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Straight outta Toronto (I)

Kanadas größte Stadt stand kulinarisch lange im Schatten anderer nordamerikanischer Metropolen wie New York City, Los Angeles oder Montreal. Inzwischen ist Toronto auch für Gourmets ein beliebtes Reiseziel. Und das zu Recht.

So viel echtes, authentisches China muss man außerhalb des Reiches der Mitte lange suchen: Was der gebürtige Hongkonger Susur Lee in seinem Restaurant Luckee auf den Tisch zaubert, ist das Beste, was die Küchen Kantons, Sichuans, Schanghais und Hünans zu bieten haben. Endlich versteht man, warum Dim Sum "das Herz berühren" heißt: feinste Teigtaschen, mal mit Garnelen, mal mit scharfem Gemüse gefüllt, mal gedünstet, mal frittiert. Tapas à la Nouvelle Cuisine Chinoise.

Natürlich: Alles ist sehr an den westlichen Gaumen adaptiert, da liegt nichts Glitschiges, Undefinierbares auf dem Teller. Sogar Wagyu-Beef wird gereicht. Wenn es denn der chinesisch-japanischen Aussöhnung dient: warum nicht? Dazu trinkt man einen leichten Cocktail wie zum Beispiel Shanghai Lemonade. Oder aber einen fruchtigen Riesling von der Niagara-Halbinsel gleich um die Ecke.

No Guide, no Gault Millau

Zugegeben: Susur Lees Teigtaschen-Tempel zu finden, ist nicht schwierig. Jeder Foodie unter den "Torontonians" kennt den Starkoch. Jenseits solcher Leuchttürme wird es jedoch schwierig. In deutschen Reiseführern zu blättern, ist müßig. Da schreiben meist Menschen, die auf dem Highway den nächsten "Fast Food Exit" ansteuern, wenn der Magen grummelt.

Auf die Seiten des Guide Michelin und des Gault Millau braucht man auch nicht zu schauen. Deren Tester machen um Toronto, ja um ganz Kanada, einen weiten Bogen. Zu wenig interessant erscheint ihnen der Markt. In New York City ist das anders: Die Stadt weist nach Tokio die höchste Sterne-Dichte weltweit auf, da fällt die Orientierung und Einordnung leichter.

Toronto: um diese Stadt machen die renomierten Gastro-Führer einen Bogen.
Toronto: um diese Stadt machen die renomierten Gastro-Führer einen Bogen.

 

Okay, das US-amerikanische Zagat-Rating deckt neben vielen Städten in den USA auch Toronto und Vancouver ab. Leider schütteln europäische Gourmets über die Zagat-Urteile aber meist den Kopf. Und Montreal, die für viele wegen des französischen Einflusses kulinarisch interessanteste Stadt Kanadas, fehlt sogar vollständig. Sprechen die Tester kein Französisch? Für Toronto-Neulinge ist deshalb die Gefahr ziemlich groß, dass sie in Restaurants landen, bei denen viel Chichi auf dem Teller drapiert wird, das aber nur selten mit Geschmacksexplosionen einhergeht. Was also tun?

Jamie Oliver und Alain Ducasse als Redner

"Fragt doch einfach mich", sagt John S. J. Lee ganz unbescheiden. Zunächst einmal ist dieser nur der Eigentümer von Chippys Fish and Chips, einem Lokal in Queen Street West, das sich auf Gourmet-Varianten des britischen Klassikers konzentriert. Lee verdient damit offenbar genug Geld, um das zu tun, was ihm wirklich Spaß macht: Er ist Food-Consultant und Dozent am Kulinarik-Institut des George Brown College, wo er regelmäßig bekannte Chefköche wie Jamie Oliver oder Alain Ducasse als Lehrer und Redner einlädt. Lee kommt zudem oft nach Europa, seine Frau hat italienisch-ukrainische Eltern, und die Küchen Asiens kennt er sowieso.

"Viele Europäer denken bei ‚Kanada‘ und ‚Küche‘ an Ahornsirup, dicke Steaks, Lachs, Hummer und Bier", lacht Lee. "Dabei ist Toronto eine klassische Einwanderer-Stadt wie New York City. Die Ethnien leben eher nebeneinander als miteinander. Für Gourmets ist das ein Vorteil, denn die Chancen stehen gut, in Little Italy oder Chinatown authentische Küche serviert zu bekommen. Etwas schwieriger wird es, wenn man ein Top-Restaurant sucht." Dann schleppt er mich zu King‘s Noodle in Chinatown. Was für ein Kontrast zum stylischen Luckee! Hier muss man um einen Sitzplatz kämpfen, und zwar auf die chinesische Art, also mit allen Tricks. Als Belohnung wartet das beste China-BBQ der Stadt: knusprige Ente, fettes Schwein, deftige Suppen. Weil es so gut schmeckt, essen hier auch viele Langnasen zu Mittag.

John S. J. Lee, Eigentümer von Chippys Fish and Chips.
John S. J. Lee, Eigentümer von Chippys Fish and Chips.

 

Während sich der Tisch allmählich in ein Schlachtfeld verwandelt, erklärt Lee die aktuellen kulinarischen Trends in Toronto. Zum einen strahle das nicht allzu weit entfernte Montreal positiv aus, wo der Franko-Kanadier Normand Laprise ("Toqué!” und "Brasserie T!”) am Herd steht, für viele der beste Koch der Provinz Quebec, wenn nicht ganz Kanadas.

Steigende Qualität der Weine

Für Gourmets gehöre deshalb ein Besuch der beiden französischen Top-Lokale in Toronto, Scaramouche Restaurant und Auberge du Pommier, fast schon zum Pflichtprogramm. "Sie sind wahrscheinlich auch die besten Restaurants der Stadt insgesamt", urteilt Lee. Leider sind beide auf Wochen ausgebucht, und wir können uns nicht davon überzeugen.

Ein weiterer Trend, den Lee beobachtet: Die stetig steigende Qualität der kanadischen Weine färbt auch auf das gute Essen in Toronto ab. "Wir haben die wichtigste Weinregion Ontarios auf der Niagara-Halbinsel quasi vor den Toren der Stadt, das befruchtet", argumentiert er. "Denn erfahrungsgemäß siedeln sich in Weinbauregionen auch gute Restaurants an, oft sind diese sogar Teil der Weingüter. Viele sind weniger als eine Autostunde entfernt."

Skyline von Toronto Island aus gesehen.
Skyline von Toronto Island aus gesehen.

 

Er selbst fahre auch oft aufs Land, um bei den Bauern dort regionale und frische Produkte zu kaufen. "Biologischer Anbau ist da fast schon Standard." In den Restaurants von Toronto wiederum finde man immer häufiger Etiketten aus Ontario, und zwar nicht nur die weltbekannten Eisweine, sondern auch Pinot Noir, Chardonnay, Riesling und Cabernet Franc. Sie können ohne weiteres mit Weinen aus anderen Cool-Climate-Anbaugebieten der Alten und Neuen Welt mithalten.

Cheers und Santé! Denn Kanada ist schließlich offiziell zweisprachig.

Hier geht’s zu den erwähnten Restaurants und Locations unserer Toronto-Serie:

http://luckeerestaurant.com
http://chippysfishandchips.com
www.kingsnoodle.ca
http://www.scaramoucherestaurant.com
http://oliverbonacini.com/Auberge-du-Pommier.aspx
www.thisisbarraval.com
www.elcatrin.ca/home
www.thedistillerydistrict.com
www.somachocolate.com
http://millstreetbrewery.com
http://ontariosake.com
www.buca.ca
www.tocarestaurant.com
www.kasamoto.ca
http://boraliato.com
www.culinaryadventureco.com

Weitere Tipps und Links

www.canada.travel
www.seetorontonow.com

Toronto Food and Wine Festival: www.torontofoodandwine.com

St. Lawrence Market: www.stlawrencemarket.com, größter und bester Food-Market der Stadt, ähnlich dem Münchner Viktualienmarkt. Amish People bieten hier ihre Bio-Kartoffeln an.

Carole’s Cheesecake Company: www.carolescheesecake.com, mehr als 70 Käsekuchen-Kreationen mit Dulce di Leche, Pistazie, Kürbis, etc., alle ohne Konservierungsstoffe.

Wine Country Ontario: http://winecountryontario.ca

Wohnen

The Hazelton, http://thehazeltonhotel.com, luxuriöses Boutique-Hotel im Herzen von Yorkville, guter Viewing-Spot für Celebrities während des Toronto International Film Festivals (TIFF).

The Ritz Carlton Toronto, www.ritzcarlton.com/en/Properties/Toronto, eines der besten Häuser der Stadt, von einigen Eck-Suiten toller Blick auf den CN-Tower und den Lake Ontario.

 

Fotos: Günter Kast, Tourism Toronto, TVB Toronto General & Food, Luckee

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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Autor

Günter Kast

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