheint Indiana Jones nicht weit zu sein. Mal zanken sich Affen lautstark in den Wipfeln, mal rascheln vom Aussterben bedrohte Gürteltiere durchs Laub. Am Himmel kreisen Seeadler. Viel Licht und Luft fließt durch die Zeltartigen Villen, handgefertigt aus recyceltem Material.

Zweistöckige Baumhäuser dagegen lassen einen an die Zeit zurückdenken, als Massentourismus an fernöstlichen Beaches noch Fremdwort war und ein Moskitonetz im Rucksack obligatorisch. Hier schmückt es die Himmelbetten. Wir schlafen bei offenem Fenster. Eine seidenweiche Brise streichelt die Haut. Ein Vogelchor weckt uns am Morgen. Klimaanlage gibt es keine, Wifi ja. Von Safari Lodges guckte sich Kingsley das Dinner Konzept ab.

Nachhaltiges speisen in einer Traumkulisse – geht...
Nachhaltiges speisen in einer Traumkulisse – geht...

 

Wir Gäste speisen nämlich gemeinsam am großen Tisch, erzählen uns Reisegeschichten und schwärmen über die köstlichen Speisen. Die Zutaten stammen aus dem Biogarten und aus Öko-Aquakultur. Sie dümpelt in der Bucht als viereckiges Gestell mit Häuschen drauf. Untendrunter schwimmen Edelfische wie Baramundi. Ansonsten wird Seafood von ansässigen Fischern gekauft. "Der Erwerb aus illegaler Fischerei", so der Inselbesitzer, "ist für uns tabu". In Myanmars Gewässern wird sie in großem Format betrieben. Manchmal mit Dynamit. Die Nachhaltigkeit von Wa Ale führt freilich noch weiter. Ein geraumer Teil des Profits geht in die Lampi Foundation. Abgesehen vom Schutz der Natur, insbesondere von seltenen Schildköten, fließt es in medizinische Ausbildung und in die Schulen von drei lokalen Gemeinden.

Am anderen Ende der Welt, in Französisch-Polynesien, überrascht uns ein berühmtes Luxusresort mit Sustainability: "The Brando" auf dem privaten Atoll Tetiaroa, 1961 von Marlon Brando erworben. Hollywoods Kultschauspieler hatte zwar die Vision sein fragiles Südseeparadies nachhaltig zu entwickeln. Helas, es fehlte an Inseladäquater Öko-Technik. Erst unter Richard Bailey, CEO von Pacific Beachcomber, S.C. gelang es mit Unterstützung von internationalen Experten, das Hotel umweltfreundlich zu gestalten. Nun verflüchtigt sich gewissermaßen unser CO2-Abdruck vom Langstreckenflug, indem wir den Fuß aufs Inselchen setzen.

Urlaub ohne Mückenstich – und das ohne chemische Keule!
Urlaub ohne Mückenstich – und das ohne chemische Keule!

 

Den größten Beitrag in Sachen Ressourcen schonender Energie liefert das revolutionäre "Sea Water Airconditioning System". Das heißt, die zauberhaften Poolvillen werden mittels eiskaltem Tiefseewasser klimatisiert. Weiteren Kraftstoff steuern Solar Panel und Bio-Diesel aus Kokosnüssen bei. Auch schön zu wissen: Mücken rotten sich selbst ohne Einsatz von chemischer Keule aus. Wir erleben das hautnah. Mit einem Eimer voll männlicher Mücken bewaffnet, stiefeln wir ins Palmendickicht und lassen sie frei. Die Quälgeister sind vorher nach einer Methode aus Tahitis Institut Pasteur unfruchtbar gemacht worden. Sex mit den Insektendamen im Busch funktioniert, aber ohne Folgen.

Öko-Insel "Soneva Fushi" im Baa Atoll der Malediven leimt die Viecher auf andere biologische Weise. Sie fallen auf eine Flüssigkeit rein, die nach menschlicher Haut riecht. Blutgierig tauchen sie in den Behälter und ertrinken. Innerhalb eines Jahres war für die Mücken Schluss mit lustig. Wir reisten ohne einen einzigen Stich ab.

Nachhaltige Entwicklung war bei Besitzer Sonu und Eva Shivdasani von Anfang an Herzenswunsch. Zudem gelten sie als Vorreiter von Barefoot Luxury, was sich vornehmlich in reduzierter Ästhetik der Ausstattung übersetzt. Barfuß laufen nehmen wir wörtlich und spazieren auf samtigen Sandwegen durch den Dschungel. Unsere Villa liegt so gut zwischen dichtem Buschwerk versteckt, dass wir sie nicht wiederfinden. Hat was von Robinson Crusoe Feeling. Nicht zuletzt heißen die Hosts, also die persönlichen Betreuer, Mister und Mistress Friday. Bei Eröffnung des Resort 1995 verzichteten die Gründer sogleich auf Plastik-Strohhalme und in Plastikfläschchen abgepackte Hotelkosmetik. Auch Einweg-PET-Flaschen sind längst tabu. Wasser, im Umkehrosmose-Verfahren gewonnen und mit Mineralien angereichert wird in hübsche Glasflaschen abgefüllt.

Paradies: Einweg-PET-Flaschen sind tabu!
Paradies: Einweg-PET-Flaschen sind tabu!

 

Die größte Gefahr indes: Wir schlemmen zu viel. Die spitzenmäßige Küche hat das ganze Repertoire fernöstlicher und südasiatischer Spezialitäten drauf. Überwiegend mit Bio-Komponenten aus eigenem Anbau fabriziert oder von nachhaltigen Quellen importiert. Und was passiert mit den Essensresten? Wir tatsächlich erstaunt, was alles machbar ist. Etwa 700 Kilo pro Tag werden auf geruchlose 70 Kilo dehydriert und als Kompost auf Beten und Waldboden verteilt. Vom Überschuss profitieren benachbarte Einheimischen-Inseln.

Unsere Entdeckung auf Bali: An der Nordwestküste lockt "Matahari Beach Resort & Spa". Wir tauchen in eine Welt voller Magie. Aus jeder Ecke spricht Hindu-Kultur und traditionelle Handwerkskunst, farbenfrohe Natur obendrein. Insel der Götter? Uns scheint, als ob die himmlischen Heerscharen ein besonderes Auge für dieses Boutique Anwesen haben. Das mag daran liegen, dass sich die bayrisch-balinesischen Eigentümer Magnus und Parwathi Bauch bereits vor 25 Jahren Umweltschutz und soziale Verantwortung auf die Fahne geschrieben haben. Während im südlichen Teil von Bali auf Teufel komm raus gebaut wurde, ohne Rücksicht auf Grundwasser Ressourcen, kreierte Parwathi einen nachhaltigen Paradiesgarten. Er beglückt uns und die Servicekräfte sowieso.

Denn Balinesen sprechen von ihrem Glauben auch als Agama Tirta, Religion des Wassers. Im Matahari wird es aus eigener Quelle gewonnen und zu Trinkwasser purifiziert. Abwasser durchläuft einen biologischen Klärungskreislauf und ernährt die opulente Fülle buntblühender Tropengewächse. Der übergroße Süßwasser-Pool ist mit Meerwasser gefüllt. Klingt schräg. Nicht, wenn man lernt, dass ihm vorab das Salz durch Elektrolyse entzogen und es anschließend durch Quarzfilter gereinigt wurde. Auch in der Wäscherei kommt bei uns kein schlechtes Gewissen auf. Die Natur selbst nämlich bringt ein kleines Wundermittel hervor – Klerek. So heißt die Nuss, die Seifenschaum produziert. Damit werden die Batikuniformen des Personals ausgespült und auch Holztische geschrubbt.

Mit dem Club Car über die Insel: natürlich batteriebetrieben...
Mit dem Club Car über die Insel: natürlich batteriebetrieben...

 

Denken wir auf unseren Fernreisen über Flugscham nach? Nicht wirklich. Stattdessen bewundern wir die Hoteliers, die nachhaltige Luxusresorts geschaffen und mit einheimischen Servicekräften beseelt haben. Die Kompensation unseres ökologischen Fußabdrucks im Urlaub ist eines. Doch glückliche Locals zu erleben, die von neuster Öko-Technik profitieren, macht noch viel mehr Freude.


Aktuelle Information - Das Matahari Beach Resort & Spa hat seine Tore wegen des Corona-Virus geschlossen:
"In wandelhaften Zeiten wie diesen, ist es für uns umso wichtiger, an unseren Werten fest zu halten. Dazu gehört, daß die Sicherheit und die Gesundheit unserer Gäste und die unserer Mitarbeiter, der Matahari-Family, an erster Stelle stehen. Um das auch zukünftig gewährleisten zu können, haben wir uns nach intensiver Beratung, unter Abwägung aller denkbaren Möglichkkeiten und sehr schweren Herzens dazu entschieden, die traditionellen Doppeltüren unseres geliebten Matahari Beach Resort & Spa ab dem 17. April 2020 für immer zu schließen."


Fotos: Paul Spierenburg

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Zuletzt bearbeitet am 08/06/2020

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Autor

Kiki Baron

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