DER KULINARIKER und Partner brauchen für einzelne Datennutzungen Deine Einwilligung, um Dir unter anderem Informationen zu Deinen Interessen anzuzeigen. Mit Klick auf "OK" gibst Du diese Einwilligung.

OK


Obstblüten für den Weltmeister

Ob Deutschland Fußball-Europameister wird, steht in den Sternen. Doch ein Titel scheint den Deutschen auch 2016 nicht zu nehmen zu sein: Weltmeister im Fruchtsaftkonsum.

Denn in keinem Land der Erde wird so viel Saft getrunken wie bei uns. Knapp 33 Liter pro Kopf werden es auch in diesem Jahr wieder werden. Der Joker der deutschen Fruchtsaft-Industrie: Saft, der aus 100 Prozent Obst besteht.
Doch bevor es so weit ist, künden Blüten von Kirschen, Äpfeln, Birnen und all den anderen Obstarten von der kommenden Obsternte im Spätsommer und Herbst. Einen guten Teil dieser heimischen Früchte – pro Jahr rund 900.000 Tonnen – verwandeln die deutschen Saftkeltereien und bei den Abfüllern in Fruchtsäfte, Fruchtnektare und Saftschorlen.

Blühende Obstbäume – ein sensibler Anfang

Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, typische Fruchtaromen, eine angenehme Mischung aus natürlicher Süße und erfrischender Säure – all das nimmt seinen Anfang in einer zarten Obstblüte. Von Bienen bestäubt und Obstanbauern gepflegt, auf Streuobstwiesen oft sich selbst überlassen, verwandelt sie sich über den Sommer in pralle Kirschen, saftige Äpfel und Birnen oder aromatische Pfirsiche und Aprikosen.

Im "Alten Land" an der Elbe sind es jetzt im Mai die Kirschen, die gerade ihre Knospen öffnen. Schon etwas weiter ist die Natur im wärmeren Rheinland. Dort stehen auch Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen und Pflaumen bereits in vollem Kleid. Die Blütenpracht versetzt die Obstanbauer insbesondere in den großen deutschen Anbaugebieten in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen in eine gewisse Spannung.

Denn die empfindlichen Blüten laufen Gefahr, durch späte Nachtfröste zu erfrieren, was für die Obstanbauer mit Ernteverlusten einhergeht. Daher schützen sie die empfindliche Pracht bei kalter Witterung durch eine interessante Art von Frostschutz: Sie beregnen die Obstbäume, das Wasser gefriert und umgibt die Blüten so mit einem wärmenden Eispanzer. Alternativ zu dieser Frostschutzmethode kommen heute auch immer häufiger spezielle Windmaschinen zum Einsatz, die die Bäume mit warmer Luft vor den Nachtfrösten schützen.

Sortenvielfalt sichert Saftqualität

Wenig Angst vor Minusgraden müssen Birnen und Äpfel haben, denn sie blühen erst später im Mai. Wenn die Apfelbäume mit ihren weißen, auf der Unterseite leicht rosa-farbenen Blüten, ihre ganze Schönheit entfalten, haben wir uns schon daran gewöhnt, dass die Sonnenstrahlen wärmer und die Tage wieder länger werden. Für viele deutsche Obstanbauer beginnt jetzt die wichtigste Zeit ihrer bedeutensten Frucht. Denn Äpfel führen bei uns seit Jahren die Hitliste der beliebtesten Obstsorten an: Im Anbau der Obstplantagen für Tafelobst, beim Pro-Kopf-Verbrauch von frischen Früchten und in der Beliebtheitsskala von Fruchtsäften und Fruchtsaftschorlen.

Die Äpfel für unseren Apfelsaft stammen überwiegend von Streuobstwiesen. Das sind Biotope für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten, die sich jetzt im Frühjahr in blühende Landschaften verwandeln. Sie stammen aus einer Zeit, in der Obstbäume noch nicht streng nach Arten getrennt in Reih und Glied angepflanzt wurden. Stattdessen verteilte man die verschiedenen heimischen Arten bunt gemischt auf Wiesen und Weiden rund um die Dörfer. Heute dienen sie nicht nur als Rückzugsort für Flora und Fauna, sie sind für die Fruchtsafthersteller ein sehr wertvoller Rohstofflieferant mit einer enormen Sortenvielfalt.

Abhängig vom Wetter und Vegetationsverlauf liegt die Erntemenge der Streuobstäpfel zwischen 300.000 und 800.000 Tonnen. Reicht in schwachen Erntejahren unsere Ernte nicht aus, werden Äpfel aus Belgien, den Niederlande, Frankreich oder Polen importiert, so dass die Fruchtsafthersteller durchschnittlich immer zwischen 400 und 500 Mio. Liter Apfelsaft pro Saison einkeltern können - und für einen Branchenumsatz von satten 3,4 Mrd. EUR (2014) sorgen.

Fotos: Wikipedia Commons Johann Jaritz

Submit to FacebookSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Autor

Kulinariker

Letzte News

Letzte Artikel