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Mit der "Fliegenklatsche" auf Trüffeljagd

"Jana, là-bas", ruft der mit Karohemd und Weste bekleidete Monsieur Pierre Yves Masson seiner Hündin Jana zu. Sie flitzt los und sucht. Sucht nach Trüffeln in einem Waldgebiet nahe des Genfer See.

Inflationär erscheint es fast, bleibt der Hund doch alle paar Minuten stehen und wühlt im feuchten Waldboden. Pierre folgt ihr, mit einem Messer legt er vorsichtig die umliegende Erde frei und holt einen Trüffel nach dem anderen aus dem Boden. Jana flitzt währenddessen schon wieder weiter und sucht die nächsten Edelpilze.

"Es ist eigentlich gar nicht so schwer Trüffel zu finden", behauptet Pierre. Und Recht hat er. Zumindest, wenn man weiß wie. Ein ausgebildeter Trüffel-Hund hilft, keine Frage. Aber auch mit einem Stock allein lässt sich der eine oder andere Fund machen. Um damit erfolgreich zu sein, sollte man sich allerdings ein wenig mit Insekten auskennen. Oder genauer: mit der Suillia tuberiperda, der sogenannten Trüffelfliege.

Die meist rötliche Trüffelfliege zeichnet eines aus: Sie hat einen besonders feinen Geruchsinn. Hinzu kommt: Sie hält sich vornehmlich in der näheren Umgebung von im Boden liegenden Trüffeln auf. Der schwarze Trüffel, der in dieser Region vornehmlich zu finden ist, erweist sich nicht nur für die Trüffelfliege als leicht zu findendes "Opfer". Da die Pilze gerade mal zehn bis 20 Zentimeter tief im Boden wachsen, können die Larven der Fliegen gut in die Trüffel eindringen und ihre Fresslust stillen. Für Pierre den Trüffelsucher ein großes Problem, sind solch beschädigte Trüffel doch unbrauchbar. Hinzu kommt, dass die geringe Entfernung zur Oberfläche in den Wintermonaten Frostschäden am Pilz verursachen können und den Trüffel damit schädigen. Das Innere des Pilzes wird dann grau, die Marmorierung ist nicht mehr erkennbar und der Trüffel ist ungenießbar.

Mit der "Fliegenklatsche" auf Jagd

Doch nicht alle Pilze im Wald sind befallen. Und nicht immer sind die Fliegen mit der Eiablage so schnell, dass die Larven sich schon den Weg zum Trüffel gesucht haben. Aber die Gier der Insekten ist groß. So groß, dass sich Trüffelsucher ebendies zunutze machen. Denn der Reifegrad des Trüffels sorgt für den gewissen Geruch, den die Fliegen über alles zu lieben scheinen. Nicht nur zu Zeiten der Eiablage ist die Fliege in der Nähe der Pilze zu finden. Ein permanentes Bedürfnis ist es für das kleine Insekt. Diese lässt sich dann gut durch einen auf den Boden geschlagenen Stock aufschrecken, ehe sie sich wieder an der gleichen Stelle niederlässt, von der sie zuvor abhob. Ein sicheres Zeichen für einen in der Nähe verborgenen Trüffel.

Und wieder einen gefunden: Pierre gräbt einen Trüffel aus.
Und wieder einen gefunden: Pierre gräbt einen Trüffel aus.

 

Und so zieht der Trüffelsucher durch den Wald. In der linken Hand einen Stock haltend, mit dem er hie und da die Trüffelfliegen aufzuscheuchen versucht, in der anderen ein Messer, um die gefundenen Trüffel auszugraben. Neben ihm Jana, mit der er meist frühmorgens oder kurz vor Sonnenuntergang auf Jagd geht. "Das ist die beste Zeit, da sind die meisten Fliegen aktiv und zeigen uns die richtigen Stellen", so Pierre weiter. In dieser Region findet er vor allem Burgunder Trüffel. Ein Trüffel, der im Gegensatz zu Piemont- oder Alba-Trüffeln wesentlich günstiger ist.

Ein Vielfaches mehr kostet der südeuropäische Bruder, der allerdings durchaus auch in anderen Regionen vorkommen kann. 2012 hat eine Frau im Kanton Genf etwa 200 Gramm des begehrten weißen Piemont-Trüffel gefunden. Ein Glücksfund, vermutlich durch Tiere oder Wind in das Kanton eingebracht. Für die Finderin ein mehr als lohnendes Geschäft. Bis zu 9.000 Euros kann das Kilogramm kosten. Der Verkaufspreis orientiert sich jedoch stark an Form und Qualität eines Trüffels. Zu rund dürfen sie nicht sein, dann haben die Pilze zu wenig Oberfläche. Und natürlich ist der Reifegrad wichtig. Trüffelzeit ist in dieser Region etwa von Oktober bis zum März.

Für Pierre den Trüffelsucher ein schönes Zubrot. Leben kann er davon nicht, aber einige Monate im Jahr nutzt er, um nicht nur für sich und den Verkauf, sondern auch für Jana, auf die Jagd zu gehen. Denn auch der kleine Hund liebt Trüffel. Am liebsten vermischt mit einer großen Portion Butter!

Weitere Informationen zur Region unter www.genferseegebiet.ch

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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