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Weinmenschen: Unterwegs zum Vinho Verde (Teil 2)

In Portugal gibt es nicht viele Weingüter, die auf Biodynamie setzen. Eines ist Quinta de Covela. Genau an der Grenze der Vinho Verde Region zur nächsten großen Weinbauregion Portugals, dem Douro, gelegen, kommen von hier einige herausragende Weine.

Die klimatischen Bedingungen sind nahezu ideal, die Granit-Böden des Tals zwingen die Wurzeln der Reben noch tiefer in die Erde, um Wasser und Mineralien aufzunehmen. Hier prallen Frische und Eleganz der Vinho Verde Region auf das Klima des Douro-Tals, das die Weine mit Kraft, Cremigkeit und Charakter ergänzt.

Autochthone Trauben - aber nicht ausschließlich

Seit den 80er Jahren wachsen hier auf 18 Hektar ökologisch bewirtschafteter Rebfläche neben autochthonen Trauben auch internationale Trauben wie Chardonnay, Gewürztraminer, Viognier, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot.

Die weiße Avesso-Traube ist übrigens hier heimisch und wächst lediglich in einem Umkreis von 30 Kilometern. Wir verkosten zunächst den 2013er Avesso "Edição Nacional".

Covelas Miteigner Tony Smith und Önologe Rui Cunha erklären, dass zu früheren Zeiten auch hier die Maxime war: "weniger Alkohol, aber mehr Säure"."Das haben wir geändert", so Cunha. "Wir haben hier ideales Terroir dafür." Dieser Avesso stammt aus verschiedenen Parzellen. "Er lässt sich jung trinken - aber er hat auch Alterungspotential."

Im Keller wurden keine Enzyme verwendet, der Wein ist spontanvergoren und die Fermentation fand in temperaturkontrollierten Stahltanks statt. In der Nase zeigt sich der Edição Nacional frisch, mit eigenständigem mineralischem Charakter und Aromen von Zitrus-Zesten, Kräuterwürze und Wiesenblumen. Der trockene, mineralische Wein passt zu gegrillten Fisch und Meeresfrüchten- aber auch als Aperitif.

Eine ausdrucksstarke Cuvée

Spannend wird´s beim Verkosten des Covela Escolha Branco. Die für diese Region eher ungewöhnliche Cuvée macht neugierig: hier steht der Avesso mit in der ersten Reihe - wird aber ergänzt durch Chardonnay, Gewürztraminer und Viognier. Da letztere Trauben nicht in der Vinho Verde Region zugelassen sind, wird dieser Wein dem Vinho Regional Minho zugeordnet.

Ein komplexer Wein mit floralen Noten, aber auch exotische Früchte und Steinobst bieten ein interessantes Aromenspiel. Die für die Region typische Mineralität und Säure sind gut ausbalanciert, wobei die Frische wiederum harmonisch ergänzt wird durch Schmelz und Dichte am Gaumen. Der Wein lässt sich gut zu Meeresfrüchten, Fisch - aber auch zu Huhn, Pasta und Schwein sowie Sahnesaucen kombinieren. Von einem Alterungspotential von mindestens 5 Jahren kann man ausgehen.

Auch an diesem Ort könnte man sich gleich einquartieren - und sieht sich schon wieder mit einem Gläschen in der Hand auf der idyllischen Veranda sitzend über die Weinterassen blicken. Aber ein bisschen ist ja noch auf dem Erkundungs-Plan vermerkt.

Alvarinho auf nur 700 Hektar im Vinho Verde Gebiet

Möchte man sich ein gutes Bild über die Besonderheit der Alvarinho-Traube machen, ist die Quinta de Soalheiro sehr zu empfehlen. Seit 1982 erschafft Familie Cerdeira auf den sonnigen Hügeln rund um Melgaço ausdrucksstarke Weine, welche die Besonderheit der Region widerspiegeln.

Präsentation Soalheiro.
Präsentation Soalheiro.

Auf Granitboden in 100 bis 200 Metern Höhe und geschützt von den umliegenden Bergen entstehen hier unter anderem drei reinsortige Alvarinhos, die sicherlich zu den Besten in der Vinho Verde Region zählen. In der Altstadt von Melgaço, nahe der spanischen Grenze, gibt es übrigens ein eigens eingerichtetes Alvarinho-Zentrum, in welchem der Weintourist die Tropfen der nahezu 50 Produzenten verkosten kann.

Und auch die schnelle Winzerkarriere winkt…

Wer sich gleich selber als Winemaker üben will, dem bietet die Quinta da Lixa mit ihrem neugebauten "Monverde Experience Hotel" dazu Gelegenheit. Hier kann der geneigte Weintourist seine eigenen Trauben ernten und wird mit Einzelheiten am Weinberg und im Keller vertraut gemacht. Mit einem Fläschchen vom eigenen Tropfen lassen sich dann später die Daheimgebliebenen beeindrucken. Man fragt sich allerdings, wie das alles in einem Urlaub von einer Woche funktionieren soll. Naja, ganz so auf das klassische Winzerdasein ist dieses Urlaubs-Angebot dann wohl sowieso nicht ausgerichtet- schließlich lockt ein nagelneues Spa den Weintouristen täglich auf die Massagebank und an den Pool. Er kann aber immerhin von dort aus ganz fachmännisch die umliegenden Weingärten im Auge behalten.

Allerdings macht eine Nacht im romantischen Boutique-Hotel Casa da Calçada inklusive Essen im hoteleigenen Restaurant (ein Stern) und vorherigem Inspizieren des gläsernen Weinkellers mindestens genauso zufrieden. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick über den Fluss auf die wunderschöne Altstadt Amarante und kann in Ruhe die Eindrücke rund um die Vinho Verde Region Revue passieren lassen. Dabei stellt man zufrieden fest: Portugal, hier war ich nicht das letzte Mal!

Weitere Informationen finden Sie unter:
Quinta des Soalheiro: www.soalheiro.com 
Aphros-wine: www.aphros-wine.com 
Quinta da Covela: www.covela.pt 
Quinta da Lixa: www.quintadalixa.pt  und www.monverde.pt 
Vale dos Ares: www.mqvinhos.pt 
Hotel Pouzada de Guimarães: www.pousadas.pt 
Hotel Pouzada de Santa Lucia: www.pousadasantalucia.com 
Hotel Casa da Calcada: www.casadacalcadahotel.com/de/index.html 
Restaurant Largo do Baco: www.casadacalcadahotel.com/de/index.html 

Fotos: Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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