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Back Trinken Kategorie: National Rheingau, Riesling und Renommee

Rheingau, Riesling und Renommee

Aus dem Rheingau berichtet Christian Euler
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Sie gilt als kapriziöse Königin der Reben – und ist hierzulande die mit Abstand bedeutendste Weinsorte. Viele deutsche Spitzenlagen sind ausschließlich mit ihr bestockt. Und kein Geringerer als Weinpapst Hugh Johnson bezeichnet sie als den besten Weißwein der Welt.

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Deutscher Riesling ist über die nationalen Grenzen hinaus buchstäblich in aller Munde – und doch kein Allerweltswein. Gerade einmal 34.000 von mehr als sieben Millionen Hektar Rebfläche sind mit Riesling bepflanzt. Zwei Drittel davon wachsen in Deutschland. Zu den bekanntesten deutschen Fans der edlen Kreszenz zählt Günther Jauch, der sämtliche Weinberge seines Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar mit Rieslingreben bestockt. Das renommierte Gut, das der omnipräsente Fernsehmoderator vor zwei Jahren übernommen hat, existiert seit etwa 500 Jahren, seit 1805 ist es in Familienbesitz. "Deutschland ist mit seinem Klima das prädestinierte Land für diese weiße Rebsorte", sagte der Jung-Winzer in einem Interview, "unser Weingut würde viel verlieren, falls es vom einzigartigen Riesling abrücken würde."

Saftige Renditen mit Genussgarantie

Die hohe Qualität der Riesling-Rebsäfte spiegelt sich auch in ihrer Wertentwicklung wider. Bei einer Raritäten-Weinversteigerung, die der VDP-Rheingau mit dem Auktionshaus Christie's im November 1999 veranstaltete, erzielte eine 1921er Kiedricher Berg Auslese des Weingutes Robert Weil den weltweit höchsten Flaschenpreis für einen Wein des 20. Jahrhunderts. Mit damals noch 1000 D-Mark taxiert, fiel der Hammer für die 0,75-Liter-Flasche erst bei 20.000 D-Mark. Heute wären das rund 10.230 Euro. Auch mit kleinerem Einsatz sind beträchtliche Wertsteigerungen binnen kurzer Zeit möglich: Auf der Versteigerung des VDP Rheingau im Laiendormitorium des Klosters Eberbach Ende September vergangenen Jahres bekam die 1,5-Liter-Flasche des 2010er Riesling Spätlese des von der Topwinzer-Familie Eser geführten Weinguts Johannishof den Zuschlag bei 40 Euro – nach einem Taxpreis von 20 Euro.

Rieslingweine erleben derzeit mehr als eine Renaissance. Die Zeiten, als die Gewächse hiesiger Provenienz häufig als pappig und süß verspottet wurden, sind längst vorbei. "Der Riesling knüpft an alte Zeiten an, als er zum Quartett der größten Weine gehörte und von Monarchenhäusern geschätzt wurde", bringt es Wilhelm Weil, Wilhelm WeilGutsdirektor und Mitinhaber des Weinguts Robert Weil in Kiedrich im Rheingau, auf den Punkt. Das Renommierweingut wurde 1875 von Robert Weil gegründet und befindet sich heute in vierter Familiengeneration. 85 Hektar Weinberge haben Wilhelm Weil und sein Team bestockt, 99 Prozent davon entfallen auf Riesling, auf dem winzigen Rest Anteil wächst Spätburgunder. Insgesamt reicht das für 620 000 Flaschen der begehrten Tropfen, die auch bei manchen Staatsempfängen gereicht werden.

Wilhelm Weil, der auch dem Verband der Prädikatsweingüter VDP im Rheingau vorsitzt, hat eine ehrgeizige Vision: den Riesling wieder an die Weltspitze führen. Und er scheint auf dem besten Weg dahin. Als "Erotik in Flaschen, die süchtig macht" charakterisiert das Sylter Kultrestaurant "Sansibar" die vielfach preisgekrönten Kreationen des Ausnahmewinzers. "Die edelsüßen Spezialitäten des Hauses sind weltweit unter den allerbesten zu finden – wenn sie nicht gar das Maß aller Dinge sind." Zu den besten Jahrgängen der jüngeren Weingeschichte zählen für den Ausnahmewinzer vor allem 2003 und 2009. "Ersterer war für edelsüße Qualitäten einmalig – ein kleines Weltwunder." Überhaupt habe sich durch die globale Erwärmung eine "Qualitätskonstanz eingestellt, von der unsere Vorfahren nur träumen konnten." Niemals zuvor war es in 23 aufeinanderfolgenden Jahren möglich, alle Qualitätsstufen vom Kabinett über die Spätlese bis zur Trockenbeerenauslese zu ernten. Zum Vergleich: In den 100 Jahren zuvor gab es allenfalls sieben dieser Ausnahmejahrgänge.

Hoffen, Bangen und schlaflose Nächte

Im vergangenen Jahr lagen Licht und Schatten für die Rheingau-Winzer besonders nah beieinander. Wer keine Nerven aus Stahl hatte, durchwachte manch schlaflose Nacht. Unerwartet kühle Temperaturen während der Rebblüte ließen die Hoffnungen auf eine hochwertige Ernte schon früh auf ein gefühltes Nichts zusammenschmelzen. Obwohl der Frühling so trocken und sonnig war wie seit über 120 Jahren nicht mehr, sorgten kalte Mainächte für Frostschäden. Ende Mai kam der erste Regen, der bis zum August das Wetter dominierte.

"Ende Juli verzeichneten wir den frühesten Reifebeginn aller Zeiten", sagt Christian Ress, der das Rheingauer Top-Weingut Balthasar Ress in fünfter Generation leitet. Der VDP-Adler ziert die Kapsel seiner Weine seit mehr als 20 Jahren. Mit gutem Grund: Der WeinbörseRess-Riesling aus der Lage "Hattenheimer Schützenhaus" schimmert hell mit goldenen Reflexen im Glas. Elegant und doch überaus substanzstark überrascht er mit seiner rassigen Säure. Christian Ress, 38, ist nicht nur wegen seines Sylt-Rieslings "55° Nord", den er seit ein paar Jahren im nördlichsten Weinberg Deutschlands auf der Promi-Insel erzeugt, weit über die Region hinaus bekannt.

Auch der ambitionierte und vielfach prämierte Nachwuchswinzer hat im vergangenen Jahr kräftig mitgezittert. Schon Anfang August, drei Wochen früher als üblich, waren die ersten Trauben dick und saftig. Aber die Freude währte nur kurz: Die feucht-warme Witterung machte den Rheingau-Winzern einmal mehr das Leben schwer, das Gespenst der Fäulnis ging um. Der Wettergott hatte schließlich doch noch ein Einsehen: Mitte September – man könnte sagen: fünf vor Zwölf – setzte ein traumhafter Altweibersommer ein, der bis Ende Oktober, ganz ohne Niederschläge, den Jahrgang 2011 rettete. "Die verbliebenen Fäulnisnester trockneten ein und wir waren in der Lage, bis weit in den Oktober hinein ganz fantastische Qualitäten zu ernten", blickt Christian Ress zurück.

Abgerechnet wird zum Schluss

Einmal mehr zeigte sich, dass die Qualität eines Jahrgangs in den letzten Wochen vor der Ernte und auch währenddessen entschieden wird. Und siehe da: An den Rebstöcken hingen außergewöhnlich gut ausgereifte Trauben. "Neben grandiosen Analyseparametern haben die Trauben vom ersten Tag der Ernte perfekt geschmeckt", erinnert sich Wilhelm Weil, der sich besonders über einen Rekord freut: Aus dem Kiedrich GräfenbergGräfenberg holten seine Helfer Trauben mit 310 Grad Oechlse. Der Trinkspaß der frisch eingetroffenen Proben ist groß – genau wie man es von einem Rheingau-Riesling aus dem Hause Robert Weil erwartet. Die Lagenweine aus dem Turmberg und Klosterberg haben es in sich. Sie sind exquisit ausbalanciert, haben eine feine Säure und eine wunderbare Nase von Pfirsich, Aprikosen, Grapefruit. Sie bestechen mit ihrer Mineralität und Dichte.

Es zeichnet sich schon jetzt ab: Auch der 2011er Jahrgang wird der bewundernswerten Harmonie aus Eleganz und nachdrücklicher Persönlichkeit der früheren Top-Jahrgänge in nichts nachstehen. Wilhelm Weil ist sich sicher: Dank der außergewöhnlichen Qualität dürften die 620 000 Flaschen noch schneller als üblich ausverkauft sein werden. "Der Jahrgang 2011 stellt neben dem Jahrgang 2009 die qualitative Spitze meiner nun mehr 25jährigen Berufslaufbahn dar", frohlockt der studierte Önologe. Mehr noch: Der 2011er könnte sich in die Reihe der ganz großen "Elfer"-Jahrgänge 1811 und 1911 einreihen, meint Weil. "Zumindest wird man von dem Jahrgang auch noch in der Enkelgeneration sprechen."

Weitere Informationen zu den vorgestellten Weingütern finden Sie unter www.weingut-robert-weil.com und www.balthasar-ress.de.

Fotos: ceu, Weingut Balthasar Ress, Weingut Robert Weil

 

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