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Toronto für Foodies (II)

Die Mover und Shaker in der aktuellen Restaurant-Szene. Kleine Portionen auf kleinen Tellerchen, Tapas-Style – dieser Trend scheint auch in Toronto angekommen zu sein.

Wobei die Kanadier darunter nicht immer nur spanische Häppchen verstehen, sondern auch andere internationale Küchen inkludieren, vor allem die mexikanische. Echte spanische Tapas gibt’s zum Beispiel in der Bar Raval, die im Februar 2015 eröffnete und sich binnen kurzer Zeit zu einem In-Treff entwickelt hat. Auf der Website findet man nur die Adresse – keine Telefonnummer, keine Reservierungen.

Für Kanadier ist das ganz schön exotisch. Ach ja, der bekannte Food-Consultant John Lee, ein Local,  hat da eine Vermutung, warum der Häppchen-Kult so um sich greift: "Die großen Caterer der Stadt verwerten auf diese Weise ihre Reste vom Tag." Klingt bedenklich? "Nicht unbedingt, wenn die Tapas frisch sind und der Preis stimmt. Besser als Wegwerfen ist das allemal", findet Lee.

Ordentliche Mini-Bissen gibt es auch im El Catrin im Distillery District der Stadt. Bei schönem Wetter speist man am besten draußen, doch man sollte sich unbedingt die gelungene Inneneinrichtung ansehen, die einer der bekanntesten Interior Designer Mexikos entworfen hat: Riesige Murales in bunten, kräftigen Farben machen den Loft wohnlich, die Gäste hier könnten Statisten in einem Film über Diego Rivera sein. Und die Tortilla-Tapas? "¡Bien hecho!", lobt meine Bekannte Vivienne. Sie muss es wissen, denn die gebürtige Kolumbianerin lebt seit vielen Jahren in Mexiko City.

Scharf wie Nachbars Lumpi

Das El Catrin ist perfekt für einen Brunch am Sonntag, denn davor oder danach lässt sich so bequem der historische Distillery District erkunden. Die Familien Gooderham und Worts brannten hier früher Hochprozentiges, mehr als 40 Gebäude aus dieser Epoche stehen noch, es ist das größte Ensemble viktorianischer Industrie-Architektur in ganz Nordamerika.

In den vielen Cafés, Boutiquen und Restaurants kann man locker einen halben Tag verbringen. Zur Stärkung schaut man bei Soma Chocolate vorbei, probiert handgeschöpfte Schokoladen oder eine heiße Schoko "Spicy Maya". Die ist so sündig dick, dass der Löffel darin stecken bleibt – und scharf wie Nachbars Lumpi. Ach ja, gebrannt wird im Distillery District nicht mehr, gebraut jedoch schon.

Dabei dürfte die Mill Street Brewery für deutsche Besucher weniger interessant sein als die Sake-Brauerei Izumi. Inzwischen gibt es in ganz Nordamerika zwar etwa ein Dutzend Sake-Brauereien, aber die "Quelle" (Izumi) ist die einzige an der Ostküste Kanadas. Für ein Tasting der vier Sake-Sorten sollte man sich mindestens eine halbe Stunde Zeit nehmen. Mein Favorit: Nama Nama – frisch und leicht, ausreichend Säure, Aromen von Melone und weißem Pfirsich, ein toller Aperitif. Wer das ähnlich sieht, kauft am besten gleich vor Ort ein, denn einen Vertrieb gibt es nicht, sieht man von den japanischen Restaurants Torontos ab, die Izumi beliefert.

...und zwischendurch mal auf den St. Lawrence Market gehen...
...und zwischendurch mal auf den St. Lawrence Market gehen...

 

Zehngängige Degustations-Menüs

Zurück zu John Lee, der einen weiteren Food-Trend identifiziert hat. Berühmte oder zumindest bekannte "Chefs" leihen Franchise-Lokalen ihren Namen. Und deshalb existieren im Four Seasons Hotel Toronto eben ein Café Boulud und eine dbar, benannt nach dem französischen Spitzenkoch Daniel Boulud, der mit dem Daniel (2 Sterne) in NYC groß geworden ist, mit seinem Imperium inzwischen aber Restaurants von Miami bis Las Vegas betreibt.

Ähnlich macht das die Momofuku-Gruppe von David Chang, natürlich mit japanischer statt französischer Küche. Seit 2012 gibt es im Shangri-La Hotel Toronto eine Momofuku Noodle Bar, das Nikai, das Daisho und das Flaggschiff-Restaurant Shoto, das zehngängige Degustations-Menüs serviert. Wir haben diese Lokale nicht getestet und können uns deshalb auch kein Urteil erlauben. Aber oft ist es ein Nachteil, wenn der Gründer und Chefkoch in einer weit entfernten Stadt am Herd werkelt und nur ab und zu vorbeischaut, um bei seinen Franchise-Partner nach dem Rechten zu sehen.

Überhaupt scheint manchem Chefkoch der Erfolg zu Kopfe zu steigen. Da ist zum Beispiel Torontos "kleiner und italienischer Boulud" Rob Gentile. Weil sein Buca in Downtown Toronto so erfolgreich war, eröffnete er eine Bar Buca und vor kurzem das Buca Yorkville im bei den Schönen und Reichen angesagten Stadtteil gleichen Namens. Gentiles King Street Food Company floriert also, und auch Kanadas wichtigste Restaurant-Kritikerin Joanne Kates zählt alle drei Lokalitäten zu den Top Ten 2015 der Stadt.

Promi-Viewing kostenlos dazu

Die Messlatte lag also hoch, als wir im neuen Buca Yorkville Platz nahmen und uns verstohlen umsahen, ob nicht George Clooney oder Scarlett Johansson am Nachbartisch sitzen, schließlich fand gerade das Toronto International Film Festival (TIFF) statt, und die Promi-Dichte war noch höher als sonst.

Der Blick auf die Karte ließ die Vegetarier in unserer Runde erstarren. Fleisch- und fischlose Antipasti oder andere Vorspeisen? Fehlanzeige. Auch bei den Primi und Secondi dominierten Gerichte für Karnivoren. Und so richtig italienisch klang das alles auch nicht. Ecco! Es gibt Pizzen, rote und weiße. Soll wohl Understatement signalisieren. Geht aber schief, wenn die Pizzen zu Preisen auf den Tisch kommen, für die man in Napoli ein ganzes Fußballfeld Pizza bestellen könnte. Am Ende war es doch noch ein schöner Abend, wenn man verdrängt, dass die feinen selbstgemachten Ravioli, gefüllt mit alaskanischen Königskrabben, lässige 55 CAN-$ kosteten, und viele andere Gänge kaum weniger.

Toronto Impression bei Nacht.
Toronto Impression bei Nacht.

 

Ansonsten: kein Brot, keine Butter, kein Olivenöl auf dem Tisch, leicht arrogantes Personal – dafür muss man nicht nach Kanada reisen. Auf der Haben-Seite: die Oktopus-Salami, der Räucheraal, die Froschschenkel (wie kommen die nach Italien?) und die umfangreiche Weinkarte.

John Lee lobt Rob Gentile zwar ebenfalls über den grünen Klee, aber so etwas habe er schon erwartet: "Es ist schwierig, Europäer, noch dazu Deutsche, in unseren italienischen Restaurants hier glücklich zu machen, weil das echte Italien bei Euch doch gleich um die Ecke liegt." Außerdem biete das Buca im Szeneviertel Yorkville eben noch mehr Chichi als das alte Buca.

Und das Promi-Viewing gibt es immerhin kostenlos dazu. Ist doch auch etwas!

Hier geht’s zu den erwähnten Restaurants und Locations unserer Toronto-Serie:

http://luckeerestaurant.com
http://chippysfishandchips.com
www.kingsnoodle.ca
http://www.scaramoucherestaurant.com
http://oliverbonacini.com/Auberge-du-Pommier.aspx
www.thisisbarraval.com
www.elcatrin.ca/home
www.thedistillerydistrict.com
www.somachocolate.com
http://millstreetbrewery.com
http://ontariosake.com
www.buca.ca
www.tocarestaurant.com
www.kasamoto.ca
http://boraliato.com
www.culinaryadventureco.com

Weitere Tipps und Links

www.canada.travel
www.seetorontonow.com

Toronto Food and Wine Festival: www.torontofoodandwine.com

St. Lawrence Market: www.stlawrencemarket.com, größter und bester Food-Market der Stadt, ähnlich dem Münchner Viktualienmarkt. Amish People bieten hier ihre Bio-Kartoffeln an.

Carole’s Cheesecake Company: www.carolescheesecake.com, mehr als 70 Käsekuchen-Kreationen mit Dulce di Leche, Pistazie, Kürbis, etc., alle ohne Konservierungsstoffe.

Wine Country Ontario: http://winecountryontario.ca

Wohnen

The Hazelton, http://thehazeltonhotel.com, luxuriöses Boutique-Hotel im Herzen von Yorkville, guter Viewing-Spot für Celebrities während des Toronto International Film Festivals (TIFF).

The Ritz Carlton Toronto, www.ritzcarlton.com/en/Properties/Toronto, eines der besten Häuser der Stadt, von einigen Eck-Suiten toller Blick auf den CN-Tower und den Lake Ontario.

Fotos: Tourism Toronto, Günter Kast

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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Autor

Günter Kast

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