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Weinwelten: Auf, zum "besten Wein der Welt"

Mittelportugal (Portugal Centro) bietet im mittleren und oberen Douro-Tal den besten Wein der Welt, historische Dörfer, kriegerische Historie, paläolithische Felszeichnungen und Wild Life nebst regionalen Spezereien.

"Fahr ins Hinterland, vergiss die Küste", rieten mir portugiesische Freunde. Wenn Du Portugal Centro besuchst tue drei Dinge: übernachte in einem historischen Dorf, schau Dir die in Fels geritzten Tierdarstellungen im archäologischen Park im Côa-Tal an, vor allem aber entdecke den besten Wein der Welt.

Mittelportugal erstreckt sich zwischen Porto im Norden und der Region um Lissabon im Süden, dem Atlantik im Westen und den Steilhängen am mittleren und oberen Douro-Tal nahe der spanischen Grenze im Osten. Hier reifen die Trauben des besten Weins der Welt. Das amerikanische Magazin "Wine Spectator" kürte 2014 "Dow's 2011 Vintage Port" zum Sieger, zwei "vinhos tintos" (Rotweine) des Douro (beide auch Jahrgang 2011) landeten auf dem dritten Platz und vierten Platz. Für den Siegerweinblend wählte Dow's nur sechs von 44 Fässern. Der Casa Dow´s Familienbetrieb existiert seit 1890. Sein Hauptsitz liegt nicht in Porto, sondern auf der anderen Seite des Douro-Flusses in Vila Nova de Gaia, der zweitgrößten Stadt Portugals nach Lissabon.

Das historische Dorf Castelo Rodrigo – eine große Terrasse

Vom Flughafen in Porto erreichen wir das historische Dorf Castelo Rodrigo (800 Meter) im äußersten Westen Portugals mit dem Auto in gut zweieinhalb Stunden. Die attraktive Alternative, mit dem Zug oder mit dem Schiff (ein halber Tag) bis zur Ortschaft Pocinho anzureisen, geht bisher nur auf eigene Faust, d.h. in individueller Absprache mit der Besitzerin des Landgasthauses "Casa da Cisterna", der einzigen Unterkunft in Castelo Rodrigo. Das historische Dorf gehört zu zwölf ehemals verlassenen Ortschaften im bergigen Hinterland, das in den 1990er Jahren mit EU-Geldern restauriert und wiederbelebt wurde. Heute leben 50 Menschen (davon 15 Kinder) in dem überschaubaren mittelalterlich geprägten Ort, mit der imposanten Festung, die aus Quarzsteinen errichtet wurde und deshalb als Ruine überdauert.

Kriegerische Historie ist jeden Moment gegenwärtig in der ehemals romanischen Siedlung und späteren maurischen Festung mit Zisterne und Burgwall. Von militärisch geo-politischer Bedeutung diente sie dem König von León im Mittelalter dazu gegen die Krone Portugals und die Mauren ins Feld zu ziehen. Niedergebrannt wieder aufgebaut wechselseitig von Mauren und Portugiesen erobert, verlor sie im 19. Jahrhundert an Gewicht.

Panoramablick auf die Hochebene und Bergketten

Zur "Casa da Cisterna" gehören sechs historische Gebäude, die aufwendig modernisiert und erweitert zwei Suiten und neun Doppelzimmer bieten, und ein Pool. Ich empfehle die Noitebó´s Suite (benannt nach einem legendenumwobenen Nachtvogel), ein 30 Quadratmeter Loft mit Mezzanine, Kamin und großem Badezimmer. In der großzügigen Sala, dem Mittelpunkt des doppelstöckigen Haupthauses, dominiert ein langer Esstisch. Das Wohn- und Speisezimmer öffnet sich nach Süden zur großen Veranda, mit Panoramablick auf die Hochebene und Bergketten.

Die Küche serviert zum Frühstück lokale Barca D´Alva –Orangen (Douro-Tal), feinstem Schafskäse aus der Serra da Estrela (Sterngebirge), dem höchsten Gebirge Mittelportugals. Dem Abendessen - Zickleinbraten, Möhrenspieße mit Kumin und Knoblauch, frittierte Zucchini mit Minze -, geht als Aperitif auf der Veranda eine leichte Sangría (mit Ingwer) oder aber Portwein (Ramos Pinto von der Quinta da Ervamoira, (selbstverständlich nicht der zehn Jahre alte) mit Wasser und Zitrone voraus, eine echte Entdeckung. Einzigartig an Castelo Rodrigo: das Dorf ist die eigentliche Terrasse. Sei es der Platz vor der Pilgerkirche aus dem 13. Jahrhundert oder der Marktplatz mit dem Brunnen gotischen Stils und dem 8m hohen Schandpfahl (pelourinho) im manuelinischen Stil. Beim Besuch im "Sabores do Castelo", einem Café-Restaurant nahe dem Sonnentor (Porta do sol), das ein älterer Franzose und seine portugiesische Ehefrau betreiben, finden sich Mitbringsel: heimische Mandeln mit Zimt und Sesam oder salzig mit fünf Kräutern, Marmeladen, Honigessig, Olivenöl.

Das Côa-Tal und sein spät gelüftetes Geheimnis

Von Castelo Rodrigo fahren wir in 30 Minuten ins Côa-Tal nach Foz Côa zum archäologischen Museum, einem modernen perfekt in die Landschaft integrierten Stück portugiesischer Architektur. Im Übergang von der Hochebene zum Tal beginnen sich Granit und Schiefer zu mischen, dann dominiert Schiefer, er hält die Wärme, ideal zum Gedeihen der Portweintrauben. Im Schiefergestein an den Uferhängen des Côa Flusses wurden erst in den 1980er Jahren Tausende Felsritzereien entdeckt, bildliche und grafische Darstellungen, eine Felsenkunst, die bis ins Paläolithikum zurückreicht, es leicht mit den Höhlen von Altamira, von Lascaux oder Chauvet aufnehmen kann.

Nur: hier haben wir es mit einem Open-Air-Museum zu tun. Die frühesten Arbeiten zeigen Auerochsen, Pferde, später kamen Hirsche, Ziegen, Fische dazu. Inzwischen erstreckt sich das archäologische Gebiet bis zum Douro auf einer Länge von 50 Kilometer, es gibt 70 Spots mit Gravuren. Unbedingt zu empfehlen ist eine geführte nächtliche Tour im Freiluftmuseum. Am besten nachdem zuvor Auge und Wahrnehmung durch den Museumsbesuch geschult wurden. Bei Mondschein zu Grillen-, Frosch-, Nachtvogelkonzert am murmelnden und rauschenden Coa-Flussufer die mit der Taschenlampe angeleuchteten Felsbilder zu entschlüsseln, etwa die Szene einer männlichen und zwei weiblicher Ziegen im Sprung begriffen, ist berauschend schön.

Vinhos do Douro

Das Museumsrestaurant serviert gegrillte "Posta de Vitela Mirandesa", Kalbsfiletbraten einer Rasse, die auf Weiden Mittelportugals über 500 Meter Höhe gehalten werden, dazu regionale, kleine Kartoffeln mit Schale und in Portwein gedünstete Apfelstücke. Vorzüglich passt der Vinho tinto (Rotwein) der Casa Dow's (1998) vom Weingut Quinta da Senhora da Ribeira. Die 21 Hektar große Quinta am oberen Douro mit 6200 Weinstöcken (im Schnitt 25 Jahre alt) ist eine von sechsundzwanzig Quintas.

Ruinen Castelo Rodrigo.
Ruinen Castelo Rodrigo.

 

Parallel zu der guten alten Methode der "Vinhos do Douro", die vor allem auf Farbe und hohen Taningehalt setzt, hat sich hier seit gut zehn Jahren die Weinkultur erweitert und erneuert. Etwa der "vinho branco", Borges Douro Reserva (2009): ein blend aus Gouveio-, Viosinho und Malvasia fina- Trauben. Aufgemerkt: das Douro-Tal wartet mit 100 (!) Rebsorten auf.

Modern lagern Winzer zunehmend ihre Weine in kleinen Inox-Behältern. Dow´s lässt die Trauben anstelle von menschlichen von Roboterfüßen treten. Die Gesellschaft für den Weinanbau des Oberen Douros, die schon 1756 von dem Superminister Marquis de Pombal gegründet wurde, akzeptierte unlängst die angestammte Douro-Weinregion zu vergrößern, sie öffnete sich für Neues. Etwa die Branco und Tinto-Weine mit dem Etikett Mux: Hinter diesem Label steckt ein junger Winzer, der aus der Region stammt und in Frankreich studierte. Seit 2003 produziert er, ging weg von kleinen zu größeren Eichenweinfässern, empfehlenswert der Mux Tinto Douro 2011.

Ausflüge: "Faia Brava" und "Ribeira do Mosteiro"

Von Castelo Rodrigo aus bieten sich die Möglichkeiten zu verschiedenen Ausflügen und Aktivitäten. Das erste private Naturschutzgebiet Portugals "Faia Brava" (625 Hektar) zu durchstreifen, es liegt im Côa-Tal. 1999 von Biologen ins Leben gerufen, nicht staatlich organisiert, zielt das Projekt darauf mehr Naturraum zu schaffen. Seltene Raubvögel, der Bonelli Adler, Aas- und Gänsegeier, die in den Granitfelsen nisten, wurden wieder angesiedelt. Beim Picknick in der Abendsonne auf einem Hügel inmitten der rauhen luso-iberischen Landschaft hören wir aus der Talsohle Getrappel, sehen ein Wildpferdfohlen, das offenbar sein Muttertier verloren hat, Wiehern, Pferdehufe, dann kehrt Ruhe ein. In der Ferne, doch ganz nah ein Schnauben, die Silhouette der kleinen vierköpfigen grasenden Herde.

Wandertipp: Im Naturschutzgebiet Douro-International (86.000 Hektar; er liegt zwischen Portugal und Spanien am Douro) das Seitental Ribeira do Mosteiro zu erkunden. Die Tour geht über eine Strecke von acht Kilometer mittleren Schwierigkeitsgrads auf durchschnittlich 630 Meter Höhe. Bei der Anfahrt von Castelo Rodrigo zeigt sich das Douro-Tal mit seinem Terrassenanbau, Mandeln, Oliven, dann Wein von seiner lieblich-sanften Art. Beim Hafen Barca d'Alva überqueren wir den Fluss.

Auf der anderen Seite erreichen wir nach drei Kilometer den Abzweig Estrada do Candedo. Beim Ausguck "Miradouro das Alminhas" steigen wir aus. Zu Fuß geht es zum Wandersteig "Calçada do Picão de Ana", eine Brücke führt über das Tal "Ribeira do Mosteiro". In langen Serpentinen erreichen wir die Anhöhe, wandern auf dem breiten Grad Richtung Osten. Tischlein-Deck-Dich: die Küche der Casa da Cisterna bittet zum Picknick: frischer Ziegenkäse, Tortilha (Omelett) mit wildem Spargel, Sardinen in einer Marinade aus Knoblauch, Zwiebeln, Lauch und Honigessig, Alheira, eine Geflügelwurst, die während der Inquisitionszeit von konvertierten Juden erfunden wurde. Bom apetite!

KULINARIKER Übernachtungs-Tipp: Casa da Cisterna, Castelo Rodrigo, Rua da Cadeia 7, www.wonderfulland.com/cisterna

Weitere Informationen:
Côa Park und Museum: www.arte-coa.pt 
Faia Brava Naturreservat: www.atnatureza.org 

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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