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Als das Essen auf Rädern nach Deutschland kam

Es sind nicht nur Bratwurst, Bier und Lebkuchen, die für die 500.000 Einwohner zählende Stadt im Süden Deutschlands stehen. Jenseits der "Mainstream-Kulinarik" ist Nürnberg so etwas wie die heimliche Hauptstadt der Food Truck Szene.

"Wir wissen nicht ganz genau, ob wir die allerersten waren, die mit diesem Konzept auf der Straße standen. Es kann natürlich sein, dass noch der eine oder andere Unternehmer in Deutschland ähnliche geschäftliche Wege eingeschlagen hat wie wir", sagt Klaus P. Wünsch (45). "Aber wir sind sicher mit die ersten gewesen, die mit geregelten Zeiten zum Mittagsgeschäft unterwegs waren. Und eben so funktioniert das Prinzip des Food Trucks auch in Amerika: Es gibt feste Zeiten zum Lunch oder auch spezielle Aktionen", so der gebürtige Dortmunder Wünsch weiter. So ausgerichtet funktioniert mittlerweile die ganze Food Truck Szene in Deutschland.

Die ersten Schritte orientierten sich bei Wünsch an festen Mittagszeiten – letztendlich bis heute noch die Basis des Geschäfts. Die Tageszeit ist das eigentliche Hauptgeschäft der Food Trucks. Dabei stehen die Fahrzeuge nicht immer an der gleichen Stelle, sondern haben Fahrpläne und ändern ihren Standfort wöchentlich – oder auch alle zwei Wochen. Die lokalen Geschäfte stört dies in der Regel wenig, fahren die rollenden Fressbuden doch mit Vorliebe in die Gebiete, wo eine Unterversorgung an Imbissen, Restaurants oder Kantinen herrscht.

"Klappe zu und weiter"

"Problematisch ist es für die Trucks in Deutschland schon, einen entsprechenden Stellplatz zu finden. Es ist nicht erlaubt, sich einfach irgendwo zu platzieren und zu verkaufen", erklärt Wünsch. Da heißt es Möglichkeiten finden und auf Werbetour gehen. Im Rahmen eines ‚Location Partner System‘ hat der Nürnberger Unternehmer dann Firmen und Betriebe angesprochen, um mit dem Food Truck auf Firmengeländen seine Ware anzubieten. Darauf basierte zunächst das Geschäft, ehe in der Folge Veranstaltungen, Catering und Buchungen das Portfolio ergänzten.

Der Renner im Goud Food Truck: Heimat Weggla.
Der Renner im Goud Food Truck: Heimat Weggla.

 

Doch kalkulierbar sind Erträge auch nur im gewissen Rahmen. Doch das sei ja auch das Schöne an diesem Geschäft. Wenn es irgendwo nicht "mehr so läuft", dann "Klappe zu und weiter", erläutert Wünsch. Doch ehe es so weit kam, dass daraus ein tägliches und gut florierendes Geschäft wurde, war es ein langer Weg. Zunächst war er nur zweimal im Monat unterwegs, doch nach und nach kamen Anfragen von Leuten, die durch Nürnberg gefahren sind und extra zu seinem Truck kamen. "Es war eine Eigendynamik, die sich dann entwickelte. Viele Kunden kamen und schlugen uns Stellplätze vor. Das war 2010", berichtet Wünsch.

Die Motivation, das Geschäft zu starten, war für den umtriebigen Unternehmer unter anderem die Überlegung, etwas Eigenes zu verkaufen. Mit selbstentwickelter Rezeptur ging Wünsch mit dem "RibWich" auf dem Markt. Eine Eigenkreation, die aus gezogenem Schweinefleisch aus der Rippe im Sandwich bestand. Erste Anregungen bekam er aus der Familie. Sein Schwager ist Amerikaner und hat zu Weihnachten schon immer Ribs gebrutzelt. "Doch zur Mittagszeit stellt sich keiner an einen Food Truck und kaut am Knochen", war Wünsch schon damals klar. Also musste das Fleisch ab von den Rippen und rein ins Sandwich.

Erfolg im Internet

Etwa 300 Trucks fahren mittlerweile durch Deutschland. Eine genaue Zahl ist allerdings kaum zu nennen. Ein wenig hilft die die Internetseite foodtrucks-deutschland.de, die Wünsch ehemals als Facebook-Seite startete. Neben einem Blog, gibt es eine Liste der Trucks und zusätzlich seit 2014 eine kostenlose Food-Truck-App. Eine gute Idee, können Interessierte doch schnell erkennen, wo und wann Food Trucks in der näheren Umgebung stehen. Ein Erfolg scheint es zu werden, wurde die App doch schon über 20.000-mal installiert und verzeichnet aktuell eine viertel Million Zugriffe.

Klaus P. Wünsch: Vorreiter der Food Truck Szene.
Klaus P. Wünsch: Vorreiter der Food Truck Szene.

 

2013 organisierte Wünsch das erste "Food Truck Round-Up". Mit damals insgesamt fünf Fahrzeugen. Es sollte ein Kennenlernen sein, ein Treffen an einem Freitagnachmittag. "Wir haben einfach ein paar Flyer verteilt – und letztendlich kamen 1.000 Leute zu der Veranstaltung. Da waren wir schon leicht überfordert", unterstreicht Wünsch. Bei einem zweiten Treffen im Frühjahr musste dann sogar die Location gewechselt werden. Über 4.000 Leute kamen und gaben so den Startschuss für ein mittlerweile viermal im Jahr stattfindendes Event.

Die Gegebenheiten Frankens spielen den Trucks in die Karten: "Dass das Food Truck Geschäft hier funktioniert, liegt an der Infrastruktur und vielleicht auch daran, dass wir von Anfang an die Szene mit entwickelt haben. Kollegen in anderen Städten stehen da vor größeren Problemen. In Berlin zum Beispiel ist es wesentlich schwerer. Dort gibt es weniger Möglichkeiten hinsichtlich Stellplätzen in Gewerbegebieten oder ähnlichem. Hinzu kommt, dass die Grundversorgung dort ohnehin schon sehr gut ist. Eine Ausnahme bildet da ein wenig Hamburg. Dort boomt das Geschäft mit den Food Trucks", berichtet Wünsch abschließend weiter - und beißt dann genüsslich in sein Heimat Weggla vom Goud Food Truck.

Weitere Informationen unter foodtrucks-deutschland.de und facebook.com/foodtrucksdeutschland.

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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